spitzbergen-3
de  en  
Marker

Raudfjord-Liefdefjord-Woodfjord

Allgemein: Landschaftlich sehr reizvolle und abwechslungsreiche Fjordregion an der Nordküste Spitzbergens. Die Gegend ist meist schon recht früh im Sommer zugänglich, da der Golfstrom hier noch spürbaren Einfluss hat, allerdings kann Fjordeis noch die Buchten und Küsten blockieren. Der größere Teil der Region (Raudfjord, Liefdefjord) liegt im Nordwest-Spitzbergen-Nationalpark und ist entsprechend geschützt.

Geologie: Vielfältig. In weiten Teilen vor allem um den Raud- und Liefdefjord herum stehen Gneise, Marmore etc. des Grundgebirges an. Teilweise gibt es auch hier noch Reste der Beckenfüllung des Andrée-Land-Grabens, in dem devonische Sandsteine und Konglomerate erhalten sind. Diese Sedimente sind stark durch kompressive Tektonik deformiert, aber nicht metamorph, die Gesamtmächtigkeit beträgt mindestens 7-8 km. Einige Teile dieses Sedimentstapels sind durch Eisenoxid schön rötlich-braun gefärbt, daher die Bezeichnung »Old Red«. Die rote Färbung geht auf Eisenoxide zurück (Hämatit), die unter wechselfeuchten Bedingungen in tropisch-subtropischem Klima entstehen. Als die Sedimente vor über 350 Millionen Jahren abgelagert wurden, befand sich Spitzbergen (als Teil einer größeren Platte) noch kurz südlich des Äquators! Im Bereich Raudfjord/Liefdefjord beschränken sich diese Old-Red-Sedimente auf einige Teilbereiche, vor allem jeweils auf der Ostseite, während die flache Reinsdyrflya sowie die Umgebung des Woodfjords ausschließlich aus Old Red bestehen (das allerdings nicht immer rot ist). Die Umgebung des Bockfjord wiederum weist überwiegend Grundgebirgsgestein auf, teilweise auch Old Red.

Old Red im inneren Woodfjord.

Als geologische Besonderheit gibt es hier die Ruine des jungquartärenVulkans Sverrefjellet, wo es auch noch ein paar lauwarme Quellen gibt.

Sverrefjellet (Bildmitte).

Buchempfehlung für weitere, ausführliche und allgemeinverständliche (ja, wirklich) Information zu den Themen Geologie/Landschaft.

Landschaft: Das Landschaftsbild ist dank der vielfältigen Geologie sehr abwechslungsreich. Im Bereich der Old Red Sedimente, vor allem auf der Ostseite des Liefdefjords bzw. v.a. des Woodfjords, geben die weichen, schön gefärbten Sandsteine und Konglomerate der Landschaft runde Formen und warme Farben. In diesen Bereichen ist die Vergletscherung wegen der geringeren Durchschnittshöhe sowie wegen der Lage im Niederschlagsschatten der Gebirge im Westen gering und auf einzelne Talgletscher beschränkt.

Das Old Red im Bockfjord mit seinen schönen, warmen Farben.

Die Grundgebirgsgesteine, v.a. auf der Westseite des Liefdefjords, sorgen für ein wild-alpines Gepräge mit spitzen Gipfeln; hier ist die Vergletscherung deutlich stärker, mit einem weitverzweigten Netz von miteinander verbundenen Talgletschern. Aus dem hochgelegenen Inneren Nordwestspitzbergens fließt der große Monacobreen (-gletscher) in den Liefdefjord.

Der Monacobreen und alpine Berglandschaft im inneren Liefdefjord.

Flora und Fauna: Reichhaltig. Aufgrund der Lage an der vom Golfstrom beeinflussten westlichen Nordküste gibt es schöne, farbenfrohe Tundra. Diese wird im Bereich der Old Red Sedimente noch durch die feinkörnigen Verwitterungsprodukte der alten Sandsteine und Konglomerate unterstützt, da es hier so etwas wie einen »Boden« gibt oder immerhin ein feinkörniges Substrat. Hier gibt es große Mengen an Silberwurz, Rotem Steinbrech und anderen Steinbrecharten wie auch den seltenen Fadensteinbrech, was die Tundra insgesamt abwechslungsreich und farbenfroh erscheinen lässt, vor allem in Verbindung mit den braunroten Old Red Gesteinen. Faunistisch hat die Gegend ebenfalls einiges zu bieten wie große Mengen an brütenden Küstenseeschwalben und Eiderenten, weshalb man sich zur Brutsaison, vor allem im Juni und Anfang Juli, sehr vorsichtig verhalten muss und einige der Inseln nur zurückhaltend oder mitunter besser gar nicht betreten sollte.

Küstenseeschwalbe (Liefdefjord).

Geschichte: Die Region wurde von Walfängern im 17. Jahrhundert regelmäßig besucht, wenn Überreste von Landstationen hier auch nicht bekannt sind. Später, im ausgehenden 19. sowie 20. Jahrhundert, haben hier vielfach Trapper überwintert, eine Tradition, die mitunter bis heute fortgeführt wird. Der westliche Teil des Gebietes, inklusive Liefdefjord, ist allerdings als Nationalpark geschützt.

Walfängergrab im Raudfjord.

In den 1930er Jahren überwinterten im nördlichen Teil des Woodfjord bei Gråhuken auch Christiane Ritter und ihr Mann sowie ein norwegischer Helfer (interessante Dreierkombination, hätte ich mich nicht getraut). Während dieser Überwinterung entstand der Spitzbergen-Klassiker »Eine Frau erlebt die Polarnacht«.

Die Ritterhütte bei Gråhuken.

Zurück

Letzte Änderung: 11. Oktober 2011
Copyright: Rolf Stange