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Spitzbergen-Rentier (Rangifer tarandus platyrhynchus)

Svalbard reindeer (E) - Svalbardrein (N) - Rendier (NL) - Renne du Spitzberg

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© Rolf Stange

Beschreibung: Das Spitzbergen-Rentier (oder Svalbard-Rentier) ist die einzige Rentierart, die in Svalbard vorkommt. Es handelt sich um eine etwas kleinere Unterart der Art »Rentier«. Wer die Rentiere des skandinavischen Festlandes kennt, wird überrascht sein, wie groß der Unterschied ist: Das Spitzbergen-Rentier ist merkbar kleiner und gedrungener, mit kürzeren Beinen. Die Männchen sind deutlich größer als die Weibchen und haben kräftigere Geweihe als diese – was impliziert, dass beide Geschlechter Geweihe tragen.

Gewicht (Männchen): 65 kg im Frühjahr, 90 kg im Herbst. Länge 160 cm

Gewicht (Weibchen): 53 kg im Frühjahr, 70 kg im Herbst. Länge 150 cm.

Das Geweih des Männchens wächst von April bis Juli, der Bast, welcher der Versorgung des wachsenden Geweihes dient, fällt im August bis September ab. Das Geweih wird nach der Brunftzeit im Spätherbst abgeworfen.

Das Weibchen bekommt sein Geweih im Juni und trägt dieses für das gesamte Jahr.

Im Gegensatz zum Festland von Skandinavien sieht man in Svalbard meist einzelne Rentiere oder kleine Gruppen. Herden von mehr als zwanzig Rentieren sind die Ausnahme.

Verbreitung/Zugverhalten: Rentiere sind zirkumpolar in der Arktis verbreitet, die Unterart »Spitzbergen-Rentier« gibt es nur in Svalbard. Nachdem Rentiere im frühen zwanzigsten Jahrhundert durch Jagd der Ausrottung nahe waren, sind sie mittlerweile wieder über weite Teile der Inselgruppe verbreitet, wobei stellenweise künstlich nachgeholfen wurde, indem Rentiere innerhalb von Spitzbergen in geeignete Gegenden umgesiedelt wurden.

Die größten Bestände gibt es in Gegenden mit großen, fruchtbaren Tundraflächen, also im Nordenskiöld-Land (die weitere Umgebung von Longyearbyen) sowie auf den großen Inseln im Südosten, Barentsøya und Edgeøya.

Im Gegensatz zu den Rentieren in Skandinavien haben die Spitzbergen-Rentiere kein ausgeprägtes, jahreszeitliches Wanderungsverhalten, da es keine separaten Sommer- und Winterweiden gibt. Sie ziehen nur kleinräumig an Stellen, an denen die Vegetation besser zugänglich ist, wo etwa der Wind den Schnee weggeblasen hat. Ansonsten vermeiden sie unnötige Wanderungen, um Energie zu sparen.

Biologisches: Das Spitzbergen-Rentier frisst beinahe alles, was unten Wurzeln und oben Blätter hat, mit wenigen Ausnahmen wie beispielsweise dem Vierkantigen Heidekraut. Im Sommer fressen sie sich eine dicke Speckschicht an, von der sie im Winter weitgehend leben. Zu dieser Zeit ist der Zugang zu Nahrung sehr schlecht. Rentiere verbringen den Winter an Stellen, an denen der Schnee vom Wind weggeweht ist, mitunter in etwas größeren Höhen auf Bergen, um an Vegetation zu gelangen.

Eine schwierige Jahreszeit ist der späte Winter bzw. das Frühjahr, solange noch Schnee liegt und die Fettreserven aufgebraucht sind. Vor allem, wenn Tauwetter und anschließender Frost die Tundra mit einer undurchdringlichen Eisschicht überziehen, steht Rentieren eine Hungersnot bevor, und viele werden solche Zeiten nicht überleben. Verhungern zu solchen Zeiten sowie dann, wenn die Zähne mit dem Alter abgenutzt sind, ist die häufigste Todesursache. Alte Tiere mit abgenutzten Zähnen verhungern mit gefülltem Magen, da sie die harte Vegetation nicht mehr ausreichend kauen können. Daher werden Rentiere kaum älter als etwa zehn Jahre.

Im Sommer hingegen verendet kaum ein Rentier.

Brunftzeit ist im Oktober. Zu dieser Zeit werden starke Bullen einen Harem von bis zu zehn Kühen verteidigen. Im folgenden Frühsommer, meist Juni, kommt das einzelne Kalb zur Welt, so dass es seine ersten Lebensmonate in der günstigsten Jahreszeit verbringen kann. Der Anteil der Weibchen, die ein Kalb zur Welt bringen, schwankt stark von 10 % in schwierigen Jahren bis hoch zu 90 %, wenn die Bedingungen gut sind. Entsprechend ist die Population insgesamt starken Schwankungen unterworfen.

Sonstiges: Die Größe der Gesamtpopulation ist unbekannt und schwankt auch stark in einzelnen Jahren. 1925 wurden Rentiere in Svalbard unter Schutz gestellt, seit 1983 ist eine begrenzte Jagd in der mittleren Umgebung von Longyearbyen für Einwohner gestattet. Jagdsaison ist im September, die Gesamtquote liegt bei wenigen hundert Tieren und es wird angenommen, dass diese Jagd keinen Einfluss auf den Bestand hat.

Trotz der Jagd können Rentiere erstaunlich neugierig sein und sich sogar an Gruppen bis auf wenige Meter annähern, wenn man Glück hat. Meist ziehen sie, beständig weidend (»Tundra-Staubsauger«), langsam über die Tundra und kümmern sich zunächst nicht um Menschen. Wenn sie die Anwesenheit der Besucher wahrgenommen haben, schwanken sie oft mehrfach zwischen Flucht und neugieriger Annäherung.

Motorschlitten können eine erhebliche Belastung darstellen, zumal in der für Rentiere schwierigsten Jahreszeit. Entsprechende Rücksicht ist daher äußerst wichtig – Rentiere haben Vorfahrt.

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© Rolf Stange

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Letzte Änderung: 01. Oktober 2010 · Copyright: Rolf Stange
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