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Monats-Archiv: Januar 2017 − News & Stories


Ark­tis-Vor­trä­ge: 2.-5.2. in Müns­ter, Bonn, Würz­burg, Frank­furt

Die Ark­tis-Vor­trä­ge wur­den bereits ange­kün­digt, nun ste­hen sie kurz bevor: Mit Rolf Stan­ges Prä­sen­ta­ti­on Nor­we­gens ark­ti­scher Nor­den: Spitz­ber­gen geht es am 02. Febru­ar mit meh­re­ren Ter­mi­nen los. Mit umfang­rei­chem Bild­ma­te­ri­al geht es visu­ell und erzäh­le­risch span­nend in den hohen Nor­den. Live-Erzäh­lung, Video- und Pan­ora­ma­se­quen­zen und Musik­pas­sa­gen las­sen den Abend schnell ver­ge­hen. Natür­lich gibt es auch die Gele­gen­heit, ins Gespräch zu kom­men.

„Seit 20 Jah­ren hat der Geo­graph, Autor und Fahrt­lei­ter Rolf Stan­ge sich Spitz­ber­gen zur zwei­ten Hei­mat gemacht. In sei­nem Bil­der­vor­trag nimmt er Sie mit auf eine Rei­se durch die Jah­res­zei­ten, von der Polar­nacht mit ihren Nord­lich­tern bis in den ark­ti­schen Som­mer mit Tref­fen mit Walen und Eis­bä­ren unter der Mit­ter­nachts­son­ne. Zu Fuß, mit Ski, Motor­schlit­ten und unter Segeln geht es von den Sied­lun­gen bis in die abge­le­gens­ten Win­kel Spitz­ber­gens.“

Wir freu­en uns sehr, dass Kers­tin Lan­gen­ber­ger und Olaf Krü­ger den Ter­min in Bonn mit ihrem sehr belieb­ten Vor­trag Inseln des Nor­dens gestal­ten wer­den.

Die Ter­mi­ne:

  • Don­ners­tag, 02. Febru­ar: Stadt­hal­le Hil­trup bei Müns­ter. Nor­we­gens ark­ti­scher Nor­den: Spitz­ber­gen, von und mit Rolf Stan­ge.
  • Frei­tag, 03. Febru­ar: Lan­des­mu­se­um Bonn: Inseln des Nor­dens, von und mit Kers­tin Lan­gen­ber­ger und Olaf Krü­ger.
  • Sams­tag, 04. Febru­ar. Muse­um im Kul­tur­spei­cher in Würz­burg. Nor­we­gens ark­ti­scher Nor­den: Spitz­ber­gen, von und mit Rolf Stan­ge.
  • Sonn­tag, 05. Febru­ar. Volks­haus Enk­heim in Frank­furt. Nor­we­gens ark­ti­scher Nor­den: Spitz­ber­gen, von und mit Rolf Stan­ge.

Ver­an­stal­tungs­be­ginn jeweils 19 Uhr, Kar­ten an der Abend­kas­se 8 €. Für Kar­ten bezie­hungs­wei­se Reser­vie­rung kon­tak­tie­ren Sie ger­ne die Geo­gra­phi­sche Rei­se­ge­sell­schaft.

Ark­tis haut­nah gibt es bei den Vor­trä­gen Anfang Febru­ar in Müns­ter, Bonn, Würz­burg und Köln.

Norwegens arktischer Norden: Spitzbergen (Walross)

„Fürs­tin der Fins­ter­nis“ in Ny-Åle­sund ent­deckt

Für man­che For­scher in Spitz­ber­gen gibt es im Win­ter nichts Auf­re­gen­de­res, als im Dun­keln und bei eisi­ger Käl­te mit einer Taschen­lam­pe auf einem Schwimm­pon­ton zu lie­gen und stun­den­lang ins ver­meint­lich tief­schwar­ze, leb­lo­se Meer zu leuch­ten. Denn so leb­los, wie man mei­nen könn­te, ist das Meer in der Polar­nacht nicht. Jetzt haben For­scher sogar eine für Spitz­ber­gen neue Art ent­deckt: Die Kro­nen­qual­le (Peri­phyl­la peri­phyl­la) tauch­te vor eini­gen Tagen plötz­lich im Licht­ke­gel der For­sche­rin San­na Maja­ne­va auf.

