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Monats-Archiv: August 2014 − News & Stories

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Arktis-Saison 2014: Fotos, Reisetagebücher, Blog

Die Arktis-Saison 2014 läuft noch, aber es sind schon etliche Fotogalerien und erste Reisetagebücher online zu sehen. Die vergangenen Fahrten in Spitzbergen mit der Antigua und der Arctica II verliefen beide hervorragend und haben jeweils eine sehr reiche Ausbeute an Erlebnissen, Erinnerungen und Fotos erbracht, an denen man online teilhaben kann.

Weitere, lockere Schilderungen von unterwegs gibt es im Arktis-Blog.

Die Fotogalerien werden demnächst noch mit kurzen Videos ergänzt. Weitere Bilder kommen Ende September wieder nach Abschluss der letzten Fahrt mit der Antigua.

Viel Spaß beim virtuellen Reisen in der Arktis!

Die Arctica II im August mit Besuch.

Arctica II mit Eisbär

Hiorthfjellet

Eigentlich war faul sein mein Begehr. Zeitung lesen, Leute treffen, im Fruene – das angesagteste Café in Longyearbyen, auch so ziemlich das einzige – rumhängen und so. So schön so eine Fahrt rund um Spitzbergen ist, anstrengend ist es auch. Vor allem auf so einem kleinen Boot, wo kein anderer Guide mit dabei ist, den man mal vorschicken kann. Keinerlei Klagen, aber ein fauler Tag, das hörte sich gut an.

Aber die Zeit der Mitternachtssonne geht gerade so grandios schön zu Ende, dass das einfach nicht geht.

Zunächst ist das Campingplatz-Panoramafoto-Projekt dran, das war schon lange fällig. Dasselbe gilt für das Hiorthfjellet. Das ist nicht ganz trivial, weil man dazu ein Boot braucht, aber das ist gerade kein Problem. Ein guter Grund mehr, diesen schönen Berg mal von oben zu sehen. Vom Gipfelplateau über den Adventfjord nach Longyearbyen schauen. Umgekehrt macht man das ja ständig. 900 Höhenmeter rutschender Frostschutt, hurra! Zwei Schritte vor, einer zurück. Aber die Aussicht ist jeden einzelnen Stein wert. Man schaut über den gesamten Adventfjord, vom Adventdalen im Osten über Longyearbyen mit den so gut bekannten Bergen und Gletschern drumherum über das Hotellneset mit Flug- und Campingplatz bis über den äußeren Isfjord hinweg. Und ein guter Teil des Nordenskiöld Landes liegt einem dort zu Füßen, der Blick gleitet über unzählige braune Berge, tafelförmige und spitze, dazu vielzählige kleinere Gletscher und eisfreie Täler, so wie es für diese Gegend typisch ist. Das Spitzbergen, das ich als erstes kennengelernt habe, zu Zeiten, als die Edgeøya noch ein ferner Traum war, unerreichbares Land.

Als Zugabe gibt es auf dem Rückweg noch die alte Kohlemine von Hiorthhamn mitsamt ehemaliger Arbeiterunterkunft Ørneredet (das Adlernest) in über 600 Metern Höhe. Steil haben die gelebt, und in der Polarnacht durften die nicht den Berg runter. Immer nur wechseln von der Dunkelheit im Berg in die Dunkelheit außerhalb.

Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrößerte Darstellung des Bildes zu erhalten.

Die Dunkelheit kündigt sich hier auch langsam an: Heute gibt es den ersten Sonnenuntergang dieses Sommers. Ein vier Monate langer Tag neigt sich dem Ende entgegen.

Adventfjord

Freitag, 22. August (immer noch) – Highlights bis auf die letzten Meter. Nachdem es heute Mittag ziemlich windig war, hat der Isfjord uns mit spiegelglattem Wasser und Sonne empfangen. Im Adventfjord kam uns ein Wal entgegen, wenn er sich auch nur kurz blicken ließ. Und am Ufer unterm Hiorthfjellet, direkt gegenüber von Longyearbyen, ein Eisbär – glaubt man es? Das kommt nun wirklich nicht alle Tage vor. Wieder einmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Nur Heinrich war nicht gerade begeistert, er hat nämlich auch eine Hütte in der Gegend, und dem Zustand des Fensters nach zu schließen, war der Bär drin … dann reicht einmal Fegen wohl kaum aus, damit es dort wieder gemütlich wird.

