Neues aus dem Norden

 

Die Arktis rückt immer wieder in den Mittelpunkt internationaler Aufmerksamkeit. Diese Seite soll auf wichtige und interessante Neuigkeiten und Entwicklungen in Spitzbergen aufmerksam machen. Das Wichtigste wird in wenigen Worten zusammengefasst, Links verweisen darüber hinaus auf detailliertere Quellen. Aktualisierungen sind jeweils im Abstand von ein paar Wochen geplant. Es lohnt sich also, gelegentlich wieder reinzuschauen.

Zusammenstellung und Copyright aller Abbildungen (soweit nicht anders angegeben): Rolf Stange.

November 2009 (CO2-Lagerung im Adventdalen, Einfuhr fremder Pflanzenarten an Schuhen, Schneehühner, Barentsburg, Fernsehtip)

Oktober 2009 (Historische Orte gesperrt/Schwerölverbot, Grube 3 soll Museum werden)

September 2009 (Goldrausch im St. Jonsfjord, Katastrophenbereitschaft)

August 2009 (Schiffsunglück bei Bjørnøya, Betretungsverbot für Karsthöhlen, Arktis 2030 eisfrei, CO2-Lagerung im Adventdalen)

Juli 2009 (Grönlandwal bei Verlegenhuken, Klimaändernung, Russisches Schiff bei Bjørnøya)

Juni 2009 (Urteile wegen Havarie bei Bjørnøya, Rettungsaktionen, Zugangsbeschränkungen für Naturreservate)

Mai 2009 (Kohlebergbau in der Arktis auf dem Weg in die Zukunft, Russen verurteilt für illegale Helikopterflüge, neue Spitzbergen-Zeitung, Erstes Ölfeld in Barents-See, Russisches Schiff bei Bjørnøya auf Grund, Eiskappen im Nordosten derzeit stabil, Russisches Schiff bei Bjørnøya auf Grund II)

April 2009 (Lawinengefahr, neue Ausstellung, Svalbard-Strategiepapier der Regierung, Politische Prominenz in Ny Ålesund)

März 2009 (Blinde Passagiere im Ballastwasser, Sonnenfestwoche)

Februar 2009 (Neue Regelungen im Osten Svalbards, Waffenausleihe)

Januar 2009 (Ruhiges und kaltes Jahresende, Eisbären mögen Rentiere, SvalSat-Satellitenstation bei Longyearbyen, Umweltgifte)

 

Archiv: Nachrichten von 2008

November 2009

Fernsehtip

Welt der Tiere: "81 Grad Nord - auf den Spuren der Eisbären", 03. Januar 2010 um 16.00 Uhr im Bayerischen Fernsehen. Der Film ist auf der Reise 28. August - 07. September 2009 an Bord der Origo (mit Norbert Rosing und Rolf Stange) entstanden.
Holmiabukta Spielende Eisbären, gesehen und gefilmt im Nordwesten Spitzbergens am 06. September

Harte Zeiten in Barentsburg

Die derzeit etwa 400 Einwohner der russischen Bergbausiedlung Barentsburg müssen unter schwierigen Bedingungen arbeiten und leben. Nach einem Grubenbrand im Frühjahr 2008, bei dem 2 Menschen ums Leben kamen, wurde der Bergbau zunächst eingestellt; derzeit wird Kohle für den Eigenbedarf (Kraftwerk) abgebaut, aber eine Produktion auf einem - im globalen Vergleich immer noch sehr niedrigen - Niveau von 120.000 Tonnen/Jahr ist nicht vor Sommer 2010 zu erwarten. Ein Bergarbeiter hat sich mittlerweile wegen schlechter Bedingungen über die Presse an norwegische Behörden gewandt: Grund zur Klage waren Unterversorgung mit Arbeitskräften und Material sowie, daraus resultierend, regelmäßige Gefahrensituationen, sowie Löhne in der Größenordnung von 1 Dollar pro Stunde.
Die Führung der Bergbaugesellschaft in Barentsburg zeigte sich zunächst verständnislos den Vorwürfen gegenüber.
Im November 2009 hat die Bergbaugesellschaft Trust Arktikugol ein Gerichtsverfahren verloren, in dem es um Vorwürfe illegaler Hubschrauberflüge zu kommerziellen Zwecken ging, die nicht im Verbindung mit Bergbau standen. Nach Auffassung norwegischer Behörden dürfen russische Helikopter nur im unmittelbaren Zusammenhang mit den Aktivitäten der Bergbausgesellschaft fliegen und nicht etwa, um Touristen oder Forscher zu transportieren. Die Russen sehen darin einen Bruch des Gleichbehandlungsprinzips, das der Spitzbergenvertrag vorschreibt.
Barentsburg Bergbau in Barentsburg: Derzeit unter schwierigen Bedingungen.
Quelle: Svalbardposten (46/2009)

Wintergründe von Schneehühnern

Das Alpenschneehuhn ist der einzige Vogel, der Spitzbergen auch im Winter nicht verlässt. Nun haben Wissenschaftler des Norwegischen Polarinstituts einige Schneehühner mit Sendern ausgestattet, um herauszufinden, wo diese die Polarnacht verbringen. Erwartungsgemäß bleiben sie bislang in der Region und legen auf der Suche nach Nahrung kleinere und mittlere Entfernung zurück. Eine Karte mit den Ergebnissen kann man hier sehen.
Alpenschneehuhn Alpenschneehühner in Spitzbergen
Quelle: Norwegisches Polarinstitut

