spitzbergen-3
fb  de  en  
Marker

Kongsfjord

Karte Kongsfjord

B = Blomstrandhalvøya, KG = Kapp Guissez, Kv = Kvadehuken, L = Lovénøyane, NA = Ny Ålesund, O = Ossian Sarsfjellet.

Allgemein: Landschaftlich sehr schönes und abwechslungsreiches Gebiet mit vielen Fjorden und Buchten. Historisch interessant. Vor allem die Siedlung Ny Ålesund zieht jedes Jahr mehr und mehr Touristen an, die fast ausschließlich an Bord von kleineren und in zunehmenden Maße auch größeren Schiffen kommen. Teile des Gebietes liegen innerhalb des Nordwest-Spitzbergen-Nationalpark und sind somit geschützt. Die Lovénøyane, die Nordseite der Blomstrandhalvøya (mit Inselchen) und das Kap Guissez zwischen Kongs- und Krossfjord sind Vogelschutzgebiete, somit gilt hier von 15. Mai bis 15. August »betreten verboten«. Das Ossian Sarsfjellet ist ein Naturreservat, dort darf nicht gezeltet werden.

Ny Ålesund wird häufig besucht, zunehmend auch von großen Kreuzfahrtschiffen mit etlichen hundert oder sogar deutlich über 1000 Passagieren, was verständlicherweise nicht allen gefällt, die in diesem kleinen Ort arbeiten. Daher gibt es ein paar besondere Regeln für Besucher (im Ort bleiben, auf den Wegen bleiben, in keine Gebäude gehen abgesehen von Besucherzentrum/Museum/Laden, keine wissenschaftlichen Geräte berühren, keine Tiere ärgern). Ansonsten ist die Blomstrandhalvøya ein beliebtes Exkursionsziel mit interessanter Flora, Fauna, Geschichte und schönen Wandermöglichkeiten. Ab 2015 wird das Schwerölverbot die Anzahl der größeren Schiffe und damit den Besucherstrom wohl deutlich reduzieren. Tiefer im Kongsfjord reizen die schönen Gletscher, und der eine oder andere Vogelfelsen ist zumindest für kleine Gruppen und geübte Wanderer ein lohnenswertes Exkursionsziel.

Ny Ålesund

Häuser in Ny Ålesund vor der Berg- und Gletscherkulisse des inneren Kongsfjord.

Geologie: Vielfältig, im Kongsfjord ist das geologische Mosaik ziemlich kompliziert. Auf der Nordseite gibt es schwach metamorphe Grundgebirgs-Karbonate (»Marmor«), z.B. auf der Blomstrandhalvøya, wo Optimisten einmal Bergbauversuche gestarten haben (siehe »Geschichte«). Im innersten Kongsfjord stehen vor allem devonische bis permokarbonische Sedimente an, die im Alttertiär ebenfalls stark deformiert wurden, aber nicht metamorph sind. Dieses Mosaik aus braunroten Sandsteinen und Konglomeraten aus dem Devon (»Old Red«) und gelbbraunen, jüngeren Kalk- und Sandsteinen, die wegen der vielfältigen Deformationen direkt auf- bzw. nebeneinander liegen in enger Nachbarschaft zum Grundgebirge, ist landschaftlich reizvoll. Wer geologisch interessiert ist, kann im innersten Kongsfjord Gesteine vom Grundgebirge bis ins obere Paläozoikum (Old Red und Permokarbon) sehen, mit deutlichen Falten und Störungen. Macht richtig Spaß!

Auf der Blomstrandhalvøya liegen auffällig viele Findlinge herum, teilweise aus groben Old-Red-Konglomeraten, teilweise auch aus Schiefern, die versteinertem Holz täuschend ähnlich sehen.

Geologie Kongsfjord

Geologisches Mosaik östlich des Kongsfjord. Auffällig ist das rötliche Old Red mit einer steileren Kappe aus harten permokarbonischen Karbonaten.

Die Brøggerhalvøya besteht aus einem Mosaik aus stellenweise Grundgebirgsgestein, Permokarbon und alttertiären Sandsteinen, Konglomeraten. Letztere sind flözführend und waren die Grundlage für den Steinkohlebergbau in Ny Ålesund, der allerdings 1962 eingestellt wurde. Sowohl die starke Deformation der hier unter dem Meeresspiegel liegenden Flöze als auch der hohe Methangehalt, der mehrfach zu Grubenexplosionen und somit zu schweren Unglücken führten, trugen schließlich zur Aufgabe der Grube bei, der konkrete Anlass war eine Explosion mit mehreren Todesopfern.

Buchempfehlung für weitere, ausführliche und allgemeinverständliche (ja, wirklich) Information zu den Themen Geologie/Landschaft.

