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Monats-Archiv: Januar 2019 − News & Stories


Der Arktis-Blog geht weiter: auf nach Longyearbyen!

Nach einer winterweihnachtlichen Zeit im südlichen Zuhause geht es wieder ins nördliche Zuhause: auf nach Longyearbyen! Ein paar Tage verbringen wir noch in Norwegen, besuchen liebe Menschen und kümmern uns um ein paar wichtige Angelegenheiten, bevor wir in Oslo ins Flugzeug steigen.

Wir fliegen morgens los und kommen mittags an. Der Flug geht vom Licht in die Dunkelheit. Beim Einstiegen ins Flugzeug genießen wir für ein paar Augenblicke die letzten Sonnenstrahlen für ein paar Wochen.

Dafür wartet der Zauber der Polarnacht auf uns.

Wir haben zunehmenden Mond – das ist kein Geheimnis, das ist natürlich überall auf Erden gleichermaßen so. Hier aber hat das mehr Bedeutung als anderswo. Nicht nur, da wir jenseits (äh, diesseits … also: polseitig 🙂 ) des Polarkreises den Mond im Sommer kaum zu sehen bekommen, da steht er nämlich meistens unter dem Horizont, wenn nicht gerade Neumond ist, und dann sieht man ihn natürlich auch nicht. Im Winter hingegen ist er schön zu sehen. Und als Lichtquelle hat er hier natürlich eine ganz andere Bedeutung als in Breiten, wo auf die Sonne noch Verlass ist, zumindest tagsüber.

Polarnacht und Mondschein Adventdalen bei Longyearbyen

Das Adventdalen in der Polarnacht (I): Mondschein über dem Operafjellet.

Die Landschaft im Mondschein ist magisch. Silberblaues Licht ergießt sich über die von einer dünnen Schnee- und Eisschicht bedeckte Tundra. Auf Fotos sieht der Mond so hell aus, dass man meinen kann, es sei die Sonne.

Schwierig zu fotografieren. Die Bilder sind entweder übertrieben hell – natürlich kann man mit der Kamera auf einem Stativ belichten, bis die Bilder aussehen, als seien sie am hellen Tag aufgenommen worden. Dieser Eindruck ist schön, aber falsch. Die Realität ist auch schön, und vor allem echt und wirklich. Nur fotografisch eben schwer wiederzugeben. Die Schönheit, die sich dem an Dunkelheit gewöhnten Auge schließlich offenbart, wirkt auf realistischen Fotos wahrscheinlich einfach dunkel. Und das ist dann ja wiederum auch, nun, vielleicht die Realität, aber nicht die Wirklichkeit. Da gibt es ja einen kleinen, aber feinen Unterschied.

Polarnacht und Mondschein Adventdalen bei Longyearbyen

Das Adventdalen in der Polarnacht (II): etwas dunkler, etwas realistischer
(? je nach Gewöhnung des Auges an die Dunkelheit).

Ich habe versucht, hier einen realitätsnahen Kompromiss zu finden, der realistisch ist und die reelle Schönheit der Polarnacht gut wiedergibt.

Abschließend für diesen ersten Eintrag des Arktis-Blogs 2019 noch ein Eindruck vom polarnächtlichen Longyearbyen. Aufgenommen um die Mittagszeit. Der Anblick wird vielen Besucherinnen und Besuchern dieser Seite vertraut sein, aber wahrscheinlich doch in einem sehr, sehr anderen Licht.

Longyearbyen in der Polarnacht

Longyearbyen in der Polarnacht. Die Sonnenuhr hat derzeit technische Probleme 😉

Zuguterletzt erlaube ich mir, darauf hinzweisen, dass ich ein neues Fotobuch gemacht habe, das die Arktis aus einer ganz neuen, ungewohnten Perspektive zeigt.
Norwegens arktischer Norden (2) – Aerial Arctic zeigt Jan Mayen und Spitzbergen aus der Luft.

Norwegens arktischer Norden (2) - Aerial Arctic

Rolfs neues Fotobuch Norwegens arktischer Norden (2) – Aerial Arctic zeigt Jan Mayen und Spitzbergen aus einer ganz neuen, wunderschönen Perspektive.

Und damit … tschüss und bis demnächst, bald geht es dunkelheiter weiter.

