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Monats-Archiv: Juni 2020 − News & Stories


Coro­na: Fahrt mit Arc­ti­ca II im August abge­sagt

Es ist für den Tou­ris­mus kein gutes Jahr und es wird wohl auch keins mehr dar­aus wer­den, jeden­falls nicht im Zusam­men­hang mit Schiffs­rei­sen in die Ark­tis und schon gar nicht mit klei­nen Schif­fen: Auch wenn Schiffs­rei­sen in Spitz­ber­gen nun nicht mehr prin­zi­pi­ell aus­ge­schlos­sen sind und Nor­we­gen dem­nächst die Gren­zen wie­der für Tou­ris­ten aus Euro­pa öff­nen wird, las­sen die Beschrän­kun­gen Rei­sen gera­de auf klei­nen Schif­fen prak­tisch nicht zu.

Spitzbergen mit SY Arctica II: wegen Corona abgesagt

Mit der Arc­ti­ca II bei Spitz­ber­gen im Treib­eis: hät­ten wir auch die­ses Jahr ger­ne wie­der erlebt. Wird wegen Coro­na aber lei­der nichts.

Damit sehen wir uns nun lei­der auch gezwun­gen, die Fahrt „Spitz­ber­gen für Fort­ge­schrit­te­ne“ mit der Arc­ti­ca II im August 2020 coro­nabe­dingt abzu­sa­gen. Die Teil­neh­me­rIn­nen wer­den nun von der Geo­gra­phi­schen Rei­se­ge­sell­schaft kon­tak­tiert.

Nor­we­gen öff­net ab 15. Juli für Tou­ris­ten aus Euro­pa

Ab 15. Juli will Nor­we­gen Tou­ris­ten aus euro­päi­schen Län­dern (Schengenraum/Europäischer Wirt­schafts­raum) auch außer­halb Skan­di­na­vi­ens wie­der die Ein­rei­se ermög­li­chen. In der ent­spre­chen­den Pres­se­mit­tei­lung wer­den aller­dings Bedin­gun­gen erläu­tert: So wird man in Nor­we­gen das Infek­ti­ons­ge­sche­hen in den jewei­li­gen Län­dern beob­ach­ten. Rei­sen­de aus Regio­nen mit einem erhöh­ten Auf­kom­men an Infek­tio­nen mit SARS-Coro­na­vi­rus-2 („Coro­na“) wer­den wei­ter­hin einer zehn­tä­gi­gen Qua­ran­tä­ne­pflicht unter­lie­gen. Die­se muss auf dem nor­we­gi­schen Fest­land statt­fin­den, eine even­tu­el­le Wei­ter­rei­se nach Spitz­ber­gen ist erst nach der Qua­ran­tä­ne mög­lich. Auch Län­der und Regio­nen, die die Coro­na-Ent­wick­lung nicht hin­rei­chend genau beob­ach­ten und ent­spre­chen­de Infor­ma­tio­nen zugäng­lich machen, wer­den mög­li­cher­wei­se Ein­schrän­kun­gen unter­lie­gen.

Das nor­we­gi­sche Fol­ke­hels­e­insti­tutt (Amt für öffent­li­che Gesund­heit) ver­öf­fent­licht eine Kar­te, auf der ein­zel­ne Län­der rot oder grün mar­kiert ist. Nur Tou­ris­ten aus grün dar­ge­stel­len Län­dern wer­den ab dem 15. Juli ein­rei­sen dür­fen, ohne in Qua­ran­tä­ne zu müs­sen. Aktu­ell zeigt die Kar­te nur Skan­di­na­vi­en, sie soll am 10. Juli aktua­li­siert wer­den und wird dann min­des­tens alle 2 Wochen über­ar­bei­tet.

Corona-Karte Skandinavien

Kar­te des nor­we­gi­schen Fol­ke­hels­e­insti­tutt: sie ent­schei­det, wer ab 15. Juli ohne Qua­ran­tä­ne ein­rei­sen darf. Aktu­ell zeigt sie nur Skan­di­na­vi­en, am 10. Juli soll sie erwei­tert wer­den.

