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Krossfjord

E = Ebeltofthamna,
FG = Fjortende Julibukta,
KG = Kapp Guissez,
KHH = Kong Håkons Halvøy,
KM = Kapp Mitra,
LB = Lilliehöökbreen,
M = Møllerfjord,
S = Signehamna,
TB = Tinayrebukta

Karte Krossfjord

Allgemein: Der Krossfjord schneidet gut 30 km tief in die nördlich-zentrale Westküste Spitzbergens ein und hat mehrere Verzweigungen. Die Hauptverzweigungen sind Lilliehöökfjord und Møllerfjord im nördlichen Teil, es gibt mehrere Seitenbuchten. Vor allem der nördliche und östliche Teil ist kräftig vergletschert, das Hinterland größtenteils gebirgig. Der Name Krossfjord leitet sich vermutlich davon ab, dass Walfänger im frühen 17. Jahrhundert dort ein Kreuz aufgestellt haben, das allerdings schon lange nicht mehr existiert.

Dieser Teil der Westküste steht unter Golfstromeinfluss und hat daher, zumindest für Spitzbergen-Verhältnisse, ein vergleichsweise mildes, maritim-arktisches Klima. Die Sommer sind oft grau und feucht, die Winter stürmisch. Fjordeis und Treibeis kommen spät, so dass zumindest der Eingangsbereich, den Krossfjord und Kongsfjord sich teilen, beinahe rund ums Jahr schiffbar ist; die inneren Fjordbereiche frieren aber zu. Der gesamte Krossfjord gehört zum Nordwest-Spitzbergen-Nationalpark, es gibt am Kapp Guissez ein Vogelreservat (Annäherung unterhalb 300 Meter an die Grenze zu Wasser, Land und in der Luft ist verboten).

Gletscherfront Lilliehook

Abbruchkante Lilliehöökbreen

Geologie: Grundgebirgs-Schiefer und Phyllite mit vielen kleinen Quarzgängen. Die Region wurde mehrfach tektonisch stark beansprucht: Während der caledonischen Phase (vor gut 400 Millionen Jahren) und später während der alpidischen Phase (etwa 50 Millionen Jahre). Erstere brachte neben der Deformation auch Metamorphose, letztere keine Metamorphose mehr, dafür starke horizontale Einengung mit kräftigen Überschiebungen. Diese sind auf der Ostseite des Krossfjords in der Tinayrebukta und der Fjortende Julibukta jeweils deutlich sichtbar.

Gletscher in der Fjortende Julibukta. Die Felswand dahinter besteht aus metamorphen Gesteinen, vor allem Schiefer, mit mehreren Überschiebungsbahnen, die von links oben nach rechts unten einfallen.

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Landschaft: Das Umland ist überwiegend gebirgig mit Ausnahme des flachen Vorlandes bei Kapp Guissez sowie Kapp Mitra und westlich davon. Das Inland nördlich und östlich des Krossfjord und seiner Verzweigungen ist kräftig vergletschert, und mehrere Gletscher reichen mit aktiven Kalbungsfronten bis zum Meer herab. Mit einer acht Kilometer breiten, halbkreisförmigen Front ist der Lilliehöökbreen besonders schön, aber auch die Gletscher in der Tinayrebucht und der Fjortende Julibukta sind beeindruckend.

Kalbende Gletscherfront, Fjortende Julibukta

Kalbende Gletscherfront, Fjortende Julibukta.

Panoramen: Signehamna im Lilliehöökfjord

Signehamna im Lilliehöökfjord, einer Verzweigung des Krossfjord. Die kleine Bucht präsentierte sich Ende September 2012 schon sehr winterlich.

Panoramen: Kollerbreen (-gletscher) im Kollerfjord

Der Kollerbreen (-gletscher) im Kollerfjord, dem nordöstlichen Winkel des Krossfjord.

Ein herrlicher Moment an einem Spätseptembernachmittag im Möllerfjord, nordöstlicher Krossfjord.

Flora und Fauna: Aufgrund des recht milden Klimas und der teilweise feinkörnig verwitternden Schiefer hat die Gegend eine reiche Vegetation aufzuweisen, mit einem bunten Flickenteppich aus Flechten und Moosen, wie beispielsweise in Signehamna. Auch die Düngung durch nahegelegene Vogelfelsen trägt dazu bei. Wo alle diese Gunstfaktoren besonders gut zusammenwirken, gibt es bunte »hängende Gärten« wie in der Fjortende Julibukta, wo viele Blumenarten besonders groß und kräftig blühen (entsprechend ist Vorsicht geboten, versuchen Sie, nicht auf verletzliche Vegetation zu treten und nehmen Sie Rücksicht auf brütende und mausernde Vögel wie z.B. Gänse).

Flechten und Moose, Signehamna

Flechten und Moose, Signehamna.

Vegetation, Fjortende Julibukta

»Blumenbeete«, Fjortende Julibukta.

Es gibt eine Reihe von Vogelfelsen mit Dickschnabellummen, Dreizehenmöwen und Eissturmvögeln, stellenweise mischen sich auch die in Spitzbergen sehr seltenen Tordalken und Papageitaucher darunter. Die meisten Vogelfelsen befinden sich hoch über dem Meeresspiegel und somit außerhalb der Reichweite, aber eine Vogelklippe direkt über dem Wasser gibt es in der Fjortende Julibukta und am Cadiopynten. Füchse freuen sich über alles, was von den Vogelfelsen herabfällt, und Rentiere über die reiche Tundra. Eisbären sind eher selten in dieser Region, kommen aber wie überall in Spitzbergen vor.

Dickschnabellummen, Fjortende Julibukta

Dickschnabellummen, Fjortende Julibukta.

Geschichte: Da die Gegend recht gut zugänglich ist, hat sie auch eine lange Geschichte. Diese Fjorde waren schon den Walfängern im frühen 17. Jahrhundert bekannt, Reste von Walfangstationen sind aber nicht bekannt. Die Gegend wurde 1906 nd 1907 von Expeditionen kartiert, die Fürst Albert I von Monaco gesponsort und organisiert hatte. Daran erinnern noch Namen wie Fjortende Julibukta (14. Julibucht, anlässlich des französischen Nationalfeiertages).

In Ebeltofthamna gab es 1910-14 ein deutsches Observatorium, das vor allem untersuchen sollte, ob die Wetterbedingungen für Fahrten mit Luftschiffen günstig sein könnten. Dieser Frage ging auch eine Expedition des Grafen Ferdinand von Zeppelin nach, die 1910 im Bereich Krossfjord-Kongsfjord unterwegs war. Auch daran erinnern noch zahlreiche Ortsnamen vor allem bei Ny Ålesund.

In Signehamna im Krossfjord unterhielt die deutsche Kriegsmarine während des zweiten Weltkrieges bemannte Wetterstationen (1941/42 Station »Knospe« und 1942/43 »Nussbaum«).

Kriegswetterstation, Signehamna im Krossfjord

Reste der deutschen Kriegswetterstation in Signehamna, hier eine automatische Wetterstation mit alten Batterien im Vordergrund.

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Letzte Änderung: 31. Mai 2016 · Copyright: Rolf Stange
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