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Monats-Archiv: August 2015 − News & Stories


Spitzbergen-Kalender 2016 erschienen

Der Spitzbergen-Kalender 2016 ist ab sofort wie gewohnt in den Formaten A3 und A5 erhältlich. Zwölf schöne Fotos bringen Spitzbergens Landschaften und Tiere durch die Jahreszeiten auf die Wand. Der Spitzbergen-Kalender 2016 ist hier bestellbar.

Der Spitzbergen-Kalender 2016.

Spitzbergen-Kalender 2016

Rekordmilder Sommer in Spitzbergen

Wie das norwegische meteorologische Institut mitteilt, war der Sommer in Spitzbergen rekordmild. Die Wetterdaten der Station am Flughafen bei Longyearbyen reichen bis in die 1970er Jahre zurück. Die Durchschnittstemperatur im August liegt demnach bei 4,8°C. Der entsprechende Wert für 2015 liegt voraussichtlich bei 6,6-6,8°C (abschließende Daten gibt es erst demnächst).

Eine Temperatur auf diesem Niveau hat es im August im Zeitraum der Messungen in Longyearbyen noch nicht gegeben. Tatsächlich zeigte der August sich mitunter sehr sommerlich vor Ort, mit Temperaturen von bis zu gut 16°C, so dass die Außensitzplätze der Cafés und Restaurants sich großer Beliebtheit erfreuten, und man konnte Einwohner beim Frühstück im Freien beobachten.

Die Temperaturen waren im Einzelfall nur lokale Erscheinungen: während es in Longyearbyen über 16°C warm war, war es am Kapp Lee auf der Edgeøya mit 4-5°C normal frisch. Insgesamt deuten aber auch die Wetterdaten der anderen Stationen (Ny Ålesund, Isfjord Radio, Barentsburg) auf einen sehr milden Sommer hin.

Einwohnern machen die milder werdenden Winter mehr Sorgen als wärmere Sommer. Die Winterkälte entscheidet, ob Fjorde solide zufrieren oder offen bleiben. Auch das deutlich sichtbare Schrumpfen der Gletscher verändert die Landschaft sichtlich.

Sommerwetter im Isfjord.

Sommer Isfjord

Quelle: NRK

Schwelbrand durch Lagerfeuer bei Kulturdenkmal in Colesbukta

Seit fast zwei Wochen bemühen sich Mitarbeiter des Sysselmannen in Colesbukta einen unterirdischen Brand zu löschen, der durch ein Lagerfeuer ausgelöst wurde. Das Feuer wurde am Fundament eines historischen Gebäudes entzündet, das unter Denkmalschutz steht. In Colesbukta sind mehrere Gebäude aus der Zeit zwischen 1913 und 1962 erhalten, als dort Kohle aus dem Minenbetrieb der nahegelegenen russischen Bergbausiedlung Grumantbyen verschifft wurde. Beide Siedlungen sind als Kulturdenkmäler geschützt.

Am Donnerstag, dem 13. August wurde der Sysselmannen von Wanderern über den Brand in Colesbukta informiert und rückte mit dem Hubschrauber aus. Das eigentliche Lagerfeuer war bereits gelöscht, hatte aber im Boden einen Schwelbrand ausgelöst, der drohte, sich weiter auszubreiten. Vorerst versuchte das Team des Sysselmannen den Brand durch einen Graben an der weiteren Ausbreitung zu hindern und so auch das Kulturdenkmal zu schützen.

Als nun, fast zwei Wochen später, am Dienstag, dem 25. August Mitarbeiter des Sysselmannen und der Feuerwehr die Stelle erneut untersuchten, stellten sie fest, dass der Brand noch immer weiter schwelt. Die Feuerwehr versuchte, den Brand mit Schaum zu löschen und denkt nun darüber nach, mit einem mehrere hundert Meter langen Schlauch Wasser von der Küste zur Brandstelle zu pumpen.

Da es auf Spitzbergen verboten ist, in der Nähe von Kulturdenkmälern Feuer zu machen, wird in der Sache ermittelt. Bislang ist nicht bekannt, wer das Lagerfeuer entzündet hat. Der Sysselmannen bittet um Informationen, vorzugsweise von den Verursachern des Brandes selbst.