Bis­lang dür­fen aus euro­päi­schen, nichts­kan­di­na­vi­schen Län­dern nur Rei­sen­de nach Nor­we­gen, die für ihre Rei­se beson­de­re Grün­de haben wie bei­spiels­wei­se nahe Ver­wand­te, Arbeit oder Wohn­ei­gen­tum. Hier gel­ten eige­ne Regeln.

Töd­li­che Eis­bä­ren­be­täu­bung im Janu­ar: Kri­tik der Behör­den

Am 30. Janu­ar wur­de ein Eis­bär vom Sys­sel­man­nen mit Hub­schrau­ber aus der Nähe Lon­gye­ar­by­ens ver­trie­ben und spä­ter auf der Nord­sei­te vom Advent­fjord betäubt, um in eine abge­le­ge­ne Regi­on aus­ge­flo­gen zu wer­den. Wäh­rend des Trans­ports starb der Eis­bär, oder, genau­er gesagt, die Eis­bä­rin. Todes­ur­sa­che war Schock, aus­ge­löst durch die Belas­tung durch das Trei­ben mit Hub­schrau­ber über mehr als 2 Stun­den hin­weg und die anschlie­ßen­de Voll­nar­ko­se.

Nun gibt es Kri­tik an dem Vor­fall sei­tens des Mat­til­syn­et, der nor­we­gi­schen Lebens­mit­tel­auf­sicht­seh­ör­de, die auch über die Kon­trol­le für Tier­ge­sund­heit und somit auch für die Betäu­bung von Wild­tie­ren zustän­dig ist, auf Spitz­ber­gen etwa im Zusam­men­hang mit For­schung oder mit bereit­schafts­dienst­li­chen Maß­nah­men wie im frag­li­chen Fall. Sowohl juris­tisch als auch ope­ra­tiv han­delt es sich aller­dings um ein kom­ple­xes Gesche­hen, wie die Sval­bard­pos­ten aus­führ­lich dar­stellt. Das nor­we­gi­sche Tier­schutz­ge­setz gilt auch auf Spitz­ber­gen, das Tier­ge­sund­heits­per­so­nal­ge­setz (Dyre­hel­se­per­so­nell­o­ven) bis­lang aber noch nicht. Den­noch wird die Anwen­dung der dort fest­ge­schrie­be­nen Prin­zi­pi­en indi­rekt durch das auch auf Spitz­ber­gen gel­ten­de Tier­schutz­ge­setz vor­aus­ge­setzt.

Sowohl das Nor­we­gi­sche Polar­in­sti­tut, ver­tre­ten durch Eis­bä­ren­for­scher Jon Aars, als auch der Sys­sel­man­nen über den Umwelt­schutz­be­auf­trag­ten Mor­ten Wede­ge haben in der Sval­bard­pos­ten auf die Kri­tik geant­wor­tet. Aars war selbst nicht beim Vor­gang am 30. Janu­ar betei­ligt.

Das Mat­til­syn­et kri­ti­siert nun meh­re­re Aspek­te im Zusam­men­hang mit dem Fall von Janu­ar, wobei auch von einem Man­gel an Kom­pe­tenz die Rede ist. Bemän­gelt wird gene­rell, dass es kein wis­sen­schaft­lich fun­dier­tes Pro­to­koll zum Fang von Eis­bä­ren (durch Betäu­bung) gibt. Es über­rascht nicht, dass das Nor­we­gi­sche Polar­in­sti­tut hier ande­rer Mei­nung ist; es kommt wohl auf die Anfor­de­run­gen an, die an ein sol­ches Pro­to­koll zu stel­len sind.

Im kon­kre­ten Fall wur­de die phy­si­sche Ver­fas­sung des Eis­bä­ren nicht aus­rei­chend in die Abwä­gung vor der Betäu­bung ein­be­zo­gen. Dies könn­te in Anbe­tracht des gerin­gen Gewichts des Bären von nur 62 Kilo­gramm sowie der gro­ßen Belas­tung durch das 2,5 Stun­den andau­ern­de Jagen mit dem Hub­schrau­ber kurz vor der Betäu­bung eine wesent­li­che Rol­le gespielt haben. Dar­über hin­aus wird kri­ti­siert, dass es kei­ne medi­zi­ni­sche Kom­pe­tenz und Aus­rüs­tung gege­ben habe, um den betäub­ten Bären im Fall einer Ver­schlech­te­rung des Zustan­des behan­deln zu kön­nen. Der Gedan­ke liegt nahe, dass dies im betref­fen­den Fall eben­falls eine ent­schei­den­de Rol­le gespielt haben könn­te. Das wird, soweit bekannt, vom Mat­til­syn­et aber nicht wei­ter aus­ge­führt. Dort legt man vor allem Wert dar­auf, dass sich der­ar­ti­ge Vor­fäl­le nicht wie­der­ho­len, indem die ent­spre­chen­den Rou­ti­nen ver­bes­sert wer­den. Im Wie­der­ho­lungs­fall schließt die zustän­di­ge Regio­nal­che­fin Hil­de Haug auch ver­bind­li­che Auf­la­gen nicht aus.

