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Monats-Archiv: Dezember 2013 − News & Stories


Spitzbergen.de 2013, 2014: Blicke zurück und nach vorn

2013, 2014: Der Spitzbergen.de-Jahresrückblick

Aufmerksame Beobachter haben es längst gemerkt: Das Jahr 2013 neigt sich dem Ende entgegen. Auch bei mir, bei uns, bei Spitzbergen.de hat sich einiges getan und 2014 wird sich einiges tun. Was? Das steht in den folgenden vier Einträgen der Spitzbergen.de-Nachrichten. So aufgeteilt, ist es sicher etwas übersichtlicher.

Eines von vielen unvergesslichen Spitzbergen-Erlebnissen 2013: die Eisbärenfamilie im Tempelfjord, Anfang Mai.

Eisbärenfamilie im Tempelfjord

Danke und frohes neues Jahr!

Es ist nach wie vor Rolf Stange, der hinter dieser Webseite steht, die Bücher schreibt, bei allen hier vorgestellten Polar-Reisen leitend dabei ist und die Fotos macht. Aber das alles ginge nicht ohne all die polar-begeisterten, fleißigen Leute, die mit dabei sind. Alle kann ich nicht nennen und es wollen auch gar nicht alle ihren Namen im Internet lesen, aber einigen möchte ich explizit Danke sagen: Die Mannschaften der Antigua und der Ópal für unschlagbare Arbeit unter Segeln in Spitzbergen und Grönland! Die Spitzbergen.de-Versand-Fee MaLou, ohne die kein Spitzbergen-Reiseführer oder Kalender oder sonstwas jemals in die Post ginge! Einschließlich Hilfsgeister … mein Mann für die Internet-Technik – was wäre ich im dritten Jahrtausend ohne das Internet und ohne jemanden, der die Technik wirklich versteht? (wie hat eigentlich Roald Amundsen seine Reisen ohne das Internet organisiert?)

Schon der Nachwuchs begeistert sich in tragender Position für die Tätigkeit im Spitzbergen.de-Verlag.

Spitzbergen.de-Verlag

Und last but ganz bestimmt nicht least: alle, die dabei waren, im hohen Norden oder im tiefen Süden, gutgelaunt bei Sonne, Wind und Wetter. Danke fürs Mitmachen, ohne euch würden wir in den Eismeeren in Arktis oder Antarktis keine Meile fahren, und ohne euch würde es nur halb so viel Spaß machen. Auf ein Neues – ihnen und Ihnen alles Gute für 2014, wo auch immer zwischen Pol und Äquator! 🙂

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Die Mannschaft der Antigua räumt zu nächtlicher Stunde ein großes, angetriebenes Fischernetz von einem Strand im Woodfjord. Ohne Begeisterung und Umwelt-Engagement würde so etwas nach einem langen Arbeitstag nicht passieren. Klasse! Links Michelle van Dijk, langjährige Spitzbergen-Fahrerin aus dem Land des Entdeckers und Namensgebers von Spitzbergen. Rechts Joachim, vielen als Kapitän der Antigua wohlbekannt. Danke!

Heimir aus Island, Kapitän der Ópal, und seine Mannschaft machten die Ostgrönland-Fahrten im September 2013 zu einem unvergesslichen Erlebnis. Danke! Ich freue mich auf 2015!

Heimir auf Ópal, Scoresbysund 2013

2013, 2014: Der Spitzbergen.de-Jahresrückblick – der Verlag: Bücher und Gedrucktes

Der Spitzbergen.de-Verlag hat 2013 die vierte überarbeitete Auflage des Reiseführers Spitzbergen-Svalbard auf den Weg gebracht. Seit Erscheinen der ersten Auflage 2007 ist mehr oder weniger im jährlichen Wechsel jeweils eine neue Auflage der deutschen und der englischen Version erschienen. Das ist also ein Dauerprojekt, das ständig eine ganze Menge Zeit bindet.

2013 erschien die vierte überarbeitete Auflage des Reiseführers Spitzbergen-Svalbard.

Die Kamera im Fass

Im Herbst ist unser Spitzbergen-Kalender für 2014 herausgekommen. Es wird nicht der letzte sein. Aber vielleicht gibt es ja für 2015 dann mal einen Antarktis-Kalender? Mal sehen. Was meint Ihr?