Die alte Bergbau-/Hafensiedlung Colesbukta im Winter.

Colesbukta

Quelle: Svalbardposten

Nordaustland erstmalig im Kajak umpaddelt

Die Hauptinsel Spitzbergen ist bereits 1990 von Kajakfahrern umfahren wurden, aber die zweitgrößte Insel der Inselgruppe, das Nordaustland, hat alle Umrundungsversuche mit Seekajaks bislang erfolgreich abgewehrt. Nicht, dass es so viele Versuche gegeben hätte, aber es gab welche, die allerdings am Eis scheiterten, bevor der Versuch tatsächlich vor Ort ins Werk gesetzt werden konnte.

Neben den schweren Eis- und Wetterbedingungen ist es vor allem die sehr lange Gletscherkante an der Ost- und Südküste des Nordaustland, die einen Umrundungsversuch im Kajak zu einer sehr anspruchsvollen Expedition macht. Die Eiskappe Austfonna schiebt sich dort auf über 160 Kilometern Länge ins Meer; Gelegenheiten zum Ausruhen oder Abwettern auf festem Grund gibt es auf dieser Strecke nicht.

Nun ist die Umrundung des Nordaustland gleich zwei Gruppen praktisch gleichzeitig gelungen. Die norwegische Gruppe „Nordaustland 2015“ erreichte am 14. August Kinnvika, wo ihre Umrundung begonnen hatte. An- und Abreise nach und von Kinnvika erfolgen mit Schiffen. Diese Gruppe hatte „nur“ die Umrundung des Nordaustland geplant und diese erfolgreich absolviert. Glückwunsch!

Allerdings waren „Nordaustland 2015“ nicht die ersten. Etwa einen Tag zuvor hatte eine Gruppe aus zwei Neuseeländern und einem Norweger ihre Nordaustland-Umrundung ebenfalls erfolgreich abgeschlossen. Auch hier: herzlichen Glückwunsch! Allerdings hat diese Gruppe ihr Ziel noch nicht erreicht: ihr ambitionierter Plan ist die Umpaddlung der gesamten Inselgruppe, von Longyearbyen bis Longyearbyen. Aber die größte Hürde auf diesem langen Weg, das Nordaustland, ist nun genommen.

Beide Gruppen haben sich unterwegs getroffen, guten Kontakt gepflegt und sich gegenseitig mit Informationen unterstützt. „Nordaustland 2015“ schrieb in ihrem Blog, bei einer 800 Millionen Jahre alten Insel sei ein Zeitunterschied von 24 Stunden für den ersten Platz kaum von Bedeutung. Wer würde da widersprechen?

Beide Gruppen haben eine äußerst beeindruckende Expedition hinter sich, jahrelange Vorbereitung und sehr viel Training. Die neuseeländisch-norwegische Gruppe hat die 160-km-Strecke entlang der Gletscherfront innerhalb von 40 Stunden ohne größere Pausen absolviert. Auf den Isisøyane (früher: Isispynten) war es wegen Eisbären nicht möglich, ein Lager aufzuschlagen. Das war erst wieder in der Vibebukta möglich. Unterwegs verzögerten dichtes Treibeis und Nebel die Fahrt. Fridtjof Nansen, der während seiner Fram-Expedition 1895 und 1896 zusammen mit Hjalmar Johansen längere Strecken im Eis mit dem Kajak zurücklegte, wäre sicherlich beeindruckt.

Gletscherfront an der Südküste des Nordaustland im Treibeis, Juli 2015.

Gletscherfront Nordaustland

Quellen: Nordaustland 2015 (Facebook), Ice bears and Islands

Sysselmannen entfernt Müll an den Stränden Svalbards

Insgesamt 101 Kubikmeter Müll wurden bei der diesjährigen Müllsammelfahrt des Sysselmannen an abgelegenen Stränden Svalbards eingesammelt. Acht Tage lang war die „Polarsyssel“, das Schiff des Sysselmannen, unterwegs. Auf der Hauptinsel Spitzbergen wurden drei Stellen an West- und Nordküste angefahren, im Nordaustland zwei Stellen im Nordwesten. 24 freiwillige Helfer unterstützten das Team des Sysselmannen dabei, die einzelnen Küstenabschnitte von angeschwemmtem Müll zu befreien.