Mit einem gemütlichen Abschlussabend geht die Reise zu Ende. Über 1100 Seemeilen rund um Spitzbergen, mit allen möglichen Landestellen und noch so einigen mehr. Etwa 26 Landgänge, von kleinen Spaziergängen bis zu Wanderungen über 20 Kilometern, und dazu die vielen Landschaften und Tiere, die wir vom Boot aus gesehen haben. Die Bilder werden für sich sprechen, bald wird bei den Reiseberichten eine ausführliche Bildergalerie erscheinen.

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In Spitzbergen gibt es ja nicht nur Eisbären und wilde Landschaften, sondern auch alte Bekannte. Ein paar davon zu sehen, steht als nächstes auf dem Programm. Der Teil des Lebens, der sich an Land abspielt, muss nun erst mal wieder zu seinem Recht kommen.

Greenpeace-Schiff »Esperanza« verstößt gegen neue Lotsenvorschrift auf Spitzbergen

Das Greenpeace-Schiff „Esperanza“, das sich zurzeit in den Gewässern um Spitzbergen aufhält, hat wiederholt gegen die seit Juli 2012 schrittweise eingeführte Lotsenpflicht verstoßen.

Die „Esperanza“ ist um Spitzbergen herum unterwegs, um auf die Auswirkungen des Klimawandels in der Arktis aufmerksam zu machen und um gegen die angestrebte Ausweitung der Ölförderung in der Barentssee zu protestieren. Als prominente Unterstützerin der Aktion war unter anderem die britische Schauspielerin Emma Thompson an Bord.

Ende Juli war das Schiff aufgefallen, da es in mehreren Fällen gegen die neue Lotsenpflicht auf Spitzbergen verstoßen hatte. Für eine Rundtour, an der auch die Schauspielerin Emma Thompson teilgenommen hatte, wurde daraufhin ein Lotse an Bord geholt. Mitte August hatte der Kapitän der „Esperanza“ dann das Schiff wiederum entgegen der Vorschrift ohne einen Lotsen nach Longyearbyen gesteuert. Wie schon zuvor wurde der Vorfall beim Sysselmannen zur Anzeige gebracht und diesmal wurde dem Kapitän eine Strafe von 50.000 Kronen auferlegt.

Die zuständigen Stellen, Sysselmannen und norwegisches Kystverk, bedauern, dass ausgerechnet Greenpeace gegen Vorschriften verstößt, die von der Organisation doch eigentlich unterstützt werden. In diesem Sinne hat sich auch Greenpeace geäußert und ihr Bedauern ausgedrückt. Greenpeace begrüßt die Einführung der Lotsenpflicht auf Spitzbergen und unterstützt prinzipiell, auch mit Blick auf den Naturschutz, solche Maßnahmen, die zur Sicherheit in der Seefahrt beitragen. Bei den Vorfällen Ende Juli war Greenpeace angeblich nicht bewusst, dass ihr Schiff bereits von den neuen Vorschriften betroffen war, zumal sie zur Unterstützung des Kapitäns einen eigenen Eisnavigator an Bord hatten. Bei dem aktuellen Vorfall im August hatte der Kapitän angeblich 1,5 Stunden auf den verspäteten Lotsen gewartet, bevor er entschieden hatte, Longyearbyen ohne Lotsen anzufahren.

Die Lotsenpflicht wird auf Spitzbergen seit dem 1. Juli 2012 schrittweise eingeführt (siehe auch Spitzbergen.de-Nachrichten vom Juli 2012). Aktuell, für die Saison 2014, gilt sie für Schiffe mit einer Länge ab 70m und für Passagierschiffe ab 24m. Ausgenommen sind in dieser Saison noch Expeditionskreuzfahrtschiffe. In der nächsten Saison 2015 fällt dann auch diese Ausnahme weg und es gelten die gleichen Regeln wie auf dem norwegischen Festland.

Die »Esperanza«,
zurzeit unterwegs auf Spitzbergen.
 
