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Monats-Archiv: August 2018 − News & Stories


Reiseführer Spitzbergen-Svalbard: 6. Auflage der „Spitzbergen-Bibel“ im Druck

2007 kam die erste Auflage meines Reiseführers Spitzbergen-Svalbard heraus. Das Buch erfreute sich in Spitzbergen-Kreisen bald einiger Beliebtheit, und so konnte ich es über die Jahre in mehreren Neuauflagen weiterentwickeln. Nun ist die 2015 erschienene 5. Auflage vergriffen und die 6. Auflage ist im Druck. Auch diese neue Auflage wurde wieder umfassend überarbeitet. Sowohl der Inhalt als auch das Stichwortverzeichnis sind deutlich erweitert worden, so dass die neue Auflage 580 Seiten haben wird (alte Auflage: 560). Auch die Karten und das in der 5. Auflage zu Recht kritisierte Schriftbild wurden verbessert. Beim Autor wachsen Wissen und Erfahrung auch nach über 20 Jahren Spitzbergen noch durch ständige und intensive Beschäftigung mit den Polargebieten in Theorie und Praxis, und das fließt natürlich ständig in die neuen Auflagen mit ein, wie auch neue Gesetzgebung, die auf Touren von Bedeutung ist, neuere Entwicklungen in Longyearbyen undsoweiter.

Reiseführer Spitzbergen-Svalbard, 6. Auflage, September 2018

Die neue Auflage vom Reiseführer Spitzbergen-Svalbard ist im Druck und wird im September 2018 erscheinen.

Viele professionelle Guide-Kollegen greifen in ihrem Spitzbergen-Alltag regelmäßig zum Reiseführer Spitzbergen-Svalbard; in diesen Kreisen wird das Buch gerne als „Spitzbergen-Bibel“ bezeichnet! Ich freue mich über das Kompliment. Das Buch gibt es seit 2008 auch auf englisch und seit 2017 darüber hinaus auf norwegisch.

Vorbestellungen werden gerne entgegengenommen, wer den Reiseführer derzeit bestellt, bekommt die neue Auflage ausgeliefert, sobald sie verfügbar ist. Das wird im September 2018 der Fall sein, der genaue Termin liegt nun wie üblich bei der Druckerei.

Platz in Damenkabine auf der Antigua (11.-21.09.2018) wieder frei geworden!

Spitzbergen unter Segeln mit SV Antigua, 11 intensive Tage lang – eine Traumreise für Arktisfreunde zu einer Zeit, in der Sonnenuntergänge Farbe in die hohen Breiten bringen! Nun besteht die Möglichkeit dazu, kurzfristig wieder auf dieser eigentlich längst ausgebuchten Reise im September 2018, da ein Platz in einer Damenkabine freigeworden ist.

Spitzbergen unter Segeln, SV Antigua September 2018

Spitzbergen unter Segeln auf der Antigua im September 2018: Ein Platz in einer Damenkabine wieder verfügbar.

Also – nur zu und Willkommem an Bord! Klicken Sie hier für weitere Informationen zu dieser Reise.

Interessenten können sich für Fragen zur Reise, zur Antigua, zu Spitzbergen, zur Ausrüstung etc. an Rolf Stange wenden und für Reservierung und Buchung an die Geographische Reisegesellschaft.

Wieder mal Eis-Negativrekorde in der Arktis

Kaum einer wird überrascht sein: Wieder einmal sind Rekorde bei der Ausbreitung des Meereises zu melden, und natürlich handelt es sich wieder um Negativrekorde. Wie der norwegische Eisdienst via Twitter meldet, gab es seit Beginn der Messungen 1967 zu dieser Jahreszeit noch nie so wenig Eis wie derzeit. Wie die aktuelle Eiskarte zeigt, sind sowohl Spitzbergen als auch das benachbarte Franz Josef Land, das zu Russland gehört und ein kälteres, eisreicheres Klima hat, derzeit weiträumig eisfrei:

Eiskarte 22. August 2018

Eiskarte vom 22. August 2018 (norwegischer Wetterdienst, MET Norway).

Am 22. August 2018 hatte das Meer um Spitzbergen laut norwegischem Eisdienst 123.065 Quadratkilometer Treibeis. Das sind 105.139 Quadratkilometer weniger als im längerfristigen Mittel (1981-2010), ein Verlust von beinahe der Hälfte!

