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Pyramiden & Billefjord

Eine dreitägige Tour führte uns Anfang Mai nach Pyramiden und in den Billefjord. Der Billefjord gehört für mich zu den landschaftlich schönsten Gegenden Spitzbergens, die Berge dort haben einfach Charakter, solche Berge stehen nur dort und nirgendwo sonst. Und der Nordenskiöldbreen ist ein sehr beeindruckender Gletscher. Es ist unschlagbar schön, im Abendlicht direkt vor seiner Abbruchkante auf dem Eis der Adolfbukta zu spazieren. Bevor sich jemand wundert: Die Adolfbukta hat ihren Namen vom gleichen Namen wie der Gletscher, nämlich von dem schwedischen Polar-Entdecker Adolf Erik Nordenskiöld. Tatsächlich hatte die Bucht früher mal einen anderen Namen, sie hieß nämlich einmal Altenburgbucht.

Aber schaut Euch die Bilder und Panoramen an und urteilt selbst.

spitzbergen pyramiden (Galerie)

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Gipsdalen

Das weite, schöne Gipsdalen gehört zur üblichen Winterroute auf dem Weg von Longyearbyen nach Norden, also nach Pyramiden, zum Wijdefjord oder Richtung Newtontoppen, Atomfjella oder Verlegenhuken.

Nordenskiöldbreen

Am oberen Nordenskiöldbreen steht das Urmstonfjellet hoch über der weiten Eislandschaft. Von seiner Nordostecke aus tut sich in ca. 600 Metern Höhe dieser herrliche Blick auf. Im Westen sieht man den nördlichen Billefjord und bei genauem Hinschauen die russische Siedlung Pyramiden. Vor sich erstreckt sich der gewaltige Nordenskiöldbreen, der nach Osten in die Eiskappe Lomonossovfonna übergeht.

Die beeindruckende Abbruchkante des Nordenskiöldbreen steckt Anfang Mai noch fest im Eis.

Der Nordenskiöldbreen hat sich, wie so viele seiner Artgenossen, in jüngerer Vergangenheit zurückgezogen und so ein paar kleine Felsinseln freigegeben, die passenderweise als „Retrettøya“ (Rückzugsinsel) in der Karte verzeichnet sind. Diese Inselchen waren früher schon einmal sichtbar, wurden dann während eines Vorstoßes aber vom Gletscher überfahren. Der Fels hier gehört zum Ältesten, was die Geologie Spitzbergens zu bieten hat.

Pyramiden

Der frühere »Prospekt« (Prachtstraße) in Pyramiden wurde bis 1998 mit Gräsern aus Sibirien gepflegt und durfte seinerzeit nur von Kindern und Rentieren betreten werden. Das Schild der Bergbaugesellschaft und natürlich die Leninbüste vor dem Kulturhaus gehören zu den bekanntesten Motiven Pyramidens. Der Lenin dürfte der nördlichste seiner Art sein, wenn nicht irgendwo in der russischen Arktis noch einer versteckt ist, die größtenteils aber nicht so weit nördlich liegt. In der alten russischen Station auf der Rudolf Insel im nördlichen Franz Josef Land habe ich jedenfalls keinen gesehen. Wer einen noch weiter nördlich gelegeneren Lenin als diesen hier kennt, möge mir dies doch bitte mitteilen.

Hinter der Leninbüste befindet sich das Kulturhaus. Dies ist die Eingangshalle.

Die Sporthalle gehört ebenfalls zum Kulturhaus sowjetischer Prägung.

Einer von mehreren Räumen im ersten Stock des Kulturhauses.

Die Schwimmhalle befindet sich ein einem separaten Gebäude unweit des Kulturhauses, neben dem Sportplatz »Gagarin«.

Prachtsaal mit Mosaik im ersten Stock eines Gebäudes zwischen Hotel und Kulturhaus.

Ein ehemaliges Wohnhaus mit Arbeiterunterkünften. Heute wohnen nur noch die Dreizehenmöwen in den Fenstern, im Sommer brüten sie dort und machen einen Heidenlärm. Auch das Hotel Tulipan (Tulpe) ist zu sehen.

Bar und Restaurant im Hotel Tulipan, kurz nach der Neueröffnung im Frühjahr 2013. Man kann sich derzeit im Hotel Tulipan prima einquartieren: der Service war überraschend gut und das Essen reichhaltig, wenn auch etwas russisch geprägt. Es kann zum Frühstück durchaus ein halbes Hähnchen mit Reis geben. Westlich-kapitalistisch geprägt sind allerdings die Preise, die sich nicht allzu sehr von denen in Longyearbyen unterscheiden.

Zimmer im Hotel Tulipan. Jedes Zimmer hat seine eigene Toilette, nur die Dusche ist woanders und kostet 50 NOK extra.

Ein gefrorener See zwischen Ragnarbreen und dessen Moräne, nordöstlich der Petuniabukta.

Der Hørbyebreen nordwestlich der Petuniabukta. Die Berge in dieser Gegend, darunter das riesige Doppeltor aus Stein namens Tarantellen, gehören zu den schönsten Spitzbergens. Auch geologisch ist die Gegend sehr interessant, verläuft dort doch deutlich sichtbar die Billefjorden-Störungszone, eine der wichtigsten (heute inaktiven) Bruchzonen Spitzbergens. Der Hørbyebreen ist im Winter Teil des weiten Weges nach Ny Ålesund und im Sommer ist er eine mögliche Trekkingroute Richtung Austfjord, via Ålandsvatnet.

Der obere Hørbyebreen.

Petuniabukta: Ebbadalen

Im unteren Ebbadalen, auf der Ostseite der Petuniabukta, hat die Frühlingssonne den Schnee bereits schmelzen oder wohl eher verdunsten lassen, so dass sich hier ein etwas wüstenhaft anmutender arktischer Frühlingseindruck spürbar macht.

Eine ganz eigene, wunderbare Landschaft tut sich im inneren Ebbadalen auf, wo ein sommerlicher Wasserfall im Winter zu starrem Eis gefriert. Weite, spiegelblanke Eisflächen bedecken den Talboden zwischen Moränenhügeln und vom Gletscher geschliffenen Felshängen.

Und natürlich ist der Charme der 1998 aufgegebenen, russischen Bergbausiedlung Pyramiden unübertrefflich! Erstaunlich gut kann man es in dem vor einigen Wochen neu eröffneten Hotel aushalten, zumindest wenn man ein kleines Bündelchen Scheine im Gepäck hat – Lenin steht nicht fern und hält Wache, aber die Einführung des Kapitalismus in den russischen Siedlungen Spitzbergens hat er ebenso wenig verhindern können wie in Russland selbst.

Und einen freundlicheren Abschied vom Billefjord als mit der Bartrobbe vor Brucebyen hätten wir uns nicht wünschen können. Falls sich jemand wundert: Bartrobben haben oft keinerlei Angst vor Menschen, solange man sich nur ruhig verhält und sich nicht plötzlich oder mit schnellen Bewegungen in ihre Wahrnehmung drängt. Wir hätten sie fast berühren können, aber sie lag noch friedlich vor ihrem Wasserloch, als wir schon längst wieder weg waren.

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Letzte Änderung: 27. Dezember 2013 · Copyright: Rolf Stange
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