Aufgelaufener Krabbentrawler „Northguider“ in der Hinlopen: Diesel abgepumpt

Gute Nachrichten vom Krabbentrawler „Northguider“, der am 28.12.2018 vor dem Nordaustland in der nördlichen Hinlopenstraße auf Grund gelaufen ist: es ist gelungen, den Diesel vollständig abzupumpen – ganze 332 Tonnen Treibstoff wurden in einer mehrtägigen Operation bis Sonntag (13.01.19) auf dem Küstenwachenschiff KV Svalbard gesichert, wie der norwegische Sender NRK berichtet.

Diese große Menge marinen Dieselöls in einem Schiff, dass mit beschädigtem Rumpf in einem streng geschützten Naturreservat auf Grund liegt, stellte eine große Bedrohung der Umwelt dar. Beim Austreten wären umfassende Umweltschäden zu befürchten gewesen.

Fischtrawler Northguider auf Grund in der Hinlopenstraße

Bergungsarbeiten auf dem Krabbentrawler Northguider auf Grund in der Hinlopenstraße. Foto: Kystverket/Küstenwache.

Die norwegische Küstenwache ist mit dem Schiff KV Svalbard vor Ort und hat die Bergung des Diesels ermöglicht, durchgeführt wurde die Sicherung des Treibstoffs von Spezialisten der niederländischen Bergungsfirma Ardent Global. Die Arbeiten gingen schneller voran als erwartet, wozu auch die übers Wochenende ruhigen Wetterverhältnisse vor Ort wesentlich beitrugen, neben der guten Arbeit der niederländischen Spezialisten und der Mannschaft der KV Svalbard und anderer involvierter Behörden (Sysselmannen, Kystverket).

Fischtrawler Northguider: Diesel vollständig geborgen

Über 300 Tonnen Diesel wurden bis Sonntag früh vom Krabbentrawler Northguider, der in der Hinlopenstraße auf Grund gelaufen ist, geborgen. Foto: Kystverket/Küstenwache.

Nun werden noch kleinere Mengen Motoröl und andere Schmierstoffe, Chemikalien und sämtliche weiteren Gegenstände geborgen, die der Umwelt schädlich sein können.

Die Bergung des Schiffes selbst wird eine deutlich größere Operation sein. Wann und wie sie durchgeführt wird, ist derzeit offen.

Für die Kosten muss der Schiffseigner aufkommen, die Reederei Opilio AS.

Tempelfjord-Unglück von 2017: Bußgeld verhängt

Gegen Ende April 2017 ereignete sich im Tempelfjord ein schweres Unglück, als eine Gruppe Motorschlittenfahrer durch das dünne Eis brach. Sechs Motorschlitten brachen durchs Eis und die Fahrer landeten im Wasser, wo sie schnell auskühlten. Sechs Personen waren im Wasser, insgesamt wurden sieben verletzt. Vier Personen verbrachten die extrem lange Zeit von bis zu 48 Minuten im eisigen Wasser. Ein Mann starb ein paar Tage später im Krankenhaus in Tromsø.

Dabei handelte es sich um einen Guide der Gruppe, bei der es sich um russische Touristen handelte. Die Gruppe befand sich auf einer Tour, die von der Arctic Travel Company Grumant organisiert war. Bei der Arctic Travel Company Grumant handelt es sich um eine Tochtergesellschaft des Trust Arktikugol, der somit letztlich als Arbeitgeber und Veranstalter verantwortlich ist.

Der Trust Arktikugol ist Eigner und Betreiber von Barentsburg und den dortigen Kohlegruben, entwickelt seit einigen Jahren aber auch intensiver den Tourismus als zukunftsträchtigen Wirtschaftszweig.

Im Zusammenhang mit dem Unglück wird der Arctic Travel Company Grumant und damit dem Trust Arktikugol vorgeworfen, keine ausreichenden Sicherheitsroutinen für den Umgang mit Meereis etabliert zu haben. Vor der fatalen Tempelfjordpassage wurden keine Maßnahmen ergriffen, um die Dicke und Stabilität des Eises zu ermitteln.

Angesichts der Schwere des Unglücks, das einen Menschen das Leben kostete, wurde der Trust Arktikugol nun von der Staatsanwaltschaft Troms (Norwegen) zu einer Geldstrafe von 150.000 norwegischen Kronen (derzeit etwa 15300 Euro) verurteilt. Der Trust Arktikugol hat die Strafe angenommen.