Junger Eisbär

Jun­ger Eis­bär zusam­men mit sei­ner Mut­ter. Der klei­ne­re Bär war zur Zeit der Auf­nah­me etwa 20 Mona­te alt und sicher schwe­rer als 60 kg.

Auf­schluss­reich sind auch die Aus­sa­gen zwei­er Tier­ärz­te, die von der Sval­bard­pos­ten kon­tak­tiert wur­den. Nur die­se bei­den sol­len infra­ge kom­men als Tier­ärz­te, die das Betäu­bungs­mit­tel ver­schrie­ben haben kön­nen. Das geschah aller­dings nicht im Zusam­men­hang mit dem kon­kre­ten Fall, son­dern auf Vor­rat: Durch die For­schung an Eis­bä­ren, bei der jedes Jahr Dut­zen­de oder auch eine drei­stel­li­ge Zahl von Bären betäubt wer­den, ver­fügt das Nor­we­gi­sche Polar­in­sti­tut in Lon­gye­ar­by­en über einen grö­ße­ren Vor­rat des betref­fen­den Mit­tels. Für des­sen Anwen­dung blei­ben die ver­schrei­ben­den Ärz­te ver­ant­wort­lich, auch wenn sie in die Pra­xis, sei es For­schung oder ein poli­zei­li­cher Zusam­men­hang, im Ein­zel­nen nicht ein­ge­bun­den sind. Kei­ner der betref­fen­den Ärz­te wur­de im kon­kre­ten Fall kon­tak­tiert, und einer von bei­den teil­te mit, dass er sei­ne Zustim­mung zur Ver­wen­dung des Betäu­bungs­mit­tels in die­sem Fall auch ver­wei­gert hät­te. Eine mög­li­che Alter­na­ti­ve wäre aus Sicht des Sys­sel­man­nen aller­dings wohl der unmit­tel­ba­re Abschuss gewe­sen.

Recht­lich kann der Tier­arzt die Anwen­dung des Medi­ka­ments einem Hel­fer über­las­sen, wenn die­ser dazu in der Lage ist. Aller­dings wur­de kei­ner der bei­den Tier­ärz­te kon­tak­tiert, die ent­spre­chen­de Betäu­bungs­mit­tel ver­schrie­ben haben. Es ist nicht ein­mal klar, wer von bei­den die frag­li­che Lie­fe­rung ver­schrie­ben hat, so dass die Ver­ant­wor­tung auch nicht zuzu­ord­nen ist. Mög­li­cher­wei­se war das ver­wen­de­te Betäu­bungs­mit­tel bereits abge­lau­fen; dies ist laut Polar­in­sti­tut aber unwahr­schein­lich und es ist, eben­falls laut Jon Aars (Polar­in­sti­tut) frag­lich bezie­hungs­wei­se unwahr­schein­lich, ob es ggf. eine Aus­wir­kung gehabt hät­te.

Schon wäh­rend des Vor­gangs beton­te der Sys­sel­man­nen bei den Pres­se­mel­dun­gen regel­mä­ßig, dass „eis­bä­ren­fach­li­che Kom­pe­tenz“ durch das Nor­we­gi­sche Polar­in­sti­tut vor Ort invol­viert sei. Dabei wur­den kei­ne Namen oder Berufs­be­zeich­nun­gen genannt, aber Tier­ärz­te wer­den in sol­che Vor­gän­ge nicht unmit­tel­bar betei­ligt. Bei­de befrag­ten Tier­ärz­te äußer­ten sich dahin­ge­hend, dass sie zumin­dest auf eine bera­ten­de Rol­le aus der Fer­ne wäh­rend des Vor­gangs wohl Wert gelegt hät­ten; wie erwähnt teil­te einer mit, dass er die Ver­wen­dung des Betäu­bungs­mit­tels ver­wei­gert hät­te. Aller­dings gehen bei­de davon aus, dass das ver­wen­de­te Medi­ka­ment nicht aus dem jeweils von ihnen ver­schrie­be­nen Bestand stam­men könn­ten.

