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Tempelfjord-Sassenfjord

Karte Tempelfjord

GD = Gipsdalen, T = Tunabreen, VP = Von Postbreen, F = Fredheim, S = Sassendalen, DG = De Geerdalen, D = Diabasodden, L = Longyearbyen

Allgemein: Landschaftlich schöne Verzweigung im innersten Isfjord. Da der Tempelfjord nahe bei Longyearbyen liegt, ist er sowohl im Sommer per Boot als auch im späteren Winter (März/April) mit Motorschlitten ein beliebtes und sehr lohnenswertes Ziel für Tagestouren, die in Longyearbyen von verschiedenen Veranstaltern als geführte Tour angeboten werden.

Mehr Information über Spitzbergen und seine Landesteile in unserem Reiseführer Spitzbergen-Svalbard

Reiseführer: Spitzbergen-Svalbard

Eindrücke von winterlichen Touren in den Tempelfjord:
April 2013
Mai 2013

Panorama: Tempelfjord – Noorderlicht

Im Winter lässt sich das Segelschiff Noorderlicht im Eis einfrieren und dient dann als sehr exotisches Ausflugsziel. Auf einem Schiff, das zu Lebzeiten von Fridtjov Nansen gebaut wurde (der Rumpf der Noorderlicht stammt aus dem Jahr 1910), im Eis eingefroren zu sein – da kann man schon ernsthaft Arktis-Gefühle bekommen! Natürlich lässt sich nie genau vorhersagen, wann der Fjord gefriert und wann das Eis aufbricht. Normalerweise geht es irgendwann im Februar los und bis Ende April oder Anfang Mai sollte die Noorderlicht zugänglich sein. Mit dem Motorschlitten ist sie bequem als Tagestour erreichbar, aber am besten fährt man mit dem Hundeschlitten hin und übernachtet mindestens einmal. Wie auch immer man hinfährt: wegen amtlicher Auflagen darf die Noorderlicht im Tempelfjord nur Gäste begrüßen, die in Rahmen einer organisierten Tour kommen (Anbieter ist Bascecamp Spitsbergen in Longyearbyen).

Das Segelschiff Noorderlicht verbringt das Arktis-Frühjahr fest im Eis des Tempelfjord eingefroren. 1/2

Das Segelschiff Noorderlicht verbringt das Arktis-Frühjahr fest im Eis des Tempelfjord eingefroren. 2/2

Der Tempelfjord grenzt an die Gletschergebiete von Ostspitzbergen an. Der äußere Teil dieses Fjordarms heißt Sassenfjord. Diese namentliche Unterteilung eines Fjords ist etwas verwirrend. Geographisch ist sie sogar einigermaßen sinnvoll, da der Sassenfjord die Verlängerung des Sassendalen (-tal) ist. Von diesem teilweise ertrunkenen Talzug Sassendalen-Sassenfjord ist der Tempelfjord also genau genommen ein ebenfalls ertrunkenes Nebental.

Tundabreen, Tempelfjord

Gletscherfront des Tunabreen im inneren Tempelfjord, Blick vom Kapp Schoultz.

Geologie: Im Wesentlichen permokarbonische Sedimente. Das Karbon besteht aus gipsführenden Karbonaten, Evaporiten und klastischen Sedimenten, während das auflagernde Perm vor allem aus den in Svalbard vielerorts auffälligen, fossilführenden Kalksteinen besteht (‚Kapp Starostin Formation‚). Auf der Südseite steht in höheren Hangbereichen die Trias mit ihren dunklen Ton- und Siltsteinen an; die Perm-Trias-Grenze selbst ist allerdings nicht repräsentiert, da das obere Perm wie die unterste Trias in Svalbard fehlen (Schichtlücke). Die Schichten fallen insgesamt nach Südwesten ein. Durch den Eingang des Tempelfjords verläuft die Billefjorden-Störungszone, die vor allem vor der Ablagerung des Deckgebirges (prä-karbonisch) aktiv war, aber letzte Bewegungen fanden auch im Mesozoikum noch statt, so dass auch noch Sedimente aus Karbon bis teilweise in die Unterkreide hinein verstellt sind. Auf der Ostseite des Billefjord im Eingang sowie östlich des De Geerdalen sind die Verstellungen schön sichtbar in Form von Falten und Störungen, wie auch im inneren des Nordenskiöld Landes.

Panorama – Tempelfjord: Kapp Schoultz

Am Kapp Schoultz hat man im frühen 20. Jahrhundert versucht, Gips abzubauen. Wie so oft, war der Versuch erfolglos und wirtschaftlich ein Fehlschlag. Neben ein paar Resten aus der alten Zeit stehen dort heute ein paar Hütte, darunter die soweit mir bekannt einzige Hütte Spitzbergens abseits der Siedlungen, die aus Beton gebaut ist. Dort steht auch eine kleine, mobile Sauna, die aber leider abgeschlossen ist. Warum eigentlich?

Gips. Kapp Schoultz, Tempelfjord

Gipsbrocken bei Kapp Schoultz. Im Hintergrund Tempelfjellet.

Auf der Südseite des Tempelfjord stehen stellenweise oberjurassisch-kretazische, basaltische Intrusionen an (Diabas, Dolerit), die zur gleichen intrusiven Suite gehören wie die ähnlichen Gesteine in der Hinlopenstraße, der Barents– und Edgeøya, Tusenøyane etc. Diese bilden aufgrund ihrer relativen Härte Kaps und Steilstufen im Gelände. Am Diabasodden (‚Diabas-Landspitze‘) profitiert eine Kolonie von Seevögeln, vor allem Lummen, Grylltheisten sowie ein paar Papageitaucher, von den steilen Basaltklippen, und im De Geerdalen fällt mit dem Hyperitfossen ein schöner, kleiner Wasserfall über eine Steilstufe, für die eine basaltische Intrusion verantwortlich ist (oben auf den Felsen brüten Gänse, dort bitte während der Brutsaison nicht hingehen).