San­na Maja­ne­va erforscht das Leben im Meer in der dunk­len Jah­res­zeit im Nor­den Spitz­ber­gens. Gemein­sam mit den Pro­fes­so­ren für Mee­res­bio­lo­gie Jør­gen Ber­ge und Geir John­sen von der Uni­ver­si­tät in Trom­sø (UiT) und der Nor­we­gi­schen Uni­ver­si­tät für Wis­sen­schaft und Tech­no­lo­gie (NTNU) fing sie unver­hofft das Exem­plar, das nun näher unter­sucht wer­den soll.

Die bis zu 30 Zen­ti­me­ter gro­ße Kro­nen­qual­le ist eigent­lich eine sehr licht­emp­find­li­che Tief­see­qual­le und kommt nur nachts an die Was­ser­ober­flä­che. Da ist es natür­lich prak­tisch, wenn die Nacht gleich meh­re­re Mona­te lang andau­ert. Die „Fürs­tin der Fins­ter­nis“ hat einen röt­li­chen Kör­per, leuch­tet von innen und kann bis zu 30 Jah­re alt wer­den, was ein stol­zes Alter für eine Qual­le ist.

Liebt die Dun­kel­heit: Kro­nen­qual­le © Geir John­sen, NTNU/Unis

Kronenqualle

Ursa­che für das Auf­tau­chen der Kro­nen­qual­le im Meer vor Spitz­ber­gen könn­te sein, dass zuneh­mend wär­me­res Was­ser aus dem Atlan­tik nach Nor­den gepresst wird, ver­mu­tet Pro­fes­sor Jør­gen Ber­ge. Das­sel­be Phä­no­men ist auch dafür ver­ant­wort­lich, dass sowohl der Isfjord als auch der Kongsfjord in den letz­ten Win­tern zu gro­ßen Tei­len eis­frei geblie­ben sind.

An der Küs­te des nor­we­gi­schen Fest­lan­des taucht die Kro­nen­qual­le bereits seit meh­re­ren Jah­ren in immer grö­ße­ren Men­gen auf und beein­flusst dort das Öko­sys­tem. Sie ernährt sich von Krill und klei­nen Fischen und scheint vie­le Fisch­ar­ten aus den Fjor­den zu ver­trei­ben.

„Das (Auf­tau­chen der Kronenqualle/ Erg. d. Autorin) ist eine War­nung, dass ein Sys­tem sich ändert. Wir wer­den wohl nach und nach stän­dig neue Arten hier im Nor­den ent­de­cken, und vor­mals loka­le Arten könn­ten sich zurück­zie­hen oder ganz ver­schwin­den“, befürch­tet Pro­fes­sor Jør­gen Ber­ge.

Viel­leicht kann aber auch eine neue Nah­rungs­quel­le erschlos­sen wer­den: In Asi­en ist die Kro­nen­qual­le als gesun­de Deli­ka­tes­se begehrt, da sie Jod, Eisen und Kal­zi­um ent­hält. Die Kro­nen­qual­le soll gut für den Blut­kreis­lauf sein und eine schö­ne Haut machen. Na dann: Guten Appe­tit!

Quel­le: Sval­bard­pos­ten

Die Eis­bä­ren­fa­mi­lie war in Lon­gye­ar­by­en

Die Eis­bä­ren­fa­mi­lie, die Lon­gye­ar­by­en und vor allem die Ein­satz­kräf­te des Sys­sel­ma­nenn seit meh­re­ren Tagen in Atem hält, ist nun ganz in der Nähe des Ortes. Letz­te Nacht haben die drei Eis­bä­ren Lon­gye­ar­by­en sogar einen Besuch abge­stat­tet, ihre Spu­ren wur­den heu­te früh bei UNIS/Svalbardmuseum gese­hen.