Alle Betei­lig­ten ken­nen die Kom­ple­xi­tät der juris­ti­schen und sach­li­chen Ver­hält­nis­se und die Schwie­rig­keit der Ent­schei­dun­gen, die unter Zeit­druck in einer Stress­si­tua­ti­on getrof­fen wer­den müs­sen. Aber man kann als Fazit fest­hal­ten: Ein gro­ßes Tier wie einen Eis­bä­ren in tie­fe Voll­nar­ko­se zu ver­set­zen, das kurz vor­her über Stun­den unter star­kem Stress stand, ohne des­sen Gewicht und Zustand zu ken­nen, ohne tier­me­di­zi­ni­sche Not­fall­aus­rüs­tung und ohne einen Tier­arzt unmit­tel­bar zu betei­li­gen – das muss man nicht als ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang mit einem streng geschütz­ten Tier emp­fin­den.

Ers­te Öff­nung hin zu mehr­tä­gi­gen Schiffs­rei­sen

Die lang­sa­me und schritt­wei­se Öff­nung für Tou­ris­ten hat bereits begon­nen. Seit dem 1. Juni kön­nen Besu­cher vom nor­we­gi­schen Fest­land wie­der ohne Qua­ran­tä­ne anrei­sen, am 15. Juni wer­den die übri­gen skan­di­na­vi­schen Län­der („Nor­den“) fol­gen. Nur Schwe­den ist auf­grund der dort höhe­ren Infek­ti­ons­ra­ten noch aus­ge­nom­men.

Gleich­zei­tig wur­de bis­lang betont, dass mehr­tä­gi­ge Schiffs­rei­sen („kyst­crui­se“) auf­grund beson­de­rer Heaus­for­de­run­gen zunächst nicht zuge­las­sen wer­den. Nun gibt es auch in die­ser Rich­tung eine ers­te Öff­nung: Das für Spitz­ber­gen zustän­di­ge Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um teilt mit, dass Schif­fe mit einer Kapa­zi­tät von bis zu 500 Pas­sa­gie­ren ihre Rei­sen unter meh­re­ren Bedin­gun­gen wie­der auf­neh­men kön­nen. Aller­dings darf nur die Hälf­te der Kapa­zi­tät genutzt wer­den, so dass theo­re­tisch bis zu 250 Pas­sa­gie­re an Bord eines Schif­fes mög­lich sind. Dar­über hin­aus wer­den nur Pas­sa­gie­re aus Län­dern zuge­las­sen, aus denen die Anrei­se nach Spitz­ber­gen über­haupt mög­lich ist; aktu­ell also nur Nor­we­gen, dem­nächst auch Däne­mark, Finn­land und Island.

Hurtigruten Svalbard

Mehr­tä­gi­ge Schiffs­rei­sen in Spitz­ber­gen sol­len nun unter bestimm­ten Bedin­gun­gen wie­der mög­lich wer­den.

Wie auch alle ande­ren Ver­an­stal­ter für an Land statt­fin­den­den Tou­ris­mus, muss für jedes Schiff ggf. ein Hygie­ne­plan vor­ge­legt und amt­lich aner­kannt wer­den. Grund­la­ge dafür sind Richt­li­ni­en, die von Sval­bard Rei­se­liv, der loka­len Tou­ris­mus-Dach­or­ga­ni­sa­ti­on in Lon­gye­ar­by­en, und den zustän­di­gen Behör­den aus­ge­ar­bei­tet wur­den. Ob ein Schiff in der Lage sein wird, die Bestim­mun­gen etwa mit Blick auf Abstän­de etc. zu erfül­len, wird man im Ein­zel­fall ent­schei­den müs­sen.

