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Spitzbergen - Reisearten

Ein paar Hinweise und Kommentare zu verschiedenen Möglichkeiten, Spitzbergen zu erleben. Letztlich kommt es auf Ihren Geschmack und Geldbeutel an. Internetseiten verschiedener Veranstalter in Spitzbergen finden Sie in meiner Linksammlung und bei der Touristeninformation von Longyearbyen.

Meiner Ansicht nach sollten Sie sich nicht von einer großen Anzahl von Ortsnamen im Reiseprogramm eines Anbieters verführen lassen. Ich würde eher eine Reise empfehlen, bei der Sie schöne Orte und Erlebnisse mit Zeit genießen können als eine, bei der Sie an vielen Dingen vorbeijagen, ohne sich diese in Ruhe anschauen zu können.

Grundsätzlich sind Touren in den meisten Gebieten der Inselgruppe vorher bei der norwegischen Verwaltung anzumelden (weitere Hinweise zu Regeln, Umweltschutz, Sicherheit). Bei gebuchten Touren übernimmt dies der Veranstalter.

  • Expeditionsseereisen sind sicher für viele eine ideale Reiseart. Wenn Sie möglichst viel von der Natur und Geschichte Spitzbergens (oder Grönland etc.) erleben, Ihre Arktis-Begeisterung mit Gleichgesinnten teilen wollen und etwas Abenteuergeist mitbringen, ist eine Expeditionsseereise vermutlich das richtige für Sie:
    • Relativ kleine Gruppen auf Schiffen, die im Vergleich zu »echten« Kreuzfahrtschiffen eher schlichten Komfort bieten.

Expeditionskreuzfahrtschiff M/V Professor Multanovskiy (früher mein zweites Zuhause in der Arktis).

Expeditionsschiff in Spitzbergen

    • Erwarten Sie keinen Erholungsurlaub, Reisen dieser Art können durchaus anstrengend sein. Sie müssen in der Lage sein, sich für ein paar Stunden über Stock und Stein durch weglose Tundra zu bewegen, gewisse körperliche Fitness ist also Voraussetzung. Bedenken Sie auch, dass die medizinische Versorgung an Bord eine Basisversorgung ist, Sie müssen also insgesamt gesund sein.
Wandern in Spitzbergen
    • Der Reisecharakter ist ungezwungen-sportlich, keine Abendgarderobe, dafür Gummistiefel und Fernglas. Die Brücke ist für Passagiere vielen kleineren Schiffen zugänglich.
Mit Zodiacs im Liefdefjord, Spitzbergen
    • Expeditionsseereisen sind keine Fotosafaris für bestimmte Tierarten (»Eisbärensafaris«), sondern wollen möglichst vielseitige Eindrücke vermitteln.
    • Während der Landgänge erfolgt Aufteilung in mehrere Gruppen, um verschiedene Interessen und Fitness-Grade zu bedienen, diese Gruppen sind jeweils von bewaffneten Guides begleitet. Individuelle Exkursionen außerhalb dieser Gruppen sind wegen der Eisbärengefahr nicht möglich.