Eine ers­ter Ver­such, die Eis­bä­ren am Sams­tag durch das Advent­da­len Rich­tung Osten zu trei­ben, war nicht erfolg­reich. Als nächs­tes ver­such­te der Sys­sel­man­nen, sie Rich­tung Hior­th­hamn und Rev­ne­set (Nord­sei­te Advent­fjord) zu bewe­gen, zum Meer hin. Schließ­lich lie­ßen sich die Eis­bä­ren im Advent­da­len in der Nähe des Gru­be 7 Ber­ges nie­der.

In der Nacht auf Diens­tag waren sie nun im unte­ren Orts­teil von Lon­gye­ar­by­en, in einem Bereich, in dem viel Fuß­gän­ger­ver­kehr (Stu­den­ten und Per­so­nal von UNIS) ist, einen guten Stein­wurf von Wohn­ge­bie­ten ent­fernt.

Wei­te­re Spu­ren wur­den beim Isdam­men gese­hen (der See an der Stra­ße im Advent­da­len) und um 06.15 Uhr Diens­tag früh wur­den die Eis­bä­ren im Advent­da­len im Bereich Enda­len gesich­tet. Dort ist der Sys­sel­man­nen nun mit Ein­satz­kräf­ten vor Ort, um die bäri­ge Fami­lie mög­lichst lücken­los zu beob­ach­ten. Das gestal­tet sich wegen des Wet­ters – Wind und Treib­schnee – aller­dings als schwie­rig. Aus dem glei­chen Grund ist der Hub­schrau­ber der­zeit auch nicht ver­füg­bar.

Die Öffent­lich­keit ist auf­ge­ru­fen, wach­sam und vor­sich­tig zu sein.

Das Enda­len in Dun­kel­heit bei leich­tem Schnee­trei­ben. Tie­re sieht man mit­un­ter erst, wenn man sie direkt vor der Nase hat. Gut, dass das hier ein totes Ren­tier war und kein leben­di­ger Eis­bär.

Polarnacht im Endalen

Quel­le: Sys­sel­man­nen

Eis­bä­ren­fa­mi­lie im Advent­da­len bei Lon­gye­ar­by­en unter­wegs (II)

Wie neu­lich berich­tet, wur­de im Advent­da­len nicht weit von Lon­gye­ar­by­en ent­fernt eine Eis­bä­ren­fa­mi­lie gese­hen. Der Sys­sel­man­nen hat ver­sucht, die Eis­bä­ren mit Hub­schrau­ber und Motor­schlit­ten aus der Umge­bung der Ort­schaft zu ver­trei­ben. Dabei ist man den Tie­ren bis ins obe­re Advent­da­len gefolgt und hat sie dort sich selbst über­las­sen, nach­dem sie wei­ter in „die rich­ti­ge Rich­tung“ mar­schiert sind.

Nun sind sie aber wie­der zurück, es scheint ihnen in der Umge­bung von Lon­gye­ar­by­en gut zu gefal­len. Sie haben sich im Advent­da­len in der Nähe der Gru­be 7 nie­der­ge­las­sen und wer­den dort beob­ach­tet. Der Sys­sel­man­nen bit­tet die Öffent­lich­keit, sich fern­zu­hal­ten, damit die Eis­bä­ren nicht unnö­tig gestresst wer­den.

Die Eis­bä­ren­fa­mi­lie am Mon­tag im Advent­da­len. Foto © Sys­sel­man­nen på Sval­bard.

Eisbärfamilie Adventdalen bei Longyearbyen

Quel­le: Sys­sel­man­nen

Ark­ti­sche Meis­ter­leis­tung am Dia­ba­sod­den: kein Holz, kein Sprit

Eine „Meis­ter­leis­tung“ im iro­ni­schen Sin­ne war es wohl, was sich eine Grup­pe von vier Per­so­nen geleis­tet hat, mut­maß­lich Ein­woh­ner aus Lon­gye­ar­by­en. Die vier waren vor ein paar Tagen zu einer Hüt­te am Dia­ba­sod­den im Sas­sen­fjord gefah­ren. Einer der Motor­schlit­ten scheint dort ein tech­ni­sches Pro­blem gehabt zu haben. Als nächs­tes ging der Grup­pe in der Hüt­te das Feu­er­holz aus, so dass zwei Leu­te sich auf den Weg nach Lon­gye­ar­by­en mach­ten, um neu­es Brenn­holz zu besor­gen oder tech­ni­sche Hil­fe, um den defek­ten Motor­schlit­ten wie­der in Gang zu bekom­men.

