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Nord­licht

Nord­licht, Polar­licht, Auro­ra borea­lis: gemeint ist das­sel­be, geheim­nis- und wun­der­vol­le Licht­phä­no­men, das manch­mal am dunk­len Nacht­him­mel in hohen Brei­ten sicht­bar ist. Das Nord­licht, das im tie­fen Süden Süd­licht oder Auro­ra aus­tra­lis heißt, hat die Men­schen schon immer fas­zi­niert und beschäf­tigt: frü­her hielt man es für einen Unglücks­bo­ten, für ein Zei­chen der Göt­ter oder für die tan­zen­den See­len der Toten. Heu­te weiß man, dass es die nack­te Phy­sik ist, die am Him­mel leuch­tend in Erschei­nung tritt, aber ein schö­nes Nord­licht berührt die Men­schen genau­so wie frü­her. Heu­te zie­hen Foto­gra­fen und Tou­ris­ten um den Glo­bus, um es zu sehen.

360 Grad Pan­ora­ma mit Nord­licht ober­halb der Gru­be 7 bei Lon­gye­ar­by­en

Aller­dings gilt es, zur rich­ti­gen Zeit am rich­ti­gen Ort zu sein. Die Annah­me, je näher am Nord­pol, des­to bes­ser, ist falsch. Das Magnet­pol der Erde ist nicht am geo­gra­phi­schen Nord­pol (90 Grad Nord, die Erd­ach­se) ori­en­tiert, son­dern wenn über­haupt am Pol, dann am Magnet­pol. Aber noch nicht ein­mal das stimmt wirk­lich. Tat­säch­lich ist das Magnet­feld ziem­lich unre­gel­mä­ßig struk­tu­riert, je nach­dem, was der Unter­grund so an magne­ti­schen Mine­ra­li­en ent­hält, und die­se gibt es in gro­ßen Men­gen.

Das Magnet­feld der Erde fängt den Son­nen­wind ein: Das sind elek­trisch gela­de­ne Par­ti­kel, die von der Son­ne ins Welt­all geschleu­dert wer­den. Die­se Par­ti­kel wer­den ent­lang der magne­ti­schen Feld­li­ni­en gelei­tet und gelan­gen so in die hohe Atmo­sphä­re über den Polar­ge­bie­ten der Erde. Dort tref­fen sie auf Gas­mo­le­kü­le und regen die­se kurz zum Leuch­ten an. Das geschieht, indem bei den Gas­mo­le­kü­len Elek­tro­nen kurz auf ein höhe­res Ener­gie­ni­veau ange­ho­ben wer­den, wobei sie Ener­gie spei­chern, und dann wie­der zurück­fal­len und die Ener­gie abge­ben. Sie kön­nen aber nur auf bestimm­ten Stu­fen ihrer Ener­gie­ni­veau­lei­ter ste­hen und nicht dazwi­schen. Daher ist auch die von der „Fall­hö­he“ abhän­gi­ge Ener­gie nicht zufäl­lig, son­dern kann nur bestimm­te Men­gen („dis­kre­te Ener­gie­ni­veaus“) anneh­men, je nach­dem, um was für ein Gas es sich han­delt, Sauer­stoff oder Stick­stoff. Die abge­ge­be­ne Ener­gie ent­spricht jeweils einer bestimm­ten Wel­len­län­ge. Als Ergeb­nis kön­nen wir das Nord­licht nur in ganz bestimm­ten Far­ben. Das Gan­ze pas­siert etwa in 20-30 km Höhe, in der Stra­to­sphä­re.

In Spitz­ber­gen ist das grü­ne Nord­licht am häu­figs­ten, aber es gibt auch rotes Nord­licht.

Polarnacht und Nordlicht im Adventdalen

Polar­nacht mit eher schwa­chem Nord­licht im Advent­da­len, mit Lon­gye­ar­by­en in der Fer­ne. 24 mm, 10 Sek. Belich­tungs­zeit, Blen­de 3,2, 800 ISO.

Wegen der Struk­tur des Magnet­fel­des tritt das Nord­licht in man­chen Regio­nen häu­fi­ger auf als anders­wo. Im Nor­den von Nor­we­gen, Schwe­den und Finn­land sieht man es etwas häu­fi­ger und inten­si­ver als auf Spitz­ber­gen. Auch in Island und Grön­land kann man es sehr gut beob­ach­ten.

Ein paar Bedin­gun­gen müs­sen natür­lich erfüllt sein: Zunächst braucht man nächt­li­che Dun­kel­heit. Das geht in Spitz­ber­gen Mit­te Sep­tem­ber los, bes­ser wird es im Okto­ber. Bis Ende März ist nachts aus­rei­chend dun­kel. Und natür­lich braucht man einen kla­ren Him­mel, sonst kön­nen die Nord­lich­ter toben, aber man sieht sie logi­scher­wei­se nicht. Oft sagt man, dass die Chan­cen in kal­ten Näch­ten bes­ser sei­en. Das stimmt nicht, zwi­schen der Tem­pe­ra­tur am Bor­den und den Nord­lich­tern, die in 20-30 km Höhe ent­ste­hen, gibt es kei­nen direk­ten Zusam­men­hang. Aber natür­lich sind kla­re Win­ter­näch­te im Nor­den meis­tens kalt.

