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Monats-Archiv: Januar 2017 − News & Stories


Arktis-Vorträge: 2.-5.2. in Münster, Bonn, Würzburg, Frankfurt

Die Arktis-Vorträge wurden bereits angekündigt, nun stehen sie kurz bevor: Mit Rolf Stanges Präsentation Norwegens arktischer Norden: Spitzbergen geht es am 02. Februar mit mehreren Terminen los. Mit umfangreichem Bildmaterial geht es visuell und erzählerisch spannend in den hohen Norden. Live-Erzählung, Video- und Panoramasequenzen und Musikpassagen lassen den Abend schnell vergehen. Natürlich gibt es auch die Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen.

„Seit 20 Jahren hat der Geograph, Autor und Fahrtleiter Rolf Stange sich Spitzbergen zur zweiten Heimat gemacht. In seinem Bildervortrag nimmt er Sie mit auf eine Reise durch die Jahreszeiten, von der Polarnacht mit ihren Nordlichtern bis in den arktischen Sommer mit Treffen mit Walen und Eisbären unter der Mitternachtssonne. Zu Fuß, mit Ski, Motorschlitten und unter Segeln geht es von den Siedlungen bis in die abgelegensten Winkel Spitzbergens.“

Wir freuen uns sehr, dass Kerstin Langenberger und Olaf Krüger den Termin in Bonn mit ihrem sehr beliebten Vortrag Inseln des Nordens gestalten werden.

Die Termine:

  • Donnerstag, 02. Februar: Stadthalle Hiltrup bei Münster. Norwegens arktischer Norden: Spitzbergen, von und mit Rolf Stange.
  • Freitag, 03. Februar: Landesmuseum Bonn: Inseln des Nordens, von und mit Kerstin Langenberger und Olaf Krüger.
  • Samstag, 04. Februar. Museum im Kulturspeicher in Würzburg. Norwegens arktischer Norden: Spitzbergen, von und mit Rolf Stange.
  • Sonntag, 05. Februar. Volkshaus Enkheim in Frankfurt. Norwegens arktischer Norden: Spitzbergen, von und mit Rolf Stange.

Veranstaltungsbeginn jeweils 19 Uhr, Karten an der Abendkasse 8 €. Für Karten beziehungsweise Reservierung kontaktieren Sie gerne die Geographische Reisegesellschaft.

Arktis hautnah gibt es bei den Vorträgen Anfang Februar in Münster, Bonn, Würzburg und Köln.

Norwegens arktischer Norden: Spitzbergen (Walross)

„Fürstin der Finsternis“ in Ny-Ålesund entdeckt

Für manche Forscher in Spitzbergen gibt es im Winter nichts Aufregenderes, als im Dunkeln und bei eisiger Kälte mit einer Taschenlampe auf einem Schwimmponton zu liegen und stundenlang ins vermeintlich tiefschwarze, leblose Meer zu leuchten. Denn so leblos, wie man meinen könnte, ist das Meer in der Polarnacht nicht. Jetzt haben Forscher sogar eine für Spitzbergen neue Art entdeckt: Die Kronenqualle (Periphylla periphylla) tauchte vor einigen Tagen plötzlich im Lichtkegel der Forscherin Sanna Majaneva auf.

Sanna Majaneva erforscht das Leben im Meer in der dunklen Jahreszeit im Norden Spitzbergens. Gemeinsam mit den Professoren für Meeresbiologie Jørgen Berge und Geir Johnsen von der Universität in Tromsø (UiT) und der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) fing sie unverhofft das Exemplar, das nun näher untersucht werden soll.

Die bis zu 30 Zentimeter große Kronenqualle ist eigentlich eine sehr lichtempfindliche Tiefseequalle und kommt nur nachts an die Wasseroberfläche. Da ist es natürlich praktisch, wenn die Nacht gleich mehrere Monate lang andauert. Die „Fürstin der Finsternis“ hat einen rötlichen Körper, leuchtet von innen und kann bis zu 30 Jahre alt werden, was ein stolzes Alter für eine Qualle ist.

Liebt die Dunkelheit: Kronenqualle © Geir Johnsen, NTNU/Unis

Kronenqualle

Ursache für das Auftauchen der Kronenqualle im Meer vor Spitzbergen könnte sein, dass zunehmend wärmeres Wasser aus dem Atlantik nach Norden gepresst wird, vermutet Professor Jørgen Berge. Dasselbe Phänomen ist auch dafür verantwortlich, dass sowohl der Isfjord als auch der Kongsfjord in den letzten Wintern zu großen Teilen eisfrei geblieben sind.

