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Thorshühnchen (Phalaropes fulicarius)

Grey phalarope (E) - Polarsvømmesnipe (N) - Rosser franjepoot (NL) - Phalarope á bec large (F)

Ein Thorshühnchen, das sich im flachem Wasser sehr schnell im Kreis dreht, mag ein merkwürdiger Anblick sein. Das ulkige Verhalten dient der Nahrungssuche, denn beim schnellen Drehen wird Nahrung vom Gewässergrund aufgewirbelt. Auch die in der Tierwelt eher ungewöhnlichen Geschlechterrollen machen das Thorshühnchen interessant.

Thorshühnchen im Prachtkleid. Bild © Rolf Stange

Beschreibung: Das Thorshühnchen ist trotz seines englischen Namens »Grey phalarope« weitgehend rostrot im Sommerkleid, abgesehen von den eher tarnfarbenen Oberseiten von Flügeln und Kopf sowie einem weißen Bereich um die Augen herum. Es handelt sich um einen eher kleinen Vogel (Länge 20 cm, Gewicht 40-75 g). Die Geschlechter unterscheiden sich auf ungewöhnliche Weise voneinander: Das Weibchen ist nicht nur etwas größer, sondern im Gegensatz zum Normalfall in der Vogelwelt hat es auch das etwas auffälliger gefärbte Gefieder. Dies hängt mit dem besonderen Brutverhalten der Thorshühnchen zusammen (s.u.).

Verbreitung/Zugverhalten: Man findet das Thorshühnchen rund um den Nordpol in der Hocharktis. In Svalbard brütet er nahezu überall in Küstennähe, am häufigsten ist es allerdings an der Westküste und westlichen Nordküste Spitzbergens, den Tusenøyane sowie Bjørnøya. Im Winter mögen Thorshühnchen es warm und ziehen bis in die Tropen, Vögel aus Svalbard überwintern vermutlich vor der Küste von Westafrika. Die Brutplätze erreichen sie Anfang oder Mitte Juni und bleiben dort bis Ende Juni oder Anfang August. Die Weibchen ziehen als erste, die Männchen folgen, sobald das Brutgeschäft endgültig beendet ist.

Biologisches: Thorshühnchen brüten paarweise oder in kleinen, lockeren Kolonien auf flacher, feuchter und reich bewachsener Tundra, meist in der Nähe kleiner Tümpel. Brutvögel sind recht ortstreu und kehren mehrfach an den gleichen Brutplatz zurück. Ihre Nahrung finden Thorshühnchen auf der Tundra, in flachen Tundraseen oder an der Küste, sie leben von Insekten und kleinen Krebstierchen.

Beim Brutverhalten haben Thorshühnchen im Vergleich zu anderen Vögel die Rollen weitgehend vertauscht. Die Ablage der vier Eier um Mitte Juni bis Anfang Juli ist noch Angelegenheit der Weibchen, aber dann übernehmen die Männchen vollständig das Ausbrüten (18-20 Tage) und die Pflege des Nachwuchses (16-18 Tage). Das Weibchen kann sich dann noch einmal mit einem anderen Männchen paaren. Nach der zweiten Eiablage zieht es rasch in den warmen Süden. Bereits Mitte Juli hat es die Brutgebiete meist verlassen.

Sonstiges: Im Winter ist das Thorshühnchen grau und somit vergleichsweise unansehnlich, daher wollen viele, die diesen Vogel außerhalb der Brutsaison in Europa schon gesehen haben, ihn einmal im Sommer in der Arktis erleben. Auch das auffällige Rollenverhalten macht ihn interessant. Mit etwas Glück und in der richtigen Gegend kann man gleich mehrere Thorshühnchen direkt am Strand beobachten, wobei man sich – langsam und mit einiger Vorsicht – zu Fuß oder mit dem Schlauchboot manchmal recht gut annähern kann.

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Letzte Änderung: 18. November 2017 · Copyright: Rolf Stange
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