Es ist vor allem Plastikmüll unterschiedlichster Art und Größe aus aller Welt, der zum Teil jahrelang an der Meeresoberfläche treibt und schließlich seinen Weg an die Küste findet. Einen großen Teil machen Bojen, Taue und Netze aus der Fischereiwirtschaft aus. Für Tiere kann der Müll sowohl im Wasser als auch an Land zur lebensbedrohlichen Falle werden. So verschlucken z.B. Seevögel kleine Plastikteile, die sie nicht verdauen können und die sich in ihren Mägen ansammeln, bis sie daran verenden. Vögel und andere Tiere verfangen sich in Tauen oder Netzen. Bei der diesjährigen Aktion des Sysselmannen wurde ein Rentierskelett gefunden, das komplett in ein Fischnetz eingewickelt war und im letzten Jahr zog eine Eisbärin auf Spitzbergen ein großes Fischnetz hinter sich her, das sich ausgerechnet in ihrer, von Wissenschaftlern eingesetzten Ohrmarke verhakt hatte (siehe auch Spitzbergen.de-Nachricht: Wieder Eisbär in Fischernetz verheddert vom August 2014).

Obwohl mit 101 Kubikmetern mehr Müll eingesammelt wurde, als im letzten Jahr (88 Kubikmeter), verlief die Müllsammelfahrt des Sysselmannen diesmal leider nicht ganz so erfolgreich, wie es erwartet worden war. Zu Beginn wurden die Arbeiten zwei Mal durch Eisbärenbesuche unterbrochen und später war es aufgrund schlechter Wetterbedingungen nicht möglich, die besonders stark verschmutzten Strände anzufahren. Ein Dank gilt der Lokalbevölkerung mit ihrer Bereitschaft, sich an der Aktion zu beteiligen. Es hatten sich über 200 Freiwillige gemeldet, von denen schließlich 24 in zwei Runden zu je 12 mitgenommen wurden.

Generell kann der Sysselmannen bei der Fahrt einmal im Jahr nur einen sehr kleinen Bereich der Küsten Svalbards abdecken, so wurden z.B. in diesem Jahr nur fünf Strände angefahren. Eine bedeutende Hilfe sind daher die kleineren Kreuzfahrtschiffe, von denen die meisten regelmäßig mit ihren Fahrtgästen ähnliche Müllsammelaktionen durchführen (siehe auch Spitzbergen.de-Nachricht: Oceancleanup: eine Lösung für die Plastikmüll-Schwemme in den Ozeanen vom Juni 2014).

An den Strand geschwemmtes Fischnetz
© Christian Nicolai Bjørke

Bear-Fishernet

Quelle: Sysselmannen, Svalbardposten

Vier Eisbären, ein Walross – 11. August 2015

Neue Fahrt, neues Glück. Alte Bekannte aus polaren Breiten mit Freunden und Verwandten. Man kennt sich schon zumindest teilweise vor Beginn der Fahrt, eine sehr familiäre Zusammensetzung und Atmosphäre, sehr angenehm.

Etwas Dünung im Isfjord-Ausgang. Weihnachtsbaum-Willi stellt fest, dass das Schwanken des Mastbaums andere Auswirkungen hat als das Schwanken der Tannenbäumchen.

Spiegelglattes Wasser im Forlandsund, Berge und Gletscher wachsen auf der Wasseroberfläche nach unten weiter.

Foto Kongsfjord – 11. August 2015 – 1/2

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Ny Ålesund ist ein guter Start, ein sanfter Übergang von der Zivilisation in die arktische Wildnis. Und wenn man Marten Loonen begegnet, dem Chef der niederländischen Arktis-Station, ist das immer äußerst lehrreich. Gänse und Füchse haben wechselweise gute und schlechte Jahre, etwa so wie die Lemminge, so ganz grob. Nur umfassen die Zyklen nicht drei Jahre, sondern sieben oder acht. Das Gras, die Rentiere, Regen oder Schnee, alles spielt eine Rolle. Es ist komplex.