Tempelfjord-Unglück 2017: Geldstrafe

Gletscherfront des Tunabreen im Tempelfjord: im Lichtwinter eine sehr beliebte Tagestour, aber das Eis kann gefährlich sein.

Der Tempelfjord ist mit der Gletscherfront des Tunabreen im späten Winter („Lichtwinter“) ein beliebtes Ausflugsziel, allerdings sind die Eisverhältnisse dort in jüngeren Jahren nicht mehr so zuverlässig und stabil wie früher. Die klassische Tempelfjord-Tour über das Eis hin zu den Gletschern funktioniert nicht mehr jedes Jahr. 2018 waren die Eisverhältnisse gut, aber in der Hauptsaison wurde das Fjordeis für den motorisierten Verkehr gesperrt, um Robben und Eisbären, die zu der Zeit im Tempelfjord häufig sind, nicht zu stören.

Sturm- und Lawinenwarnung in Longyearbyen

Der Wetterbericht für die nächsten 2 Tage verheißt für Longyearbyen Sturm und Schneefall. Die größten Windgeschwindigkeiten werden für die Nacht von Donnerstag auf Freitag erwartet – bis zu 26 Meter pro Sekunde (gut 90 km/h, Windstärke 10 = schwerer Sturm auf der Beaufortskala), Böen können noch darüber hinaus gehen.

Diese Bedingungen bedeuten zudem hohe Lawinengefahr.

Öffentliche Einrichtungen wie Schulen bleiben geschlossen und ab Donnerstag 8 Uhr früh werden etliche lawinengefährdete Häuser auf der Westseite von Longyearbyen vorsorglich evakuiert. Betroffen sind Weg 228 und die Häuser auf der Westseite der Straße in Nybyen. Mehr als 100 Personen müssen ihre Wohnungen räumen.

Longyearbyen Sturm Lawinengefahr

Wetterbericht auf yr.no für Longyearbyen: Sturm, Schnee und Lawinengefahr.

Alle sind aufgerufen, in den nächsten Tagen auf ihre Sicherheit zu achten und lawinengefährlichem Gelände fern zu bleiben.

Trawler „Northguider“ weiterhin auf Grund in der Hinlopenstraße

Der Trawler Northguider liegt nach wie vor am Sparreneset in der Hinlopenstraße auf Grund. Auf Bildern des Kystverket ist erkennbar, dass der Havarist sehr nah vor der Küste des Nordaustland liegt. In dieser Gegend fallen die Tiefen in Ufernähe sehr steil auf bis unter 400 Meter ab. Bislang ist noch nicht bekannt, wie das Schiff in diese Position gelangen konnte. Technische Probleme soll es vor dem Unglück nicht gegeben haben.

Das Küstenwachenschiff KV Svalbard war vor Ort und hat die erste Phase der Arbeit abgeschlossen, wobei es sich zunächst nur um eine Aufnahme der Situation des Havaristen handelte. Nachdem das Wetter die Arbeiten zunächst behindert hatte, konnten Mitarbeiter der Küstenwache schließlich an Bord der Northguider kommen. Diese liegt bislang unverändert mit 15 Grad Schlagseite auf Grund. Von den 300 Tonnen Diesel ist soweit noch nichts ausgetreten, soweit bekannt. Viele kleinere Gegenstände wie Batterien, Farben, Fischereiausrüstung und andere Gegenstände wurden geborgen.

Fischtrawler Northguider auf Grund in der Hinlopenstraße

Der Fischtrawler Northguider auf Grund in der Hinlopenstraße, dicht vor der Küste des Nordaustland. Foto: Kystverket.

Die Untersuchung zeigte aber auch, dass das Schiff zu stark beschädigt ist, um ohne Weiteres vom Grund geschleppt werden zu können. Bevor das versucht werden kann, soll nun zunächst der Diesel abgepumpt werden.

Nun ist die KV Svalbard zunächst nach Longyearbyen zurückgekehrt, um dort weitere Ausrüstung zu holen. Das Kystervket nimmt an, dass die Bergungsarbeiten einige Zeit in Anspruch nehmen werden.