Der Spitzbergen-Kalender für 2014.

Spitzbergen-Kalender 2014

Auch an neuen Buchprojekten habe ich hier und da gearbeitet. Aber wenn man sich überlegt, wie viel Zeit all diese Reise-, Foto-, Internet- und Buchprojekte fordern, mitsamt der gesamten Administration dahinter bis hin zu langweiligen, aber notwendigen Dingen wie Buchhaltung etc., wundert man sich sicher nicht, dass ich nicht mehr Zeit für die Arbeit an neuen Büchern habe. Keine Ahnung, wie es etwa Spitzenpolitiker schaffen, im Wahlkampf nebenbei noch Bücher herauszubringen, aber ich schreibe meine Bücher immer noch selbst und dazu sind ja auch umfangreiche Recherche- und sonstige Vorarbeiten zu leisten. Auch wenn es also 2013 keine neuen Bücher gegeben hat und kurzfristig auch kein neues Buch herauskommen wird: Es sind mehrere schöne Projekte in Arbeit, darunter nach wie vor die schon lange angekündigten „Deutschen Spitzbergenfahrer“. Andere Projekte sind schon weiter fortgeschritten. Der Gedanke eines Antarktis-Fotobuches/Reisebegleiters reift im Hinterkopf heran, wie auch die Idee einer neuen Spitzbergen-DVD. Aber bis dahin dauert es noch ein wenig. Und alles will ich an dieser Stelle auch nicht verraten. Wäre ja auch langweilig.

Dieses berühmte Foto von Herbert Ponting zeigt Robert F. Scott in der Hütte am Kap Evans im Rossmeer beim fleißigen Schreiben, kurz vor der Reise zum Südpol, die Scotts letzte werden sollte. Zumindest in Bezug auf das Schreiben hoffe ich, es Scott möglichst umfangreich gleich zu tun.

Robert F. Scott, Cape Evans

2013, 2014: Der Spitzbergen.de-Jahresrückblick – Fotografisches und das Internet

Auch fotografisch war das Jahr 2013 entsprechend ergiebig. Von allen Fahrten habe ich eine Vielzahl guter Bilder mitgebracht. Manches davon ist auf den Seiten mit den Reiseberichten schon zu sehen, vieles wird künftig in Büchern und Kalendern folgen.

Fototechnisch neu sind die Panoramabilder. Die Polar-Panorama-Sammlung ist bereits jetzt die weltweit größte ihrer Art im Internet und beinhaltet viele Panoramen, auch von Orten, die vorher noch nicht auf diese Art fotografiert worden sind. Die Ausweitung der Sammlung wird über die nächsten Jahre Schwerpunkt sein und ständig wird es neues Material zu sehen geben, auch die Ausbeute von 2013 ist längst noch nicht vollständig verwertet, da damit eine ganze Menge Arbeit verbunden ist, und das nimmt Zeit in Anspruch.

Ganz egal wo in Arktis oder Antarktis: die Kamera ist dabei. Hier in einem alten Fass.

Die Kamera im Fass

Die Ergebnisse sind natürlich auf Spitzbergen.de zu sehen. Dort hat sich auch sonst einiges getan. Die größte Neuerung ist natürlich die Panorama-Sammlung. Darüber hinaus hat es nicht weniger als 83 Einträge 2013 in den Spitzbergen.de-Nachrichten gegeben. Mittelfristig sollen übrigens interessante Neuigkeiten nicht nur Spitzbergen, sondern auch aus anderen Teilen der Arktis sowie der Antarktis dort zu lesen sein. Übrigens war Spitzbergen.de die erste Seite mit Polar-Nachrichten im deutschsprachigen Internet.

Dazu werden Teile der Webseite immer wieder im Hintergrund aktualisiert, was beim gelegentlichen Lesen wohl nicht auffällt. Aber sowohl Inhalte als auch die Technik werden laufend verbessert. Unter anderem bekommen die landeskundlichen Seiten zu den einzelnen Inselteilen nach und nach jeweils Fotogalerien, um die Regionen Spitzbergens im Bild zu dokumentieren. Regionale Galerien haben etwa schon die Bäreninsel (Bjørnøya), die Edgeøya und die Barentsøya, andere Seiten werden folgen.