Gefahr durch fremde Pflanzenarten an Stiefelsohlen

Eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten können ökologische Katastrophen verursachen. Ein bekanntes Beispiel sind die Kaninchen in Australien. Auch in der Antarktis wurden schon Pflanzensamen und Sporen nachgewiesen, die an den Stiefelsohlen einreisender Forscher und Touristen ihren Weg ans Ende der Welt gefunden hatten. Ähnliche Untersuchen in Longyearbyen haben erwartungsgemäß das Ergebnis erbracht, dass auch dort ein reelles Risiko der Einfuhr neuer Pflanzen besteht, die bestehende ökologische Gleichgewichte verändern und angestammte Pflanzenarten verdrängen könnten. An den Stiefeln von 260 Reisenden, die am Flugplatz in Longyearbyen ankamen, befanden sich etwa 500 Moosfragmente und 1000 Samen von 52 Pflanzenarten, vor allem Birken.
Als besonders riskant gelten Aktivreisende, die vielerorts in der Welt in Hochgebirgen und Polargebieten im Gelände sind und recht häufig klimatisch vergleichbare Gebiete besuchen, ohne ihr Schuhwerk und andere möglicherweise kontaminierte Bekleidungs- und Ausrüstungsstücke zwischendurch sorgfältig zu reinigen.
Gummistiefel Kein harmloser Gummistiefel, sondern Trojanisches Pferd für blinde Mikropassagiere
Quelle: UNIS

CO2-Lagerung im Adventdalen

Um mittelfristig "CO2-frei betreiben zu können, soll Kohlendioxid aus dem Kohlekraftwerk von Longyearbyen abgeschieden und in porösen Sandsteinschichten gelagert werden. Nachdem drei Erkundungsbohrungen wegen technischer Probleme abgebrochen werden mussten, hat die vierte Bohrung am alten Flugplatz im Adventdalen nun eine Tiefe von 870 Meter erreicht. Weniger als die geplanten 1000 Meter, aber ausreichend, um potentiell geeignete Sandsteinschichten zu finden. Tests müssen nun zeigen, ob die Schichten tatsächlich zur langfristigen Speicherung großer Kohlendioxidmengen geeignet sind. Die hinter dem Projekt stehenden Forschungsinstitutionen (v.a. UNIS) wollen Longyearbyen als Modellfall für die Entwicklung von CCS-Techniken betreiben, die auch andernorts eingesetzt werden könnten (CCS = carbon capture and storage = Einfangen und unterirdische Lagerung von klimaschädlichen CO2-Emissionen).

Dieses Mal erfolgreich: Bohrung bei der alten Nordlichtstation im Adventdalen

Quelle: Unis

 

Oktober 2009

Beginn der Dunkelzeit

Seit etwa 24. Oktober lässt sich die Sonne im Isfjord, in der Mitte Spitzbergens, nicht mehr über dem Horizont blicken. Für einige Wochen wird es tagsüber noch für einige Stunden dämmrig, bis die Polarnacht im engeren Sinne beginnt. Ende Februar steigt die Sonne wieder über den Horizont.
Mond über dem Nansenbreen Mondschein in der Borebukta auf der Nordseite des Isfjord im Oktober.
Quelle: braucht man für diese Information nicht. Ist halt so.


Grube 3 soll Museum werden

Bis 2008 waren die Gruben 3 und 7 bei Longyearbyen teilweise im Rahmen von Führungen für Touristen zugänglich, bis die Bergbaugesellschaft beschloss, den Besucherverkehr aus Sicherheitsgründen zunächst zu stoppen. Nun soll die Grube 3 (oberhalb des Flughafens) als Museumsgrube ausgebaut werden.
Der Wunsch nach einem zugänglich Bergwerk wurde von verschiedenen Seiten geäußert, da der Bergbau als wichtiges historisches Element auf Spitzbergen für Interessierte erlebbar sein und darüber hinaus auch ein ganzjährig praktikables touristisches Angebot verfügbar sein soll.
Alter Probebstollen auf der Bohemanflya Alter Probestollen auf der Bohemanflya.
Derzeit gibt es keine öffentlich zugänglichen Gruben auf Spitzbergen.
Quelle: Svalbardposten

Neue Vorschriften: Acht historische Orte gesperrt, Schwerölverbot in Nationalparks

Nach längerer, kontroverser Diskussion ist es seit Ende September amtlich: Acht historisch bedeutende Orte innerhalb der Inselgruppe Spitzbergen werden ab 01. Januar 2010 für vollständig für Besucher gesperrt. Im Einzelnen handelt es sich dabei um:
  • Ebeltofthamna (Krossfjord): Die Reste der Walfangstation auf der Südseite der Lagune.
  • Likneset (Smeerenburgfjord): Spitzbergens größter Friedhof aus der Walfängerzeit.
  • Ytre Norskøya: Das Gräberfeld sowie die Reste der Tranöfen an der Südküst mitsamt einer Sicherheitszone. Der Rest der Insel, also der Berg Utiken, bleiben zugänglich.
  • Haudegen (Rijpfjord, Nordaustland): Das Gebäude der Kriegswetterstation sowie eine darum befindliche Sicherheitszone dürfen nicht betreten werden.
  • Habenichtbukta (Edgeøya): Die Walfang-/Pomorenstation.
  • Zieglerøya, Delitschøya, Spekkholmen (bei Edgeøya): Diese kleinen Inseln mit ihren vielen historischen Relikten aus der Walfängerzeit dürfen künftig überhaupt nicht mehr betreten werden.
  • Halvmåneøya (bei Edgeøya): Zugänglich ist nur noch die unmittelbare Umgebung der Trapperstation Bjørneborg. Für den Rest der Insel gilt "betreten verboten".
  • Midterhukhamna (Bellsund): Die kleine Hütte (Baujahr 1898) sowie die unmittelbar benachbarten Überreste der Walfangstation aus dem 17. Jahrhundert sind unzugänglich.

Details wie Karten mit den genauen Abgrenzungen der Verbotszonen sind beim Sysselmannen erhältlich.