Im Fall eines Covid-19-Aus­bruchs an Bord müs­sen die Schif­fe damit rech­nen, nicht nach Lon­gye­ar­by­en fah­ren zu dür­fen, son­dern als nächs­ten grö­ße­ren Hafen Trom­sø anzu­lau­fen.

Pas­sa­gie­re frag­li­cher Rei­sen in spe aus ande­ren als den genann­ten skan­di­na­vi­schen Län­dern wer­den sich noch gedul­den müs­sen. Die nor­we­gi­sche Regie­rung hat­te ange­kün­digt, sich bis zum 20. Juli zu einer even­tu­el­len Öff­nung für Tou­ris­ten aus „nahe­ge­le­ge­nen euro­päi­schen Län­dern“ zu äußern.

Dar­über hin­aus wer­den die ein­zel­nen Ree­de­rei­en und Ver­an­stal­ter kal­ku­lie­ren müs­sen, ob ein Betrieb ihrer Schif­fe bei 50 % maxi­ma­ler Kapa­zi­tät wirt­schaft­lich mög­lich ist.

2018 auf Phipp­søya erschos­se­ner Eis­bär: noch nicht abge­schlos­sen

Der Fall des Eis­bä­ren, der Ende Juli 2018 auf der Insel Phipp­søya von einem Mit­ar­bei­ter des Kreuz­fahrt­schif­fes Bre­men erschos­sen wur­de, ging sei­ner­zeit in den Medi­en um die Welt und hat vie­le Gemü­ter bewegt. Damals war ein Team des Schif­fes auf der Phipp­søya, die zu den Sjuøya­ne ganz im Nor­den Spitz­ber­gens gehört, an Land gegan­gen, um einen Land­gang der Pas­sa­gie­re vor­zu­be­rei­ten. Den Eis­bä­ren hat­ten sie zunächst nicht gese­hen, und als die­ser über­ra­schend angriff, ende­te der dra­ma­ti­sche Vor­fall mit einer leich­ten Kopf­ver­let­zung eines Mit­ar­bei­ters des Schif­fes und dem Tod des Eis­bä­ren. Pas­sa­gie­re waren zu die­ser Zeit noch nicht an Land.

Eisbärenangriff Phippsøya, Spitzbergen

Eis­bär auf der Phipp­søya, einer häu­fig genutz­ten Lan­de­stel­le auf den Sjuøya­ne, Mit­te Juli 2018. Mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit war es genau die­ser Bär, der an die­ser Stel­le Ende Juli erschos­sen wur­de.

Nun sind fast zwei Jah­re ver­gan­gen und man fragt sich, was wohl aus der Sache gewor­den ist. Das ent­täu­schen­de Zwi­schen­er­geb­nis, wie die Sval­bard­pos­ten auf Anfra­ge vom Sys­sel­man­nen erfuhr, ist, dass es immer noch kei­nen abschlie­ßen­den Bericht gibt. Die Behand­lung des Vor­falls war beim Sys­sel­man­nen 2018 zunächst recht schnell vor­läu­fig abge­schlos­sen wor­den und ging dann ihren Weg durch die Instan­zen in Nor­we­gen, um von dort Ende 2019 wie­der zum Sys­sel­man­nen zu gehen. Dort liegt sie bis heu­te, wor­an auch die Bin­dung vie­ler Kapa­zi­tä­ten durch Coro­na einen Anteil haben soll.

Auf bestä­tig­te Infor­ma­tio­nen müs­sen wir also noch war­ten. Einst­wei­len ist es erlaubt, sich auf rein spe­ku­la­ti­ver Basis eige­ne Gedan­ken zu machen: Es ist durch­aus vor­stell­bar, dass sich in dem wel­lig-unebe­nen Gelän­de auf der Phipp­søya ganz in der Nähe ein Eis­bär befin­det, ohne dass man ihn zunächst sieht, selbst wenn man auf­merk­sam ist. Am Ufer befand sich zur frag­li­chen Zeit ein Tier­ka­da­ver, zu dem der Eis­bär über län­ge­re Zeit immer wie­der zum Fres­sen zurück­kehr­te. Die­ser Kada­ver lagt in dem Strand­ab­schnitt, wo übli­cher­wei­se an Land gegan­gen wird, ist aber zumin­dest aus der Fer­ne auch kaum erkenn­bar.

