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Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea)

Arctic tern (E) - Rødnebbterne (N) - Noordse stern (NL) - Sterne arctique (F)

Bild
© Rolf Stange

Beschreibung: Die Küstenseeschwalbe ist die einzige Schwalbe, die in Svalbard brütet. Sie hat einen spitzen, roten Schnabel, rote Beine, eine schwarze Kappe, weißen Bauch und grauen Rücken und Oberflügel. Männchen und Weibchen sind nicht unterscheidbar. Mit 35 cm Länge und 100-125 g Gewicht ist sie für Schwalben recht klein.

Verbreitung/Zugverhalten:  Die Küstenseeschwalbe ist zirkumpolar in der Sub- und Hocharktis verbreitet, sie ist die nördlichste Schwalbe. Ihre lange Zugroute hat sie berühmt gemacht: Mit ihren Brutplätzen in der Arktis und ihren Überwinterungsgebieten meist in küstennahen Gewässern der Antarktis ist sie der Zugvogel, der jährlich die größte Distanz zurücklegt. Ende Mai / Anfang Juni trifft sie in den Brutgebieten ein und verlässt diese Ende August oder in der ersten Septemberhälfte wieder.

Küstenseeschwalben brüten auch in unmittelbarer Nähe von Menschen, z.B. am Campingplatz in Longyearbyen oder an den Wegen in den Siedlungen (v.a. in Ny Ålesund). Wenn Sie im Sommer nach Svalbard kommen, sollten Sie auf jeden Fall wissen, was Sie bei Kolonien von Küstenseeschwalben zu erwarten haben und wie Sie sich verhalten sollten (s.u.).

Biologisches: Die Küstenseeschwalbe brütet in mehr oder weniger dichten Kolonien auf flacher Tundra, meist in Küstennähe oder direkt am Strand sowie auf kleinen Inseln. Oft sieht man sie im Sturzflug auf Beutejagd. Ihre Beute, kleine Fische, Krebstierchen oder Insekten, findet sie an der Wasseroberfläche.

Sobald die Kolonieplätze schneefrei sind, beginnen die Küstenseeschwalben mit der Brut; wenn die Schneeschmelze erst sehr spät einsetzt, verzichten sie mitunter auch ganz auf die Brutsaison. Das Nest befindet sich in einer kleinen Mulde direkt auf dem Boden, hier werden meist zwei Eier gelegt (gelegentlich eines oder drei) und von beiden Eltern für drei Wochen bebrütet. Nach drei Tagen verlässt das Küken das Nest, wird noch drei Wochen lang von den Altvögeln gefüttert und ist dann selbstständig.

Wie auch andere Meeresvögel, setzen Küstenseeschwalben auf eine niedrige Reproduktionsrate und hohe Lebensspanne. Ein Individuum wurde 21 Jahre nach dem Beringen wieder gesichtet.

Sonstiges: Küstenseeschwalben verteidigen ihre Kolonien sehr aggressiv gegen sämtliche Eindringlinge: Raubvögel, Füchse, Eisbären und Menschen. Alle werden im Sturzflug attackiert und manchmal auch mit den spitzen Schnäbeln traktiert, was sogar Eisbären soweit nerven kann, dass sie sich verziehen. Wenn Sie einmal von Küstenseeschwalben angegriffen werden, sollten Sie sich schnell zurückziehen (verzichten Sie auf Fotos vom Gelege!). Die Vögel greifen den höchsten Punkt ihres Opfers an, halten Sie also einfach Stativ, Wanderstock, Schießeisen oder Ihren Reiseleiter hoch, um Ihren Kopf zu schützen – schlagen Sie keinesfalls nach den angreifenden Küstenseeschwalben!

Da die Schwalben ihre Kolonien recht erfolgreich verteidigen, mischen andere Vögel wie Eiderenten sich zum Brüten gerne unter die Küstenseeschwalben. Wenn hartnäckige Angreifer (v.a. Füchse oder Bären) den Bruterfolg zu sehr beeinträchtigen, werden die Küstenseeschwalben ihr Glück in der nächsten Brutsaison eher an einer anderen Stelle versuchen.

Die Gesamtpopulation in Svalbard  beträgt vermutlich um 10 000 Brutpaare oder etwas weniger (gefühlt 10 000 000, in der Nähe aggressiver Kolonien), der Populationstrend ist unbekannt.

Besucher von Ny Ålesund unter schweren Angriffen.
Bild © Rolf Stange

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Letzte Änderung: 18. November 2017 · Copyright: Rolf Stange
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