Copyright:
Glen via Flickr,
CC BY 2.0

Esperanza

Quelle: Svalbardposten, Kystverket

Unglück am Sarkofagen

Nicht nur im Winter bergen die Berge und Gletscher um Longyearbyen Gefahren wie z.B. Gletscherspalten in sich, sondern auch im Sommer sollte man den zum Teil sehr steilen und felsigen von Schmelzwasser durchströmten Untergrund höchste Aufmerksamkeit widmen.

Kürzlich brach sich beim Abstieg vom Sarkofagen, der westlich den Larsbreen (Larsgletscher) begrenzt, eine 21 jährige norwegische Reiseleiterin das Bein. Da im Bereich der Unglückstelle kein Mobilfunknetz erreichbar war, mussten Mitglieder der Gruppe wieder aufsteigen um den Sysselmann zu informieren und um Hilfe rufen zu können. Die Reisleiterin sowie die gesamte Gruppe der Touristen unterschiedlicher Nationalitäten wurden mit dem Hubschrauber nach Longyearbyen geflogen. Die Reiseleiterin bekam im Krankenhaus einen Gips und wurde später nach Tromsø geflogen.

Sarkofagen (links). Blick vom Lars-Gletscher

Larsbreen mit Sarkofagen

Quelle: Svalbardposten

Wieder Granatenfund bei Longyearbyen

Wieder, wie bereits in vergangenen Sommer, wurde Munition aus dem zweiten Weltkrieg bei Longyearbyen gefunden. Diesmal lagen die Granaten auf dem Plateauberg, der sich unmittelbar an der westlichen Seite der Stadt erhebt. Das Areal wurde weitläufig abgesperrt. Die Granaten konnten entschärft werden.

Platåfjellet

Platafjellet

Quelle: Sysselmann

Eidembukta

Nach einer kleinen Irrfahrt sind wir schließlich in der Eidembukta gelandet, nördlich vom Isfjord. Im Vergleich zum Nordaustland sind wir damit sozusagen im Stadtpark von Longyearbyen. Gut, das ist sicher übertrieben.

Ursprünglich wollten wir zum Prins Karls Forland, aber der Wind im offenen Forlandsund war so heftig, dass der Anker dort nicht halten wollte und wir uns etwas anderes überlegen mussten. So war ich letztlich nach 5 Uhr in der Früh erst in den Federn. Auch damit könnte es zu tun haben, dass heute ein wenig „Katerstimmung“ ist. West Coast Blues … die Reise geht zu Ende, man kann das schlecht aufhalten. Alle sind nun gut drauf, alle Routinen laufen, man kennt einander, man könnte prima noch eine Woche weitermachen oder zwei, aber plötzlich greifen all die Zwänge der Zivilisation wieder. Termine, Flüge, Beruf, sonstwas.

Aber so weit sind wir noch nicht. Noch sind wir für einige Stunden in der Tundra der Westküste unterwegs. Nach all dem Eis und der Kälte des hohen Nordens, den Felslandschaften des Nordwestens und den riesigen Gletschern im Krossfjord kann man sich hier nahezu wie zuhause fühlen. Diese Landschaft ist nicht so schroff, nicht so abweisend, fast schon einladend. Zumindest im Vergleich.

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In der Eidembukta war ich doch vor einigen Wochen schon einmal, Anfang Juni war das. Eine gefühlte Ewigkeit her! Da lag noch Schnee bis in Meereshöhe, fast das gesamte, weite Land war weiß. Nun machen sich schon Herbstfarben in der Tundra breit, von Schnee nirgends mehr eine Spur. „Damals“ waren auf jedem schneefreien Flecken in der Tundra Gänse unterwegs, heute paddelt nur noch ein Trupp Eiderenten in der Bucht, die den Stress des Brütens schon lange hinter sich haben. Die Welt hier hat sich komplett verändert. Keine 7 Wochen später! Der arktische Sommer geht so unglaublich schnell vorbei.

