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Fredheim

Seit Anfang Februar 2014 gibt es eine geniale Software, mit der ich Euch eine Panorama-Tour von Fredheim präsentieren kann. Ein virtueller Rundgang mit interaktivem Museumsbesuch.

Viel Spaß beim Schauen, wir freuen uns über Euer Feedback.

Panoramen »Villa« Fredheim als virtueller Rundgang/Panoramatour

Hinweis

Die Karte unten links kann dazu verwendet werden, um die einzelnen Stationen gezielt anzuspringen. Man kann aber auch die gesamte Tour einfach automatisch durchlaufen lassen. Den Ton kann man über den Button oben rechts ausschalten. Die Pano-Tour funktioniert auch auf dem iPad und anderen vergleichbaren Tablets, wenn das Gerät genügend Prozessorpower hat und das Betriebssystem aktuell genug ist. Auf Desktop-Systemen kann es statt mit HTML5 auch via Flash angezeigt werden.

Und wem es gefällt, kann den Pano-Link gern weitergeben oder selbst verlinken 🙂

Stationen

  1. Danielsbu / Gammelhytta (außen)
  2. Danielsbu / Gammelhytta (1)
  3. Danielsbu / Gammelhytta (2)
  4. Fredheim: Nødhytta
  5. Fredheim: Nødhytta (1)
  6. Fredheim: Nødhytta (2)
  7. Villa Fredheim
  8. Villa Fredheim: Eingang
  9. Villa Fredheim: Küche
  10. Villa Fredheim: Wohnzimmer (1)
  11. Villa Fredheim: Wohnzimmer (2)
  12. Villa Fredheim: Aufgang
  13. Fredheim: Obergeschoss (1)
  14. Fredheim: Obergeschoss (2)
  15. Fredheim: Obergeschoss (3)

Im Folgenden weiterführende Informationen zu den einzelnen Stationen:

Fredheim

Die „Villa“ Fredheim ist eine Trapperhütte, die dem berühmten norwegischen Jäger Hilmar Nøis gehört hat. Nøis hat Fredheim 1924 gebaut, lebte dort bis in die 1960er Jahre und baute sie im Laufe der Zeit zu einer geräumigen Unterkunft um, die im Vergleich zu anderen Trapperhütten auf Spitzbergen absolut luxuriös ist, sie ist sogar zweigeschossig. Die allermeisten anderen Jägerhütten Spitzbergens sind viel kleiner und weniger gemütlich und definitiv nicht so berühmt wie die legendäre Villa Fredheim.

Neben der Haupthütte Fredheim stehen noch zwei kleinere Hütten. Am ältesten ist die „Gammelhytta“ (alte Hütte). Näher bei der Haupthütte Fredheim steht eine Nebenhütte („Nødhytta“ = Nothütte) mit einem Vorraum, der als Lager für Werkzeug usw. diente, und einem heizbaren Raum mit Kojen, der im Notfall, etwa im Fall eines Feuers in der Haupthütte, eine schlichte Unterkunft bot. Darüber hinaus steht in der Nähe, aber mit gewissem Sicherheitsabstand, luxuriöserweise ein Klohäuschen.

Vor den norwegischen Jägern, die verstärkt ab 1890 nach Spitzbergen kamen, haben Jäger aus Nordrussland oder Pomoren diese Reviere besucht. Am Ufer westlich von Fredheim gab es früher Reste einer russischen Hütte, die aber der Küstenerosion zum Opfer gefallen ist. Das sich ins Land fressende Ufer bedrohte bis April 2015 auch Fredheim, dann wurden die traditionsreiche Hütte auf eine höher gelegene Terrasse gezogen.

Fredheim: Danielsbu or Gammelhytta (außen)

danielsbu_gammelhytta

Das älteste Gebäude von Fredheim ist die Gammelhytta („Alte Hütte“), 1902 von Lars Gunnarsen Nisja für die folgende Überwinterung gebaut. 1911 wurde sie von Daniel Nøis übernommen und verbessert, daher wird sie seitdem meistens „Danielsbu“ genannt. Daniel Nøis war ein Onkel von Hilmar, zeitweise war ein großer Teil der von den Vesterålen stammenden Nøis-Familie im Eismeerfang engagiert. Sie ist eines der am besten erhaltenen Beispiele für traditionelle Bauweise in Spitzbergen mit Außenwänden aus Torf, Abdichtung von Fugen mit Moos und des Daches mit Birkenrinde.

