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Monats-Archiv: Juni 2015 − News & Stories

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Eismöwen: Der Bestand in Svalbard ist gefährdet

Forscher des Norwegischen Polarinstituts berichten über einen signifikanten Rückgang der Eismöwenpopulation auf Bjørnøya, dem wichtigsten Brutgebiet für Eismöwen in Svalbard und in der Barentssee. Die Forscher haben hier in den letzten Jahrzehnten einen stetigen Rückgang der Population beobachtet, ein erweitertes Monitoring soll nun klären, ob diese Entwicklung für ganz Svalbard zutrifft.

Neben Faktoren wie Nahrungsmangel und Klimaänderungen wird zunehmend die Belastung der Tiere mit langlebigen Umweltgiften (Schwermetalle, PCBs, Fluorverbindungen, etc.) als Ursache für den Rückgang gesehen. Die Vögel nehmen Umweltgifte mit der Nahrung auf und reichern diese mit der Zeit unter anderem im Gehirn und in der Leber an, wo sie die Gesundheit der Tiere beeinträchtigen. Auf Bjørnøya wurden immer wieder tote und sterbende Vögel gefunden, die eine starke Belastung aufwiesen. Frühere Studien hatten ergeben, dass schwach belastete Tiere eine recht hohe Überlebenschance von 91,5% haben, von den stark belasteten Tieren überstehen die Saison jedoch nur 40-50% (siehe auch Spitzbergen.de-Nachricht: Eismöwe von Umweltgiften bedroht vom März 2012). Da Eismöwen als Raubvögel am Ende der Nehrungskette stehen, sind sie im Übrigen ein guter Indikator für den Gesamtzustand des Ökosystems, in dem sie leben.

In der norwegischen roten Liste für bedrohte Tierarten wird der Eismöwenbestand auf Svalbard bislang als „gefährdet“ („nær truet“) eingestuft. Sollte sich die beunruhigende Entwicklung auf Bjørnøya für ganz Svalbard bestätigen, würde der Status wohl auf „bedroht“ („truet“) angehoben werden müssen. Beobachtungen in Island und Kanada dokumentieren ebenfalls einen starken Rückgang der Population, während die Population in Grönland, Alaska und Russland einigermaßen stabil zu sein scheint. Dort, und besonders für Russland, ist die Datenbasis allerdings unzureichend.

Eismöwe in Spitzbergen, der Bestand ist gefährdet.

Eismoewe

Source: Norsk Polarinstitutt

Überfahrt nach Island – 25.-27. Juni 2015

(25.-27. Juni 2015) – Drei Tage, die zeigen: so geht es auch. Natürlich sind drei Tage auf See für nicht-Segler, die einfach nur von A nach B kommen wollen, immer eine lange Zeit. Die Segler hingegen haben eine ganze Menge Genussmeilen, und zwar live und in Farbe, nicht auf irgendeiner Kundenkarte. Zunächst tuckert der Motor für ein gutes Stück der Strecke, da der Wind anfänglich ausbleibt und uns dann mal wieder entgegenweht, allerdings in moderater Stärke. Dann dreht er auf Ost, die Segel gehen hoch und die Maschine schweigt für einen guten Teil der verbleibenden Strecke. Munter machen wir bis zu 10 Knoten, und das am letzten Tag sogar unter strahlender Sonne, während sich mehrfach Delfine am Boot zeigen.

Und schneller als auf der Hinfahrt sind wir auch. Samstag Mittag legen wir in Ísafjörður an. Eine intensive, erfolgreiche, schöne Fahrt geht zu Ende. Danke an alle, die dabei waren, und gute Heim- oder Weiterreise!

Galerie – Überfahrt nach Island – 25.-27. Juni 2015

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Die nächsten 2 Tage bestehen im üblichen Schlauch aus Sachen packen, Flügen, Flughäfen … eine langweilige Notwendigkeit, wie immer, aber: dafür geht es am Dienstag in Longyearbyen auf die Antigua ☺

Abschied von Jan Mayen – 24.06.2015

Abbauen und Zusammenpacken sind nie großartige Ereignisse, aber immerhin ging es reibungslos, wozu nicht zuletzt Wind und Seegang durch beiderseitige Abwesenheit beitrugen. So blieb noch Zeit, zu guter Letzt einmal die Insel zu umrunden, an den Gletschern im Norden vorbei, und auf der Ostseite gab es zum Abschluss sogar noch einmal kurz Blicke auf den Gipfel des Beerenberg.