Eisbären-
wache

Eisbärenwache, Spitzbergen

    • Bordsprache ist meist Englisch. Wenn es in Ihren Unterlagen heißt »Deutschsprachige Reiseleitung an Bord« o.ä., heißt das, dass im Team Fahrtleiter/Guides/Lektoren mindestens ein Deutschsprachiger vorhanden sein sollte, aber nicht unbedingt, dass öffentliche Informationen, Vorträge u.a. auch auf Deutsch gegeben werden. Die deutschsprachigen Reiseleiter werden auf Anfrage sicherlich gerne bereit sein, individuell zu übersetzen. Deutsche Spezialveranstalter organisieren auch komplett deutschsprachige Reisen.
    • Wichtiger Hinweis zu den Reiseprogrammen, die Sie für eine solche Fahrt von Ihrem Reisebüro erhalten. Diese lesen sich oft etwa so: »Am ersten Tag sind Sie morgens an Ort x und sehen dies, nachmittags an Ort y und sehen das. Am zweiten Tag sind Sie morgens an Ort z …« Ein solches Programm gibt einen guten Überblick, wie so eine Fahrt allgemein abläuft. Aber was die detaillierte Routenplanung betrifft: Vergessen Sie diese Programme und gehen Sie davon aus, dass der Fahrtleiter an Bord sich voll dafür einsetzen wird, ein für die Jahreszeit, die Eisverhältnisse, die Besonderheiten der Saison und die Interessen der Gruppe maßgeschneidertes Programm zusammenzustellen. All das kann Ihr Reisebüro schon wegen Druck des Programms viele Monate vor Reisebeginn nicht leisten. Nerven Sie bitte nicht Ihren Fahrtleiter, indem Sie mit dem Programm winken und rufen »aber hier steht, wir würden heute da und dort sein …« Flexibilität wegen wechselnder Eisverhältnisse, Wetterbedingungen, Tierbeobachtungen und vor allem weil Ihr Fahrtleiter die Arktis vermutlich besser kennt als die Person, die Ihr Programm geschrieben hat, ist nicht nur eine Voraussetzung, sondern eben gerade die Stärke solcher Reisen.
  • Ortsaufenthalt. Man kann sich gemütlich in einem der Hotels in Longyearbyen einquartieren und Tagestouren unternehmen, es wird vor Ort eine Reihe von buchbaren Tagestouren angeboten (buchbar im Hotel, der Touristeninfo oder bei den Veranstaltern). Dabei kann man schon eine Menge Landschaft und Geschichte erleben, die Leute kennenlernen und erstaunlich viel Flora und Fauna erleben – sicherlich keine Eisbären oder Walrosse, aber bei einem mehrtägigen Aufenthalt in Longyearbyen sehen Sie wahrscheinlich Rentiere, Eisfüchse und eine Reihe verschiedener Vogelarten. Wenn Sie sich vogelkundlich interessieren, können Sie ohne weiteres mindestens zwei lohnenswerte Tage in der nahen Umgebung von Longyearbyen verbringen – heuern Sie hierzu einen vogelkundlich ortskundigen Guide mit Waffe an.
  • Zu Fuß individuell. Von Tagestouren in Ortsnähe bis hin zu mehrwöchigen Trekkingtouren im Expeditionsstil gibt es endlose Möglichkeiten. Sorgfältige Vorbereitung, Fitness und einige Erfahrung mit Wanderung im weglosen Gelände sollten dabei sein. Bei mehrtägigen Touren werden Sie schnell über 20 kg im Rucksack haben (neben Zelt, Kocher, Lebensmittel, Schlafsack etc. kommen noch Gewehr mit Munition und Bärenalarmanlage fürs Zeltlager hinzu). Weitere Hinweise zu Regeln, Risiken, Umweltschutz. Wandertouren ermöglichen ein intensives Erleben der arktischen Landschaft und Stille und das aufregend-schöne Gefühl, den Elementen ausgesetzt zu sein (Zeltübernachtung…). Und es gibt kaum etwas schöneres als »die Pizza danach«. 🙂

Freuden des Zeltlebens

Spitzbergen Trekking

  • Zu Fuß mit Veranstalter. Ähnlich wie individuell organisierte Wandertouren, werden Sie auf einer Wandertour mit Veranstalter arktische Landschaft und Stille mit Zeit genießen können und einiges »auf sich nehmen«, was manche als abschreckend empfinden, andere als Nähe zur Natur und somit als attraktiv (Zeltübernachtung ohne Dusche und Heizung etc.). Bei einer veranstalteten Tour müssen Sie sich in Tempo und Rhythmus der Gruppe einfinden und haben wenig bis keinen Einfluss auf die Tourengestaltung. Dafür gibt es einige Vorteile: oft weniger Gepäck durch vorbereitete Depots, weniger organisatorischer Aufwand, solide Tourenplanung, Gruppenerlebnis (ist meistens schön). Informieren Sie sich bezüglich der Schwierigkeit der Tour und schätzen Sie sich selbst vorher realistisch ein, damit Sie den Anforderungen gewachsen sind, ansonsten wird Ihre Teilnahme eventuell für Sie zur Strapaze und für die Gruppe zum Problem.
  • Kanu/Kajak. Das offene Kanu (»Kanadier«) ist mangels ruhiger Flüsse und Seen in Spitzbergen nicht verwendbar. Mit robusten Seekajaks hingegen kann man einiges anfangen, von Tagestouren bis hin zu längeren, expeditionsartigen Fahrten. Eigene Organisation ist mit großem Aufwand verbunden, immerhin kann man vor Ort Kajaks und übrige Ausrüstung mieten. Kajaktouren kann man bei Spezialisten buchen. Diese Art zu reisen ist reizvoll und bietet andere Perspektiven als z.B. eine Wanderreise, ist aber auch anstrengend und mit speziellen Risiken verbunden. Schwierig sind z.B. das Wetter sowie die Küstenlinie, die oft über etliche Kilometer hinweg Anlandungen unmöglich macht (Steilküsten, Gletscher).
  • Kreuzfahrten. Kreuzfahrtenschiffe haben in Spitzbergen seit etwa 1892 fast kontinuierlich Tradition. Kreuzfahrtschiffe besuchen Spitzbergen oft in Kombination mit Island oder Norwegen. In Spitzbergen stehen klassischerweise der Magdalenefjord und ein oder zwei Siedlungsbesuche auf dem Programm der größeren Kreuzfahrer. Im Vergleich zu manch anderer Reise mögen die Natureindrücke von einem Kreuzfahrtschiff aus vergleichsweise oberflächlich und wenig aktiv sein, aber dafür gibt es so die Möglichkeit, einige Eindrücke zu sammeln, etwa auch für Menschen, die zu anderen Reisearten nicht in der Lage sind oder auch einfach keine Lust dazu verspüren. Die Zukunft der größeren Schiffe in Spitzbergen ist wegen eines fast flächendeckend ab 2014 geltenden Schwerölverbotes jedoch unsicher.
  • Hundeschlitten. Traditionelles arktisches Reisen, wie es schöner kaum sein kann. Es gibt wenig schöneres als mehrtägige Hundeschlittenfahrten von Hütte zu Hütte oder mitunter auch mit Zelt. In Spitzbergen stellt der trotz zunehmender Regulierung immer noch starke Motorschlittenverkehr ein lästiges Hindernis für »stille Reisende« (Skiwanderer, Hundeschlitten) dar, es gibt aber motorschlittenfreie Gebiete. Mehrstündige Tagestouren sind zur entsprechenden Zeit (v.a. März-Anfang Mai) beliebt und risikofrei, nach ein paar schönen Stunden sind Sie wieder im warmen Hotel. Spezialisierte Veranstalter arrangieren auch längere Fahrten über mehrere Tage für Abenteuerlustige. Zusätzlich sind Hundeschlittenfahrten auch eine umweltfreundliche Reiseart (keine CO2– und Geräuschemissionen) und schaffen lokal Arbeitsplätze, was v.a. in Grönland etc. wichtig ist. Also: Genuss ohne Reue.

