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Tempelfjord-Sassenfjord

GD = Gipsdalen, T = Tunabreen, VP = Von Postbreen, F = Fredheim, S = Sassendalen, DG = De Geerdalen, D = Diabasodden, L = Longyearbyen

Allgemein: Landschaftlich schöne Verzweigung im innersten Isfjord. Da der Tempelfjord nahe bei Longyearbyen liegt, ist er sowohl im Sommer per Boot als auch im späteren Winter (März/April) mit Motorschlitten ein beliebtes Ziel für Tagestouren. Der Sassenfjord, wie der innerste Teil dieses Fjordarms genannt wird, grenzt an die Gletschergebiete von Ostspitzbergen an.

Gletscherfront im inneren Tempelfjord.

Geologie: Im Wesentlichen permokarbonische Sedimente. Das Karbon besteht aus gipsführenden Karbonaten, Evaporiten und klastischen Sedimenten, während das auflagernde Perm vor allem aus den in Svalbard vielerorts auffälligen, fossilführenden Kalksteinen besteht (‘Kapp Starostin Formation‘). Auf der Südseite steht in höheren Hangbereichen die Trias mit ihren dunklen Ton- und Siltsteinen an; die Perm-Trias-Grenze selbst ist allerdings nicht repräsentiert, da das obere Perm wie die unterste Trias in Svalbard fehlen (Schichtlücke). Die Schichten fallen insgesamt nach Südwesten ein. Durch den Eingang des Tempelfjords verläuft die Billefjorden-Störungszone, die vor allem vor der Ablagerung des Deckgebirges (prä-karbonisch) aktiv war, aber letzte Bewegungen fanden auch im Mesozoikum noch statt, so dass auch noch Sedimente aus Karbon bis teilweise in die Unterkreide hinein verstellt sind. Auf der Ostseite des Billefjord im Eingang sowie östlich des De Geerdalen sind die Verstellungen schön sichtbar in Form von Falten und Störungen, wie auch im inneren des Nordenskiöld Landes.

Gipsbrocken bei Kapp Schoultz. Im Hintergrund Tempelfjellet.

Auf der Südseite des Tempelfjord stehen stellenweise oberjurassisch-kretazische, basaltische Intrusionen an (Diabas, Dolerit), die zur gleichen intrusiven Suite gehören wie die ähnlichen Gesteine in der Hinlopenstraße, der Barents- und Edgeøya, Tusenøyane etc. Diese bilden aufgrund ihrer relativen Härte Kaps und Steilstufen im Gelände. Am Diabasodden (‘Diabas-Landspitze’) profitiert eine Kolonie von Seevögeln, vor allem Lummen, Grylltheisten sowie ein paar Papageitaucher, von den steilen Basaltklippen, und im De Geerdalen fällt mit dem Hyperitfossen ein schöner, kleiner Wasserfall über eine Steilstufe, für die eine basaltische Intrusion verantwortlich ist (oben auf den Felsen brüten Gänse, dort bitte während der Brutsaison nicht hingehen).

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Landschaft: Wie auch andernorts, so bilden auch hier die harten permischen Karbonate auffällige Steilstufen in den Berghängen, die von der Erosion in turmartige Vorsprünge zerteilt werden. Einer der bekanntesten Berge Spitzbergens ist das Tempelfjellet, der Tempelberg, auf der Nordseite des gleichnamigen Fjordes, wo diese Klippen besonders schön ausgebildet sind (wie auch in der Skansbukta auf der Westseite des Billefjord). Im Inneren des Fjords kalbt die gemeinsame Front von Tuna- und Von Postbreen. Die Küste ist auf der Nordseite des Tempelfjords meist steil, mit nur schmalen Stränden; besonders schön ausgeprägte Strandwallserien gibt es im Gipsdalen sowie östlich des Tempelfjellets in Bjonahamna.

Auf der Südseite des Tempelfjord, wo aufgrund der Neigung der Schichten in den oberen Hangbereichen die weicheren Trias-Sedimente anstehen, sind die Hänge weniger spektakulär steil und weniger gleichmäßig von der Erosion zerschnitten, zumindest im Vergleich zum Tempelfjellet. Was nicht heißen soll, dass die Landschaft da nicht auch klasse ist und viele Möglichkeiten für schöne Wandertouren bietet. Reizvoll ist auf der Südseite des Tempelfjord der kleine Vogelfelsen Diabasodden mit diversen Möglichkeiten für Tagestouren in der Umgebung.

Flora und Fauna: Es gibt eine Reihe von Vogelfelsen an steilen Klippen, wobei Diabasodden auf der Südseite des Tempelfjords dadurch besticht, dass er gut zugänglich ist und einen schönen Querschnitt durch die Vogelwelt Spitzbergens bietet (bitte mit der gebührenden Rücksicht während der Brutsaison – in der Gegend brüten u.a. auch Gänse, oft auf der Oberkante von Klippen, die leicht zu stören sind!). In der Gegend gibt es viele Füchse und Rentiere, und wer meint, so nahe bei Longyearbyen gäbe es keine Eisbären, kann sein blaues Wunder erleben.

Geschichte: Ob Walfänger oder Pomoren in der Gegend waren, weiß ich nicht, aber vermutlich schon. Im späten 19. Jahrhundert begann die intensive Nutzung durch norwegische Trapper. Hilmar Nøis, schon zu Lebzeiten Legende und Inventar auf Spitzbergen, hat sich hier mit Fredheim ein schickes Häuschen gebaut – eine der wenigen zweigeschossigen Trapperhütten in Spitzbergen, die sich nach Einzug von Nøis’ Frau in ein gemütliches Heim verwandelte (die erste ist bald durchgedreht, aber Nøis zweite Frau, Helfried Nøis, fand es dort ziemlich gemütlich und hat eine Reihe von Jahren zusammen dort mit Hilmar verbracht).

Ein Versuch, Gips abzubauen, fand früh im 20. Jahrhundert beim Kapp Schoultz auf der Südseite des Sassenfjord statt, einige Reste der Bergwerkanlagen sind noch sichtbar. Das Vorkommen stellte sich bald als ökonomisch wertlos heraus.

Reste des Gipsabbaus bei Kapp Schoultz.

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Letzte Änderung: 11. Oktober 2011
Copyright: Rolf Stange