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Landschaft: Der landschaftliche Höhepunkt im Tempelfjord ist neben dem namensgebenden Berg die Abbruchkante des Tunabreen. Früher hatte dieser eine gemeinsame Abbruchkante mit dem Von Postbreen, aber dieser hat sich so weit zurückgezogen, dass er nun keine Abbruchkante mehr hat, sondern in einer Moränenlandschaft endet. Einheimische nutzen den Von Postbreen als Motorschlittenroute Richtung Ostküste.

Panorama: Tempelfjord – Tunabreen

Im inneren Tempelfjord liegt der Tunabreen mit seiner Abbruchkante. Direkt südlich daneben läuft der Von Postbreen flach zum Ufer aus. 1/2

Im inneren Tempelfjord liegt der Tunabreen mit seiner Abbruchkante. Direkt südlich daneben läuft der Von Postbreen flach zum Ufer aus. 2/2

Wie auch andernorts, so bilden auch hier die harten permischen Karbonate auffällige Steilstufen in den Berghängen, die von der Erosion in turmartige Vorsprünge zerteilt werden. Einer der bekanntesten Berge Spitzbergens ist das Tempelfjellet, der Tempelberg, auf der Nordseite des gleichnamigen Fjordes, wo diese Klippen besonders schön ausgebildet sind (wie auch in der Skansbukta auf der Westseite des Billefjord). Im Inneren des Fjords kalbt die gemeinsame Front von Tuna- und Von Postbreen. Die Küste ist auf der Nordseite des Tempelfjords meist steil, mit nur schmalen Stränden; besonders schön ausgeprägte Strandwallserien gibt es im Gipsdalen sowie östlich des Tempelfjellets in Bjonahamna.

Auf der Südseite des Tempelfjord, wo aufgrund der Neigung der Schichten in den oberen Hangbereichen die weicheren Trias-Sedimente anstehen, sind die Hänge weniger spektakulär steil und weniger gleichmäßig von der Erosion zerschnitten, zumindest im Vergleich zum Tempelfjellet. Was nicht heißen soll, dass die Landschaft da nicht auch klasse ist und viele Möglichkeiten für schöne Wandertouren bietet. Reizvoll ist auf der Südseite des Tempelfjord der kleine Vogelfelsen Diabasodden mit diversen Möglichkeiten für Tagestouren in der Umgebung.

Panorama: Tempelfjord – Tunabreen (noch einmal)

Noch einmal, weil’s so schön ist: Die winterliche Abbruchkante des Tunabreen im Tempelfjord. Anfang Mai.

Flora und Fauna: Es gibt eine Reihe von Vogelfelsen an steilen Klippen, wobei Diabasodden auf der Südseite des Tempelfjords dadurch besticht, dass er gut zugänglich ist und einen schönen Querschnitt durch die Vogelwelt Spitzbergens bietet (bitte mit der gebührenden Rücksicht während der Brutsaison – in der Gegend brüten u.a. auch Gänse, oft auf der Oberkante von Klippen, die leicht zu stören sind!). In der Gegend gibt es viele Füchse und Rentiere, und wer meint, so nahe bei Longyearbyen gäbe es keine Eisbären, kann sein blaues Wunder erleben.

Geschichte: Ob Walfänger oder Pomoren in der Gegend waren, weiß ich nicht, aber vermutlich schon. Im späten 19. Jahrhundert begann die intensive Nutzung durch norwegische Trapper. Hilmar Nøis, schon zu Lebzeiten Legende und Inventar auf Spitzbergen, hat sich hier mit Fredheim ein schickes Häuschen gebaut – eine der wenigen zweigeschossigen Trapperhütten in Spitzbergen, die sich nach Einzug von Nøis‘ Frau in ein gemütliches Heim verwandelte (die erste ist bald durchgedreht, aber Nøis zweite Frau, Helfried Nøis, fand es dort ziemlich gemütlich und hat eine Reihe von Jahren zusammen dort mit Hilmar verbracht, bis es altersbedingt schließlich Zeit für den Ruhestand wurde). Panorama-Tour Fredheim.

Panorama: Tempelfjord – Fredheim

Am Tempelfjord, beim Eingang des Sassendalen, liegt Fredheim, wo der bekannte Jäger Hilmar Nøis jahrzehntelang gewohnt hat, teilweise zusammen mit seiner zweiten Frau Helfrid. 1/2

Am Tempelfjord, beim Eingang des Sassendalen, liegt Fredheim, wo der bekannte Jäger Hilmar Nøis jahrzehntelang gewohnt hat, teilweise zusammen mit seiner zweiten Frau Helfrid. 2/2

Ein Versuch, Gips abzubauen, fand früh im 20. Jahrhundert beim Kapp Schoultz auf der Südseite des Sassenfjord statt, einige Reste der Bergwerkanlagen sind noch sichtbar. Das Vorkommen stellte sich bald als ökonomisch wertlos heraus.

Alte Gipsmine, Kapp Schoultz, Tempelfjord

Reste des Gipsabbaus bei Kapp Schoultz.

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Letzte Änderung: 13. November 2014 · Copyright: Rolf Stange
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