Nordlicht. Scoresbysund, Ostgrönland

Ein paar dün­ne Wol­ken kön­nen auch ihren Reiz haben. Scores­by­sund, Ost­grön­land, Mit­te Sep­tem­ber. 24 mm, 0,5 Sek. Belich­tungs­zeit, Blen­de 1,4, 12800 ISO. Die Kame­ra stand auf einem Schiff, das ruhig vor Anker lag. Den­noch wäre eine län­ge­re Belich­tungs­zeit daher ungüns­tig gewe­sen.

Eine wei­te­re Bedin­gung ist viel Son­nen­ak­ti­vi­tät, denn ohne Son­nen­ak­ti­vi­tät kein Son­nen­wind und ohne Son­nen­wind kein Nord­licht. Alle 11 Jah­re kommt es zu einem Maxi­mum an Son­nen­ak­ti­vi­tät, das letz­te Maxi­mum war um 2013, nun dau­ert es also wie­der eine Wei­le. Natür­lich kann man trotz­dem Nord­lich­ter sehen, nur viel­leicht nicht ganz so häu­fig und nicht ganz so inten­siv. Zu Zei­ten maxi­ma­ler Akti­vi­tät wur­den Nord­lich­ter gele­gent­lich auch in Mit­tel­eu­ro­pa oder sogar im Mit­tel­meer­raum beob­ach­tet.

Polarnacht und Nordlicht bei Longyearbyen

Nord­licht über dem Advent­fjord, zwi­schen Hafen und Flug­ha­fen von Lon­gye­ar­by­en foto­gra­fiert. Sehr kräf­ti­ges Nord­licht zu Zeit star­ker Son­nen­ak­ti­vi­tät, Janu­ar 2014. 24 mm, 2,2 Sek. Belich­tungs­zeit, Blen­de 3,2, 1600 ISO.

Eine gute Rei­se­zeit für eine Nord­licht­rei­se nach Spitz­ber­gen wäre Okto­ber oder Febru­ar. Da herrscht an Dun­kel­heit kein Man­gel, aber man hat tags­über noch bzw. schon wie­der ein paar Stun­den Tages­licht oder zumin­dest Däm­me­rung. Zu die­sen Zei­ten sind auch Unter­künf­te in Lon­gye­ar­by­en etwas güns­ti­ger zu haben. Man soll­te ein Auto zur Ver­fü­gung haben, um bei guten Bedin­gun­gen jeder­zeit aus dem Ort her­aus­zu­fah­ren, da künst­li­ches Licht beim Beob­ach­ten und Foto­gra­fie­ren stört. Kein Wun­der, dass das Kjell Hen­drik­sen Obser­va­to­ri­um, das auf wis­sen­schaft­li­che Nord­licht­be­ob­ach­tung spe­zia­li­siert ist, ober­halb der Gru­be 7 ange­sie­delt ist. Man kann auf der Stra­ße fast ganz hin­fah­ren, wenn nicht Schnee­we­hen den Weg unbe­fahr­bar machen. Natür­lich soll man beim Obser­va­to­ri­um mög­lichst kein Licht machen und schon gar nicht mit auf­ge­blen­de­ten Schein­wer­fen in die Nähe der licht­emp­find­li­chen Gerä­te fah­ren. Das Kjell Hen­drik­sen Obser­va­to­ri­um hat übri­gens eine inter­es­san­te Web­site, dort gibt es sogar eine Nord­licht­pro­gno­se.

Polarnacht und Nordlicht beim Campingplatz Longyearbyen

Nord­licht über dem Cam­ping­platz bei Lon­gye­ar­by­en. 50 mm, 3,2 Sek. Belich­tungs­zeit, Blen­de 4, 1600 ISO.

Cam­ping­platz Lon­gye­ar­by­en mit Nord­licht: 360 Grad Pan­ora­ma

Um Nord­lich­ter zu foto­gra­fie­ren, sind licht­star­ke Objek­ti­ve und ein Sta­tiv unbe­ding­te Vor­aus­set­zung. Und licht­stark heißt wirk­lich licht­stark. Eine Fest­brenn­wei­te mit Licht­stär­ke 1,4 oder 1,2 wirkt Wun­der. Wenn man schon zu so einer Zeit nach Spitz­ber­gen fährt, soll­te man so etwas wirk­lich dabei haben. (Man kann sol­che Objek­ti­ve mie­ten. Ande­rer­seits gibt es auch preis­wer­te Vari­an­ten die­ser rela­tiv ein­fach zu bau­en­den Fest­brenn­wei­ten, die optisch meist eben­falls ziem­lich gut sind.) Das glei­che gilt für ein hoch­wer­ti­ge Kame­ra mit rausch­ar­mem Voll­for­mat-Sen­sor. Hier kli­cken für detail­lier­te Hin­wei­se zur Foto­aus­rüs­tung auf die­ser Sei­te.