Seit Anfang 2013 läuft der englischsprachige Teil der Webseite unter einer eigenen Domain: spitsbergen-svalbard.com. Sämtliche Inhalte und Verbesserungen gibt es in beiden Teilen der Seite, deutsch und englisch.

Zudem gibt es seit Sommer 2013 endlich eine Spitzbergen.de-Facebookseite, wo inbesondere (aber nicht nur) während der Reisen immer wieder kleine Einträge gemacht werden – frische Erlebnisse und Fotos direkt aus dem polaren Geschehen, die man auch lesen kann, ohne sich bei Facebook anzumelden.

2013, 2014: Der Spitzbergen.de-Jahresrückblick – Polar-Reisen

Des Pudels Kern meines Polar-Lebens ist nach wie vor das eigene Erleben dieser schönen Regionen, und diesbezüglich war 2013 definitiv ein sehr erfolgreiches Jahr. Unter den Reise-Erlebnissen waren:

Die Antarktis-Halbumrundung mit Besuch des Rossmeeres, ohne Frage ein Höhepunkt für jeden begeisterten Polarfahrer. Ich hoffe, dass es Anfang 2015 wieder Fahrten ins Rossmeer gibt und dann werde ich sehr gerne wieder dabei sein.

Eines von vielen unvergesslichen Polar-Erlebnissen 2013: Kaiserpinguine im Rossmeer, Anfang Februar.

Eisbärenfamilie im Tempelfjord

Ein mehrmonatiger Aufenthalt in Spitzbergen im Frühjahr, mit vielen erlebnisreichen, schönen Touren in Schnee und Eis mit reicher Foto-Ausbeute.

Unterwegs zur Ostküste Spitzbergens, Mitte April.

Eisbärenfamilie im Tempelfjord

Die sommerlichen Schiffsreisen, zunächst in Norwegen und zur Bäreninsel, dann mehrfach unter Segeln um Spitzbergen. Sehr, sehr schöne Fahrten, die noch lange einen Schwerpunkt meiner künftigen Reisen bilden sollen.

Dieser neugierige Eisbär schwamm Mitte Juli mehrmals in unmittelbarer Nähe um die Antigua. Unvergesslich für alle, die dabei waren!

Eisbär bei der Antigua

Die beiden Ostgrönland-Fahrten mit der Ópal im Scoresbysund waren äußerst eindrückliche, wunderbare Erlebnisse (2015 soll es damit weitergehen).

Mit der Ópal im Scoresbysund, Ostgrönland. Auch hier: Unvergesslich für alle, die dabei waren!

Ópal im Scoresbysund, Ostgrönland

Im November habe ich mit den Süd Sandwich Inseln spannendes, für mich neues antarktisches Land betreten, eingebettet in eine Fahrt zu den umwerfend schönen Tier- und Landschaftsparadiesen Falkland Inseln, Südgeorgien und Antarktische Halbinsel.

Saunders Island, Süd Sandwich Inseln. Und noch einmal: Unvergesslich für alle, die dabei waren!

Saunders Island, Süd Sandwich Inseln

Die Polar-Reisen werden 2014 praktisch nahtlos weitergehen: Spitzbergen-Aufenthalte in Polarnacht und zur Wintertouren-Saison im Frühjahr, Bäreninsel, Jan Mayen, Segelschiffreisen mit der Antigua in Spitzbergen im Sommer und im September. Das Interesse an all diesen Reisen ist nach wie vor erfreulich groß, so dass alle Fahrten schon seit einer Weile ausgebucht sind. Wer 2014 noch mit will, hat im September 2014 aber noch die Möglichkeit! Wer schon mit auf der Antigua um Spitzbergen gefahren ist und neue, ausgefallene Arktis-Erlebnisse sucht, kann sich über Spitzbergen für Fortgeschrittene, Jan Mayen oder Ostgrönland Gedanken machen. Alle diese Fahrten wollen wir über 2013 bzw. 2014 hinaus fortführen.

Auch 2014 heißt es wieder: Kurs auf die Arktis!

Kurs auf die Arktis!

Geothermische Energie in Spitzbergen?