Ebenfalls wurde ein Verbot beschlossen, das Schweröl als Treibstoff für Schiffe aus den drei größten Nationalparks verbannt. Schweröl ist ein üblicher Treibstoff für große Schiffe, birgt im Fall einer Havarie aber ein großes Risiko für die Umwelt.
Ausnahmen gibt es befristet (bis 01. Januar 2015) für die kürzesten sicheren Routen nach Sveagruva, Ny Ålesund und in den Magdalenefjord.
Ein entsprechendes Verbot gilt bereits seit 2007 in den Naturreservaten im Osten der Inselgruppe. Somit ist der größte Teil der Spitzbergen-Inselgruppe für große Schiffe de facto unzugänglich. Diese Regelung wird von Umweltschützern und umweltschutzinteressierten Gruppen einhellig begrüßt.
Walfaengergrab bei Likneset Touristen betrachten respektvoll ein Walfängergrab aus dem 17. Jahrhundert am Likneset im Smeerenburgfjord. Dort befindet sich das größte Gräberfeld Spitzbergens. Ab 01. Januar 2010 wird es nicht mehr zugänglich sein.
Quelle: Sysselmannen

September 2009

 

Zu geringe Bereitschaft für Katastrophenfälle

 

Anlässlich seines baldigen, turnusgemäßen Abtretens hat Sysselmannen Per Sefland die zuständigen norwegischen Regierungsbehörden an zu geringe Bereitschaftskapazitäten im Falle größerer Unglücke erinnert. Primär droht durch größere Schiffsunglücke Gefahr, konkret durch Austreten von Schweröl oder durch Verlust an Menschenleben. Konkret geht es im Wesentlichen um Kohlefrachter und größere Kreuzfahrtschiffe, die mitunter bis zu über 2000 Passagiere sowie mehr als 1000 Besatzungsmitglieder an Bord haben. Im Falle eines Unglücks mit einem solchen Schiff wären die Seerettungs- und Ölschutzkapazitäten um Größenordnungen zu gering. 27 von 29 großen Kreuzfahrtschiffen, die Spitzbergen dieses Jahr besucht haben, verwenden Schweröl.

Bislang ist Schweröl in den Naturreservaten im Osten der Inselgruppe verboten, ein entsprechendes Verbot für die Nationalparks an der Westküste wird diskutiert. Angesichts der Ölkatastrophe durch die "Full City" an der norwegischen Küste schlägt Sefland darüber hinaus ein flächendeckendes Verbot für Schweröl in ganz Svalbard vor.

Potentiell ausgenommen werden könnten die gut vermessenen Fahrtrouten zu den Siedlungen sowie in den Magdalenefjord.

Die Costa Magica mit 3400 Passagieren am 03. August 2009 in Longyearbyen ist bislang das größte Kreuzfahrtschiff, das Spitzbergen besucht hat. Ziele großer Kreuzfahrtschiffe sind üblicherweise Longyearbyen, Ny Ålesund und der Magdalenefjord.

Quelle: Svalbardposten

 

 

Goldrausch im St. Jonsfjord

 

Hinweise auf mögliche Goldvorkommen im St. Jonsfjord, an der Westküste Spitzbergens nördlich des Isfjord, gibt es bereits seit den 1980er Jahren. Im August hat die SNSK (Store Norske Spitsbergen Kullkompani, Betreiber aller norwegischen Bergbauanlagen auf Spitzbergen) zwei Wochen lang Untersuchungen durchgeführt; vorläufige Ergebnisse sollen zumindest weitere, genauere Untersuchungen rechtfertigen.

Der St. Jonsfjord ist nicht Teil eines Nationalparks oder Naturreservates, so dass Bergbau in diesem Gebiet nicht ausgeschlossen ist.

Der St. Jonsfjord an der Westküste Spitzbergens.

Quelle: Svalbardposten

 

August 2009

 

CO2-Lagerung im Adventdalen

 

Die Idee, Spitzbergen mittelfristig "CO2-frei" zu betreiben, indem Kohlendioxid aus dem Kohlekraftwerk von Longyearbyen abgeschieden und in porösen Sandsteinschichten gelagert wird, hat bereits mehrfache Rückschläge erhalten, wird aber weiter vorangetrieben. Nachdem mehrere Erkundungsbohrungen wegen technischer Probleme abgebrochen werden mussten, soll jetzt ein vierter Versuch gestartet werden, um  in einer Tiefe von einigen hundert Metern im Adventdalen, östlich von Longyearbyen, zur Lagerung von CO2 geeignete Gesteinsschichten zu finden.

Bei der alten Nordlichtstation im Adventdalen soll nun wieder gebohrt werden.

Quelle: Svalbardposten

 

 

Arktischer Ozean möglicherweise schon 2030 saisonal eisfrei

 

Seit etwa 15 Millionen Jahren gibt es auf dem arktischen Ozean das ganze Jahr über eine Eisdecke. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass um das Jahr 2030 herum das erdgeschichtlich junge Ökosystem des mehrjährigen Packeises verloren gegangen sein kann: Es steht zu erwarten, dass der arktische Ozean dann im Sommer komplett eisfrei wird, so dass sich nur noch in der kalten Jahreszeit eine saisonale Eisdecke bilden kann.

Am arktischen Eis nagt der Zahn des Klimawandels

Quelle: Nalân Koç, norwegisches Polarinstitut

 

 

Betretungsverbot für Karsthöhlen

 

Karsthöhlen bilden sich durch Wasser in löslichen Gesteinen wie Kalk, bekannt sind sie als Tropfsteinhöhlen. Das DN (norwegisches Direktorat für Naturverwaltung), bekannt für allerlei erstaunliche Regulierungswutanfälle, hat vorgeschlagen, das Betreten von Karsthöhlen auf Spitzbergen zu verbieten. Dass bislang auf Spitzbergen gar keine Karsthöhlen bekannt sind, stört dabei nicht weiter. Aber wenn man eine fände, dann wäre sie so interessant und wertvoll, dass man gut von vornherein allen verbieten kann, hineinzugehen.

