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Pomoren

Geschichte(n) von Spitzbergen

Russische »Lodje« nach de Veers Bericht über die
Barentsz-Expedition 1596

Orthodoxes Kreuz (Nachbau) mit Trapperhütte im Isfjord

Die Pomoren waren ein Volk, das im Norden Russlands lebte, an der Küste des Weißen Meeres. Sie waren Jäger und Fischer und hatten eine lange Tradition, Jagdfahrten in der Arktis zu machen. Unzweifelhaft waren sie über Jahrhunderte in weiten Teilen Svalbards aktiv. Neben der Suche nach guten Jagdgebieten können dabei möglicherweise auch religiöse Gründe eine Rolle gespielt haben: so wird berichtet, dass die Pomoren »Raskolniki« gewesen seien, Altgläubige, die sich von der russisch-orthodoxen Staatskirche abgespalten hatten und daher verfolgt wurden.

Die Anfänge der Pomorenzeit liegen allerdings im Dunkeln. Eine vieldiskutierte Frage war und ist, ob sie schon vor der »offiziellen Entdeckung« durch Willem Barentsz auf »Grumant« waren, wie sie Svalbard nannten. Vor allem zu Zeiten der Konkurrenz zwischen West und Ost war das eine Frage, die vor allem sowjetische Archäologen gerne für sich entscheiden wollten, um somit eine russische Entdeckung Svalbard vor der holländischen zu proklamieren. Auch wenn sowohl die historischen Belege als auch archäologische Befunde und Datierungen nicht eindeutig und entsprechend umstritten sind, haben die Pomoren vermutlich auch schon zumindest im 15. Jahrhundert Jagdstationen auf Svalbard gehabt. Etwa ein halbes dutzend derartiger Stationen an der Westküste Spitzbergens wurde etwa in die Mitte des 15. Jahrhunderts datiert; das Problem hierbei ist, dass dieses Datum jeweils das Alter des Holzes ist und nicht etwa der Zeitpunkt des Hausbaus in der Arktis. Wie dem auch sei, jedenfalls sind die Pomoren diejenigen, welche die längste Nutzung und Besiedelung Svalbards für sich beanspruchen können: Die letzten ihrer kleinen Jagdstationen wurden im 19. Jahrhundert aufgegeben. Die Jagdgründe waren nach wie vor gut, möglicherweise haben politische oder wirtschaftliche Gründe dazu geführt, dass die Pomoren Svalbard von nun an fernblieben.

Sie kamen, um arktische Tiere zu jagen, und bauten zu diesem Zweck regelrechte Minisiedlungen, in denen in einigen Fällen durchaus bis zu etwa 20 Personen einige Zeit gelebt haben können, mit Sauna und derartigem. Reste von Schachbrettern und ähnliches wurde vielfach bei Ausgrabungen gefunden. Ihre Familien blieben aber in Russland, Svalbard war ihr Jagdgebiet, aber nicht ihre Heimat. Reste der Jagdsiedlungen der Pomoren finden sich auch heute noch vielfach an den Küsten in weiten Gebieten der Inselgruppe. Die früher weit verbreiteten orthodoxen Kreuze sind allerdings weitgehend dem Wetter und dem Brennholzbedarf späterer Generationen zum Opfer gefallen, gelegentlich sieht man noch liegende Reste von Kreuzen, stehende Originalkreuze sind sehr selten. Charakteristisch für die Pomorensiedlungen im Gegensatz etwa zu Hütten norwegischer Trapper sind Ziegelreste von den Kaminen (die Norweger brachten Metallöfen mit).

Resten von Pomorensiedlung mit Backsteinen im Isfjord

Orthodoxes Kreuz (Nachbau) im Isfjord

Eines der wenigen, noch stehenden Originalkreuze aus der Pomorenzeit beim Nordaustland

Reste von Pomorensiedlung auf der Edgeøya

Grab bei Pomorensiedlung im Bellsund

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Letzte Änderung: 11. Oktober 2011 · Copyright: Rolf Stange
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