Welche Energiequellen künftige Generationen verwenden werden, um sich mit Wärme und Strom zu versorgen, ist in Longyearbyen mindestens so offen wie sonst wo in der Welt. Klar ist nur, dass sich etwas tun muss, schon da das dortige Kohlekraftwerk mittlerweile deutlich in die Jahre gekommen ist. Dass der pro-Kopf-Ausstoß an CO2 in Longyearbyen deutlich höher ist als in den meisten anderen Ländern weltweit, regt vor Ort die meisten nicht allzu sehr auf: allein das Kraftwerk produziert etwa 65000 Tonnen CO2 pro Jahr – für gut 2000 Einwohner. Der Plan, lokales CO2 langfristig im Untergrund zu lagern, ist eher wissenschaftlich und politisch motiviert, als im lokalen Streben nach Klimaschutz verankert.

Nun hat aber ausgerechnet die Store Norske, die in Spitzbergen Kohlebergbau betreibt, darauf hingewiesen, dass Geothermie (Erdwärme) in Spitzbergen eine nutzbare Energiequelle sein könnte. Zwar ist die Insel Permafrostgebiet, aber in größeren Tiefen unterhalb der Permafrostzone steigen die Temperaturen schneller als auf dem norwegischen Festland. Der Grund liegt wohl in der geringeren Distanz zum mittelatlantischen Rücken, der zwischen Norwegen bzw. Spitzbergen und Grönland verläuft.

Warme Quellen sind vom Bockfjord-Gebiet bekannt, wenn diese im Vergleich zu ihren größeren Verwandten in Island auch nicht allzu beeindruckend sind. Darüber hinaus ist das Gebiet für eine eventuelle Nutzung viel zu weit entfernt von Longyearbyen und als Nationalpark geschützt. Aber immerhin hält Malte Jochmann, Geologe bei Store Norske, es für möglich, dass tiefgehende Bohrungen bei Longyearbyen auf ausreichende Wärmereservoire stoßen könnten, um Longyearbyen mit Wärme, eventuell auch mit Strom zu versorgen. Besonders für den Fall, dass in größerer Tiefe Karbonatschichten mit Karsthöhlen angetroffen werden, wäre das Potenzial für eine Nutzung der Geothermie da, wenn auch bei weitem nicht auf einem mit Island vergleichbaren Niveau. Aber es ginge ja auch nicht um die Errichtung von Aluminiumschmelzen, sondern um Wärme und Strom für eine Siedlung mit gut 2000 Einwohnern.

Das Vorhandensein geeigneter Gesteine und Wärmereservoire in der Gegend um Longyearbyen müsste aber zunächst noch nachgewiesen werden. Bis zu einer eventuellen Nutzung ist es wissenschaftlich, wirtschaftlich und politisch noch ein weiter Weg.

Warme Quellen im Bockfjord: Trollkjeldane („Trollquellen“). Das ist das 8 km entfernt von der Küste liegende Gebiet mit größeren Quellen als die ufernahen Jotunkjeldane.

Geothermalgebiet: Trolljeldane im Bockfjord an der Nordküste von Spitzbergen

Quelle: Teknisk Ukeblad

Arktis-Treibeis: 2013 mehr als 2012, aber langfristiger Abwärtstrend ungebrochen

Seit 34 Jahren wird die Ausbreitung des Treibeises in der Arktis mit Satelliten überwacht, aber erst der seit 3 Jahren aktive ESA-Satellit Cryosat ist in der Lage, nicht nur die Fläche, sondern auch das Volumen des Eises zu messen. Dies war früher nur mit aufwändigen Stichproben vor Ort möglich.

2012 bleibt für das Eis in der Arktis zunächst das Negativ-Rekordjahr, bezogen sowohl auf die Fläche als auch auf das Volumen von nur 6000 Kubikkilometer (km3) im Oktober. Zur gleichen Zeit waren es 2013 immerhin 9000 km3 Eis, also 50 % mehr. Der größte Teil des Zuwachses geht auf das Konto des mehrjährigen Eises, dessen Dicke im Winter um 20 % (entspricht 30 cm) zugenommen hat. Bis 2012 war der Anteil des mehrjährigen Eises auf ein Minimum geschrumpft, so dass die Zunahme dieses Eises immerhin eine gute Nachricht ist.