Wenn nun ein unglück­li­cher Zufall dazu führt, dass man in unmit­tel­ba­rer Nähe des Kada­vers an Land geht, ist es durch­aus vor­stell­bar, dass ein Eis­bär, der in der Nähe aus­ruht und ver­daut, um dann wie­der zu sei­nem Fut­ter zurück­zu­keh­ren, schnell und aggres­siv reagiert.

Wie gesagt: Rei­ne Spe­ku­la­ti­on, basie­rend auf Orts­kennt­nis und Erfah­rung, dar­un­ter einer Beob­ach­tung eines Eis­bä­ren am frag­li­chen Ort, der mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit der­sel­be Eis­bär war, der wenig spä­ter beim betref­fen­den Vor­fall erschos­sen wur­de. Auf den Bericht mit dem genau­en Gesche­hen sowie der Beur­tei­lung durch die nor­we­gi­schen Behör­den darf man wei­ter gespannt sein.

Lawi­nen­un­glück am Fri­dt­jov­breen im Febru­ar: ers­ter Bericht

Zum Lawi­nen­un­glück auf dem Fri­dt­jov­breen am 20. Febru­ar gibt es nun einen ers­ten Bericht. Die­ser wur­de von einer Grup­pe erstellt, der das Arc­tic Safe­ty Cent­re von UNIS, die Lawi­nen­grup­pe des Roten Kreu­zes in Lon­gye­ar­by­en und loka­le Lawi­nen­be­ob­ach­ter des Lawi­nen­warn­diens­tes varsom.no ange­hö­ren; er wur­de auf varsom.no ver­öf­fent­licht. Es han­delt sich nicht um einen Bericht des Sys­sel­man­nen und nicht um eine recht­li­che Bewer­tung, son­dern es geht in dem Bericht dar­um, den Ver­lauf des Gesche­hens zu ver­ste­hen und sicher­heits­re­le­van­te Leh­ren dar­aus zu zie­hen.

An dem Tag brach eine Grup­pe von Arc­tic Tra­vel Com­pa­ny Grumant in Bar­ents­burg mit sie­ben Per­so­nen, dar­un­ter zwei Gui­des, zu einer Motor­schlit­ten­fahrt zum Fri­dt­jov­breen auf. Ziel war die Abbruch­kan­te des Fri­dt­jov­breen im Van Mijen­fjord, aber die Grup­pe leg­te einen Zwi­schen­s­top am Süd­ost­hang des Mar­cus­sen­f­jel­let ein, um einen höh­len­ar­ti­gen Schmelz­was­ser­ka­nal zu besu­chen. Als Hal­te­punkt dien­te eine Sen­ke direkt am Fuß eines stei­len, schnee­be­deck­ten Berg­han­ges. Die ers­ten drei Motor­schlit­ten hat­ten bereits ange­hal­ten, als die Lawi­ne abging. Die Schnee­mas­sen begru­ben zwei Per­so­nen voll­stän­dig und zwei Per­so­nen teil­wei­se, die übri­gen drei Per­so­nen wur­den nicht vom Schnee erfasst.

Das Volu­men der Lawi­ne wird auf rundt 10.000 Kubik­me­ter geschätzt; sie ging auf einer Hang­flä­che von 13.000 Qua­drat­me­tern ab.

Lawinenunglück Fridtjovbreen, Februar 2020: Karte

Die unge­fäh­re Lage des töd­li­chen Lawi­nen­un­glücks am Fri­d­tov­breen am 20. Febru­ar ist mit dem roten Punkt mar­kiert.
Kar­ten­grund­la­ge © Nor­we­gi­sches Polar­in­sti­tut.
Bear­bei­tung: landkarten-erstellung.de und Autor.

Die bei­den, die voll­stän­dig von der Lawi­ne begra­ben wur­den, star­ben. Es han­delt sich laut offi­zi­el­ler Mit­tei­lung (Sys­sel­man­nen) um die Deut­schen Sascha Brandt (39) und Mag­da­le­na Kata­ri­na Zakrzew­ski (40).