Jeden­falls ging den bei­den Brenn­holz-/Hil­fe­holern im Advent­da­len der Sprit aus. Wer genau den Sys­sel­man­nen alar­mier­te, ist nicht bekannt, aber aus der Sache wur­de letzt­lich eine Ange­le­gen­heit für den Ret­tungs­dienst, der mit dem Hub­schrau­ber aus­rück­te, um die bei­den Leu­te aus der brenn­holz­frei­en Hüt­te am Dia­ba­sod­den zu holen.

Die bei­den sprit­be­frei­ten Brenn­holz­ho­ler im Advent­da­len hat­ten es unter­des­sen aus eige­ner Kraft zurück nach Lon­gye­ar­by­en geschafft.

Auch wenn nicht alle Details öffent­lich bekannt sind, sind doch zwei Din­ge klar: Ers­tens haben die vier Betrof­fe­nen schon jetzt für reich­lich Spott und Geläch­ter im Ort gesorgt, und zwei­tens kön­nen sie sich even­tu­ell auf eine Rech­nung vom Sys­sel­man­nen gefasst machen. Nicht genug Brenn­holz und selbst für eine recht kur­ze Stre­cke nicht genü­gend Ben­zin auf einer Tour dabei zu haben, ist von Fahr­läs­sig­keit sicher nicht weit weg.

Die Hüt­te am Dia­ba­sod­den, knapp 40 Kilo­me­ter Motor­schlit­ten-Fahr­stre­cke von Lon­gye­ar­by­en ent­fernt.

Diabasodden-Hütte

Quel­le: Sval­bard­pos­ten

Das See­unge­heu­er (eine Plas­tik-Geschich­te)

992 kg Müll – und noch viel mehr. So hat mei­ne Kol­le­gin Bir­git Lutz einen Blog-Ein­trag auf ihrer Web­sei­te über­schrie­ben.

Und noch viel mehr! Da ist viel dran. Fast jeder, der mal mit der Anti­gua in Spitz­ber­gen unter­wegs war, weiß, dass wir auf fast jeder Fahrt ziem­lich viel Müll sam­meln. Da kom­men schnell eini­ge hun­dert Kilo­gramm pro Fahrt zusam­men, das sind eini­ge Kubik­me­ter.

War­um auf »fast jeder Fahrt« und nicht auf jeder Fahrt? Nun, ein­mal hängt es natür­lich auch etwa vom Wet­ter ab, wenn der Boden gefro­ren oder schnee­be­deckt ist, dann ist es so eine Sache mit dem Müll­sam­meln. Aber vor allem ist der Müll ungleich­mä­ßig ver­teilt. Aus der lang­jäh­ri­gen Erfah­rung (ich mache das schon seit mehr als 15 Jah­ren mit ver­schie­de­nen Schif­fen) ist gut bekannt, dass man­che Strän­de rei­ne Müll­kip­pen sind. Sol­che Strän­de fin­den sich erstaun­li­cher­wei­se vor allem im Nor­den, oft an ziem­lich abge­le­ge­nen Ufern, wo sel­ten Men­schen hin­kom­men. Es liegt auf der Hand, das mit den loka­len Strö­mun­gen zu erklä­ren.

An ande­ren Strän­den hin­ge­gen liegt ziem­lich wenig. Im Kongsfjord und Krossfjord fin­det man eher wenig Müll, im Mag­da­le­n­efjord auch nicht. Aber dort fast direkt um die Ecke, in Smee­ren­burg, wie vie­le Säcke haben wir dort schon mit Plas­tik gefüllt? Kei­ne Ahnung, man hät­te sie zäh­len müs­sen über all die Jah­re. Es waren eine Men­ge.

