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Tages-Archiv: 6. Oktober 2020 − News & Stories


Der Isfjord ist wie­der ein ark­ti­scher Fjord. Vor­erst.

Weni­ger und dün­ne­res Eis im Win­ter in den hin­ters­ten Armen des Isfjord wie dem Tem­pel­fjord und Bill­efjord, und von einer soli­den Eis­de­cke im wei­ten Isfjord selbst wagt man kaum noch zu träu­men – das war über Jah­re hin­weg die ozea­no­gra­phisch-kli­ma­ti­sche Ent­wick­lung in Spitz­ber­gens größ­tem Fjord, der sei­nem Namen, „Eisfjord“, kaum noch gerecht wird.

Blauwal, Isfjord

Der Isfjord hat sich in den letz­ten Jah­ren hin zu einem sub­ark­ti­schen Fjord ent­wi­ckelt,
was unter ande­rem zu häu­fi­ge­ren Wal­sich­tun­gen führ­te.
Im Bild ein Blau­wal im Isfjord, Sep­tem­ber 2018.

Viel­leicht wen­det sich das Blatt der­zeit – wenn auch aller Wahr­schein­lich­keit nach wohl kaum lang­fris­tig, aber immer­hin vor­über­ge­hend, bes­ser als gar nichts. Dar­auf deu­ten ozea­no­gra­phi­sche Daten aus dem Isfjord hin, die UNIS die­sen Som­mer gemes­sen hat. Die Mes­sun­gen sind Teil einer lang­fris­ti­gen Daten­ba­sis, mit der For­scher die Ent­wick­lung im Isfjord ver­fol­gen. Vor­läu­fi­ge Ergeb­nis­se haben Frank Nil­sen, Pro­fes­sor für Ozea­no­gra­phie bei UNIS in Lon­gye­ar­by­en, und Mit­ar­bei­ter jetzt in einem Bei­trag in der Sval­bard­pos­ten ver­öf­fent­licht.

Dem­nach befin­det sich nun deut­lich weni­ger mil­des, salz­rei­ches Atlan­tik­was­ser im Isfjord und die Res­te sol­chen Was­sers, die es dort noch gibt, sind in Tie­fen unter­halb von 150 Meter ver­bannt und mischen sich dort mit kal­tem Was­ser. In ver­gan­ge­nen Jah­ren hat­te das wär­me­re Atlan­tik­was­ser, das mit dem Golf­strom nach Nor­den kommt und als West­spitz­ber­gen­strom ent­lang der West­küs­te Spitz­ber­gens streicht, in den dor­ti­gen Fjor­den stark an Ein­fluss gewon­nen. Die­se hat­ten in der Fol­ge ihren ozea­no­gra­phisch-bio­lo­gisch hoch­ark­ti­schen Cha­rak­ter weit­ge­hend ver­lo­ren und sich hin zu sub­ark­ti­schen Fjor­den ent­wi­ckelt. Wich­ti­ge Indi­ka­to­ren hier­für sind die Was­ser­tem­pe­ra­tu­ren, Salz­ge­halt und Arten­zu­sam­men­set­zung des Zoo­plank­tons.

Petuniabukta

In den inners­ten Buch­ten, wie hier in der Petu­nia­buk­ta,
hat­te der Isfjord sich sei­nen hoch­ark­ti­schen Cha­rak­ter bis­lang bewahrt.

Die Kli­ma­ent­wick­lung der letz­ten Jah­re hat für die­se Ent­wick­lung gesorgt: Tief­druck­ge­bie­te, die nicht mehr wie frü­her über die Barents­see nach Osten abzie­hen, son­dern zwi­schen Grön­land und Spitz­ber­gen nach Nor­den zie­hen, haben das war­me Was­ser kraft­voll in die Fjor­de gedrückt – ein Effekt, der sich über Jah­re hin­weg aus­wir­ken kann, auch wenn das ursäch­li­che Tief­druck­ge­biet schon nach ein paar Tagen ver­schwun­den ist.

Die Wit­te­rung die­ses Jah­res ist hin­ge­gen ins­ge­samt eher so, wie man es von frü­her kennt. Posi­tiv auf­ge­fal­len ist bereits, dass es im Win­ter und Früh­jahr kaum Tau­wet­ter­ein­brü­che gege­ben hat, die in den Win­tern der Jah­re davor häu­fi­ger und kräf­ti­ger gewor­den sind. Das hat mög­li­cher­wei­se mit atmo­sphä­ri­schen Strö­mun­gen zu tun, die eher an die klas­sisch-ark­ti­schen Mus­ter um Spitz­ber­gen erin­nern und die aktu­ell dazu füh­ren, dass das wär­me­re Atlan­tik­was­ser der­zeit im Isfjord an Ein­fluss ver­lo­ren hat. Auch das star­ke Schmel­zen der Glet­scher Spitz­ber­gens wäh­rend der extrem war­men Som­mer­ta­ge hat mög­li­cher­wei­se dazu bei­getra­gen, dem Ober­flä­chen­was­ser in den Fjor­den kal­tes, salz­ar­mes Frisch­was­ser zuzu­füh­ren.

Das macht sich auch in der Zusam­men­set­zung des Zoo­plank­tons bemerk­bar, das von Ruder­fuß­kreb­sen (Cope­po­da) domi­niert wird. In jün­ge­ren Jah­ren hat sich mehr und mehr die sub­ark­ti­sche Art Cala­nus fin­mar­chi­cus im Isfjord aus­ge­brei­tet, aber aktu­ell domi­niert wie­der die hoch­ark­ti­sche Art Cala­nus gla­cia­lis.

Äußerer Isfjord

Der­zeit haben auch die zen­tra­len, weit­läu­fi­gen Berei­che des Isfjord ozea­no­gra­phisch wie­der einen eher hoch­ark­ti­schen Cha­rak­ter.

Wenn die Ent­wick­lung nicht durch star­ke Stür­me aus der fal­schen Rich­tung gestört wird, darf man für den kom­men­den Win­ter auf eine schö­ne Eis­de­cke zumin­dest in den Neben­ar­men des Isfjord hof­fen. Soll­te die Ent­wick­lung zumin­dest eine Wei­le anhal­ten, könn­ten weni­ger Wale und weni­ger Fisch wie Dorsch im Isfjord die Fol­ge sein.

Wer aber nun hofft, dass die Kli­ma­än­de­rung in der Ark­tis damit abge­sagt ist, befin­det sich lei­der mit Sicher­heit auf dem Holz­weg: Wie Nil­sen in sei­nem Bei­trag schreibt, han­delt es sich dabei nicht um eine sta­bi­le Situa­ti­on, son­dern „mehr um ein loka­les Auf­bäu­men einer sich erwär­men­den Ark­tis.“

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