Eines der bei­den Opfer befand sich in 0,5 Meter Tie­fe im Schnee und wur­de nach 20 Min­un­ten gebor­gen. Das ande­re Opfer befand sich in 2 Metern Tie­fe und wur­de nach einer Stun­de gebor­gen. Die Gui­des und die übri­gen Mit­glie­der such­ten die Opfer mit Lawi­nen­son­den (Such­stan­gen) und gru­ben sie mit Schau­feln aus.

Kei­ner in der Grup­pe war mit Lawi­nen-Ortungs­ge­rät (Lawi­nen­ver­schüt­te­ten­such­ge­rät, kurz LVS-Gerät) aus­ge­stat­tet.

Das Alar­mie­ren der Ret­tungs­kräf­te erwies sich als schwie­rig, da das Satel­li­ten­te­le­fon sich in einem der ver­schüt­te­ten Motor­schlit­ten befand (Mobil­funk­netz gibt es an der Stel­le nicht). Schließ­lich konn­te der zwei­te Gui­de mit­tels InRe­ach eine Nach­richt nach Bar­ents­burg schi­cken, von wo aus der Sys­sel­man­nen benach­rich­tigt wur­de. Schlech­tes Wet­ter ver­zö­ger­te das Ein­tref­fen der Hel­fer, da der Hub­schrau­ber nicht lan­den konn­te. Nach Ein­tref­fen der Hel­fer, etwa zwei Stun­den nach­dem der Not­ruf in Lon­gye­ar­by­en ein­ge­gan­gen war, konn­te der Arzt schließ­lich nur noch den Tod der bei­den Opfer fest­stel­len.

Lawinenunglück Fridtjovbreen, Februar 2020

Schön, aber lei­der auch gefähr­lich: Berg­hang am Fri­dt­jov­breen

Schnee­fall, Wind und wech­seln­de Tem­pe­ra­tu­ren in den Wochen vor dem Unglück hat­ten zur Lawi­nen­ge­fähr­dung bei­getra­gen: An der Ober­flä­che befand sich eine Schicht locke­ren, fri­schen Schnees, dar­un­ter meh­re­re bin­dungs­schwa­che Schich­ten aus Firn – eine insta­bi­le, lawi­nen­ge­fähr­li­che Kom­bi­na­ti­on. Der Lawi­nen­warn­dienst hat­te in den Tagen vor und am Unglücks­tag die Lawi­nen­warn­stu­fe 2 („mode­ra­te Lawi­nen­ge­fahr“) aus­ge­ge­ben (die Ska­la geht von 1 – nied­rigs­te Stu­fe – bis 4).

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Ein­wir­kung der Motor­schlit­ten auf den Schnee wahr­schein­lich zur Aus­lö­sung der Lawi­ne führ­te (Fern­aus­lö­sung).

Als Lern­punk­te weist der Bericht gene­rell dar­auf hin, dass alle Teil­neh­mer einer Grup­pe mit Lawi­nen­aus­rüs­tung (Sender/Empfänger zur Ortung unter Schnee (LVS-Gerät), Schau­fel, Lawi­nen­son­de) aus­ge­rüs­tet und in der Hand­ha­bung geübt sein soll­ten. Dies soll­te idea­ler­wei­se auch für ein­fa­ches, kaum lawi­nen­ge­fähr­de­tes Gelän­de wie brei­te Täler und wei­te Ober­flä­chen von Glet­schern gel­ten, wo es aller­dings weni­ger kri­tisch ist; ins­be­son­de­re gilt es aber für kom­ple­xes, stär­ker gefähr­de­tes Gelän­de. Das Gelän­de der Rou­te von Bar­ents­burg zur Glet­scher­front des Fri­dt­jov­breen, dem Ziel der Tour, gilt ins­ge­samt als ein­fach und wenig gefähr­det, da man sich von gefähr­li­chen Hän­gen fern­hal­ten kann; davon wich die Grup­pe mit ihrem Abste­cher zur Glet­scher­höh­le direkt am Fuß des stei­len Hangs am Mar­cus­sen­f­jel­let aller­dings ab.

Wie erwähnt, han­delt es sich bei die­sem Bericht um eine Unter­su­chung des Gesche­hens und nicht um eine recht­li­che Bewer­tung. Die­se wird von den nor­we­gi­schen Behör­den vor­ge­nom­men und steht der­zeit noch aus.