Noch mehr Sorge bereitet den Wissenschaftlern aber, dass sogar das Eis vor Nordgrönland aufgebrochen ist, wie diese Eiskarte ebenfalls zeigt. Das Eis vor der Küste Nordgrönlands wird von den Strömungen zur Küste hin gedrückt und es bricht normalerweise auch im Sommer nicht auf. Der starke Warmlufteinbruch im Februar hatte aber in großen Teilen der Arktis zu einer Schwächung des Eises geführt, so dass das zerbrochene Eis im Sommer vom Wind viel leichter bewegt werden konnte. Selbst wenn die Wasserflächen bald wieder frieren, ist das Porzellan nun einmal zerbrochen: Das mehrjährige Eis ist auf großer Fläche in seiner strukturellen Integrität verloren. Wie der Name schon sagt, braucht es ohnehin mindestens mehrere Jahre, bis es sich neu bilden würde, womit unter gegenwärtigen Bedingungen aber ohnehin kaum zu rechnen ist.

Rossøya & Vesle Taveløya eisfrei, Juli 2018

Svalbards nördlichster Norden: Rossøya (links) und Vesle Tavleøya, völlig eisfrei um Mitte Juli 2018.

Dass Longyearbyen mittlerweile 90 Monate (!) am Stück Temperaturen über dem langjährigen Mittel verzeichnet, passt ebenfalls ins Bild. Eine dramatische Entwicklung, die aber auch kaum als überraschend bezeichnet werden kann.

Isøyane & Kapp Borthen – 16. August 2018

Das Sørkapp hatte sich dieses Mal als Stück Kuchen erwiesen, wie der Engländer zu sagen pflegt 🙂 von Seegang konnte kaum die Rede sein. Wir sind noch ein gutes Stück die Westküste hinaufgetuckert, damit wir den Isfjord dann demnächst in Reichweite haben. Da es wind- und seetechnisch weiterhin ruhig war und bleiben sollte, haben wir zu später oder eher schon wieder zu früher Stunde den Anker bei den Isøyane fallen gelassen, vor den großen Torellbreane. Hammerlandschaft!

Isoyane

Isoyane

Auf die Isøyane wollte ich schon, seit ich denken kann, und heute sollte die Gelegenheit sein. Ein kleiner, gemütlicher Spaziergang auf einer Insel, die nicht mal einen Kilometer im Durchmesser misst, ohne nennenswerte Erhebungen, das war genau das Richtige heute. Da die ufernahen Gewässer sehr flach und felsig sind, ist die Landung nicht ganz trivial, aber nach ein paar Anläufen hatten wir die richtige Stelle gefunden und dort konnten wir alle prima an Land. Was soll ich sagen, ein wunderbares Inselchen! Die saftiggrüne, weiche Tundra lässt erahnen, wie viele Generationen von Eiderenten, Gänsen, Küstenseeschwalben, Raubmöwen und weiteren Federtieren hier Jahr für Jahr die Insel düngen. Das frische Grün erfreut Auge, Herz und Seele, nach den vielen Tagen Polarwüste und Gletscher im Osten und Norden! Am beeindruckendsten war aber vielleicht die Küstenlinie mit ihren kleinen Buchten, ausgedehnten Gezeitenplattformen im Fels und zahllosen Felsen.

Isoyane

Isoyane

Nicht weit entfernt liegt das Kapp Borthen. Auch so ein Ort, von dem man sich meistens besser fernhält. Nur wenn es richtig ruhig ist, dann kann man dort hin. Eine weite, flache Ebene liegt zwischen Küste und Bergen, so flach, dass man dort mit einem Flugzeug landen könnte. Genau das hat die Besatzung eines deutschen Kampfflugzeuges im September 1942 getan, nachdem ihr Flugzeug beim Angriff auf einen Konvoi beschädigt worden war.

Kapp-Borthen

Kapp-Borthen

Bei ruhiger See und Sonne dampfen wir nun nach Norden, Richtung Isfjord. Bald wird der Kreis sich schließen.