Alte Grube für Marmor, ein kristallines Karbonatgestein, im Kongsfjord. 

Könnte ja auch eine Höhle sein, wer weiß das schon so genau?

Quelle: Svalbardposten

 

 

Schiffsunglück bei Bjørnøya IV

 

Das am 11. Mai bei der Bjørnøya auf Grund gelaufene russischen Kühlschiff Petrozavodsk stellt seit dem 05. August keine nennenswerte Umweltgefahr mehr dar: sämtliche Ölderivate (Diesel, Schmieröl), insgesamt 36.000 Liter, sind mittlerweile abgepumpt worden. Kleinere, zuvor ausgetretene Mengen haben nach Ansicht von Feldbiologen keinen Schaden angerichtet.

Hurra!

Was künftig mit dem Wrack passiert, ist noch ungeklärt. 

Abpumparbeiten am Wrack der Petrozavodsk. Foto © Kystverket

Quelle: Kystverket

 

 

Juli 2009

 

Russisches Schiff Petrozavodsk bei Bjørnøya auf Grund gelaufen

 

Das russische Kühlschiff, das am 11. Mai nahe der Südspitze der Bjørnøya auf Grund lief, ist nach wie vor an der gleichen Position. Bislang konnten nur kleinere Mengen gefährlicher Substanzen wie Öl, Diesel und Farben geborgen werden; der größte Teil des Dieselöls ist nach wie vor an Bord. Kleinere Mengen sind bereits ausgetreten und einzelne Vögel sind mit Diesel im Gefieder beobachtet worden. Norwegische Behörden haben angekündigt, alles daran zu setzen, dass sämtliches Dieselöl vor dem "Lummensprung" entfernt wird: Derzeit wachsen zehntausende junger Dickschnabellummen auf den unmittelbar benachbarten, senkrechen Brutfelsen heran. Diese werden sich gegen Ende August, noch flugunfähig, ins Wasser fallen lassen. Eine Ölpest würde zu dieser Zeit zu einer Umweltkatastrophe führen. Bislang haben schlechtes Wetter und schwere See die Bergungsarbeiten erschwert.

Vogelfelsen am Südende der Bjørnøya. Das gestrandete Schiff liegt um die Ecke.

Quelle: Svalbardposten

 

 

Nahrungsgrundlage bedroht durch Klimaänderung 

 

Erste Ergebnisse des Forschungsprojektes "Arctic Tipping Points" (ATP) deuten darauf hin, dass hocharktische Planktonarten wie Calanus glacialis ihre angestammten Lebensräume verlassen und in Richtung kälterer Gewässer ausweichen. Das kann künftig u.a. die Nahrungsgrundlage des Krabbentauchers bedrohen, der mit etlichen Hunderttausend Brutpaaren der zahlreichste Vogel Spitzbergens ist. Änderungen der marinen Nahrungsgrundlage werden in jedem Fall weitreichende Folgen für arktische Ökosysteme haben.

Arktisches Plankton an der Nordküste Spitzbergens

Krabbentaucher im Nordwesten Spitzbergens

Quelle: Svalbard Science Forum

 

 

Grönlandwal bei Verlegenhuken

 

Bis ins 17. Jahrhundert waren Grönlandwale im Nordatlantik äußerst zahlreich, durch intensiven Walfang wurden sie aber seitdem an den Rand der Ausrottung gebracht. Vor wenigen Jahren wurde in Spitzbergens Gewässern erstmalig seit Jahrzehnten ein Grönlandwal gesichtet. 2006 und 2007 folgten je eine weitere Beobachtung, gefolgt am 05. Juli 2009 von einer schönen Beobachtung eines einzelnen Grönlandwals vor Verlegenhuken, der Nordspitze der Hauptinsel Spitzbergen. Lehrbuchmäßig tauchte der Wal etwa 15 Minuten zwecks Verzehr größerer Mengen von Meeresfrüchten, um anschließend für 4-6 Atemzüge aufzutauchen.

Seltene Sichtung: Grönlandwal vor Verlegenhuken, 05. Juli 2009

Quelle: Eigene Beobachtung

 

 

Juni 2009

 

Zugangsverbote für Naturreservate

 

Über die Diskussion über mögliche, weitgehende Zugangsverbote wurde auf diesen Seiten bereits mehrfach berichtet (siehe etwa Archiv Dezember 2008). Nachdem eine erste Anhörungsfrist gegen Ende 2008 auslief, gab der Sysselmannen gegenüber den sehr starken Einschränkungen, wie sie vom DN (norwegisches Direktorat für Naturverwaltung) vorgeschlagen wurden, ein negatives Votum ab. Frei nach dem Motto "es wird abgestimmt, bis das Ergebnis stimmt" legt das DN nun den Vorschlag in unveränderter Form erneut vor. Hörungsfrist ist bis 01. September: Bis dahin können Meinungen beim Sysselmannen eingereicht werden (Kontakt Sysselmannen). Im September wird ein neuer Sysselmannen sein Amt antreten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

Dem DN-Vorschlag zufolge werden Landungen im Osten der Inselgruppe verboten, mit Ausnahme von 16 speziellen Orten. Bislang sind Orte für Landungen frei wählbar (mit Ausnahme von Kong Karls Land, das schon lange komplett geschützt ist). Während einer Konferenz, die von AECO organisiert wurde und im Oktober 2008 in Longyearbyen stattfand, hatten norwegische Polarforscher ausdrücklich keine Bedenken hinsichtlich der grundsätzlichen Zugänglichkeit der Naturreservate für die Öffentlichkeit, wobei die Notwendigkeit für Regelung im Detail, etwa ortsspezifische Verhaltensregeln oder potentiell Schließung einzelner, empfindlicher Lokalitäten, festgestellt wurde.