Anti­gua-Rei­se im Juli fällt aus

Es ist wahr­lich kei­ne Über­ra­schung, nun aber offi­zi­ell: Die Anti­gua-Fahrt im Juli wird nicht statt­fin­den, aus Grün­den, die hier wohl kaum einer wei­te­ren Erläu­te­rung bedür­fen. Die Teil­neh­me­rIn­nen wer­den nun von der Geo­gra­phi­schen Rei­se­ge­sell­schaft kon­tak­tiert.

Corona-Virus, Spitzbergen

Mit der Anti­gua in Spitz­ber­gen: wird min­des­tens im Juli wegen Coro­na nicht pas­sie­ren.

Ohne all­zu gefüh­lig wer­den zu wol­len – und wenn es doch pas­siert, sch… drauf: Der Gedan­ke an all die schö­nen Spitz­ber­gen-Erleb­nis­se, die nun nicht erlebt wer­den, kann einem schon das Was­ser in die Augen trei­ben. Die­ser Tage wür­de unse­re ers­te, frü­he­re Rei­se auf der Anti­gua lau­fen, Spitz­ber­gen zwi­schen Win­ter und Som­mer, mit Schnee und Eis. Tat­säch­lich ist die Anti­gua von Spitz­ber­gen genau­so weit weg die die meis­ten Besu­che­rIn­nen die­ser Sei­te. Vor ein paar Wochen hät­ten wir auf der Fahrt von Nor­we­gen nach Spitz­ber­gen die Bären­in­sel pas­siert und sie dabei viel­leicht gese­hen, wie nie in jün­ge­rer Zeit, denn sie war nun tat­säch­lich mal wie­der voll­stän­dig von dich­tem Treib­eis umge­ben! Hät­te man ger­ne mal gese­hen … als ver­hin­der­ter Fahrt­lei­ter bin ich trau­rig, all das die­ses Jahr nicht erle­ben zu kön­nen, und ich ver­mu­te ganz stark, da für alle Pas­sa­gie­re und Kol­le­gen zu den­ken und zu schrei­ben.

Corona-Virus, Spitzbergen

Eis­kar­te von Spitz­ber­gen von Anfang Mai (Aus­schnitt): Eis ums Süd­kap, um die Bären­in­sel und im Osten von Sval­bard, der Bellsund noch schön zuge­fro­ren. Hät­te man ger­ne erlebt.
Eis­kar­te © Nor­we­gi­sches Meteo­ro­lo­gi­sches Insti­tut.

Man kann sich sicher vor­stel­len, dass das auch wirt­schaft­lich weh tut. An die­ser Stel­le sei der Hin­weis erlaubt, dass der Spitzbergen.de-Onlineshop immer geöff­net war und ist und dass man dort viel fin­det, womit man wun­der­bar vom Sofa aus lesend in die Ark­tis Rei­sen kann! Neben dem berühm­ten Rei­se­füh­rer gibt es ja etwa das weni­ger berühm­te, aber min­des­tens so schö­ne Foto­buch mit den Luft­bil­dern oder, mit den Treib­holz-Bil­der­rah­men und den Küchen­brett­chen, Spitz­ber­gen an der eige­nen Wand bezie­hungs­wei­se auf dem Früh­stücks­tisch …

Auch sonst läuft der Tou­ris­mus auf Spitz­ber­gen aktu­ell eher ver­hal­ten an, was aber eben­falls nie­man­den über­ra­schen wird: Bis­lang dür­fen nur Tou­ris­ten vom nor­we­gi­schen Fest­land nach Spitz­ber­gen, am 15. Juni sol­len die Dänen fol­gen dür­fen. Dar­über hin­aus ist alles offen. Bis zum 20. Juli will die nor­we­gi­sche Regie­rung sich dazu äußern, wie es für Spitz­ber­gen-Besu­cher aus „nahe­ge­le­ge­nen euro­päi­schen Län­dern“ wei­ter­ge­hen wird. Bis­lang sind mehr­tä­gi­ge Schiffs­rei­sen von allen vor­sich­ti­gen Öff­nun­gen aller­dings aus­ge­nom­men.

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News-Auflistung generiert am 03. Dezember 2021 um 07:56:00 Uhr (GMT+1)
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