Kapp-Borthen

Kapp-Borthen

Isbukta – 15. August 2018

Um noch an ein paar Stunden Schlaf zu kommen, bevor es dann rund ums Südkap gehen sollte, haben wir in der Isbukta geankert. Und da heute früh die Sonne schien, haben wir natürlich die Gelegenheit zu einer kleinen Tour genutzt. Ein toter Beluga am Ufer ließ uns zunächst etwas misstrauisch werden – nicht, dass da irgendwer hinterm Hügel sitzt und überlegt, sein Futter im Vorwärtsgang zu verteidigen? Eine vorsichtige Inspektion zeigte aber, dass der Beluga noch keinerlei Fraßspuren von größeren Tieren aufwies, obwohl der Kadaver offensichtlich schon ein Weilchen dort liegt. Auch auf gründliches Absuchen einschließlich Luftaufklärung hin machte die Gegend einen eisbärenfreien Eindruck. Man soll sich nie zu sicher sein, aber wir konnten auf jeden Fall guten Gewissens auf Tour ziehen. Die Isbukta ist landschaftlich grandios schön, die kleine Schwester vom Hornsund, mit mehreren großen Gletschern und vielen schroffen Bergen. Und das unter blauem Himmel und Sonne, aus erhöhter Perspektive!

Isbukta

Isbukta

Ziemlich zugig war es oben, und so waren wir gespannt, was das Südkap bringen würde, Spitzbergens kleines Kap Hoorn. Die Vorhersage ist ja ziemlich gut, von sehr wenig Wind ist die Rede. In diesem Augenblick haben wir unsere südlichste Position und umrunden somit das Südkap. Ziemlich ok soweit.

Isbukta

Isbukta

Die Ostküste – 14. August 2018

Die Ostküste hat ja aus guten Gründen den Ruf einer gewissen Unerreichbarkeit, wenn man vom Sabine Land absieht, mit Agardhbukta, Dunérbukta und Mohnbukta, die ja von Longyearbyen aus halbwegs erreichbar sind, vor allem im Winter. Aber ansonsten ist es dort schwierig, über Land wären das sehr lange, anspruchsvolle Touren mit Expeditionscharakter und von See aus sind diese unvermessenen, schroffen Küsten auch nicht gerade einladend.

Crollbreen

Crollbreen

In der Agardhbukta war über Nacht Wind aufgekommen, kein Gedanke an einen Landgang dort. Auch weiter südlich sah es zunächst nicht wirklich vielversprechend aus. Erst ein gutes Stück weiter Richtung Hambergbukta hatten wir ideale Bedingungen und sind in Richtung von einem der vielen Gletscher dort gefahren. Wie sich zeigte, hatte dieser sich ein Stück zurückgezogen und am Ufer eine Moränenlandschaft hinterlassen, wo man hervorragend an Land gehen konnte! Ganz junges Land. Ob hier, wo vor Jahren noch alles unterm Gletscher lag, überhaupt schon mal jemand seinen Fuß hingesetzt hat? Keine Ahnung, und man soll natürlich sehr vorsichtig mit der Behauptung sein, irgendwo der Erste zu sein. Aber allein der Umstand, dass schon der Gedanke möglich ist, ist schon sehr reizvoll!

Crollbreen

Crollbreen

Der Gletscher muss vor kurzem noch mal ein klein wenig vorgestoßen sein, er hat eine kleine Stauchendmoräne aufgeschoben wie einen kleinen Wall, aus dem junge Treibholzsstücke herausragen. Einige schnallen sich die Steigeisen unter die Stiefel und ziehen den Gletscher hinauf, um Gletscherspalten und solche Dinge zu begutachten. Eine andere, kleine Gruppe zieht still den Strand entlang, von einer Lagune zur anderen, und freut sich über die kleinen und großen Dinge, die sich in dieser Landschaft finden. Neue Plätze entdecken, an wilden, abgelegenen Orten, namentlich Spitzbergens Ostküste, wie schön kann es eigentlich sein? 🙂

Hedgehogfjellet

Hedgehogfjellet

Später schenkt uns die tiefe Mitternachtssonne wieder einen wunderschön roten beinahe-Sonnenuntergang.

Agardhbukta – 13. August 2018

Die Agardhbukta an der Ostküste Spitzbergens, etwas weiter südlich als Longyearbyen gelegen, lag genau richtig für uns, um am späten Abend dort den Anker in den Schlamm zu schmeißen. Die Stimmung war nahezu melancholisch, die Sonne übt schon die ersten Untergänge, wenn sie auch für einige Tage noch nur hinter den Bergen verschwindet und nicht hinter dem Horizont. Aber sie zeigt sich um Mitternacht schon tiefrot und man wird wieder daran erinnert, dass der Sommer nicht mehr lang ist und die Dunkelheit bereits im Anmarsch.