An der Küste des norwegischen Festlandes taucht die Kronenqualle bereits seit mehreren Jahren in immer größeren Mengen auf und beeinflusst dort das Ökosystem. Sie ernährt sich von Krill und kleinen Fischen und scheint viele Fischarten aus den Fjorden zu vertreiben.

„Das (Auftauchen der Kronenqualle/ Erg. d. Autorin) ist eine Warnung, dass ein System sich ändert. Wir werden wohl nach und nach ständig neue Arten hier im Norden entdecken, und vormals lokale Arten könnten sich zurückziehen oder ganz verschwinden“, befürchtet Professor Jørgen Berge.

Vielleicht kann aber auch eine neue Nahrungsquelle erschlossen werden: In Asien ist die Kronenqualle als gesunde Delikatesse begehrt, da sie Jod, Eisen und Kalzium enthält. Die Kronenqualle soll gut für den Blutkreislauf sein und eine schöne Haut machen. Na dann: Guten Appetit!

Quelle: Svalbardposten

Die Eisbärenfamilie war in Longyearbyen

Die Eisbärenfamilie, die Longyearbyen und vor allem die Einsatzkräfte des Sysselmanenn seit mehreren Tagen in Atem hält, ist nun ganz in der Nähe des Ortes. Letzte Nacht haben die drei Eisbären Longyearbyen sogar einen Besuch abgestattet, ihre Spuren wurden heute früh bei UNIS/Svalbardmuseum gesehen.

Eine erster Versuch, die Eisbären am Samstag durch das Adventdalen Richtung Osten zu treiben, war nicht erfolgreich. Als nächstes versuchte der Sysselmannen, sie Richtung Hiorthhamn und Revneset (Nordseite Adventfjord) zu bewegen, zum Meer hin. Schließlich ließen sich die Eisbären im Adventdalen in der Nähe des Grube 7 Berges nieder.

In der Nacht auf Dienstag waren sie nun im unteren Ortsteil von Longyearbyen, in einem Bereich, in dem viel Fußgängerverkehr (Studenten und Personal von UNIS) ist, einen guten Steinwurf von Wohngebieten entfernt.

Weitere Spuren wurden beim Isdammen gesehen (der See an der Straße im Adventdalen) und um 06.15 Uhr Dienstag früh wurden die Eisbären im Adventdalen im Bereich Endalen gesichtet. Dort ist der Sysselmannen nun mit Einsatzkräften vor Ort, um die bärige Familie möglichst lückenlos zu beobachten. Das gestaltet sich wegen des Wetters – Wind und Treibschnee – allerdings als schwierig. Aus dem gleichen Grund ist der Hubschrauber derzeit auch nicht verfügbar.

Die Öffentlichkeit ist aufgerufen, wachsam und vorsichtig zu sein.

Das Endalen in Dunkelheit bei leichtem Schneetreiben. Tiere sieht man mitunter erst, wenn man sie direkt vor der Nase hat. Gut, dass das hier ein totes Rentier war und kein lebendiger Eisbär.

Polarnacht im Endalen

Quelle: Sysselmannen

Eisbärenfamilie im Adventdalen bei Longyearbyen unterwegs (II)

Wie neulich berichtet, wurde im Adventdalen nicht weit von Longyearbyen entfernt eine Eisbärenfamilie gesehen. Der Sysselmannen hat versucht, die Eisbären mit Hubschrauber und Motorschlitten aus der Umgebung der Ortschaft zu vertreiben. Dabei ist man den Tieren bis ins obere Adventdalen gefolgt und hat sie dort sich selbst überlassen, nachdem sie weiter in „die richtige Richtung“ marschiert sind.

Nun sind sie aber wieder zurück, es scheint ihnen in der Umgebung von Longyearbyen gut zu gefallen. Sie haben sich im Adventdalen in der Nähe der Grube 7 niedergelassen und werden dort beobachtet. Der Sysselmannen bittet die Öffentlichkeit, sich fernzuhalten, damit die Eisbären nicht unnötig gestresst werden.

Die Eisbärenfamilie am Montag im Adventdalen. Foto © Sysselmannen på Svalbard.