Für die rot markierten Gebiete gilt künftig möglicherweise "Betreten verboten"

(hier klicken für eine größere Version dieser Karte)

Quelle: Svalbardposten

 

 

Rettungsaktionen des Sysselmannen können teuer werden...

 

...oder besser gesagt: Sie sind IMMER teuer, die Frage ist nur, wer zahlt. 2009 hat es bereits 52 Rettungsaktionen mit Hubschraubereinsatz gewesen, darunter kürzlich ein aufsehenerregender Langstreckenflug nach Nordgrönland, wo ein kranker Däne abgeholt wurde. Wiederholt wurden in Spitzbergen Personen während Motorschlitten- und Skitouren wegen einsetzender Frostschäden oder anhaltend schlechten Wetters abgeholt.

Die Häufigkeit derartiger Aktionen ist deutlich angestiegen (2008: insgesamt 72, 2007: 60). Ursachen hierfür sieht der Sysselmannen u.a. darin, dass die Bereitschaft steigt, frühzeitig zum Satellitentelefon oder Notpeilsender zu greifen. Auch scheinen die Gefahreneinschätzung und Ausrüstung nicht immer den hocharktischen Realitäten angemessen zu sein.

Künftig will der Sysselmann in solchen Fällen die Betroffenen bzw. deren Versicherung verstärkt zur Kasse bitten.

Ein teurer Spaß: Der Helikopter des Sysselmannen

(hier bei einer Übung)

Quelle: Svalbardposten

 

 

Schiffsunglück bei Bjørnøya: Urteile

 

Kapitän und Steuermann des am 11. Mai bei der Bjørnøya auf Grund gelaufenen russischen Kühlschiffes Petrozavodsk sind vom "Nord-norwegischen Tinggericht" zu 15 bzw. 40 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Ihnen wird Trunkenheit im Dienst vorgeworfen, dem Steuermann zusätzlich das Verursachen der Havarie sowie Navigation innerhalb eines gesperrten Schutzgebietes. Da beide bereits 15 Tage in Untersuchungshaft verbracht hatten, wurde der Kapitän mit dem ersten Flugzeug heimgeschickt, der Steuermann hat noch ein paar Wochen hinter norwegischen Schwedischen Gardinen vor sich.

Das Wrack der Petrozavodsk. Foto © Kystverket

Quelle: Sysselmannen

 

 

Mai 2009

 

Schiffsunglück bei Bjørnøya

 

Der Kapitän des am 11. Mai bei der Bjørnøya auf Grund gelaufenen russischen Kühlschiffes Petrozavodsk hatte zur Zeit des Unglückes mindestens 1,7 Promille Alkohol im Blut, der Steuermann, der zur Unglückszeit das Ruder führte und dabei eingeschlafen war, mindestens 0,3 Promille. Das haben Untersuchungen im Rahmen der polizeilichen Nachforschungen ergeben. Beide sind in Norwegen in Haft und warten auf ihren Prozess.

Zunächst war Diesel ausgetreten, seit dem 12. Mai wurden jedoch keine Verunreinigungen beim Wrack oder sonstwo bei der Insel festgestellt. Mehrere tote Vögel wurden aufgefunden, diese waren jedoch nicht von Diesel oder Öl verunreinigt und sind möglicherweise an natürlichen Ursachen gestorben, Ergebnisse hierzu liegen noch nicht vor. In unmittelbarer Nähe brüten über 100.000 Lummen. Es sieht derzeit danach aus, als habe reines Glück eine große Umweltkatastrophe verhindert, aber für endgültige Entwarnung ist es noch zu früh: An Bord kann sich noch Öl befinden.

Der Sysselmannen hat ein Verbot erlassen, sich dem Wrack auf weniger als 250 Meter zu nähern. Schiffe, die länger als 40 Fuß (12,2 Meter) sind, dürfen die 1-Meilen-Schutzzone um die Vogelfelsen am Südende der Insel ohnehin nicht befahren.

Kaum zu glauben, oder? Das Wrack der Petrozavodsk. Foto © Kystverket

Quelle: Kystverket, Sysselmannen, Svalbardposten

 

 

Austfonna und Vestfonna von Klimaänderung wenig beeinflusst

 

Die Eiskappen Vestfonna und Austfonna/Vegafonna bedecken mit 2450 beziehungsweise 8450 km2 den größten Teil des Nordaustland, der zweitgrößten Insel im Nordosten Svalbards. Beide Eiskappen wurden in jüngerer Vergangenheit, während des kürzlich zu Ende gegangenen internationalen Polarjahres, intensiv von Glaziologen untersucht. Eines der vorläufigen Ergebnisse lautet, dass beide Eiskappen derzeit anscheinend stabil und von der Klimaänderung nicht beeinflusst zu sein scheinen.

Kleinere Gletscher Spitzbergens hingegen sind in den letzten Jahrzehnten deutlich geschrumpft; ein Trend, der sich derzeit zu beschleunigen scheint.

Die Abbruchkante der Eiskappe Austfonna an der Südküste des Nordaustland.

Quelle: Svalbardposten

 

 

Russisches Schiff bei Bjørnøya auf Grund

 

Das russische Kühlschiff Petrozavodsk ist am 11. Mai an der Südspitze der Bäreninsel (Bjørnøya) auf Grund gelaufen. Das Meer im Umkreis einer Seemeile von der Südküste der Insel darf vom 01. April bis 01. August nicht mit Schiffen über 40 Fuß (12,2 m) befahren werden, da sich auf den Küstenklippen einige der größten Seevogelkolonien des Nordatlantiks befinden; die Zahl brütender Dickschnabel- und Trottellumen geht in die Hunderttausende, und der Beginn der Brutsaison steht derzeit unmittelbar bevor. Die Petrozavodsk liegt direkt unterhalb der steinschlaggefährderten Klippen, was eine Bergung schwierig oder eventuell sogar unmöglich macht. Das Schiff, das im Zusammenhang mit der russischen Fischereiflotte in der Region war, ist beschädigt und verliert anscheinend Öl unbekannten Typs, vermutlich Schweröl, von dem etwa 53 Tonnen an Bord sein sollen.