Unterdessen stellen viele kritische Fragen, was ein Fischereischiff in der Polarnacht in einem Naturreservat zu suchen hat, wo mitunter bereits die Präsenz von Touristen als Problem betrachtet wird, weil sie auf ein Blümchen treten oder ein Walross aufwecken könnten. Der Umweltschutzbeauftragte des Sysselmannen, Morten Wegede, bezeichnete die Situation als sehr unerfreulich und sagte, der Schutz der Natur durch Entfernung aller schädlichen Materialien habe nun erste Priorität. Hierzu arbeite der Sysselmannen eng zusammen mit der Küstenwache, der zuständigen Schifffahrtsbehörde (Kystverket), dem Norwegischen Polarinstitut und dem Eigner der Northguider.

Fischereischiff „Northguider“ weiter auf Grund in der Hinlopenstraße

Allen Besucherinnen und Besuchern dieser Seite zunächst ein frohes neues Jahr! In Longyearbyen verlief der Jahreswechsel weitgehend ruhig – natürlich auch mit einem kleinen Feuerwerk. Der Sysselmannen musste nur bei einer kleinen Rangelei im Huset einschreiten, sonst verlief Silvester in Spitzbergen friedlich.

Aber das Fischereischiff Northguider, das am Freitag in der Hinlopenstraße auf Grund lief – das wird wohl noch eine Weile für Spannung sorgen. Zwar konnten alle 14 Besatzungsmitglieder schnell mit Hubschraubern gerettet werden, aber das Schiff liegt weiterhin auf Grund. Immerhin scheint seine Position stabil zu sein und Diesel scheint auch nicht ausgetreten zu sein, zumindest soweit das vom Hubschrauber aus zu beurteilen ist – bislang ist noch kein Schiff eingetroffen. Die Küstenwache ist mit der KV Svalbard unterwegs; dieses Schiff ist am besten dafür geeignet, den Havaristen möglichst zu bergen. Dabei wird die Priorität zunächst darauf liegen, Diesel, Gas und andere mögliche Schadstoffe abzupumpen. Dann muss beurteilt werden, ob die Northguider weiter schwimmfähig ist, so dass sie abgeschleppt werden kann. Seetüchtig ist sie selbst nicht mehr, da Wasser in den Maschinenraum eingetreten ist.

Idealerweise kann die KV Svalbard die Northguider nach dem Leerpumpen der Dieseltank und Sicherung anderer Gefahrstoffe die Northguider in Schlepp nehmen und zunächst nach Longyearbyen bringen. Ob das so möglich sein wird, muss sich aber erst noch zeigen.

Dazu kommt, dass die Bergung nun wohl ein Wettrennen mit der Zeit wird: Neben einem jederzeit möglichen Abrutschen des Havaristen in tieferes Wasser kann das nahende Eis nun jederzeit erhebliche Schwierigkeiten schaffen. Trotz Negativrekorde der Eisentwicklung und erschreckend wenig Eis in der frühen Polarnacht beginnen die Ufergewässer in Spitzbergen nun zu gefrieren, und im Norden ist das Treibeis im Anmarsch, wie die aktuelle Eiskarte zeigt. Noch vor Wochen war die ganze Inselgruppe Svalbard fast völlig eisfrei, aber wie die Eiskarte zeigt, breitet das Eis sich derzeit zügig aus. Eine Abriegelung der Northguider vom Treibeis würde jegliche weitere Arbeit vor Ort weitgehend unmöglich machen. Viel wird nun von Wetter und Strömungen in den nächsten Tagen abhängen.

Eiskarte Svalbard

Aktuelle Eiskarte des norwegischen meteorologischen Institutes: das Treibeis ist im Anmarsch und die Fjorde beginnen zuzufrieren.

Unterdessen wird im politischen Oslo die Frage nach Konsequenzen gestellt. Krabbenfischerei ist in tieferen Gewässern auch in den Naturreservaten Spitzbergens erlaubt – die Northguider liegt im Nordaust Svalbard Naturreservat – und rund ums Jahr sind Krabbentrawler auch in abgelegenen Gebieten wie eben der Hinlopenstraße unterwegs. Nun wird die Frage nach der Sicherheit der Fischerei in diesen entfernten Regionen, weitab von Häfen und Rettungseinrichtungen, wohl neu diskutiert werden.

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News-Auflistung generiert am 20. Januar 2019 um 02:55:04 Uhr (GMT+1)
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