Man soll­te nicht zu lan­ge belich­ten, da Nord­lich­ter sich bewe­gen und zu einem detail­ar­men Schlei­er ver­wi­schen, wenn die Belich­tungs­zeit zu lang ist. In Büchern oder Inter­net immer wie­der zu fin­den­de Hin­wei­se, wo 20 Sekun­den Belich­tungs­zeit oder sogar mehr emp­foh­len wer­den, sind hoff­nungs­los ver­al­tet. Davon rate ich ab! Bei einer sol­chen Belich­tungs­zeit geht jeg­li­ches Detail der oft sehr fein struk­tu­rier­ten Nord­lich­ter ver­lo­ren.

Bei einem guten Sen­sor (Voll­for­mat) kann man die Licht­emp­find­lich­keit beden­ken­los auf 1600 oder auch 3200 ISO stel­len oder bei Bedarf noch mehr. Und dann wird mit 3,2 oder 4, maxi­mal 6 Sekun­den belich­tet. Das lässt immer noch genug Spiel­raum, um die Blen­de nicht voll geöff­net ein­zu­stel­len. Die Blen­de 2-3 Stu­fen zuzu­dre­hen und nicht die maxi­ma­le Offen­blen­de ein­zu­stel­len, bringt immer einen qua­li­ta­ti­ven Gewinn. Dies umso mehr, wenn Objek­te rand­nah im Bild sind, die scharf abge­bil­det wer­den sol­len. Bewegt das Nord­licht sich oder zeigt es vie­le Details, soll­te man wirk­lich nicht mit der ISO gei­zen und die Belich­tungs­zeit auf unter eine Sekun­de redu­zie­ren. Der Detail­reich­tum wird es dan­ken.

Sind hel­le Objek­te im Bild, etwa der Mond, kann man ver­su­chen, sie über einen Teil der Belich­tungs­zeit mit der Hand direkt vor dem Objek­tiv abzu­de­cken, so dass sie nicht zu hell abge­bil­det wer­den („aus­bren­nen“). Manch­mal funk­tio­niert das ganz gut. Ansons­ten kann man mit HDR expe­ri­men­tie­ren.

Nahe Objek­te im Vor­der­grund, die aus Grün­den der Bild­ge­stal­tung gut erkenn­bar sein sol­len (Bäu­me, Per­so­nen, …), kann man mit Blitz oder Lam­pe vor­sich­tig aus­leuch­ten. Das will etwas geübt sein, also nicht erst dann pro­bie­ren, wenn „Lady Auro­ra“ sich in vol­ler Pracht zeigt.

Vie­le Nord­licht­fo­tos sind beson­ders reiz­voll, wenn irgend­wo eine Hüt­te o.ä. im Bild ist. Ein aus­rei­chend künst­li­ches Licht hilft auch beim Scharf­stel­len. Natür­lich soll­te man den Auto­fo­kus abstel­len und manu­ell fokus­sie­ren, auf ein künst­li­ches Licht oder einen Stern, sonst wird die Kame­ra nicht aus­lö­sen oder wahr­schein­lich nur völ­lig unschar­fe Bil­der machen. Die meis­ten Objek­ti­ve bil­den unend­lich weit ent­fern­te Objek­te in der Unend­lich-Ein­stel­lung nicht wirk­lich scharf ab! Für das manu­el­le Fokus­sie­ren emp­fiehlt es sich, den Bild­schirm (Live view) zu ver­wen­den und nicht den Sucher.

Hat man Schwie­rig­kei­ten, bei manu­el­len Scharf­stel­len auf den Him­mel einen Stern zu ent­deck­ten, lohnt es sich unter Umstän­den, den Objek­tiv­de­ckel abzu­neh­men und es dann erneut zu ver­su­chen.

Ohne sta­bi­les Sta­tiv läuft nichts, Selbst- oder Fern­aus­lö­ser und Spie­gel-Vor­aus­lö­ser sind zu emp­feh­len.

Polarnacht und Nordlicht bei Longyearbyen

Polar­nacht mit Nord­licht über dem Pla­tå­berg bei Lon­gye­ar­by­en. Das Bild wirkt hel­ler als die Rea­li­tät. Anfang Janu­ar abends, 6 Sek. Belich­tungs­zeit, Blen­de 4.0, 1600 ISO.

Nicht zuletzt: auf (Eigen)sicherheit ach­ten! Erstaun­lich vie­le Nord­licht-Tou­ris­ten stel­len sich in dunk­ler Klei­dung mit­ten auf die Stra­ße, um ihr Sta­tiv auf­zu­bau­en … mit etwas Umsicht, Reflex-Warn­wes­te und Stirn­lam­pe kann man sich und ande­ren das Leben leich­ter und siche­rer machen.

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Letzte Änderung: 06. September 2018 · Copyright: Rolf Stange
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