Krossfjord

Ich wiederhole mich nur zu gerne: Ein Tag aus dem arktischen Märchenbuch. Die Sonne ist uns treu geblieben, und bei diesem Wetter ist der Krossfjord wirklich ein Märchenland, unschlagbar schön. Blaues Wasser, große Gletscher, dunkler Fels, grüne Hänge. Ich weiß, ich habe so etwas schon mal geschrieben. Mir fallen nicht genügend Varianten ein, um diese Vielfalt der Natur zu beschreiben, was mir aber nicht peinlich ist, denn daran sind schon ganz andere gescheitert. Schon in der Schule waren meine Aufsätze schlecht. Aber die Natur hier kann dafür alles, und darauf kommt es an.

Die Gletscherwanderung steht ohne Zweifel ganz weit oben auf der Liste der schönsten Touren dieses Sommers. Die Bilder sollen für sich sprechen, wie gesagt, ich kann das nicht.

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Um dem Kuchen noch ein Sahnehäubchen aufzusetzen, stand der Empfang am 5-Sterne-Hotel schon mit Würstchen auf dem Grill startklar. Das mit dem Hotel und den Sternen ist kein Spaß, das gibt es wirklich dort im Krossfjord. Allerdings vielleicht etwas anders, als man nun befürchten könnte …
Wir hätten den Tag dann beenden und als grandios in Erinnerung behalten können, aber wenn diese Gegend gut drauf ist, dann geht es immer irgendwo noch weiter, bis die Augen zufallen. Gletscherkreuzfahrt, perfekte Spiegelbilder der Berge auf dem Fjord. Angereichert mit Eisbär, wunderbar im Gegenlicht, eingerahmt von funkelndem Eis. Die Arktis, ein Märchenland.

Danskøya & Die Sieben Eisberge

Ein Tag aus dem arktischen Märchenbuch. So langsam war aber auch mal wieder etwas Sonnenschein fällig, und heute haben wir ihn satt bekommen. Wen würde da noch das steinige Gelände bei der Querung der Danskøya stören, wenn es gleichzeitig diesen Wahnsinns-Blick über Berge und Gletscher gibt? Die Dramen aus alter Zeit von der Däneninsel, bekannte und unbekannte, können den grandiosen Eindruck nicht trüben, höchstens ein klein wenig färben.

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Und dass die Walfänger vor Jahrhunderten so einen Respekt vor dieser wilden Küste hatten, die sie „Die Sieben Eisberge“ nannten, ist an so einem Tag auch nur ein Hauch von ferner Vergangenheit. Wobei die Küste es nach wie vor in sich haben kann. Heute aber ist sie gut gelaunt, beinahe eine arktische Riviera. Unglaubliche Farben, tiefgrüne Hänge unter Vogelfelsen, links und rechts leuchtend weiße Gletscher mit blauen Spalten, über all dem spannt sich ein tiefblauer Himmel. Genuss pur, ganz ohne Anstrengung. Darf ja auch mal sein.

Raudfjord

Zeit für etwas Bewegung, und die bekamen wir bei gut 10 Kilometern entlang von Lagunen und einem großen See in einem stillen Tal. Anschließend versank die Welt um uns ein wenig im Grau, was aber nicht gerade schadet. Das Bedürfnis nach ein wenig Pause steigt, dazu mag die Ruderwache gestern Nacht beigetragen haben.

Trotzdem – nach der Wanderung an Deck um den Grill zu sitzen, im Nebel eine Eisbärenfamilie am Hang zu sehen … wieder einer dieser schönen Tage!

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Der hohe Norden

Eigentlich sollte ich gar nicht viel schreiben, die Bilder reichen doch aus, oder?

Aber doch ein paar Zeilen, ich kann’s nicht lassen. Diese kleine Bucht am Nordkapp (nicht das Nordkap, das alle kennen) kannte vorher keiner, nicht mal Skipper Heinrich, der die Arctica II aber meisterhaft hereindirigierte und am nächsten Morgen, als das Eis es sich im Eingang gemütlich gemacht hatte, noch meisterhafter wieder heraus.