Agardhbukta

Agardhbukta

Hier in der Agardhbukta werden bei mir alte Erinnerungen wach. Hier war ich schon einige Male, aber bislang nie mit einem Schiff. Diese Bucht ist weitgehend unvermessen und steht auch im Ruf, untief und für Schiffe kein guter Ort zu sein. Früher nannte man die Agardhbukta Foul Bay („Untiefe Bucht“). Die früheren Touren hierher gingen über Land, die erste war 1999, vor 20 Jahren! Lange, lange her … das war zu Fuß, mit Freund Sven, von Longyearbyen aus. Wir sind damals der klassischen Conway-Route gefolgt, durch die großen Täler nach Osten, 4 anstrengende, aber unvergessliche Tage ab Longyearbyen. Später ging es noch einmal zu Fuß in diese Richtung, und dann noch ein paar Mal im Winter. Das geht deutlich schneller und ist mit weniger Anstrengung verbunden.

Agardhbukta

Agardhbukta

Für uns sollte die Agardhbukta primär ein Übernachtungsplatz sein, selbst nach Ausreizen der Tiefe war das Ufer immer noch weit weg. Aber als aus morgen heute wurde, hatten wir ein Geburtstagskind an Bord und ein kleiner Ausflug an Land erwies sich als schönes Geburtstagsgeschenk im dämmrig werdenden Licht der ausgehenden Mitternachtssonne. Ein schöne, stille, kleine Wanderung in schöner Landschaft, schönem Licht und schönen Erinnerungen.

Heleysund – 13. August 2018

Ein Traumtag in einem der schönsten Winkel Spitzbergens, im östlichsten Osten der Hauptinsel. Im Heleysund liegt diese schöne Bucht, in der man prima ankern kann, auch wenn es etwas pustet, so wie gestern Abend.

Straumsland

Straumsland

Heute früh war es still und sonnig. Wir haben ein paar Thermoskannen und Futter für unterwegs eingepackt und uns aufgemacht, auf eine weite Runde in die Tundra. Mal feuchter, mal trockener, mal steiniger, immer schön. Ausblicke über Heleysund und Straumsland, Storfjord und Barentsøya. Neugierige Rentiere und eine seltene Schwalbenmöwe. Eine großartige Küste mit beeindruckenden Felssäulen, darunter saftiggrüne Tundra mit kräftigen Eiskeilen. Lange Pausen mit schönen, sonnigen Blicken. Was will man mehr?

Straumsland

Straumsland

Nun machen wir Dampf durch den Storfjord nach Süden. Die Sonne scheint, wir haben schöne Sicht auf die Barentsøya links (ja, Backbord) und Spitzbergen rechts (Steuerbord).

Straumsland

Straumsland

Straumsland

Straumsland

Hinlopen – 12. August 2018

Das Wetter für die nächsten Tage macht weiterhin guten Eindruck – von den ersten Tagen abgesehen, sind wir derzeit nicht gerade sonnenverwöhnt, aber ansonsten können wir wirklich nicht klagen – und daher setzen wir die Fahrt nun nach Süden fort, um demnächst das Südkap zu umrunden und damit auch die Insel Spitzbergen. Gute Sache. Das sollte auch in nicht allzu ferner Zukunft passieren, die Tage gehen auf sehr angenehme Art dahin, einer nach dem anderen. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir irgendwann auch wieder in Longyearbyen ankommen müssen.

Von-Otteroya

Von-Otteroya

Noch sind wir aber in der Hinlopenstraße. Die Nacht haben wir vor Anker bei einer dieser Insel verbracht, steinig-karge Polarwüste. Nur Steine, sonst nichts. Denkt man. Bei näherem Hinschauen gibt es hingegen eine ganze Menge zu entdecken. Natürlich haben wir näher hingeschaut 🙂

Brasvellbreen

Brasvellbreen

Im Osten sieht es sonnig aus, also machen wir uns auf Richtung Bråsvellbreen. Das ist ja auch eines dieser Naturwunder, die es jeweils nur einmal gibt auf dieser Welt. Der Wind frischt auf, und eine ganze Menge Gletschereis driftet umher, aber Pål steuert unermüdlich zwischen den kleinen und großen Eisbergen hindurch. In Gletschernähe schläft der Wind ein. Ein Eisbär schwimmt neugierig auf uns zu und dreht in nächster Nähe eine Ehrenrunde um das Schiff!

Brasvellbreen

Brasvellbreen

Der Anblick der unendlich erscheinenden Gletscherfront des Bråsvellbreen in der Sonne, mit Wasserfällen und treibenden Eisbergen, ist atemberaubend.