Die Interpretation dieser Daten geht aber dahin, dass 2012 ein extremes Negativjahr war, da viel Eis vom Wind aus dem arktischen Ozean in den Nordatlantik getrieben wurde, wo es schnell schmolz. Hinweise auf eine Umkehr des längerfristigen Trends des Eisschwundes lassen sich daraus nicht ableiten, so dass innerhalb weniger Jahrzehnte mit einer im Sommer eisfreien Arktis gerechnet werden muss. Es gibt auch Prognosen, die eine im Sommer eisfreie Arktis bereits in wenigen Jahren vorhersagen.

Für die frühen 1980er Jahren wird das Meereisvolumen der Arktis auf etwa 20.000 km3 geschätzt, also mehr als das doppelte des Wertes von 2013.

Treibeis in der Arktis: mehr als 2012, aber deutlich weniger als vor 30 Jahren.

Eis Arktis

Quelle: ESA

Tödlicher Zodiacunfall in der Fjortende Julibukta ohne juristische Konsequenzen

Am 17. Juni kenterte in der Fjortende Julibukta im Krossfjord ein Zodiac. Das Boot war eines von neun, die zu dem kleinen Kreuzfahrtschiff Sea Spirit gehörten. Beim Kentern nahe am Ufer fielen alle 13 Insassen ins Wasser. Alle gelangten ans Ufer, eine Frau verlor jedoch das Bewusstsein und starb vor dem Eintreffen des Rettungshubschraubers. (Siehe auch Spitzbergen.de-Nachrichten vom Juni 2013).

Betreiber der Sea Spirit ist die amerikanische Gesellschaft Quark Expeditions.

Ein auf youtube veröffentlichtes Video zeigt Scenen, die kurz nach dem Kentern aufgenommen wurden. Darin erscheint das Wetter ruhig. Dies stützt die Vermutung, dass die Welle auf eine Kalbung des Gletschers in der Bucht zurückgeht. Dass die beim Kalben immer entstehende, sich ufernah und auf flachem Wasser gefährlich brechende Welle tatsächlich „unvorhersehbar“ ist, ist bestenfalls zweifelhaft; tatsächlich wird vor genau diesen Wellen immer wieder gewarnt. Daraus ohne weitere Detailkenntnis des Vorfalls jedoch einen Mangel an Erfahrung oder gar eine Verantwortung des Fahrers abzuleiten, wäre jedoch spekulativ.

Nach Untersuchung des Vorfalls im Krossfjord durch den Staatsanwalt in Tromsø auf strafrechtlich relevantes Verhalten von Reederei, Kapitän, Reiseveranstalter und Fahrer des Bootes wurde die Akte jetzt vom Sysselmannen geschlossen: potenziell strafwürdiges Verhalten wurde nicht festgestellt. Ob die Angehörigen der verunglückten Frau, die zwischen 60 und 70 Jahren alt war und aus den USA stammte, ihrerseits weitere juristische Schritte einleiten, ist unbekannt.

Die Sea Spirit im Hornsund, wenige Wochen nach dem Unfall in der Fjortende Julibukta.

Sea Spirit, Hornsund

Quelle: Svalbardposten (49/2013)

Rentiere sehen auch im UV-Bereich

Neues aus der Welt der Rentiere, die derzeit während der Polarnacht harte Zeiten erleben. Die härtesten Zeiten kommen allesdings, genau so wie für die früher überwinternden Jäger, im Frühjahr, wenn das Licht zurückommt. Dann sind die Fettreserven nämlich bereits weitgehend aufgebraucht, Schnee und Eis blockieren aber noch eine ganze Weile den Zugang zur Nahrung.

Um unter diesen extremen Bedingungen zu überleben, können Rentiere mehr sehen als Menschen. Wir Menschen können Licht sehen, dessen Wellenlänge sich zwischen 400 und 700 nm (Nanometer) bewegt: das Spektrum der Regenbogenfarben. Was außerhalb liegt, wie Ultraviolettstrahlung (UV) mit Wellenlängern kleiner als 400 nm oder im Infrarotbereich überhalb von 700 nm, können wir mit den Augen nicht mehr wahrnehmen. Allerdings kann die schädliche Wirkung der UV-Strahlung auf der Hornhaut zu Schneeblindheit führen.