Wer hätte noch vor 2 Wochen gedacht, dass wir es je zu den Sjuøyane schaffen würden, in den allerhöchsten Norden hier im Norden? Die Arktis ist dieses Jahr, jedenfalls hier, wieder so richtig arktisch, mit viel Eis. Unzugänglich. So soll es ja auch sein. Aber unsere Berechnung, nach Süden loszufahren, um so später nach Norden zu kommen, damit das Eis sich dort etwas löst, hat funktioniert. Bestes Timing! Und der höchste Norden präsentierte sich wahrhaft arktisch. Schnee und Wind, eisig kalt. Der Sommer hat diese Gegend dieses Jahr vergessen, der letzte Winter ist noch nicht so recht vorbei, da hat der nächste schon eingesetzt.

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Wer mir als erstes ohne auf die Karte zu schauen genau sagen kann, wo die Nordlysøyane sind, bekommt ein Eis (abzuholen auf den Nordlysøyane). Was ich sagen kann, ist, dass es dort derzeit keine Nordlichter gibt, aber einen ziemlich neugierigen Eisbären. Da werden sehr angenehme Erinnerungen an die Filmexpedition 2010 wach („Überleben im Reich der Eisbären“).

Das nordwestliche Nordostland

Erstaunlich, auf was für Ideen man so kommt, während man in Kinnvika bei dichtem Nebel um die Hütten spaziert: An den häufigen Landestellen in Spitzbergen muss ich Automaten aufstellen, wo man meine Bücher kaufen kann! Wenn sie schon auf den Schiffen kaum angeboten werden, wo man ja mitunter behauptet, dass die Passagiere ja keine Bücher lesen würden (erstaunlich, was manche Firmen für eine Meinung von ihren Kunden haben! Natürlich bestätigen erfreulichen Ausnahmen die Regel), dann müsste man das Pferd also von hinten aufzäumen und Buchautomaten dort aufstellen, wo die Touristen auf jeden Fall vorbeikommen. Mit automatischem Nachfüll-Container. Ich würde mich ja auch mit dem Gravneset im Magdalenefjord sowie den Häfen von Longyearbyen und Ny Ålesund begnügen.

Solche Gedanken machen jedenfalls auch dann gute Laune, wenn man von der Landschaft gerade mal nichts sieht.

Auch auf der Fahrt durch den Lady Franklinsund war von den flachen Ufern zu beiden Seiten wenig zu sehen. Schade, wann kommt man dort schon mal vorbei. Dieses Gewässer ist völlig unvermessen und so untief, dass man es bei bestem Willen kaum als Fahrwasser bezeichnen kann. Heinrich mit seiner Arctica (I+II) gehört zu den wenigen, die hier überhaupt fahren.

Wenn man ein Walross ist, muss einen das natürlich alles nicht stören. Dann muss einen fast gar nichts stören. Das hat dieses Walross auf der Eisscholle im Lady Franklinfjord auch konsequent so durchgezogen.

Die Namen sind unterhaltsam: Brennevinsfjord, sprich Schnapsbucht. Da mögen vor Jahrhunderten mal die Walfänger gesoffen haben, man weiß es nicht. Schroffe Felsen, ein wildes, sehr karges, schroffes Land. Nicht die einladende Arktis, in der man gerne viele Kilometer wandert, sondern ein abweisendes Land, in dem der Mensch nur kurz als Gast geduldet wird. Wer sich zu weit vorwagt, wie Schröder-Stranz, den frisst das Land vielleicht. Wir wagen uns trotzdem in der Schnapsbucht mal an Land.

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Tafeleisberge sieht man in der Arktis ja eigentlich nicht. Nur in der Antarktis. Trotzdem ist hier einer, wenn auch ein kleiner. Wahrscheinlich aus der russischen Arktis, da gibt es ein paar kleine Eisschelfe. Fazit: Russland ist die Antarktis Spitzbergens.

Das südwestliche Nordostland

(Donnerstag und Freitag, 14. und 15. August 2014) – Wie oft sehen wir Gletscher vom Schiff oder von der Tundra aus? Jeden Tag. Wie oft schaut man vom Gletscher hinab auf Fjord und Land? Genau.

Da wir auf dieser Fahrt noch mehr als sonst genau die Dinge tun wollen, die man sonst eher nicht macht, stand auch eine Gletschertour an.