Eisbärfamilie Adventdalen bei Longyearbyen

Quelle: Sysselmannen

Arktische Meisterleistung am Diabasodden: kein Holz, kein Sprit

Eine „Meisterleistung“ im ironischen Sinne war es wohl, was sich eine Gruppe von vier Personen geleistet hat, mutmaßlich Einwohner aus Longyearbyen. Die vier waren vor ein paar Tagen zu einer Hütte am Diabasodden im Sassenfjord gefahren. Einer der Motorschlitten scheint dort ein technisches Problem gehabt zu haben. Als nächstes ging der Gruppe in der Hütte das Feuerholz aus, so dass zwei Leute sich auf den Weg nach Longyearbyen machten, um neues Brennholz zu besorgen oder technische Hilfe, um den defekten Motorschlitten wieder in Gang zu bekommen.

Jedenfalls ging den beiden Brennholz-/Hilfeholern im Adventdalen der Sprit aus. Wer genau den Sysselmannen alarmierte, ist nicht bekannt, aber aus der Sache wurde letztlich eine Angelegenheit für den Rettungsdienst, der mit dem Hubschrauber ausrückte, um die beiden Leute aus der brennholzfreien Hütte am Diabasodden zu holen.

Die beiden spritbefreiten Brennholzholer im Adventdalen hatten es unterdessen aus eigener Kraft zurück nach Longyearbyen geschafft.

Auch wenn nicht alle Details öffentlich bekannt sind, sind doch zwei Dinge klar: Erstens haben die vier Betroffenen schon jetzt für reichlich Spott und Gelächter im Ort gesorgt, und zweitens können sie sich eventuell auf eine Rechnung vom Sysselmannen gefasst machen. Nicht genug Brennholz und selbst für eine recht kurze Strecke nicht genügend Benzin auf einer Tour dabei zu haben, ist von Fahrlässigkeit sicher nicht weit weg.

Die Hütte am Diabasodden, knapp 40 Kilometer Motorschlitten-Fahrstrecke von Longyearbyen entfernt.

Diabasodden-Hütte

Quelle: Svalbardposten

Das Seeungeheuer (eine Plastik-Geschichte)

992 kg Müll – und noch viel mehr. So hat meine Kollegin Birgit Lutz einen Blog-Eintrag auf ihrer Webseite überschrieben.

Und noch viel mehr! Da ist viel dran. Fast jeder, der mal mit der Antigua in Spitzbergen unterwegs war, weiß, dass wir auf fast jeder Fahrt ziemlich viel Müll sammeln. Da kommen schnell einige hundert Kilogramm pro Fahrt zusammen, das sind einige Kubikmeter.

Warum auf »fast jeder Fahrt« und nicht auf jeder Fahrt? Nun, einmal hängt es natürlich auch etwa vom Wetter ab, wenn der Boden gefroren oder schneebedeckt ist, dann ist es so eine Sache mit dem Müllsammeln. Aber vor allem ist der Müll ungleichmäßig verteilt. Aus der langjährigen Erfahrung (ich mache das schon seit mehr als 15 Jahren mit verschiedenen Schiffen) ist gut bekannt, dass manche Strände reine Müllkippen sind. Solche Strände finden sich erstaunlicherweise vor allem im Norden, oft an ziemlich abgelegenen Ufern, wo selten Menschen hinkommen. Es liegt auf der Hand, das mit den lokalen Strömungen zu erklären.

An anderen Stränden hingegen liegt ziemlich wenig. Im Kongsfjord und Krossfjord findet man eher wenig Müll, im Magdalenefjord auch nicht. Aber dort fast direkt um die Ecke, in Smeerenburg, wie viele Säcke haben wir dort schon mit Plastik gefüllt? Keine Ahnung, man hätte sie zählen müssen über all die Jahre. Es waren eine Menge.

Genau dieser Effekt kommt ja mittlerweile auch erfreulich dazu: die Touristen sammeln Müll. Nicht alle Schiffe machen mit, aber Antigua und die Oceanwide-Flotte sind nicht die einzigen. Und zwar seit vielen Jahren. Nicht erst, seit die Verwaltung offiziell ihr »Clean up Svalbard« Projekt ins Leben gerufen hat. So etwas muss uns keiner sagen, auf solche Ideen kommen wir schon selbst. Wobei das Projekt natürlich gut und hilfreich ist, aber blind sind wir, die wir schon seit Jahren regelmäßig in Spitzbergen unterwegs sind, ja auch nicht. Und natürlich trägt das Sammeln Früchte. Ihr hättet mal die Strände bei Smeerenburg vor 15 Jahren sehen sollen. Eine reine Müllkippe! Heute ist es einigermaßen ordentlich, da dort regelmäßig gesammelt wird. Natürlich trägt jeder heranrollende Welle neuen Plastikmüll mit sich.