Hundeschlitten in Ostgrönland

Hundeschlitten in Ostgrönland

  • Skitouren. Ähnlich wie Hundeschlittentouren. Skitouren sind natürlich deutlich leichter individuell zu organisieren, da Hundeschlittenfahrten entsprechende Erfahrung und eben Hunde und Schlitten etc. erfordern. Skitouren sind allerdings deutlich anstrengender. Skitouren, von kurzen Touren über ein paar Stunden bis hin zu längeren Touren mit Expeditionscharakter, sind für Leute, die eine entsprechende Fitness mitbringen und bei längeren Unternehmungen gewillt sind, im Winter im Zelt zu leben, ein unvergessliches Erlebnis. Veranstalter in Longyearbyen bieten mittlerweile auch sehr anspruchsvolle, expeditionsartige Skitouren von mehrwöchiger Dauer an, etwa „Spitsbergen på langs“, also von der Südspitze zum Verlegenhuken.

Skiwanderung in der Arktis: Großes Vergnügen für Sportliche

Skiwanderung

  • Motorschlitten. Motorschlittentourismus spielt in Spitzbergen von Februar bis Mai eine große Rolle. Das Naturerlebnis mischt sich allerdings mit einem ordentlichen Schuss Motorsport; wer die Stille und das langsame Erlebnis der zeitlosen Arktis sucht, wird das vermutlich nicht so sehr mögen. Andererseits bieten Motorschlittenfahrten die Möglichkeit, auch relativ abgelegene, sonst unerreichbare Regionen recht einfach zu besuchen, etwa die Ostküste Spitzbergens, und können unvergessliche Eindrücke bieten.

Motorschlittenfahrt: vom schönen Naturerlebnis bis zum sinnlosen Motorsport ist alles möglich.

Motorschlittenfahrt

  • Hubschrauber. Die touristische Nutzung der Hubschrauber ist in Spitzbergen grundsätzlich nicht mehr erlaubt.

Unfug ist folgendes:

  • Fahrrad. Ist Quatsch, da außerhalb der Siedlungen keine Fahrrad-fähigen Wege existieren und das Fahren abseits von Wegen aus Gründen des Umweltschutzes nicht in Frage kommt. Innerhalb der Siedlungen ist es allerdings eine gute Sache, ein Fahrrad zu haben, und von Longyearbyen aus führen die Straßen immerhin jeweils etliche Kilometer ins Adventdalen und zum Bjørndalen.
  • Wohnmobil. Damit kommt man erstens gar nicht nach Spitzbergen, zweitens kann man mangels Straßen vor Ort nichts machen.
  • Busreisen. Sind mangels Straßen zwischen den Siedlungen problematisch … Sightseeing-Touren innerhalb von Longyearbyen (und eingeschränkt auch Barentsburg) sind möglich und werden z.B. für Passagiere von Kreuzfahrtschiffen gemacht.

Sämtliche Hinweise dieser Seite habe ich aufgrund meiner vieljährigen Arktis-Erfahrungen nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Diese Zusammenstellung erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit. Ich lehne jegliche Haftung ab für Schäden, die durch (unsachgemäßen) Gebrauch der auf meinen Internetseiten zu findenden Hinweise entstehen und weise darauf hin, dass Sie sich vor jeder Reise umfassend bei Ihrem Veranstalter/Reisebüro bzw. bei Individualtouren bei zuständigen Stellen über Anforderungen, Ausrüstung, Risiken etc. informieren müssen.

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Letzte Änderung: 04. Dezember 2014 · Copyright: Rolf Stange
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