Zu den Dingen, die immer schon auf der Wunschliste standen, aber nie passiert sind, gehört der Mariebreen, dieser hübsche Gletscher in der Augustabukta, der seinen Namen 1868 erhielt. Der hängt tatsächlich an einer ziemlich gewaltigen Eiskappe, ist aber ein sehr übersichtliches Gletscherchen. Ein Stück weit eintauchen in diese einzigartige Welt der Gletscher, nur wenige Stunden, aber immerhin. Mäandernde Schmelzwasserbäche, blaues Wasser, leuchtend weißes Eis unter einem bleiernen Himmel, der am Horizont mit der elegant geschwungenen Eiskappe verschmilzt. Ein Schritt heraus aus der Welt, in der das Leben überall seine Nischen gefunden hat; hier wächst nichts mehr, hier herrscht und fließt nur noch die Physik.

Etwas zu queren hat ja irgendwie seinen Reiz. Es muss ja nicht immer gleich irgendein kontinentgroßes Inlandeis sein. Eine Halbinsel, soweit groß, dass man nicht direkt auf die andere Seite spucken kann, ist schon ein guter Anfang. Man wird abgesetzt, sieht das Schiff losfahren und fühlt sich ein wenig wie Nansen, der, 1888 an der Ostküste Grönlands abgesetzt, wusste: Westküste oder Untergang. Natürlich würde für uns im Falle unerwarteter Hindernisse nicht der Untergang drohen, sondern ein Griff zum Radio oder Satellitentelefon würde das Schiff wieder zum Ausgangspunkt zaubern. So ist das 21. Jahrhundert.
21 Kilometer Tundra und Polarwüste, Basaltrücken und Fossilien-Oasen, Frostmusterböden und Schmelzwasserbäche. Ein langer Tag, der genug Zeit bietet, um wirklich in dieses karge Land einzutauchen, nicht nur durchzulaufen, sondern sich innerlich völlig darauf einzulassen, sich gedanklich darin zu verlieren. Dem Rauschen des Windes und dem Schreien der Gänse zuzuhören (der Wind hat reichlich gerauscht, ehrlich gesagt, war es streckenweise saukalt).

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Am Ende der Tour, am Ufer in der Palanderbukta, eine alte Trapperhütte, wo der Wind durch die Löcher pfeift, die früher mal Fenster und Türen waren. Komische Geschichte. Die beiden Trapper haben sich wahrscheinlich selbst im Januar 1934 in die Luft gesprengt. Einen von beiden hat es auf dem Scheißhaus erwischt, dort hat man ihn einige Monate später gefunden, steifgefroren. Unschöne Sache. Und, wie gesagt, komische Geschichte. Man hat nie genau herausgefunden, was wirklich passiert ist.

Aber für uns hatte der Tag ein hervorragendes Ende, als wir nämlich auf ein gemütliches Boot kamen und dort der Lachs schon ofenfertig war 🙂

Barentsøya

Der Südosten ist wirklich Eisbärenland. Überall liegen Eisbären herum, und man muss schauen, wo man überhaupt an Land gehen kann. Im Freemansund ist alles schon von diesen gelbweißen Polarschafen belegt. Und manchmal fragt man sich, warum. Die Frage „was macht der denn da? Der hat da doch gar nichts zu fressen?“ höre ich gefühlt etwa 100 Mal am Tag. Natürlich ist die Frage einerseits überflüssig. Es ist ihre Heimat. Sie sind da nicht gestrandet, sondern freiwillig dort, sie könnten jederzeit weggehen oder –schwimmen. In wenigen Tagen wären sie weit im Norden, wo es jetzt viel Eis gibt. Trotzdem bleiben sie dort. Sie sind dort zuhause.

Aber was sie dort zu fressen finden, bleibt natürlich eine gute Frage. Manche Bären hier sind und bleiben dick und fett, irgendwo muss der Speck schließlich herkommen.