Fredheim: Danielsbu oder Gammelhytta (erster Raum)

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Anstelle eines Fußbodens gibt es nur eine Schicht Kies.

In der Gammelhytte lebte Hilmar Nøis zeitweise mit seiner ersten Frau Ellen Dorthe (geb. Johansen). Im Herbst 1913 hatten sie in Norwegen geheiratet, und im Herbst 1914 brachte Ellen ihre Tochter Embjørg zur Welt. Kurz vor der Geburt hatte Hilmar sich allerdings zur Überwinterung nach Spitzbergen verzogen. Mehrere Jahre lang lebte das Paar die meiste Zeit getrennt, sie in Norwegen, er in Spitzbergen, und sie sahen sich nur im kurzen Sommer, bis Ellen 1921 erstmalig Hilmar zur Überwinterung in Fredheim begleitete.

Fredheim: Danielsbu oder Gammelhytta (hinterer Raum)

danielsbu_2

In der Gammelhytte brachte Ellen am 11. Juni 1922 ihr zweites Kind zur Welt, Johannes Normann Kaps Nøis. Hilmar hatte den Arzt aus Longyearbyen holen wollen, kam aber zu spät zurück: In der Zwischenzeit hatte Ellen ihr Kind alleine in der alten Hütte zur Welt gebracht. Die Geburt ohne jegliche Hilfe alleine in einer armseligen Hütte in der Arktis ließ in der Seele der Mutter Wunden zurück. Dennoch kam sie zwei Jahre später zu einer weiteren Überwinterung mit Hilmar zurück nach Fredheim, sie verließ Spitzbergen nach dem Winter aber bei der ersten Gelegenheit. Der Winter, vor allem die alleine verbrachten Tage während der Dunkelheit der Polarnacht, waren zuviel gewesen; Ellen soll noch ihr Leben lang unter den psychischen Folgen gelitten haben. Die Ehe mit Hilmar wurde jedenfalls bald geschieden. Johannes Kaps hingegen überwinterte später mehrfach zusammen mit seinem Vater und arbeitete auch in den Kohlegruben Spitzbergens.

Fredheim: Nødhytta

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Die Nødhytta wurde von Hilmar Nøis als Lager- und Reservehütte gebaut und scheint nie darüber hinaus genutzt worden zu sein. Sie ist das einzige der drei Gebäude von Fredheim, das heute nicht abgeschlossen ist.

Fredheim: Nødhytta, vorderer Raum

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Die „Nødhytta“ ist, wie der Name sagt, eine Nothütte. Im Fall eines Feuers im Hauptgebäude hätten die Bewohner hier noch einen Unterschlupf gefunden, was aber nie nötig wurde. Der vordere Raum ist unbeheizt und diente als Werkstatt und Lagerraum.

Fredheim: Nødhytta, hinterer Raum

nodhytta_2

Der hintere Raum der Nødhytte von Fredheim ist mit einem Holzofen beheizbar, und wenn man einheizt, wird es hier schnell bullig heiß!

Villa Fredheim

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Die Villa Fredheim ist das größte und bekannteste der drei Gebäude von Fredheim, sie ist eine der schönsten und berühmtesten Trapperhütten Spitzbergens. Immerhin hatte die Villa Fredheim, wie hier zu sehen, sogar eine Veranda zum Tempelfjord. In besten Zeiten soll es hier sogar einen kleinen Garten gegeben haben! Vermutlich nicht mit Primeln und Tulpen, sondern mit lokalen Blumenarten wie Steinbrech und Svalbardmohn.

Villa Fredheim: Eingang

fredheim_eingang

Jede anständige Trapperhütte hatte wenigstens einen kleinen Vorraum, der als Schleuse diente, damit nicht Wind und Schnee direkt von draußen in die Stube bliesen.

Villa Fredheim: Küche

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In der Küche bereiteten Hilmar Nøis sowie später seine jeweiligen Ehefrauen Ellen Dorthe und Helfrid ihr Essen zu. Gäste wurden stehts mit frischen Waffeln oder Kuchen und glühend heißem Kaffee empfangen und überhaupt mit dem besten bewirtet, was die Küche hergab. Und das war sicher mehr, als man so vermuten würde! Früher wurde auf dem Holzofen gekocht, heute gibt es einen kleinen Gasherd.