Genau die­ser Effekt kommt ja mitt­ler­wei­le auch erfreu­lich dazu: die Tou­ris­ten sam­meln Müll. Nicht alle Schif­fe machen mit, aber Anti­gua und die Ocean­wi­de-Flot­te sind nicht die ein­zi­gen. Und zwar seit vie­len Jah­ren. Nicht erst, seit die Ver­wal­tung offi­zi­ell ihr »Clean up Sval­bard« Pro­jekt ins Leben geru­fen hat. So etwas muss uns kei­ner sagen, auf sol­che Ideen kom­men wir schon selbst. Wobei das Pro­jekt natür­lich gut und hilf­reich ist, aber blind sind wir, die wir schon seit Jah­ren regel­mä­ßig in Spitz­ber­gen unter­wegs sind, ja auch nicht. Und natür­lich trägt das Sam­meln Früch­te. Ihr hät­tet mal die Strän­de bei Smee­ren­burg vor 15 Jah­ren sehen sol­len. Eine rei­ne Müll­kip­pe! Heu­te ist es eini­ger­ma­ßen ordent­lich, da dort regel­mä­ßig gesam­melt wird. Natür­lich trägt jeder her­an­rol­len­de Wel­le neu­en Plas­tik­müll mit sich.

Und dar­in liegt auch die nächs­te Leh­re. Man kann und muss das Plas­tik­müll-Pro­blem vor Ort bekämp­fen und kann die Ver­hält­nis­se lokal auch ver­bes­sern, aber lösen lässt sich das Pro­blem so nicht. Genau­so wie der Kli­ma­wan­del und die Ozon­schicht, ist das Plas­tik­müll-Pro­blem ein glo­ba­les Pro­blem, das sich nur mit inter­na­tio­na­ler Anstren­gung wirk­lich lösen las­sen wird. Ich habe das Bei­spiel von der Ozon­schicht hier ganz bewusst genannt, es zeigt näm­lich, dass die inter­na­tio­na­le Gesell­schaft zu einer gemein­sa­men und letzt­lich erfolg­rei­chen Lösung eines glo­ba­len Pro­blems durch­aus in der Lage sein kann. Wenn sie nur will.

War­um ist das über­haupt ein Pro­blem, über den ästhe­ti­schen Aspekt hin­aus? Ganz ein­fach: Weil es die kom­plet­te Nah­rungs­ket­te im Meer ver­saut und ganz direkt unend­li­che Men­gen an Tie­ren bedroht. Es gibt kaum noch einen Eis­sturm­vo­gel, der kein Plas­tik im Magen hat. Alba­tros­se ver­en­den in gro­ßer Zahl dar­an. Und das sind nur die weni­gen, mitt­ler­wei­le weit­hin bekann­ten Bei­spie­le. Tat­säch­lich haben die meis­ten Tie­re im Meer Plas­tik im Magen. Weil das Plas­tik näm­lich in klei­ne Tei­le zer­fällt, die genau die Grö­ße haben wie die typi­sche Beu­te die­ser Tie­re, und auf­grund von Algen­wuchs irgend­wann auch so riecht. Und so haben mehr und mehr Tie­re den Magen voll mit unver­dau­li­chem Plas­tik und ver­hun­gern. So ein­fach. Es geht hier­bei nicht »nur« um das Lei­den ein­zel­ner Tie­re, son­dern dar­um, dass Popu­la­tio­nen kol­la­bie­ren und Nah­rungs­ket­ten zusam­men­bre­chen wer­den. Man kann gar nicht über­schät­zen, wie gefähr­lich das für das gan­ze mari­ne Öko­sys­tem ist! An dem übri­gens auch die Mensch­heit hängt. Es wäre also eigent­lich unser urei­ge­nes Inter­es­se, das schleu­nigst in den Griff zu bekom­men, aber so schnell lern­fä­hig ist die Mensch­heit lei­der nicht. Ach ja, die vie­len Tie­re, die sich in grö­ße­ren Plas­tik­tei­len ver­hed­dern und dann ertrin­ken oder durch ihr eige­nes Wachs­tum qual­voll zu Tode geschnürt wer­den oder an Land ver­hun­gern, auch die sind Teil die­ses Pro­blem. »Pro­blem«, das Wort wirkt hier gera­de­zu beschö­ni­gend! Es ist eine Kata­stro­phe, nichts weni­ger.

