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Seehund (Phoca vitulina)

Harbour seal / Common seal (E) - Steinkobbe / Fjordsel (N) - Gewone zeehond (NL) - Phoque commún (F)

Seehundkolonie auf Prins Karls Forland.
Bild © Rolf Stange

Beschreibung: Seehunde sind mit 1,5 m Länge und einem Gewicht von gut 100 kg etwas größer als Ringelrobben und haben eine sehr variable Farbgebung des Fells von schwarz über dunkelgrau bis hin zu braun, mit dunklen Flecken oder Ringen. Junge Seehunde sind bei der Geburt bereits fast einen Meter groß und haben schon ein ähnliches Fell wie ausgewachsene Tiere. Ein gutes Unterscheidungsmerkmal zur Ringelrobbe ist Ort und Erscheinungsbild des Seehundes: In Svalbard tritt er praktisch ausschließlich an der Westküste auf, selten auch an der Nordküste, und man sieht fast immer mehrere gleichzeitig. Auch, wenn man Robben auf Steinen liegen sieht, handelt es sich sicherlich um Seehunde. Der Seehund ist etwas schlanker und hat eine längere Schnauze als die Ringelrobbe.

Verbreitung/Zugverhalten: Seehunde gehören zu den Robbenarten mit dem weitesten Verbreitungsgebiet, sind aber vor allem in temperierten und subarktischen Gewässern beheimatet. In Mitteleuropa kennt man sie von der Nordsee. Svalbard ist das nördlichste Vorkommen von Seehunden weltweit, die einzige Kolonie befindet sich auf Prins Karls Forland, wo sie rund ums Jahr anzutreffen sein sollen. Von dort aus unternehmen sie jedoch Streifzüge in die Fjorde der Westküste, so dass man sie gelegentlich auch beispielsweise im Isfjord oder Kongsfjord sehen kann. Es ist nicht allzu ungewöhnlich, sie an den steinigen Stränden nahe bei Smeerenburg auf der Amsterdamøya zu sehen.

Möglicherweise handelt es sich bei der Kolonie um ein Relikt-Vorkommen aus Zeiten vor einigen tausend Jahren, als das Klima und auch die Wassertemperaturen um Svalbard etwas wärmer waren.

Biologisches: Im Gegensatz zu anderen Robben auf Svalbard wird man Seehunde meist an der Küste antreffen, oft auf Steinen nahe am Ufer ruhend. Auf Eis liegen sie im Sommer praktisch nie, solange die Küste zugänglich ist.

Außerhalb der Paarungszeit sowie der Zeit des Fellwechsels (Ende August-Anfang September) halten Männchen und Weibchen sich meist getrennt voneinander auf. Anschließend gehen alle im September auf intensive Nahrungssuche, um die Speckschicht für den Winter zu erneuern. Seehunde fressen so ziemlich alles, was im Wasser schwimmt und deutlich kleiner ist als sie selbst: Fische, Cephalopoden, Crustaceae.

Orkas und Grönlandhaie sowie gelegentlich Walrosse mit etwas abnormalem Geschmack sind gefährliche Fressfeinde von Seehunden; Eisbären eher selten, da das Verbreitungsgebiet der Seehunde an der Westküste Spitzbergens eher am Rande des Verbreitungsgebietes von Eisbären liegt. Vor allem im Eis, wo Eisbären die besten Jagdmöglichkeiten auf Robben haben, sind Seehunde kaum anzutreffen.

Die Geburtszeit für Seehunde in Svalbard liegt bei Anfang oder Mitte Juni. Der Nachwuchs kommt im flachen Wasser zur Welt, ist sofort schwimmfähig und ernährt sich noch für drei bis vier Wochen von Muttermilch. Dann haben sie ihr Gewicht von 10-12 kg auf 25-30 kg vergrößert und fangen an, sich ihre Nahrung selbst zu suchen.

Sobald die Jungtiere langsam selbstständig werden, kommen die Männchen wieder in die Nähe der Weibchen, um durch Tanz und Gesang um die Gunst der Weibchen zu werden. Wie auch bei anderen Robben und Eisbären, beginnt die tatsächliche Entwicklung des Embryos erst nach einigen Monaten. Die eigentliche Schwangerschaft beginnt erst im September oder Oktober.

Die Lebenserwartung von Seehunden in Svalbard ist aus unbekannten Gründen deutlich kürzer als bei Artgenossen weiter im Süden, das höchste nachgewiesene Alter liegt bei nur 22 Jahren.

Sonstiges: Die Größe der Population in Svalbard wird auf etwa 1000 Seehunde geschätzt. Die Chancen, Seehunde auf Steinen zu sehen, ist bei Ebbe tendentiell größer, während sie bei Flut auf Nahrungssuche sind.

Jagd und Beifang sowie Verschmutzung (u.a. Ölpesten) haben Seehundpopulationen im gesamten Verbreitungsgebiet immer wieder unter Druck gesetzt. Obwohl die Population in Svalbard vermutlich eine natürliche Größe hat, ist sie auf der norwegischen Roten Liste und vollständig geschützt.

Bild
© Rolf Stange

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Letzte Änderung: 01. Oktober 2010 · Copyright: Rolf Stange
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