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HomeLandeskunde und TippsInseln: Spitzbergen & Co.Süd-Spitzbergen → Bellsund – Van Mijenfjord …

Bellsund - Van Mijenfjord - Van Keulenfjord

F = Fridtjofbreen (der Gletscher)/ Fridtjofhamna (die Bucht davor), S = Sveagruva, M = Midterhukfjellet

Allgemein: Landschaftlich abwechslungsreiches, verzweigtes Fjordsystem mit einigen historisch interessanten Stellen. Das Land südlich von Bellsund bzw. Van Keulenfjord gehört zum Nationalpark Süd-Spitzbergen.

Geologie: Geologisch ist dies für mich die »klassische« Fjordregion in Spitzbergen, mit einem schönen Schnitt durch die Erdgeschichte Spitzbergens von der Westküste bis ins Fjordinnere. Im Westen steht das prä-devonische Grundgebirge an, vor allem mit Quarziten, Phylliten und Schiefern. Hier gibt es eine Reihe kleinerer Vererzungen, die zu verschiedenen bergbaulichken Tätigkeiten im frühen 20. Jahrhundert führten, jedoch allesamt nicht von Dauer. Das devonische Old Red fehlt, so dass dem Grundgebirge das Karbon diskordant aufliegt in Form von meist groben, quarzitischen Brekkzien und Konglomeraten (landeskunde-und-tipps/inseln »Basiskonglomerat«). Auf das Karbon folgt die gleiche Schichtfolge bis hin zum Alttertiär, die etwas weiter nördlich als »Festningen-Profil« bekannt ist. Östlich der Linie Fridtjofbreen-Midterhuken beginnt der Bereich der tertiären Sedimente mit ihren recht mächtigen Kohleflözen (etwa Vergleichbar mit der Geologie in der Umgebung von Longyearbyen).

Interessant ist vor allem auch die Deformation der Gesteine. Die tektonische Aktivität während der Atlantik-Öffnung (»Alpidische Gebirgsbildung«) ging westlich der Westküste vonstatten (klar, da ist der Atlantik heute auch). Je näher an der Westküste gelegen, desto stärker sind Hebung und Deformation der Gesteine. Im Westen war die Hebung stark genug, um das Grundgebirge an die Oberfläche zu bringen. Etwas weiter östlich steht das Deckgebirge an (Karbon-Tertiär), wobei dieses zunächst stark deformiert ist, so dass die Schichten steil einfallen und teilweise sehr schön gefaltet sind. Das steile Einfallen der Schichten fällt vor allem dort ins Auge, wo harte Gesteine anstehen. So bilden senkrecht stehende Schichten der harten permischen Karbonatgesteine der Kapp Starostin Formation etwa die Akseløya. Besonders schöne Falten bietet die Nordseite des Midterhukfjellet. Weiter östlich liegen die Schichten horizontal und weitgehend ungestört, so dass sich hier die typische Plateauberglandschaft Zentralspitzbergens herausbilden konnte.

Falten auf der Nordseite des Midterhukfjellet.

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Landschaft: Reizvoll aufgrund der geologischen Geschichte. Auf kurzer Distanz ist hier ein weites Spektrum typischer »Svalbard-Landschaften« zu sehen, von den spitzen Bergen der Westküste hin zu den Plateaubergen Zentral-Spitzbergens und Südost-Svalbards (Edgøya, Barentsøya). Auch die Übergangszone mit ihren steilstehenden Sedimenten ist reizvoll, von der langgestreckten Akseløya über das Midterhukfjellet mit seinen schönen Faltenmustern hin zu kleinen Kaps und Inseln, an denen die Schichten, der Akseløya ensprechend, vertikal stehen und teilweise auffällige Mauern in der Landschaft bilden.

Das Hinterland ist, vor allem im Süden, stärker vergletschert als die Umgebung Longyearbyens, aber nicht so stark wie der Nordwesten Spitzbergens oder die Umgebung des Hornsunds. Entsprechend ist der Bellsund nicht gerade die klassische Gegend, um Gletscher zu erleben, wobei z.B. der Fridtjofbreen für mehrtätige Trekkingtouren von Longyearbyen aus erreichbar ist und ein sehr schönes Ziel darstellt.

Vor allem an der Westküste gibt es sehr weitgestreckte Küstenebenen, die zunächst öde erscheinen mögen, aber trotzdem erlebenswert sind und demjenigen viel bieten können, der ein Auge hat für die kleinen Details: für ein schönes Stück Treibholz, für einen schönen Teich in der Tundra, für einen schön ausgebildeten, alten Strandwall usw. Besonders schöne Strandwallebenen mit gut ausgebildeten Eiskeilnetzen gibt es im Eingangsbereich des Van Keulenfjord.

Flora und Fauna: Beeindruckend reich ist die Tundra z.B. im Hinterland der Vårsolbukta auf der Nordseite des Bellsund. Sowohl die Nähe zur Westküste, an welcher der Golfstrom entlangstreicht, als auch die Düngung durch einen hier gelegenen Vogelfelsen spielen dabei eine Rolle. Diese Tundra ist ein wichtiger Sammelplatz für Gänse nach dem Frühjahrszug, und es gibt zahlreiche Rentiere und Füchse. Der Vogelfelsen selbst befindet sich hoch oben am Hang des Ingeborgfjellet (westlich vom Fridtjofbreen) und ist nicht direkt zugänglich, aber die Geräuschkulisse ist beeindruckend. Auch andernorts im Bellsund gibt es schöne Tundragebiete. Eisbären streifen immer wieder einmal durch die Gegend – entsprechende Vorsicht ist geboten.

Geschichte: Der Bellsund ist einer der ersten Fjorde Spitzbergens, der früh im 17. Jahrhundert von Walfängern angelaufen wurde. Vor allem im Recherchefjord gibt es noch Überreste von Landstationen. Dabei kam es auch mehrfach zu unfreiwilligen Überwinterungen, die erstaunlicherweise dennoch mitunter erfolgreich verliefen. Auch Pomoren haben die Gegend lange als Jagdrevier genutzt, an der Westküste nördlich des Bellsund gibt es sogar mehrere Reste von Pomorensiedlungen, die älter als 1596 sein können – das Datum der Entdeckung Spitzbergens durch Willem Barentsz.

Norwegische Trapper haben den Bellsund wegen seiner Fuchsbestände geschätzt, und auch ein deutscher Kollege, Ewald Schmutzler, hat in der Vårsolbukta in den 1930er Jahren längere Zeit ein Einsiedlerdasein geführt. Seine Verlobte überwinterte einmal mit ihm, kam aber bei einem Unglücksfall ums Leben, sie ertrank wohl bei einer Flussquerung. Nach dem ersten Weltkrieg hat der Norweger Ingebrigtsen im Van Keulefjord Belugafang (Weißwale) betrieben, die Knochen bleichen dort noch heute in der Sonne.

Knochen von Belugas im Van Keulenfjord.

Im frühen 20. Jahrhundert haben vermeintliche oder tatsächlich existierende Mineralvorkommen mehr oder weniger seriöse Firmen angelockt, vorneweg die englische Northern Exploration Company. Diese hat im Bellsund eine ganze Reihe von Abbauversuchen betrieben (Zink, Gold, Kohle, Eisen, Asbest), erfolgreich war keiner davon. Reste sind an verschiedenen Stellen heute noch sichtbar und zeugen von der »Goldgräberzeit« Spitzbergens. Weitere Details habe ich andernorts schon aufgeschrieben.

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Letzte Änderung: 11. Oktober 2011
Copyright: Rolf Stange