Kapitän und erster Offizier wurden in Longyearbyen vom Sysselmannen vernommen und werden in Norwegen vor Gericht gestellt. Beide hatten Alkohol im Blut. Zur Zeit des Unglücks war der erste Offizier auf Wache, er scheint zur fraglichen Zeit geschlafen zu haben (wirklich!). 

Die Südspitze der Bjørnøya. 

Um die Ecke liegt derzeit ein russisches Wrack und verliert Öl.

Quelle: Sysselmannen

 

 

Erstes Ölfeld in Barents-See

 

Die norwegische Regierung hat Anfang Mai die Genehmigung zur Ausbeutung von geschätzten 174 Millionen Fass Öl im Feld "Goliat" in der Barentssee, nördlich von Hammerfest, erteilt. Goliat soll 2013 unter strengen Umweltschutzbedingungen in Betrieb gehen und wird dann das erste norwegische Ölfeld in der arktischen Barents-See sein; das bereits betriebene Feld "Snøhvit" ist ein reines Gasfeld.

Fossile Brennstoffe: nach norwegischer Vorstellung eine arktische Zukunftstechnologie

(hier, zugegebenermaßen etwas polemisch, das Kohlekraftwerk in Barentsburg)

Quelle: Norwegische Regierung Pressemitteilung

 

Neue Spitzbergen-Zeitung

 

Oft wurde gesagt, dass die Lokalpostille "Svalbardposten" Konkurrenz braucht, jetzt hat es endlich einer gemacht: Der amerikanische Journalist Mark Sabbatini, derzeit in Longyearbyen ansässig, veröffentlicht "Icepeople - The world's northernmost alternative newspaper", im Internet (hier). Viel Erfolg!

Logo der Eismenschen-Zeitung (© icepeople)
Quelle: Icepeople

 

Russen verurteilt für illegale Helikopterflüge

 

Auf den norwegisch-russischen Rechtstreit über möglicherweise illegale Hubschraubereinsätze wurde auf dieser Seite bereits hingeweisen (siehe hier). Im April fällte das Gericht ("Nord-Norsk Tingrett") sein Urteil: 50 000 norwegische Kronen Strafe. Die russische Seite sieht eine Verletzung des Artikels 3 des Spitzbergenvertrages, der Gleichbehandlung ungeachtet der Nationalität fordert, und wird möglicherweise in Berufung gehen.

Norwegische Gesetze gelten auch in und für Barentsburg.
Quelle: Svalbardposten (16/2009)

 

 

Kohlebergbau in der Arktis auf dem Weg in die Zukunft

 

Bjørn Arnestad, Direktor der norwegischen Bergbaugesellschaft "Store Norske Spitsbergen Kullkompani" (SNSK), hat sich zur Zukunft seiner Firma und zum kürzlich Svalbard-Strategiepapier der Regierung (s.u.) geäußert. Abbaubare Kohlereserven - teilweise noch nicht erschlossen - gibt es bis 2023, darüber hinaus ist der Fahrplan für die SNSK noch unklar. Schifffahrt über den dann wahrscheinlich eisfreien Arktischen Ozean könnte laut Arnestad ein neues Geschäftsfeld werden. Zum Strategiepapier meinte Arnestad, er sei sehr zufrieden mit den Vorstellungen der norwegischen Regierung hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Kohlebergbaus in Spitzbergen und der Text wäre, als hätte die SNSK ihn selbst geschrieben.

Der Gedanke, dass Kohlebergbau und Klimaschutz etwas miteinander zu tun haben könnten, konnte die Entscheidung der Regierung offensichtlich nicht beeinflussen, obwohl höchste Umweltstandards offiziell der Maßstab für sämtliche Aktivitäten sein sollen und Klimaänderung als bei weitem größte Bedrohung für die arktische Umwelt erkannt worden ist.

Dass die SNSK mit dem Gedanken spielt, durch Schifffahrt über ein künftig teilweise eisfreies Polarmeer ökonomisch vom Treibhauseffekt zu profitieren, wirkt in diesem Licht schon zumindest ironisch.

Kohlebergbau: Zukunftsweisende Nutzung der Arktis?

(Grube 7 bei Longyearbyen)

Quelle: Svalbardposten (16/2009)

 

 

April 2009

 

Politische Prominenz in Ny Ålesund

 

In Ny Ålesund gibt prominenter Besuch sich die Klinke in die Hand: am 16. April besuchte EU-Kommissionsvizepräsident Günther Verheugen die kleine Forschersiedlung am Kongsfjord, die Zeit reichte immerhin für eine Besichtung der deutsch-französischen Station und einen Abstecher zum Souvenirladen. Am 29. April folgte Italiens Außenminister Franco Frattini, um den neuen italienischen "Amundsen-Nobile" Klimaforschungsturm zu eröffnen. Im Februar und März hatten bereits zwei norwegische Minister Ny Ålesund besucht (Lars Peder Brekk, Landwirtschaft und Lebensmittel, sowie Helga Pedersen, Fischerei und Küstenangelegenheiten).