Villa Fredheim: Wohnzimmer (1)

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Der Eingangsbereich zum Wohnzimmer. Früher war dies ein separater, unbeheizter Raum zwischen Küche und Stube. Es war vor allem Hilmars zweite Frau Helfrid, die ab 1937 aus der Zimmer eine gemütliche Stube machte. Bald gab es einen neuen Ofen, Gardinen und Teppiche.

Villa Fredheim: Wohnzimmer (2)

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Hier in der Raummitte des Wohnzimmers verlief früher eine Wand, die diesen Raum in zwei Hälften teilte. Hilmar und Helfrid beiden hatten sich im Sommer zuvor auf einem Hurtigruten-Schiff kennengelernt. Am 22. August 1937 heirateten beide vor dem Sysselmann in Fredheim. So wie die Geschichte überliefert ist, hatte Hilmar Helfrid erst am Tag zuvor über seine diesbezüglichen Pläne informiert.

Der hintere Teil der Stube mit dem Ofen. Diese Hälfte des Raumes war ursprünglich das Wohnzimmer. Hilmar und Helfrid lebten bis in die 1960er Jahre zusammen hier und zogen dann endgültig nach Norwegen. Hilmar kam auf legendäre 38 Überwinterungen in Spitzbergen, er starb 1975 im Alter von 84 Jahren. Helfrid wurde sogar 96, bis sie 1996 in Bodø starb.

Villa Fredheim: Aufgang

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Die „Villa“ Fredheim verdient diese Bezeichnung schon, weil sie zweigeschossig ist, was kaum eine arktische Trapperhütte von sich behaupten kann. Der Aufgang zum Obergeschoss dient heute wie auch früher schon als kleiner Lagerraum.

Fredheim: Obergeschoss (1)

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Der vordere Teil des Dachbodens. Abgesehen von einer kleinen Abstellkammer, besteht das Obergeschoss aus nur einem Raum, der aber etwas verwinkelt ist. Früher wurden hier Vorräte und Gerätschaften gelagert, heute ist hier ein Matratzenlager.

Fredheim: Obergeschoss (2)

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In der Mitte des Obergeschosses. Das Matratzenlager zeigt, was heute in Fredheim passiert: Fredheim ist nicht mehr die Hütte eines Jägers, der dort viele Jahre wechselweise alleine und mit Frau lebte. Heute steht Fredheim überwiegend leer und wird nur gelegentlich für Wochenendausflüge in netter Gesellschaft genutzt.

Fredheim: Obergeschoss (3)

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Hinten im Obergeschoss. Entgegen sonstigem Brauch in der Arktis, hängen an der Tür nun ein Schloss und ein Schild mit dem Dienstsiegel des „Sysselmannen på Svalbard“. Aus Angst vor Schäden hat die Verwaltung die meisten Hütten in Spitzbergen abgeschlossen. Aber wie viele Hütten sind mittlerweile schon verfallen, weil sie nie benutzt und deswegen auch nie geheizt und repariert werden? Auf jeden Fall eine ganze Menge, und es werden immer mehr. Der Staat kann nur wenige Hütten unterhalten. Motivierte Privatleute oder Vereine gäbe es, aber diese haben nicht die Möglichkeit. Nur zu Weihnachten und Ostern verleiht der Sysselmannen diese Hütten an Einwohner von Spitzbergen, und an zwei Wochenenden während der Motorschlittensaison gibt es „Tag der offenen Tür“. Dass die Mitarbeiter der Verwaltung manche Hütten regelmäßig privat nutzen und andere verfallen, während sonst kaum einer hineinkommt, ist – freundlich gesagt – eine kontroverse Angelegenheit.

Bei den freundlichen Sysselmann-Mitarbeitern jedoch, die mir am 29. März 2014 die Erlaubnis gaben, am „Tag der offenen Tür“ die Innenaufnahmen dieser Panorama-Tour zu fotografieren, nachdem der Besucherandrang nachgelassen hatte, möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken!

Am Tempelfjord, beim Eingang des Sassendalen, liegt Fredheim, wo der bekannte Jäger Hilmar Nøis jahrzehntelang gewohnt hat, teilweise zusammen mit seiner zweiten Frau Helfrid. 1/2

Am Tempelfjord, beim Eingang des Sassendalen, liegt Fredheim, wo der bekannte Jäger Hilmar Nøis jahrzehntelang gewohnt hat, teilweise zusammen mit seiner zweiten Frau Helfrid. 2/2

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Letzte Änderung: 04. Mai 2015 · Copyright: Rolf Stange
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