Und darin liegt auch die nächste Lehre. Man kann und muss das Plastikmüll-Problem vor Ort bekämpfen und kann die Verhältnisse lokal auch verbessern, aber lösen lässt sich das Problem so nicht. Genauso wie der Klimawandel und die Ozonschicht, ist das Plastikmüll-Problem ein globales Problem, das sich nur mit internationaler Anstrengung wirklich lösen lassen wird. Ich habe das Beispiel von der Ozonschicht hier ganz bewusst genannt, es zeigt nämlich, dass die internationale Gesellschaft zu einer gemeinsamen und letztlich erfolgreichen Lösung eines globalen Problems durchaus in der Lage sein kann. Wenn sie nur will.

Warum ist das überhaupt ein Problem, über den ästhetischen Aspekt hinaus? Ganz einfach: Weil es die komplette Nahrungskette im Meer versaut und ganz direkt unendliche Mengen an Tieren bedroht. Es gibt kaum noch einen Eissturmvogel, der kein Plastik im Magen hat. Albatrosse verenden in großer Zahl daran. Und das sind nur die wenigen, mittlerweile weithin bekannten Beispiele. Tatsächlich haben die meisten Tiere im Meer Plastik im Magen. Weil das Plastik nämlich in kleine Teile zerfällt, die genau die Größe haben wie die typische Beute dieser Tiere, und aufgrund von Algenwuchs irgendwann auch so riecht. Und so haben mehr und mehr Tiere den Magen voll mit unverdaulichem Plastik und verhungern. So einfach. Es geht hierbei nicht »nur« um das Leiden einzelner Tiere, sondern darum, dass Populationen kollabieren und Nahrungsketten zusammenbrechen werden. Man kann gar nicht überschätzen, wie gefährlich das für das ganze marine Ökosystem ist! An dem übrigens auch die Menschheit hängt. Es wäre also eigentlich unser ureigenes Interesse, das schleunigst in den Griff zu bekommen, aber so schnell lernfähig ist die Menschheit leider nicht. Ach ja, die vielen Tiere, die sich in größeren Plastikteilen verheddern und dann ertrinken oder durch ihr eigenes Wachstum qualvoll zu Tode geschnürt werden oder an Land verhungern, auch die sind Teil dieses Problem. »Problem«, das Wort wirkt hier geradezu beschönigend! Es ist eine Katastrophe, nichts weniger.

Was diesen Sommer neu war, war ein »Citizen Science« Forschungsprojekt vom Alfred Wegener Institut, das Birgit Lutz auf die Antigua und andere Schiffe gebracht hat. Viele Reisende haben mitgeholfen, genau zu beobachten und zu notieren, was für Müll unterwegs ist und wo man ihn findet. An Land und im Wasser. Während der Überfahrt von Norwegen nach Spitzbergen und dort oben sind insgesamt 18 sogenannte Transekte entstanden, also Strecken auf See, wo jedes sichtbare Stück Plastikmüll genau erfasst und notiert wurde, mit Position und allem drum und dran. Das Forschungsschiff Polarstern hat entsprechende Daten im Nordatlantik auf hoher See gesammelt.

Birgit hat diesen Sommer auf mehreren Fahrten mit insgesamt drei Schiffen (Antigua, Noorderlicht, Plancius) 992,4 kg Plastikmüll an Land erfasst. Der Löwenanteil (927 kg) davon stammt aus der Fischerei: alte Netze, Seile, Fender, Fischkisten, Netzbälle. Der Rest war überwiegend Verpackung (55,69 kg), dazu kommen leere Flaschen und Müll aus Küche und Bad. Ein Ergebnis ist, dass die Müllmenge an den Stränden in Spitzbergen mit 8-43 kg pro 100 m vergleichbar ist mit den Quantitäten an den Ufern der Nordsee (10-345 kg pro 100 m).

Diese und weitere Details kann man bei Birgit Lutz nachlesen. Vielen Dank, Birgit, für dein Engagement in Sachen Plastikmüll! Damit kommt die Arbeit, die wir – und mit diesem »wir« sind eine ganze Menge Leute gemeint – schon lange machen, auf ein wissenschaftliches Niveau. Hoffentlich trägt es dazu bei, dass das Problem an der Wurzel angefasst wird!