Galerie – Abschied von Jan Mayen – 24.06.2015

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Jan Mayen Triathlon – 23.06.2015 – St. Hans

Heute nehmen wir die Chance wahr, den Jan Mayen Triathlon zu vollenden. Dazu gehören das Besteigen des Beerenberg, das berühmte Nacktbaden und der Kvalrosslauf.

Den Beerenberg hatten wir ja schon, sonst wäre es für heute auch etwas knapp geworden. So begann das fröhliche Ereignis mit dem Nacktbaden in der Kvalrossbukta. Die Regeln sind einfach: unbekleidet einmal komplett unter Wasser, und zwar unter offizieller Aufsicht des Stationschefs, der sicherheitshalber gleich einen Rettungsring und die Krankenschwester mitgebracht hatte, man kann ja nie wissen. Die Übung wurde unter allgemeiner Freude von allen Beteiligten zur Zufriedenheit absolviert.

Der Kvalrosslauf hingegen ist nicht zu unterschätzen: neun Kilometer entlang der Straße, mit mehreren Anstiegen, von der Kvalrossbukta zur Station, das kann lang werden, mit den schweren Beinen von den letzten Tagen. Da ich diese Station letztes Jahr bereits erfolgreich absolviert hatte, konzentrierte ich mich meinerseits darauf, das Ereignis fotografisch zu begleiten. Man muss es ja nicht übertreiben.

Ein grandioser Zufall (oder hatte Siggi einfach gut geplant?) wollte es, dass dieser unser letzter Abend mit dem skandinavischen Mittsommerfest St. Hans zufammenfiel. Kaum hatten wir unser sportliches Programm beendet, ging es somit bei der Station fröhlich mit den Jan Mayen Sommerspielen weiter: Stationsbesatzung und Gäste bildeten Teams, die sich unter großem Hallo und Hurra im Tauziehen, Bojenweitwurf, Netzringwerfen und Dosenwerfen maßen. Der Feuerhaufen zeigte, dass man das St. Hans Fest hierzuinsel sehr ernst nahm, anscheinend hatte man tagelang mit schwerem Gerät Treibholz gesammelt. Jedenfalls war es definitiv das größte Feuer weit und breit, und ein eventuell passierendes Flugzeug oder Schiff hätte vermutlich besorgt einen Vulkanausbruch gemeldet.

Galerie – Jan Mayen Triathlon – 23.06.2015 – St. Hans

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Bei bester Verpflegung klang der Abend in guter Atmosphäre aus und gab so Besuchern und Gastgebern die Möglichkeit, gemütlich miteinander ins Gespräch zu kommen, was man auf Jan Mayen ja auch nicht alle Tage hat. Chef und Mannschaft der norwegischen Station sei für den schönen Abend herzlich gedankt!

Slettfjellet, Kvalrossbukta, Kvalrossen – 22./23.06.2015

(22./23. Juni 2015) – Nach den Ereignissen der letzten Tage geht es heute deutlich ruhiger los. Nur unser Österreicher Pascal macht sich auf einen längeren Pilgermarsch zur österreichischen Station aus dem ersten Internationalen Polarjahr 1882/83 in der Maria Muschbukta, vermutlich um dort noch einmal die österreichische (k.u.k.?) Flagge zu hissen.

Die übrigen entscheiden sich teilweise für kleinere Spaziergänge in der näheren Umgebung, ansonsten für eine kleinere Tour in Richtung ein paar näher gelegener kleiner Berge, was uns aber nicht wie erhofft über die Wolkendecke hinaus bringt.

Galerie – Slettfjellet, Kvalrossbukta, Kvalrossen – 23.06.2015

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Dafür bringt der Abend ganz Jan Mayen untypische Gemütlichkeit mit Feuer am Ufer und guter isländischer Küche chez Haukur.