Foto Kongsfjord – 11. August 2015 – 2/2

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Ein totes Walross am Ufer hat zwei Eisbären-Kleinfamilien angezogen. Zwei Eisbärinnen mit jeweils einem erstjährigen Jungbären. Die Mama widmet ihre volle Aufmerksamkeit dem Walross-Kadaver, während der Kleine sich wechselweise mit einem Stück Treibholz und einem steilen Hang beschäftigt. Das Boot mit den Besuchern vor dem Strand ist hingegen völlig bedeutungslos, nur eine unwichtige Randerscheinung im Augenwinkel der Tiere. Eine reich gedeckte Tafel, ein Fest für Bären und Touristen. Eine wildes Stück arktischer Natur, ein Glücksfall. Es sei denn, man ist das Walross.

Erdmannflya – 05. August 2015

Eine ruhige Nacht, eine ruhige Fahrt nach Norden Richtung Isfjord, unterbrochen nur von einer kurzen Angelpause, als Kabeljau auf dem Echolot erscheint – das Abendessen ist gesichert. Zeit, zum ersten Mal überhaupt Fotos zu zeigen von der Beerenberg-Besteigung auf Jan Mayen im Juli.

Dann ist die Borebukta erreicht, eine der Buchten im zivilisationsnahen Isfjord, wo sich andere eher selten hin verirren. Noch einmal hinaus in die arktische Wildnis, ohne andere Menschen zu sehen. Noch einmal hinaus in die stille Tundra, durch die flache, weite Küstenebene streifen, die aus der Ferne so öde aussieht und aus der Nähe auf einmal so detailreich ist. Ein altes Fangschiff direkt am Ufer, es sieht aus, als sei es einmal komplett hier zurückgelassen wurden, um bald wieder ins Wasser gezogen zu werden, aber die Mannschaft kam nie zurück. Warum ..? (Ergänzung: wie spätere Recherchen ergaben, wurde das das Boot von einem früheren Einwohner Longyearbyens an Land platziert, um dort als Unterkunft zu dienen. Obschon längst Geschichte, ist der von der Insel Hamarøy stammende Mann unter dem Spitzbamen »Hamarøyen« immer noch sehr bekannt in Longyearbyen. Der See in der Nähe wurde von den Einwohnern schon immer gerne zum Angeln genutzt).

Strände, kleine Steilküsten, kleine eingeschnittene Flüsse. Felslandschaften mit Fuchsbauen, und prompt zwei junge Eisfüchse, einer von ihnen recht neugierig. Stille Panoramablicke über den Isfjord. Eine kleine Herde von sechs Rentieren, die eine halbe Ehrenrunde um uns drehen. Ein schöner Abschied von Spitzbergens Tundra.

Die Brandung am Ufer lässt nicht alle Stiefel trocken. Gut, dass wir das vorher die ganze Fahrt über erfolgreich vermieden haben.

Galerie Erdmannflya – 05. August 2015

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Eine letzte, ruhige Nacht vor Anker in der Colesbukta, und dann die letzten Meilen nach Longyearbyen. Die Fahrt ist vorbei. Meine ganz eigene, ganz private Abschlussfeier basiert auf einem Saibling von der Nordküste, ein Geschenk von Pål. Der reicht für zwei Tage.

Bellsund – 04. August 2015

Ja, der Bellsund – welch’ ein Klang liegt im Namen dieses Ortes, so friedlich, fast heimatlich J weit weg von all dem Eis, zurück in der grünen Tundra unter den Vogelfelsen, bei den bunten Blumen, den Rentieren, den schön geschwungenen Buchten. Nach dem Tag gestern auf dem Schiff war es gut, heute ein wenig warm zu werden, gut 300 recht steile Höhenmeter sind es bis zum Rundumblick über den Bellsund. Die Akseløya mit ihren schönen Sunden im Norden, Fridtjovbreen, die großen Täler Berzeliusdalen und Reindalen. Die saftig-grüne Tundra mit den gelben Blumenmeeren auf der Midterhuksletta mit den tief eingeschnittenen Eiskeilen. Die kleinen Halbinseln auf der Südseite, und in der Ferne die weiten Gletscher und Berge hinter Van Keulenfjord und Recherchefjord. Ein so schönes Land, an einem guten Tag.