Rentiere können hingegen Licht unterhalb von 400 nm wahrnehmen. Ihre Sehfähigkeit geht bis zu 320 nm und damit weit über unsere hinaus. Unbekannt ist, wie genau sie in diesem Bereich sehen, ob sie etwa Farben wahrnehmen oder nur Helligkeitsstufen (schwarzweiß).

Diese Fähigkeit hilft den Rentieren möglicherweise bei der Suche nach Nahrung: Wichtige Futterpflanzen absorbieren Teile des UV-Spektrums durch die Fotosynthese. Somit sind sie im Rahmen des UV-Spektrums möglicherweise kontrastreicher zu sehen. Auch im berühmt-berüchtigten Whiteout können sie sich möglicherweise besser orientieren, und möglicherweise auch Angreifer wie Wölfe schneller wahrnehmen – unwichtig in Spitzbergen, wo es keine Wölfe gibt, aber die Sehfähigkeit der Rentiere hat sich in der Evolution in viel größeren Regionen der Arktis und Subarktis entwickelt.

In der Tierwelt sind Rentiere damit keine Ausnahme. Sehfähigkeit im UV-Bereich ist bereits bei Vögeln, Fledermäusen, Nagetieren und Insekten nachgewiesen worden. Möglicherweise ist die beschränkte Sehfähigkeit der Menschen die Ausnahme und nicht die erweiterte Wahrnehmung mancher Tiere.

In einem weiteren Artikel berichtet forskning.no über die Evolution der Rentiere: Die Vielfältigkeit des Genpools hat stark mit den Klimaänderungen des Eiszeitalters zu tun. Trennung von Lebensräumen durch die Bildung großer Inlandeise in Nordamerika hat zu unterschiedlichen genetischen Varianten und Anpassungen in verschiedenen Teilen der Arktis geführt. Das auf riesigen Flächen verbreitete Tundra-Rentier hat dabei eine große Anzahl genetischer Varianten entwickelt, während die genetische Vielfalt beim Wald-Rentier vergleichsweise eingeschränkt ist, da der Lebensraum des Wald-Rentiers während der Eiszeiten deutlich eingeschränkt war. Möglicherweise ist das Tundra-Rentier dadurch vergleichsweise gut in der Lage, auf sich ändernde Lebensbedingungen durch Anpassung zu reagieren. Während der Eiszeit haben Rentiere jedenfalls außerordentliche Anpassungsfähigkeit bewiesen. Immerhin gehören sie zu den wenigen Vertretern der eiszeitlichen „Megafauna“, während andere Arten wie Mammut, Säbelzahntiger und Riesenhirsch ausgestorben sind.

Überlebenskünstler im extremen Klima: Rentiere in Spitzbergen.

Rentiere, Spitzbergen

Quelle: Forkning.no (UV-Sehfähigkeit, genetische Vielfalt)

17 Firmen suchen nach Öl in der östlichen Barentssee

Nachdem 2010 mit einem Grenzabkommen zwischen Norwegen und Russland mit relativ wenig Getöse der Grenzverlauf innerhalb strittiger Gebiete in der Barentssee festgelegt wurde, hat Norwegen nun erstmalig seit längerem wieder ein größeres, neues Seegebiet für die Ölsucher freigegeben. Nun haben gleich 17 Firmen, darunter die meisten einschlägigen großen, internationalen Ölfirmen, angekündigt, in besagtem Gebiet in der östlichen Barentssee, nahe zur Seegrenze nach Russland, explorieren zu wollen. Darunter sind BP, Chevron, ConocoPhillips , Eni, Royal Dutch Shell, Lukoil, Idemitsu, Repsol, Det norske, Wintershall, Suncor, VNG, PGNiG , Spike, Statoil, GDF Suez und Lundin Petroleum.

Der U.S. Geological Survey schätzt das Potenzial auf möglicherweise 90 Millionen Barrel. Die Exploration soll im April 2014 beginnen. Das norwegische Ölministerium hat in dem Gebiet, das etwa so groß ist wie die Schweiz, bereits erste Untersuchungen gemacht.