Hinlopen – 11. August 2018

Nach langer Fahrt bis in die frühen Morgenstunden haben wir den Murchisonfjord erreicht. Wir besuchen die alte schwedische Station Kinnvika und drehen eine lange Runde in der weiten, polarwüstenhaften Landschaft, über schöne Aussichtshügel und Felslandschaften, finden erwartetermaßen Fossilien und überraschenderweise eine Eishöhle.

Kinnvika

Kinnvika

Kinnvika

Kinnvika

Das Alkefjellet als eines der Naturwunder der Hinlopenstraße, mit Bedeutung weit darüber hinaus, rundet den Tag ab. Mit etwas Einsatz und Zodiac-Unterstützung von Monika ist mir dabei übrigens ein 360 Grad Panorama vom Alkefjellet gelungen. Bin gespannt, wie das dann aussieht! Demnächst an bekannter Stelle 🙂

Alkefjellet

Alkefjellet

Rijpdalen – 10. August 2018

Es ist herrlich, in einem so gottvergessenen Winkel wie einer Bucht im tiefsten Rijpfjord still vor Anker zu liegen! Kein Lüftchen regte sich. Vielversprechende Aussichten für den nächsten Tag, wo einige von uns eine sehr lange Wanderung im Rijpdalen geplant hatten.

Himmelbukta

Himmelbukta

Leider hingen heute früh die Wolken wieder etwas tiefer, und da wir nicht vorhatten, in der Suppe zu marschieren, haben wir die ganz lange Tour doch nicht gemacht, sondern uns auf ein „übliches“ Maß einer fünfstündigen Rundtour beschränkt. Die war dafür umso ergiebiger. Das Rijpdalen ist eine unglaublich schöne Landschaft, äußerst weitläufig, sehr weite Täler mit kräftigen Schmelzwasserflüssen. Unter den Wolken schauten in beiden Richtungen die großen Eiskappen hervor, Austfonna im Osten und Vestfonna im Westen. Wir fanden noch etwas, was wahrscheinlich ein Grab unbekannter Herkunft war, sowie die Stelle, wo Trapper, darunter der später als „Eisbärenkönig“ bekannt gewordene Henry Rudi, in den 1930er Jahren mal überwintert hatten. Im folgenden Jahr hatten sie ihre Hütte abgebaut und das Baumaterial auf der Halvmåneøya zur Verbesserung der dortigen Hütte verwendet, zu sehen war hier im Rijpfjord also nicht mehr viel.

Nordenskioldbukta

Nordenskioldbukta

Die Tage gehen schnell dahin, wir müssen zusehen, dass wir langsam mal wieder nach Westen kommen. Daher dampfen wir jetzt Richtung Hinlopenstraße, nicht ohne die Blauwale von gestern noch einmal zu grüßen.

Nordenskiöldbukta-Rijpfjord – 09. August 2018

Heute und Morgen wollen wir versuchen, den Geheimnissen des Nordaustlandes, die tief in den Fjorden verborgen sind, ein wenig auf die Spur zu kommen. Ein paar Überraschungen liegen direkt auf dem Weg. Plötzlich tauchen vor uns Blauwale auf, mindestens zwei, möglicherweise drei. Wer hatte neulich noch gesagt, dieses Jahr sähe es mit Walen in Spitzbergen ganz, ganz schlecht aus? Wir können nicht klagen.

Nordenskioldbukta

Nordenskioldbukta

Auf der Scoresbyøya, mitten in der weiten Nordenskiöldbukta, gehen wir an Land. Ganz in der Nähe hatte im August 1912 Herbert Schröder-Stranz mit 3 weiteren Begleitern sein Schiff, den Herzog Ernst, verlassen. Auf Nimmerwiedersehen. Wir halten unsere Tour deutlich kürzer, auch weil wir feststellen, dass wir nicht alleine auf der Insel sind; am Ufer liegt etwas gelblich-weißes mit Pelz und Ohren. Völlig friedlich und weit weg, aber wir verkrümeln uns trotzdem einigermaßen unauffällig, bevor es noch irgendwie unangenehm wird.

Scoresbyoya

Scoresbyoya

Etwas später liegen zwei Walrosse auf einem kleinen Eisberg. Eine Mutter mit einem kleinen Kalb! Wobei „klein“ bei Walrossen natürlich immer relativ ist. Es ist aber wirklich noch ein Kleinkind, das noch mehr von der äußerst fettreichen Milch lebt als von Muscheln.