Galerie Bellsund – 04. August 2015

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Ruhig vor Anker mit Blick auf den Fridtjovbreen klingt der Tag aus.

Eis … with a little help from my friends – 03. August 2015

Ja, das Thema Eis bleibt uns treu. Der nächste dichte Treibeisstreifen liegt voraus, das Sørkapp Land schon scheinbar zum Greifen nahe. Aber nun greifen wir in die Trickkiste. Bei den Bedingungen sind nicht gerade viele Schiffe in dieser Gegend, aber nun sind wir nicht mehr die einzigen. Das Hurtigruten-Schiff Fram ist nördlich von uns, ebenfalls unterwegs nach Süden, ein schnelles, kräftiges Schiff mit einem hilfsbereiten Kapitän. Wir hängen uns schön hinten dran, die Fram ist so breit, dass sie einen feinen Kanal ins Eis zieht, und die Passagiere dort haben ihre Freude. Genauso wie wir. Das erlebt man auch nicht alle Tage J

Foto Sørkapp – 03. August 2015 – 1/3

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Nach einem ersten, sehr dichten Abschnitt wird das Eis offener. Dreizehenmöwen fischen im Kielwasser der Fram, das wilde Sørkapp Land ist der grandiose Hintergrund dieser ganzen Szene. Und als krönender Abschluss taucht auch noch ein Eisbär auf. Ein kräftiges Männchen, zernarbte Nase, kampferprobt, mit selbstbewusstem Blick schaut er herüber.

Foto Sørkapp – 03. August 2015 – 2/3

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Die weite Passage rund ums Südkap nimmt die Nacht in Anspruch, die ganze Zeit liegen Eisfelder zwischen uns und der Küste. So auch jetzt, am frühen Morgen. Ein weiteres, weites Treibeisfeld liegt vor dem Hornsund, wir kurven munter zwischen den Eisschollen hindurch, immer wieder rumpelt es ordentlich, Pål hat am Steuer seinen Spaß, ich halte nach Eisbären Ausschau und schreibe zwischendurch diese Zeilen.

Foto Sørkapp – 03. August 2015 – 3/3

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Um den Hornsund werden wir wohl einen Bogen machen, mal schauen, wo es uns hin verschlägt, es wird vermutlich der Bellsund. Irgendwann heute müsste wieder ein guter Ankerplatz her, Ruhepause für den Skipper, Landgang für die Passagiere.

Eis – 03. August 2015

Eis … schon mal gehabt, eine Überschrift dieser Art, oder? Kann sein. Nun sind wir abseits der Isbukta, südliche Ostküste Spitzbergens. Immerhin, so weit südlich waren wir noch nicht, das Südkap ist ja gefühlt zum Greifen nah. Wieder einmal dachten wir, ab jetzt freie Fahrt voraus, das Eis trat zurück, offenes Wasser voraus … und ein paar Meilen später der nächste Eisstreifen, dichtes Eis. Laut Eiskarte von heute sollte es nur ein isoliertes Eisfeld sein, „open drift ice“, kennt man ja, hatten wir schon mal.

Foto Eis – 03. August 2015

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Habenichtbukta – 01. + 02. August 2015

Über den gestrigen Tag breiten wir lieber den Mantel des Schweigens. Viele saure Stunden waren es, die wir damit verbrachten, bei Wind und kräftigem Seegang über den Storfjord zu kreuzen, hin und her, immer die Eiskante in Sicht, in der Hoffnung, eine Durchfahrt zu finden. Was sich zunächst als Öffnung im Eis präsentierte, war dann doch nur eine Bucht, wo der kräftige Wind den Eisgürtel nach Süden getrieben hatte. Die Ostküste von Spitzbergen schien so nahe, der Hornsundtind bereits gut sichtbar, aber doch genauso unerreichbar wie der Mond.

Habenichtbukta – 01. + 02. August 2015

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Schließlich stempelten wir den Fall als vorerst hoffnungslos ab und stampften einige Stunden nordostwärts zur Edgeøya, wo wir in der Habenichtbukta einen schönen, kleinen Naturhafen fanden, in dem es sich gut und vor Seegang geschützt ankern ließ. Bald kehrte das Leben wieder zurück auf die kleine Arctica II, verschollen geglaubte Gesichter tauchten wieder auf und das Chaos wurde wieder in einen Zustand versetzt, der Gemütlichkeit und Gebrauch zuließ.