Neben der Müllvermeidung und dem Recycling wird das Einsammeln in der Natur uns noch lange beschäftigen müssen. Das werden wir in Spitzbergen weiter tun. Wir würden es übrigens auch auf Jan Mayen gerne machen, was die norwegischen Gesetze aber leider verhindern. Nun, das ist eine andere Geschichte. Aber andere tun das auf hoher See. Ein sehr interessanter, vielversprechender Ansatz dazu wird vom Project The Ocean Cleanup entwickelt. Das Projekt kann man unterstützen. Gute Sache!

Ach ja – nun bin ich ins Erzählen gekommen, aber das Thema ist ja auch wichtig. Darüber habe ich aber ganz vergessen, vom Seeungeheuer zu erzählen. Das ist ja das, was ich eigentlich vorhatte 🙂 also, das Seeungeheuer, oder das sea monster, das war ein Fischernetz, das wir Anfang Juni im Woodfjord am Ufer gefunden hatten, auf der Reinsdyrflya. Es war so riesig, dass für mich von vornherein klar war, dass wir das Ding nie an Bord bekommen würden, so dass wir es am besten dort lassen, wo es war, nämlich halb im Uferkies begraben. An der Stelle hatte ich aber nicht mit Birgits Hartnäckigkeit gerechnet. Nachdem wir zunächst unsere Touren gemacht und dann die übliche Sammelei erledigt hatten, begann sie, mit ein paar Freiwilligen an dem Netz zu zerren und zu buddeln. Zugegeben, ich dachte noch eine ganze Weile lang, dass wird wohl nix. Aber wie schön kann es sein, sich zu täuschen! Es waren so einige Stunden fällig, bis das Netz mit vereinten Kräften, bestehend aus Mannschaft und Passagieren, aus dem Strand gebuddelt und gezerrt war. Neben vielen Händen waren auch 80 oder 100 Pferdchen beteiligt, die in den Außenbordmotoren der Zodiacs um die Wette trabten und von See her kräftig mit am Netz zogen, das sich jetzt schon den Namen »sea monster« verdient hatte.

Es war ein schöner Augenblick, als das Netz schließlich von den Zodiacs vom Ufer ins Wasser gezogen werden konnte. Wir hatten daran vorher luftgefüllte Fender befestigt, sonst hätten wir es natürlich sofort in der Tiefe verloren. Allerdings sollte der Spaß jetzt erst – nun, nicht losgehen, aber sich noch eine ganze Weile lang fortsetzen. Das Monster vom Wasser an Bord zu bekommen, war nämlich auch noch mal ein »Spaß«. So ein Segelschiff hat ja diverse Winden, aber ein Seeungeheuer an Bord zu hieven, ist schon noch mal was anderes, als ein Segel zu setzen. Fragt Kapitän Maarten nach den technischen Details! Irgendwann, und nicht beim ersten Versuch, wurde das Monster dann unter allgemeinem Jubel über die Reling gezogen und lag kurz darauf dann tatsächlich und endlich an Deck.

Zugegeben, ich war ganz schön am Ende. Das Abendessen war irgendwie ausgefallen, jedenfalls was uns kleinen Kern betraf. Vielleicht dachten wir zu der Zeit, wir machen das jetzt noch schnell fertig, so genau weiß ich das nicht mehr. Ich hatte dann auch noch den Fehler gemacht, ohne Jacke mal eben schnell ins Zodiac zu gehen, um dem Netz von Wasser aus auf die Sprünge zu helfen, während an Deck an den Winden und Tauen gearbeitet wurde. Großer Fehler! Natürlich passiert da nichts »mal so eben«. Es war schweinekalt.

Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrößerte Darstellung des Bildes zu erhalten.

Was für ein Gefühl war es dann, das Netz an Deck liegen zu sehen und zu wissen, unser Superkoch Sascha baut die Reste der niederländischen Brotzeit zusammen zum schönsten Mitternachtsmahl, das ich je gefuttert habe! Natürlich war ich nicht der einzige, der kalt und müde war, aber ich erzähle ja nun aus meiner Perspektive.

Plastikmüll, Spitzbergen: das Seeungeheuer

So, das war die Geschichte vom Seeungeheuer.

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News-Auflistung generiert am 15. Dezember 2018 um 23:05:08 Uhr (GMT+1)
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