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Treib­eis-Pack­eis

Treib­eis, Pack­eis und Fjor­deis in Spitz­ber­gen

Zunächst eine klei­ne Begriffs­klä­rung: Alles Eis, das im Was­ser schwimmt, fällt unter Treib­eis, im wei­te­ren Sin­ne also auch Eis­ber­ge. Im enge­ren Sin­ne ver­steht man dar­un­ter aber Eis, das aus gefro­re­nem Meer­was­ser ent­steht, also fla­che Eis­schol­len. Sind die Eis­schol­len von Wind und Strö­mung so stark zusam­men­ge­scho­ben, dass sie sich über­all berüh­ren und nicht ein­zeln frei trei­ben, spricht man von Pack­eis.

Eiskarte, Spitzbergen

Die Eis­kar­te von Spitz­ber­gen vom 28.11.2014 zeigt gut die typi­schen Treib­eis­ver­hält­nis­se mit viel Pack­eis im Osten und offe­ner Küs­te im Wes­ten. Der Grund dafür sind die Mee­res­strö­mun­gen. © Nor­we­gi­sches meteo­ro­lo­gi­sches Insti­tut, her­un­ter­ge­la­den über Polar­view.

Die Ver­tei­lung des Treib­ei­ses in Spitz­ber­gen ist von zwei Mee­res­strö­mun­gen beein­flusst: Der West-Spitz­ber­gen-Strom („Golf­strom“) hält die West­küs­te Spitz­ber­gens bis zur Nord­küs­te weit­ge­hend eis­frei, wobei es von Jahr zu Jahr stark vari­iert, bis wohin der Ein­fluss reicht. Manch­mal ist im Früh­jahr die gesam­te Nord­küs­te blo­ckiert, in ande­ren Jah­ren bleibt sie bis zu den Sjuøya­ne eis­frei. Die zen­tra­le West­küs­te mit Isfjord und Kongsfjord ist fast das gan­ze Jahr über schiff­bar.

Der Osten Sval­bards hin­ge­gen wird von kal­ten Mee­res­strö­mun­gen aus dem Nord­os­ten beein­flusst und hat bis in den Som­mer­viel Treib­eis. Die­se Treib­eis­mas­sen drif­ten im Süden um das Süd­kap der Haupt­in­sel Spitz­ber­gen (Sør­kapp) her­um und an der West­küs­te nach Nor­den. Daher haben die süd­li­chen Fjor­de Spitz­ber­gens, ins­be­son­de­re der Horn­sund, selbst im Früh­som­mer oft noch Treib­eis, wäh­rend der Nord­wes­ten schon längst eis­frei ist. Ein­zel­ne Treib­eis­fel­der kön­nen auch im Som­mer bis in den Isfjord drif­ten, was aller­dings nicht häu­fig vor­kommt. Die Fjor­de frie­ren im spä­te­ren Win­ter (Februar/März) weit­ge­hend zu, der gro­ße Isfjord bleibt aber in den meis­ten Jah­ren mitt­ler­wei­le weit­ge­hend offen.

Treibeis, Edgeøya

Treib­eis im Süd­os­ten von Sval­bard, bei der Edgeøya.

Die tat­säch­li­che Ent­wick­lung ist von Jahr zu Jahr stark unter­schied­lich. Es kann vor­kom­men, dass sogar die Kvi­tøya im fer­nen Nord­os­ten schon Ende Juni zugäng­lich ist (z.B. 2006). Aber 2014 wur­de der Osten des Nord­aus­t­land über­haupt nicht eis­frei. Ver­gleicht man aber die Ent­wick­lung über 20-30 Jah­re, bleibt kein Zwei­fel, dass abge­le­ge­ne Inseln im Nord­os­ten nun viel häu­fi­ger zu errei­chen sind als um 1990. Noch im Jahr 2000 hat man Umrun­dun­gen Spitz­ber­gens erst ab Mit­te Juli geplant, wäh­rend man mitt­ler­wei­le schon Anfang Juli oder sogar Ende Juni schon Chan­cen hat, die Hin­lo­pen­stra­ße zu pas­sie­ren und Spitz­ber­gen so zu umrun­den. Die­sen Trend bele­gen auch die Daten von Wis­sen­schaft­lern: das Treib­eis ist kräf­tig geschrumpft, sowohl in der Flä­che als auch in der Dicke. Frü­her waren Eis­schol­len bei Spitz­ber­gen im Durch­schnitt 1,20 m dick, heu­te sind es eher 80 cm.

Viel dicker ist das Eis aller­dings dort, wo Eis­schol­len gegen­ein­an­der gepresst wur­den. Dann wer­den die Rän­der zu Pres­seis­rü­cken auf­ge­wor­fen. Das sind lan­ge, schma­le „Gebirgs­rü­cken“ aus Eis­trüm­mern. Pres­seis­rü­cken kön­nen meh­re­re Meter hoch sein, im Nord­po­lar­meer kom­men 12-15 m Höhe vor. Sol­che mäch­ti­gen Pres­seis­rü­cken haben iso­sta­ti­sche Wur­zeln, sie ragen mit ande­ren Wor­ten nicht nur nach oben in die Luft, son­dern auch etli­che Meter nach unten ins Was­ser.

Presseisrücken, Storfjord

Win­ter­li­cher Pres­seis­rü­cken im Storfjord, vor der Ost­küs­te von Spitz­ber­gen.

Das Fjor­deis zählt nicht zum Treib­eis. Es wird auch Fest­eis genannt, da es fest mit dem Ufer ver­bun­den in den Buch­ten und Fjor­den liegt und nicht mit Wind und Strö­mung treibt. Es wird nur leicht von den Gezei­ten geho­ben und gesenkt, so dass es am Ufer immer Rand­spal­ten gibt, wo man das Eis an stil­len Tagen manch­mal arbei­ten hören kann. Das Fjor­deis ist rela­tiv eben. Tra­di­tio­nell frie­ren die klei­ne­ren Fjor­de auch an der West­küs­te Spitz­ber­gens zu, dar­un­ter der Advent­fjord bei Lon­gye­ar­by­en und der Tem­pel­fjord in der Nähe davon. Aller­dings ist der Advent­fjord nun schon seit Jah­ren nicht mehr zuge­fro­ren, und im Tem­pel­fjord woll­te sich das Eis 2014 auch nicht so recht legen. Der Ver­lust an Fjor­deis ist sehr schlecht für vie­le Tie­re, etwa Rin­gel­rob­ben, die auf die­ses Eis ange­wie­sen sind, um ihren Nach­wuchs zur Welt zu brin­gen.

Fjordeis im Tempelfjord

Soli­des Fjor­deis im Tem­pel­fjord, Anfang Mai 2013.

Der gro­ße Isfjord ist auch im frü­hen 20. Jahr­hun­dert nur unre­gel­mä­ßig kom­plett zuge­fro­ren. Das ist auch nach 2000 noch pas­siert, nun aber seit eini­gen Jah­ren nicht mehr.

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Letzte Änderung: 01. Dezember 2014 · Copyright: Rolf Stange
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