Der Plan, hier abzuwarten, bis der Wind sich deutlich gelegt hatte, stieß auf allgemeine Zustimmung. Es stand auch zu erwarten, dass der kräftige Nordwind den Eisriegel, der nach aller zur Verfügung stehender Information nur ein recht schmaler Streifen war, so zerstreuen würde, dass der Passage zum Südkap beim nächsten Versuch eigentlich nicht zuviel im Weg stehen sollte. Also gab es ein gutes Abendessen und einen gemütlich-geselligen Abend auf dem Schiff, und dann erstmal eine ruhige, lange Nacht mit erholsamem Schlaf J

Foto Hassensteinbukta – 02. August 2015

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Das weite Land im Südwesten der Edgeøya ist ein arktischer Traum, und natürlich haben wir einen ausgiebigen Sonntagvormittagsspaziergang gemacht, aus dem doch ein ordentlicher Streifzug geworden ist. Die schöne, farbenfrohe Tundra auf dem flachen Hügelland aus Basaltgestein bietet im Kleinen wie im Großen unendlich viel für Auge und Gemüt; die weiten Tafelberge im Inland geben dem Land den Charakter, der für den Südosten Spitzbergens so typisch ist. Wildes, schönes Land. Farbenfrohe Blümchen, erste Herbstfärbung der Polarweide. Ein verzweigter Fluss, ein Rentier, alte Fuchsfallen aus längst vergangenen Trapperzeiten. Eine lange, stille Pause, um den Blick schweifen zu lassen.

Foto Habenichtbukta – 02. August 2015

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Eine zweite Landung am späteren Nachmittag wurde ein ziemlich kurzer Ausflug. Kaum unterwegs, sahen wir etwas weiter südlich einen Eisbären am Ufer entlang wandern. Wir zogen uns zum Schiff zurück und überließen ihm sein Revier.

Mehr Walrosse, mehr Wind, mehr Eis – 31.07 + 01.08.2015

(31. Juli – 01. August 2015) – Der Tag begann zwar sonnig, aber bald wurde es ziemlich windig, was an den ziemlich ungeschützten Küsten um den Storfjord wenig hilfreich ist. Wider Erwarten sind wir auf der Edgeøya sogar noch an Land gekommen, konnten die schöne Tundra genießen, das weite Land, eine Walrossherde, die sich in der Nähe einer alten Trapperhütte sonnte, dicht bei einem von Knochen übersähten, alten Walrossfriedhof, wo viele ihrer Vorfahren von Walfängern und Jägern wegen ihrer Stoßzähne, ihres Specks und ihrer Haut geschlachtet wurden. Die Natur holt sich ihre Plätze hier schon zurück, auch wenn es ziemlich lange dauert.

Mehr Walrosse, mehr Wind, mehr Eis – 31.07 + 01.08.2015

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In der Annahme, dass die Umrundung Spitzbergens nun nur noch Formsache ist, eine lange Fahrt nach Süden durch den Storfjord und dann ums Südkap, machten wir uns dann auf den Weg mit Kurs aufs Südkap. Aber dieser Treibeisstreifen, der auf der Eiskarte als schmaler Streifen offenen Treibeises zwischen der südlichen Edgeøya und der südlichen Ostküste Spitzbergens angezeigt war, erwies sich als dichtes Packeis. Der heftige Nordwind, der immer noch pustet und das Leben an Bord auch nicht gerade schöner macht, hat das Eis zusammengeschoben. Nun suchen wir schon seit über 12 Stunden eine Lücke in diesem Eisgürtel, und wenn wir nicht bald eine finden, dann steht uns der lange Weg nach Norden bevor, zurück durch den Heleysund und die Hinlopenstraße … kein schöner Gedanke, aber hier hat die Natur das Sagen. Ein Königreich für eine genaue, aktuelle Eiskarte und eine gute Wettervorhersage!

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News-Auflistung generiert am 25. April 2017 um 04:37:43 Uhr (GMT+1)
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