Was die­sen Som­mer neu war, war ein »Citi­zen Sci­ence« For­schungs­pro­jekt vom Alfred Wege­ner Insti­tut, das Bir­git Lutz auf die Anti­gua und ande­re Schif­fe gebracht hat. Vie­le Rei­sen­de haben mit­ge­hol­fen, genau zu beob­ach­ten und zu notie­ren, was für Müll unter­wegs ist und wo man ihn fin­det. An Land und im Was­ser. Wäh­rend der Über­fahrt von Nor­we­gen nach Spitz­ber­gen und dort oben sind ins­ge­samt 18 soge­nann­te Tran­sek­te ent­stan­den, also Stre­cken auf See, wo jedes sicht­ba­re Stück Plas­tik­müll genau erfasst und notiert wur­de, mit Posi­ti­on und allem drum und dran. Das For­schungs­schiff Polar­stern hat ent­spre­chen­de Daten im Nord­at­lan­tik auf hoher See gesam­melt.

Bir­git hat die­sen Som­mer auf meh­re­ren Fahr­ten mit ins­ge­samt drei Schif­fen (Anti­gua, Noor­der­licht, Plan­ci­us) 992,4 kg Plas­tik­müll an Land erfasst. Der Löwen­an­teil (927 kg) davon stammt aus der Fische­rei: alte Net­ze, Sei­le, Fen­der, Fisch­kis­ten, Netz­bäl­le. Der Rest war über­wie­gend Ver­pa­ckung (55,69 kg), dazu kom­men lee­re Fla­schen und Müll aus Küche und Bad. Ein Ergeb­nis ist, dass die Müll­men­ge an den Strän­den in Spitz­ber­gen mit 8-43 kg pro 100 m ver­gleich­bar ist mit den Quan­ti­tä­ten an den Ufern der Nord­see (10-345 kg pro 100 m).

Die­se und wei­te­re Details kann man bei Bir­git Lutz nach­le­sen. Vie­len Dank, Bir­git, für dein Enga­ge­ment in Sachen Plas­tik­müll! Damit kommt die Arbeit, die wir – und mit die­sem »wir« sind eine gan­ze Men­ge Leu­te gemeint – schon lan­ge machen, auf ein wis­sen­schaft­li­ches Niveau. Hof­fent­lich trägt es dazu bei, dass das Pro­blem an der Wur­zel ange­fasst wird!

Neben der Müll­ver­mei­dung und dem Recy­cling wird das Ein­sam­meln in der Natur uns noch lan­ge beschäf­ti­gen müs­sen. Das wer­den wir in Spitz­ber­gen wei­ter tun. Wir wür­den es übri­gens auch auf Jan May­en ger­ne machen, was die nor­we­gi­schen Geset­ze aber lei­der ver­hin­dern. Nun, das ist eine ande­re Geschich­te. Aber ande­re tun das auf hoher See. Ein sehr inter­es­san­ter, viel­ver­spre­chen­der Ansatz dazu wird vom Pro­ject The Oce­an Cleanup ent­wi­ckelt. Das Pro­jekt kann man unter­stüt­zen. Gute Sache!