Mich interessiert das, und nun habe ich eine Angewohnheit entwickelt, die mir vielleicht hilft, eine echte Antwort darauf zu finden: Ich fotografiere jetzt Eisbärenkacke. Jeden einzelnen Haufen, den ich finde. Im Bildarchiv bekommen diese das Stichwort „Eisbärenkacke“. Dass daraus eines Tages mal ein Bildband wird, ist sicher eher unwahrscheinlich. Man kann das auch komisch finden, dass ich jetzt ständig Kacke fotografiere. Bitte sehr, das stört mich nicht. Es ist tatsächlich interessant. Man muss nur genau hinschauen. Heute früh waren in einem Eisbärenköttel Röhrenknochen drin, vermutlich von Rentieren. Und in einem anderen Zähne, ganz sicher von Rentieren. Häufig findet man Federn, und immer wieder Vegetationsreste. Bitte sehr, da deutet sich doch eine Antwort an! Dafür bin ich gerne bereit, weiter Kackfotos zu machen, wann immer sich die Gelegenheit bietet.

So, anderes Thema (ist noch jemand dabei?). Heute war der bislang kälteste Tag des Sommers, gerade 2-3 Grad. Lausig kalt, zusammen mit dem frischen Ostwind. Wo ist der Sommer hin? Die Blüten der Blümchen verlieren ihre Farbe, die Blätter der Polarweide bekommen nun auf großer Fläche welche.

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Die Tundra, über die wir laufen, ist ein wahrer Walfriedhof. Vor einigen tausend Jahren, als das hier das Ufer war, müssen hier dutzende Kadaver großer Wale angeschwemmt worden sein.

Ryke Yseøyane

Manche Namen haben einen Klang, das ist schon fast magnetisch. Wahrscheinlich hilft es, wenn man Landkarten liest, damit Abende verbringen kann wie mit Büchern, um eine Perspektive auf die Abgelegenheit mancher Landstriche zu bekommen. Oder wenn man weit wandern. Vier anstrengende Tage sind es zu Fuß von Longyearbyen bis zur Ostküste. Das ist also das Ende der Welt. Am Horizont sieht man vom Ende der Welt aus in diesem Fall die Edgeøya. Wenn man mit müden Beinen an der Ostküste auf einem Moränenhügel sitzt und über den Storfjord zur Edgeøya schaut, dann träumt man davon, vielleicht eines Tages mal dort hinzukommen. Man weiß, dass es wahrscheinlich nie dazu kommen wird. Aber träumen darf man ja … das verleiht solchen Orten eine ganz andere Bedeutung, als wenn man auf einer Schiffsreise ohne Anstrengung dort hinkommt, ohne jemals vorher davon gehört zu haben, man steigt aus, irgend etwas wird es schon zum Anschauen geben, dann geht man wieder und hat den Namen der Insel Stunden später bereits wieder vergessen. Dann hat der Klang des Namens Edgeøya natürlich kaum Einfluss auf den Blutdruck.

Aber ich schweife ab. Also, Ostküste gleich Ende der Welt, danach kommt die Edgeøya. Und hinter dieser letzten Insel, die vom Ende der Welt aus sichtbar ist, liegen die Ryke Yseøyane, die Ryke Yse Inseln. Somit ziemlich weit weg von allem anderen.

Düstere Basalt-Inselchen, rau und wild, diese Inseln. Und wie gesagt, schon der Name: Ryke Yse! Auf so etwas muss man erst mal kommen. Wahrscheinlich war das ein Walfangkapitän aus den Niederlanden, vor Jahrhunderten. Gut, dass der nicht, sagen wir, Gustav Gans hieß oder so. Zur Gustav Gans Insel würde ich vermutlich gar nicht hin wollen. Aber so … also, wilde Ecke. Von zweien, die sich je zur Überwinterung dorthin wagten, hat es nur einer überlebt. Und eine kantige Landschaft: schroffe Basaltfelsen, scharfkantig verwitternd, von Flechten überkrustet, ein Heim für ein paar Gryllteisten.

Und wir haben es sogar auf 2 der 3 Inselchen geschafft!

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Dann wird es Zeit, weiter zu kommen nach Norden. Unterwegs viele Kilometer Gletscherfront, marmoriert, weitgestreckt, alle denkbaren Blau- und Grautöne vom Meer übers Eis bis in den Himmel. Kaum vorstellbar, dass das dieselbe Insel ist, die auf der anderen Seite eine so farbige, freundliche Tundra hat. Aber andererseits liegt sie ja hinter dem Ende der Welt. Was will man da anderes erwarten?

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News-Auflistung generiert am 17. August 2017 um 21:19:49 Uhr (GMT+1)
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