Der erste Turm in Ny Ålesund wurde 1926 gebaut, ebenfalls mit wesentlicher italienischer Beteiligung
Quelle: Kingsbay

 

 

Svalbard-Strategiepapier erschienen

 

Etwa alle 10 Jahre veröffentlicht die norwegische Regierung ein neues Strategiepapier, um den Rahmen für die künftige Entwicklung Spitzbergens zu umreißen. Die neue "Stortingsmelding" (Nr. 22, 2008-2009) erschien am 17. April und unterstreicht die Bedeutung von Bergbau und Forschung für die künftige Ausrichtung der lokalen Wirtschaft. Hinsichtlich Tourismus wird der weitere, vorsichtige Ausbau angestrebt, wobei die Priorität auf der Schaffung lokaler, ganzjähriger Arbeitsplätze liegen soll (im unausgesprochenen Gegensatz zu sonstwo angesiedelten) und auf Ausweitung der Saison. Hinsichtlich Schiffstourismus in die Naturreservate im Osten Svalbards wird Wert darauf gelegt, dass Qualität wissenschaftlicher Referenzgebiete nicht beeinträchtigt werden soll.

Wichtiger Wegweiser in die Zukunft Spitzbergens: die "Stortingsmelding nr 22"
Quelle: Norwegische Regierung (hier direkt zum Dokument. 3,2 MB, 121 Seiten, norwegisch)

 

 

Neue Ausstellung im Svalbardmuseum

 

Das Svalbardmuseum in Longyearbyen hat einen neuen Ausstellungsteil eröffnet: Eine Sammlung historischer Annexionsschilder informiert über die gesetzlosen Tage vor Inkrafttreten des Spitzbergen-Vertrages 1925. Damals konnte jeder einfach Land in Besitz nehmen, etwa um Bergbau zu betreiben. Im frühen 20. Jahrhundert sorgte der Ansturm verschiedener, kleiner Bergbaugesellschaften für mitunter chaotische Besitzverhältnisse durch teilweise sich überlappende Ansprüche.

Reste eines Annexionsschildes im Ebbadalen (Billefjord).
Quelle: Svalbardmuseum

 

 
Erhöhte Lawinengefahr

 

Gestiegene Schneefallmengen führen zu einer stark erhöhen Lawinengefahr überall auf geneigtem Gelände in Spitzbergen. Während die Motorschlittensaison derzeit in vollem Gang ist, müssen die Rettungsmannschaften des Sysselmannen regelmäßig ausrücken, um potentielle Lawinenopfer zu bergen. Für eine Person kam im März jegliche Hilfe zu spät: Ein Einwohner Longyearbyens konnte nur noch tot aus den Schneemassen geborgen werden. Bei einer Reihe anderer Vorfälle kamen anderer Scooterfahrer mit dem Schrecken davon, aber es wird zu großer Vorsicht aufgerufen.

Die Lawinengefahr ist deutlich größer, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Ursache hierfür sind gestiegene Schneefallmengen durch veränderte Witterungsmuster.

Schön, aber mit Vorsicht zu genießen: Winter auf Spitzbergen
Quelle: Sysselmannen

März 2009

 

 
Sonnenfestwoche in Longyearbyen

 

Die Sonne ist bereits seit etwa 20. Februar mittags wieder über dem Horizont, aber wegen der Berge lässt sie sich erst am 08. März zum ersten Mal wieder in Longyearbyen blicken. Dieses Ereignis ist Anlass zur traditionellen Sonnenfestwoche in Longyearbyen: Bis zum 14. März gibt es tägliche Veranstaltungen, vom Gottesdienst zu Beginn über diverse Vorträge bis hin zu diversen Konzerten am kommenden Wochenende.

Die ersten und die letzten Sonnenstrahlen des Jahres sind in der Arktis ein Ereignis. 
Quelle: Svalbardposten

 

 

 
Blinde Passagiere im Ballastwasser

 

Die Einführung fremder Tier- oder Pflanzenarten zu abgelegenen Inseln hat schon in vielen Gegenden verheerende ökologische Schäden angerichtet, und gefährliche Einwanderer wie Krabben und Muscheln können sich über das Ballastwasser von Frachtschiffen ausbreiten. Der Sysselmannen schlägt daher vor, dass die Häfen Spitzbergens Reinigungsanlagen bekommen sollen, deren Benutzung obligatorisch ist.

Die größten Mengen Ballastwasser werden im Van Mijenfjord bei der Kohlebergbausiedlung Sveagruva ausgetauscht. Laut Angaben der Reederei tauschen die Schiffe aber auf der gesamten Überfahrt kontinuierlich Ballastwasser mit Seewasser aus, damit das eingeführte Wasser möglichst lokaler Herkunft ist. 

Kohlefrachter im Bellsund. Vielleicht mit blinden Passagieren im Tank?
Quelle: Sysselmannen, Svalbardposten

 

Februar 2009

 

 
Kommerzielle Waffenausleihe untersagt 

 

Wer auf Spitzbergen unterwegs sein will, braucht für den Notfall unbedingt eine eisbärentaugliche Waffe, und diese konnte man sich bislang in Longyearbyen erstaunlich unkompliziert kommerziell leihen. Damit hat es vorerst ein Ende: Der Sysselmannen hat diesen Verleih vorerst mit sofortiger Wirkung untersagt, mit der Begründung, dass die gesetzliche Grundlage nicht gegeben sei, was bislang anscheinend niemandem aufgefallen ist. Man bemüht sich um eine Lösung, die zumindest autorisierten Waffenhändlern den Verleih an Inhabern von Waffenbesitzkarten erlauben würde.

Das Ende des Verleihs würde die Möglichkeiten für Individualtouristen deutlich einschränken.

Ohne Waffe läuft in Spitzbergen unterwegs gar nichts.
Quelle: Sysselmannen

 

 

 
Neue Regelungen im Osten Svalbards 

 

Über den laufenden Prozess, Verkehr im Osten Svalbards (Tourismus, Forschung) zu regeln, wurde auf diesen Seiten schon mehrfach berichtet. Nach Ablauf der öffentlichen Hörungsfrist hat der Sysselmannen nun seine Stellungnahme veröffentlicht, die den weiteren Gesetzgebungsvorgang mit großer Wahrscheinlichkeit wesentlich prägen wird. Entgegen der ursprünglichen Absicht lautet die Empfehlung nicht mehr, (organisierten) Tourismus im Osten auf wenige Stellen zu beschränken und den überwiegenden Teil der Fläche praktisch komplett zu sperren. Grund für diese Änderung ist die "dünne fachliche Begündung" sowie die ggf. zu erwartenden Konflikte. Stattdessen wird die Einrichtung von einem oder zwei größeren Gebieten in Aussicht gestellt, in denen jeglicher Verkehr verboten ist, ähnlich wie dies in Kong Karls Land.