Landschaft: Abwechslungsreich, schon aufgrund des geologischen Mosaiks (s.o.). Gebirgig mit relativ wenig eisfreiem Flachland, das Landesinnere ist stark vergletschert, und einige große Gletscher kalben in den inneren Kongsfjord. Auffällig sind teilweise die von zerriebenen Old-Red-Gesteinen kräftig rot gefärbten Schmelzwässer beim Kongsvegen. Bekannt sind die Tre Kroner (»Drei Kronen«), drei markante Berggipfel östlich des Kongsfjord: Svea, Dana, Nora (Schweden, Dänemark, Norwegen). Auf der Südseite des Kongsfjord sowie im Eingangsbereich gibt es größere, eisfreie und recht flache Küstenvorländer.

Gletscherfront des Kongsvegen, Kongsfjord

Gletscherfront des Kongsvegen mit rötlich gefärbtem Schmelzwasser.

Flora und Fauna: Stellenweise schöne Tundravegetation, soweit die Topographie dies erlaubt. Die Tierwelt besteht vor allem aus einer reichen Vogelfaune mit verschiedenen Seevogelkolonien an steilen Klippen mit Dickschnabellummen und Möwen. Die Tundragebiete sind wichtige Sammelplätze für Gänse, vor allem Weißwangengänse. Auf den Inseln brüten Eiderenten in großen Zahlen. Auf der Tundra gibt es Füchse und Rentiere. Schon Ny Ålesund hat faunistisch eine Menge zu bieten: Weißwangengänse, Füchse, Küstenseeschwalben, die Sie attackieren (einfach weggehen und keinesfalls nach den Vögeln schlagen!), Eisente und vielleicht sogar die Elfenbeinmöwe beim Hundehof, Eisenten und eine Reihe weiterer interessanter Arten.

Eine faunistische Besonderheit ist die Falkenraubmöwe, die in Spitzbergen nur an ganz wenigen Stellen brütet, darunter die Blomstrandhalvøya, und dort mit Glück gut zu beobachten ist.

Roald Amundsen mit Küstenseeschwalbe, Ny Ålesund

Roald Amundsen in Ny Ålesund mit einer Küstenseeschwalbe als Kopfbedeckung.

Panoramen: Tre Kroner, Kongsfjord

Ein unglaublicher Sonnenaufgang hinter den berühmten Bergen Tre Kroner Ende September 2012 im Kongsfjord. Bewundert, genossen und fotografiert vom Hafen in Ny Ålesund.

Das Panorama des inneren Kongsfjord von der kleinen Insel Storholmen, Ende September 2012.

Eine andere Sicht auf den inneren Kongsfjord, dieses Mal aus 385 Metern Höhe von der Blomstrandhalvøya.

Geschichte: Der Kongsfjord war schon den Walfängern bekannt, und Gräber bzw. Specköfenreste gibt es auch zumindest in der Engelsbukta südlich des Kongsfjord. Die Nutzung der schon im 17. Jahrhundert zumindest in Form von Geröll am Strand entdeckten Kohlevorkommen auf der Südseite des Kongsfjord – damals Kings Bay – begann allerdings erst im frühen 20. Jahrhundert dort, wo heute Ny Ålesund ist (siehe auch Bergbau bei der historischen Übersicht). Der Abbau verlief aber stockend und wurde immer wieder unterbrochen, von wirtschaftlichen und technischen Schwierigkeiten wie auch vom Krieg. 1962 schließlich wurde der Bergbau nach mehreren Grubenunglücken mit Todesopfern endgültig eingestellt. Mittlerweile hat sich in Ny Ålesund unter norwegischer Koordination eine internationale Forschungssiedlung etabliert, in der verschiedene Nationen jeweils Stationen betreiben. Auch das deutsche Alfred-Wegener-Institut betreibt hier ganzjährig eine Forschungseinrichtung, die Koldewey-Station.

Alte Koldewey-Station (Blaues Haus), Ny Ålesund

Die Koldewey-Station (»Das blaue Haus«) des Alfred-Wegener-Institutes. In diesem Gebäude befinden sich heute nur noch Unterkünfte und Büros.

Polar-historisch bedeutender sind die Versuche der Flugpioniere Roald Amundsen (& Co), Richard Byrd und Umberto Nobile in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Der Mast, an dem Amundsen und Nobile ihre Luftschiffexpeditionen starteten.

Luftschiffmast von Amundsen und Nobile bei Ny Ålesund

Bei Kvadehuken im Eingangsbereich des Kongsfjord befand sich 1920-24 eine norwegische Wetterstation.

Interessant und typisch für diese Zeit Spitzbergens ist der Bergbau auf der Blomstrandhalvøya. Die englische Northern Exploration Company etablierte hier früh im 20. Jahrhundert Einrichtungen zum Abbau der Marmorvorkommen, deren Qualität allerdings drastisch überschätzt wurde. Nach wenigen Sommern Probebetrieb wurden die Aktivitäten wieder eingestellt, Reste sind heute noch vor Ort sichtbar.

Ny London oder Camp Mansfield, Blomstrandhalvøya

Häuser aus der Zeit des Marmorbergbaus auf der Blomstrandhalvøya (im Vordergrund das Stängellose Leimkraut).

Zurück

Letzte Änderung: 31. Mai 2016 · Copyright: Rolf Stange
css.php