Rijpfjord

Rijpfjord

Gegen Abend erreichen wir die Wordiebukta mit der legendären Haudegen-Station, wo 1944-45 die deutsche Kriegsmarine einen Wettertrupp stationiert hatte. Die Männer wurden erst im September 1945 abgeholt, als letzte deutsche Militäreinheit im Zweiten Weltkrieg, die weltweit noch aktiv war, seit Kriegsende zugunsten des allgemeinen, zivilen Wetterdienstes. Die Hütte steht immer noch. Eine bizarre Geschichte, ein bizarrer Ort.

Haudegen

Haudegen

Chermsideøya – 08. August 2018

Nach etlichen Stunden war der nördlichste Norden dann endlich erreicht. Ein Nordkap gibt es nicht nur auf dem Festland, sondern hier auch. Gut 1050 Kilometer weiter nördlich, auf einer kleinen Insel. Die ist nicht die allernördlichste von Spitzbergen, da kommen noch die Sjuøyane, aber trotzdem. Sie hat ein Nordkap.

Chermsideoya

Chermsideoya

Eine kleine, abendliche Wanderung hat uns quer über die Insel geführt, über schöne, alte Strandterrassen, über poliertes Urgestein (man kann es auch kristallines Grundgebirge nennen), durch ein kleines Tal. Ein wunderschöner, abgelegener, stiller und sehr arktischer Ort.

Chermsideoya

Chermsideoya

Unglaublich nur, wieviel Plastikmüll an einer so entlegenen Stelle angespült wird. Hier kommt natürlich niemand her, der mal aufräumen könnte. Wir müssen hier mal mit der Antigua hin …

P.S. Fünf Minuten nach dem Schreiben dieser Zeilen haben wir ein großes Fischernetz aus dem Wasser gezogen, in dem auch schon einige tote Lummen hingen. Keine Ahnung, wo wir das bis Longyearbyen verstauen, aber Hauptsache, es treibt nicht mehr im Wasser!

Unterwegs zum Nordaustland – 08. August 2018

Der Wind auf See hat sich gelegt, und für uns wird es langsam Zeit weiterzukommen. Wir wollen hinauf zur Nordseite des Nordaustlandes und später noch im Spitzbergen herum, da warten noch eine ganze Menge Meilen auf uns. Einige davon nehmen wir heute in Angriff.

Gleich bei der Ausfahrt aus Mushamna erwartet uns eine kleine Sensation: Eine Bartrobbe liegt am Ufer! Wer hat bitte schon mal eine Bartrobbe am Strand liegen gesehen? Keiner meldet sich? Genau. Das passiert nämlich so gut wie nie. Ordentliche Bartrobben liegen im Wasser oder auf Eis und nicht am Ufer. Aber das scheint dieses Exemplar nicht zu wissen.

Mushamna

Mushamna

Nördlich vom Wijdefjord treffen wir auf einen ähnlich abnorm gestimmten Zwergwal. Normalerweise sind Zwergwale ziemlich desinteressiert an Booten und Menschen und zeigen kaum mehr als einen für kurze Augenblicke erratisch hier oder dort auftauchenden Rücken mit der typischen, sichelförmigen Finne. Aber das scheint dieses Exemplar nicht zu wissen (auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole). Dieser Wal ist richtig neugierig, schwimmt mehrfach auf uns zu und unter der Arctica II hindurch und scheint richtig mit uns zu spielen!

Wijdefjord

Wijdefjord

Bei etwas Dünung, die langsam nachlässt, gehen die Stunden und die Meilen dahin. Nicht mehr lange, dann ankern wir und wir gehen dann sicher auch noch mal an Land.

Mushamna – 07. August 2018

Ein ziemlich grauer und über weite Strecken auch feuchter Tag, aber wir haben einiges draus gemacht. Eine schöne Tour über die Tundra, mit guten Aussichten in die Täler im Hinterland von Mushamna, ein Besuch bei der berühmten Trapperhütte und ein Strandspaziergang zurück zur Lagune, wo die Arctica II vor Anker liegt.

Mushamna

Mushamna

Später haben wir einen Ausflug in eine weniger übliche Richtung gemacht. Canyoning ist ja modern, das geht hier auch. Ein tiefer Einblick in das Innenleben des Devon, beeindruckende Schichten mit interessanten Details und Strukturen, und viel Wasser. Unten reißend und oben tröpfelnd.

Mushamna

Mushamna

Abends zeigte Pål seine Talente als Koch. Als Hauptzutat dienten mehrere Prachtexemplare der von ihm hier frisch gefangenen Äsche. Superlecker!

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News-Auflistung generiert am 12. Dezember 2018 um 12:51:30 Uhr (GMT+1)
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