Der ursprüngliche Vorschlag stieß weitgehend auf Unverständnis und wurde von verschiedenen Seiten stark kritisiert. Die endgültige Entscheidung wird von der Regierung in Oslo getroffen.

Tauziehen um den Osten. Der ursprüngliche Vorschlag sah vor, sämtliche Rot markierten Gebiete für die Öffentlichkeit weitgehend zu sprerren; er scheint nun vom Tisch zu sein.(für eine höher auflösende Version dieser Karte hier klicken).
Quelle: Sysselmannen

 

 

Januar 2009

 

 
Gute Nachrichten beim Thema "Umweltgifte" 

 

Umweltgifte, vor allem PCBs, Insektenschutzmittel und bromierte Flammschutzmittel, haben sich in der jüngeren Vergangenheit in der arktischen Nahrungskette so stark angereichert, dass sie eine massive Umweltbedrohung darstellen. Vor allem bei Tieren, die hoch in der Nahrungskette stehen (etwa Eismöwen, Elfenbeinmöwen, Eisbären), erreichen die Konzentrationen der langlebigen Substanzen toxische Konzentrationen.

Zwischen 1995 und 2004 haben die Gehalte von PCBs und Insektenschutzmitteln bei Ringelrobben in Spitzbergen aber um 50 bis 80 % abgenommen. Ringelrobben sind die Hauptnahrung von Eisbären und stehen  in Grönland und Kanada oft auch auf dem menschlichen Speiseplan. Der Rückgang ist ein erfreuliches Beispiel dafür, dass Maßnahmen der Gesetzgeber (vor allem in Europa) greifen können, denn der Rückgang wird auf Verbote der entsprechenden Stoffe zurückgeführt. Die Herausforderung für die Zukunft besteht in entsprechenden Reaktionen auf die Erfindung neuer, ähnlich problematischer Ersatzstoffe durch die chemische Industrie, sowie darin, derartige Maßnahmen möglichst weltweit einzuführen. Die meisten westlichen Staaten haben sich dazu verpflichtet, es fehlen aber noch wichtige Staaten wie die USA.

Eisbär und Elfenbeinmöwe beim Mittagessen. 

Unerwünschte Zusatzstoffe sind wahrscheinlich.

 

 

 
SvalSat-Satellitenstation bei Longyearbyen 

 

Die Empfangsstation SvalSat auf dem Platåberg bei Longyearbyen gibt es seit 1996/97. Ihre polnahe Lage bei gleichzeitig vorhandener, guter Infrastruktur macht sie zu einem zentralen Baustein zum Empfang von Daten von Satelliten in Polumlaufbahn, mittlerweile stehen 16 kleinere und größere Antennen auf dem Gelände. Im Mai 2009 wird der Bau weiterer Antennen beginnen, insgesamt werden es in ein paar Jahren über 20 sein. Hintergrund ist der Aufbau des europäischen satellitenbasierten Navigationssystems "Galileo", das Pendant zum amerikanischen GPS. Auf der Südhalbkugel wird die norwegische Antarktis-Station "Troll" die entsprechende Rolle übernehmen.

Die SvalSat-Anlage auf dem Platåberg bei Longyearbyen (Foto: Michelle van Dijk).

Quelle: Svalbardposten Nr. 2, 2009

 

 

 
Eisbären mögen Rentiere 

 

Im inneren Wijdefjord wurde beobachtet, wie ein Eisbär ein Rentier schlägt - bislang wurde davon ausgegangen, dass Eisbären sich höchstens über tote oder zumindest kranke bzw. verletzte Rentiere hermachen, dass ein gesundes, ausgewachsenes Rentier aber zu beweglich und schnell als Jagdbeute ist. Nun stellt sich die Frage, ob das beobachtete Verhalten Seltenheitswert hat oder ob es vielleicht einfach nur selten gesehen wird. Sollte sich zeigen, dass Eisbären wider der traditionellen Annahme durchaus in der Lage sind, Rentiere zu erbeuten, würde das im Falle eines dramatischen Treibeisverlustes bei fortschreitendem Klimawandel eine Bereicherung des Speiseplans sein, die für die Eisbären vielleicht noch sehr nützlich werden wird. 

Eisbär an Land: kaut lieber Rentiere als Kieselsteine.

Quelle: Tommy Sandal (Austfjordnes/Wijdefjord), veröffentlicht in Svalbardposten

 

 

 
Jahreswechsel in Spitzbergen ruhig und kalt 

 

Der Jahreswechsel in Spitzbergen verlief ruhig und kalt. Trotz eines Verbotes von bestimmten Silvesterraketen gab es Feuerwerk in Longyearbyen bei Temperaturen unterhalb von -20°C, während das Treibeis den Osten der Inselgruppe mittlerweile fest im Griff hat. Im Norden hält das angewärmte Wasser des Golfstroms das Treibeis in Küstennähe derzeit noch recht offen - mal sehen, wie sich das bis zum Saisonbeginn im Juni entwickelt. Ein Treibeisfeld im Adventfjord hat das Segelschiff Noorderlicht jedenfalls vorübergehend im Griff, bevor es seinen Stammplatz im Tempelfjord einnehmen konnte, wo es seit einigen Jahren das Frühjahr im Eis eingefroren verbringt.

Norwegische Eiskarte vom 30. Dezember (© Norwegisches Meteorologisches Institut)