Ach ja – nun bin ich ins Erzäh­len gekom­men, aber das The­ma ist ja auch wich­tig. Dar­über habe ich aber ganz ver­ges­sen, vom See­unge­heu­er zu erzäh­len. Das ist ja das, was ich eigent­lich vor­hat­te 🙂 also, das See­unge­heu­er, oder das sea mons­ter, das war ein Fischer­netz, das wir Anfang Juni im Woodfjord am Ufer gefun­den hat­ten, auf der Reins­dyr­flya. Es war so rie­sig, dass für mich von vorn­her­ein klar war, dass wir das Ding nie an Bord bekom­men wür­den, so dass wir es am bes­ten dort las­sen, wo es war, näm­lich halb im Ufer­kies begra­ben. An der Stel­le hat­te ich aber nicht mit Bir­gits Hart­nä­ckig­keit gerech­net. Nach­dem wir zunächst unse­re Tou­ren gemacht und dann die übli­che Sam­me­lei erle­digt hat­ten, begann sie, mit ein paar Frei­wil­li­gen an dem Netz zu zer­ren und zu bud­deln. Zuge­ge­ben, ich dach­te noch eine gan­ze Wei­le lang, dass wird wohl nix. Aber wie schön kann es sein, sich zu täu­schen! Es waren so eini­ge Stun­den fäl­lig, bis das Netz mit ver­ein­ten Kräf­ten, bestehend aus Mann­schaft und Pas­sa­gie­ren, aus dem Strand gebud­delt und gezerrt war. Neben vie­len Hän­den waren auch 80 oder 100 Pferd­chen betei­ligt, die in den Außen­bord­mo­to­ren der Zodiacs um die Wet­te trab­ten und von See her kräf­tig mit am Netz zogen, das sich jetzt schon den Namen »sea mons­ter« ver­dient hat­te.

Es war ein schö­ner Augen­blick, als das Netz schließ­lich von den Zodiacs vom Ufer ins Was­ser gezo­gen wer­den konn­te. Wir hat­ten dar­an vor­her luft­ge­füll­te Fen­der befes­tigt, sonst hät­ten wir es natür­lich sofort in der Tie­fe ver­lo­ren. Aller­dings soll­te der Spaß jetzt erst – nun, nicht los­ge­hen, aber sich noch eine gan­ze Wei­le lang fort­set­zen. Das Mons­ter vom Was­ser an Bord zu bekom­men, war näm­lich auch noch mal ein »Spaß«. So ein Segel­schiff hat ja diver­se Win­den, aber ein See­unge­heu­er an Bord zu hie­ven, ist schon noch mal was ande­res, als ein Segel zu set­zen. Fragt Kapi­tän Maar­ten nach den tech­ni­schen Details! Irgend­wann, und nicht beim ers­ten Ver­such, wur­de das Mons­ter dann unter all­ge­mei­nem Jubel über die Reling gezo­gen und lag kurz dar­auf dann tat­säch­lich und end­lich an Deck.

Zuge­ge­ben, ich war ganz schön am Ende. Das Abend­essen war irgend­wie aus­ge­fal­len, jeden­falls was uns klei­nen Kern betraf. Viel­leicht dach­ten wir zu der Zeit, wir machen das jetzt noch schnell fer­tig, so genau weiß ich das nicht mehr. Ich hat­te dann auch noch den Feh­ler gemacht, ohne Jacke mal eben schnell ins Zodiac zu gehen, um dem Netz von Was­ser aus auf die Sprün­ge zu hel­fen, wäh­rend an Deck an den Win­den und Tau­en gear­bei­tet wur­de. Gro­ßer Feh­ler! Natür­lich pas­siert da nichts »mal so eben«. Es war schwei­ne­kalt.

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Was für ein Gefühl war es dann, das Netz an Deck lie­gen zu sehen und zu wis­sen, unser Super­koch Sascha baut die Res­te der nie­der­län­di­schen Brot­zeit zusam­men zum schöns­ten Mit­ter­nachts­mahl, das ich je gefut­tert habe! Natür­lich war ich nicht der ein­zi­ge, der kalt und müde war, aber ich erzäh­le ja nun aus mei­ner Per­spek­ti­ve.

Plastikmüll, Spitzbergen: das Seeungeheuer

So, das war die Geschich­te vom See­unge­heu­er.

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News-Auflistung generiert am 19. Oktober 2021 um 08:01:38 Uhr (GMT+1)
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