Es ist nicht davon auszugehen, dass Norwegen aus Erwägungen des Umweltschutzes auf Aktivitäten zur Exploration, die auch seismische Sprengungen umfassen, oder auf die Förderung vorhandener Reserven verzichten wird. (Randbemerkung: dann sperrt man lieber noch ein paar Gebiete für Touristen und kann dann auch behaupten, man habe etwas für die Umwelt getan).

Treibeis in der Barentssee.

Treibeis, Barentssee

Quelle: Financial Post

Norwegens hässlichster Weihnachtsbaum steht in Longyearbyen

Der Weihnachtsbaum, der kürzlich im Zentrum von Longyearbyen aufgestellt wurde, wurde in mehreren größeren Medien des Landes (Nordlys, TV2) zum hässlichsten Weihnachtsbaum des Landes gekürt. Die Lokalzeitung Svalbardposten hat dem Besen gar eine ganze Doppelseite gewidmet und Passanten befragt, darunter sowohl Touristen als auch Einwohner. Die Bilanz für das Bäumchen ist bestenfalls durchwachsen, Bezeichnungen wie „etwas lustig“, „etwas dünn“, „aerodynamisch“ und „dünner Ast“ sprechen eine klare Sprache.

Der Weihnachtsbaum für Longyearbyens Zentrum wird traditionell von der Gemeinde in Tromsø gespendet, die ihre Gabe dieses Jahr per Luftfracht nach Spitzbergen geschickt hat. Dafür habe nach Medienberichten von der Fluggesellschaft die Forderung nach einem nicht zu voluminösen Baum vorgelegen. Nachdem Bilder vom Baum in den Medien kursierten, wurde in Tromsø umgehend dafür gesorgt, dass ein neuer Weihnachtsbaum geschickt wird – dieses Mal mit dem Frachtschiff, so dass der neue Baum großzügiger dimensioniert werden kann und die Kritiker in und außerhalb Longyearbyens zufrieden stellen sollte. Na dann – frohe Weihnachten!

Der „hässlichste Weihnachtsbaum Norwegens“ (Foto: Christian Nicolai Bjørke / Svalbardposten).

Der

Drei Grubenunglücke in einem Jahr in Barentsburg: Bußgeld

Nach drei schweren Grubenunglücken in Barentsburg innerhalb nur eines Jahres hat der Sysselmann die russische Bergbaugesellschaft Trust Arktikugol nun mit einem Bußgeld von 1,3 Millionen norwegischen Kronen (ca. 154.000 Euro) belegt. Grundlage ist das norwegische Arbeitsschutzgesetz (arbeidsmiljøloven).

Von den drei Unglücken hatten zwei Todesfälle zur Folge: Am 4. April starb ein ukrainischer Bergarbeiter in einer Grube 500 Meter unter dem Meeresspiegel, nachdem er von einem herabstürzenden Stein getroffen worden war. Am 20. Juni wurde ein 27 Jahre alter Ukrainer von einem Steinschlag in einem Ventilationsschacht in 300 Metern Tiefe tödlich getroffen. Am 10. September wurde ein ebenfalls ukrainischer Arbeiter schwer verletzt, als ihm im produktiven Bereich der Grube die Beine eingeklemmt wurden, eines der Beine musste später amputiert werden.

Gefährliches Terrain: Grubeneingang bei Barentsburg.

Grubeneingang bei Barentsburg width=

Quelle: Sysselmannen

Eisbären in der Polarnacht

Mehrfach wurde in den vergangenen Wochen von Eisbärensichtungen in der Nähe von Longyearbyen berichtet. Nicht alle Beobachtungen sind bestätigt, mehrfach gibt es aber zweifelsfreie Fälle, etwa Entdeckungen von frischen Spuren wie die, die am Dienstag im Adventdalen in direkter Ortsnähe gesichtet wurden. Der Sysselmannen mahnt alle, die sich im Gelände bewegen, zu entsprechender Vorsicht, also Aufmerksamkeit und Mitführen von „Abschreckmitteln“ und geeigneter Waffe.

Ansonsten ist es in und um Spitzbergen derzeit ziemlich ruhig.

Eisbärenspuren: schon im Licht beeindruckend. Und im Dunkeln erstmal!

Eisbärenspuren, Spitzbergen

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News-Auflistung generiert am 25. April 2017 um 04:42:00 Uhr (GMT+1)
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