Beerenberg – 20./21. Juni 2015

(20./21. Juni 2015) – Der Beerenberg – dieser berühmt-berüchtigte Vulkan, der hier so mitten im Nordatlantik 2277 Meter aus dem Meer ragt, oben mit Gletschern gekrönt, ein Gipfel, auf den man kaum zu hoffen wagt. Zuviel muss zusammenpassen, zuviele Faktoren, die man nicht kontrollieren kann, vorneweg natürlich das Wetter. Wie oft habe ich in Emails an Leute, die sich für diese Fahrt interessieren, geschrieben, man solle sich bloß nicht zu sehr auf den Beerenberg-Gipfel versteifen. Stimmt ja auch. Damit steigt vor allem das Frustrisiko.

Und doch, natürlich haben die meisten von uns diesen Wunsch. Und für mich war dieses Bild vom Vulkankrater in über 2000 m Höhe der Anlass, vor ein paar Jahren nach Möglichkeiten zu suchen, umfassender nach Jan Mayen zu kommen, was in diesen Reisen mit Siggi und seiner Aurora resultierte. Also, zugegeben: ich will da auch hoch.

Heute könnte es klappen. Alles sieht gut aus, vorneweg die Wettervorhersage. Es soll ein paar Tage lang fast windstill sein, und die tiefe Wolkendecke, die Jan Mayen einhüllt, hat man nach einigen hundert Höhenmetern unter sich, wie die Wetterfrösche von der Station bestätigen. Das könnte unsere Gelegenheit sein, der goldene Moment.

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Jan Mayen

Zugegeben, mit 3,5 Tagen Überfahrt haben wir einen neuen Negativrekord unter Siggis Überfahrten nach Jan Mayen (mittlerweile etwa die neunte) aufgestellt. Drei Tage wären normal, wenn es gut läuft, etwas weniger.

Aber dafür sind wir jetzt da, froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Bald ist alles ausgeladen und den Strand aus schwarzem Sand hochgeschleppt, Zelte werden aufgestellt und Schlafsäcke ausgerollt. Wie sich zeigt, haben wir den perfekten Augenblick gewählt: Kaum stehen die Zelte halbwegs, kommen kräftige Fallwinde von den lavaschwarz-moosgrün-nebelgrauen Bergen, so dass wir uns beeilen, tonnenweise Steine und Treibholzstämme herbeizuschleppen, um damit alles zu sichern.

Dann lässt der Wind nach, und nach einer kleinen Stärkung zieht jeder mehr oder weniger für sich los, erste kleine Streifzüge in der bei diesen tiefhängenden Wolken finster wirkenden Landschaft Jan Mayens. Mit dem Kvalrossen haben wir ja einen schönen Hausberg direkt nebenan, mit schönen Felssäulen, und diesen gewaltigen Strand Haugenstranda mit seinen unendlichen Treibholzmengen. Da kann man sich schon mal ein Weilchen umschauen.

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Dann schaut auch noch der Kommandant der norwegischen Station vorbei, mitsamt Krankenschwester, für alle Fälle, mag er gedacht haben. Viggo ist Luftwaffenoffizier und überrascht uns schnell mit seiner zupackenden, unterstützenden Art. So holt er schnell die Kettensäge aus dem Jeep, um für uns schon mal ein wenig Feuerholz zurechtzusägen, und ein paar gute Dinge zu essen und zu trinken hat er auch dabei – wenn das mal kein vielversprechender Start für eine gute Nachbarschaft ist!

Irgendwo im Nirgendwo zwischen Island und Jan Mayen

Montag Abend haben wir ja Isafjördur verlassen, und mittlerweile ist es … ich muss nachdenken … Donnerstag. Wäre der Wind etwas freundlicher gewesen, hätten wir Jan Mayen nun schon vor dem Bug, aber nach Stand der Dinge sind es noch etwa 150 Seemeilen. Der Wind war nun nicht allzu stark (das war die gute Nachricht), aber er kam direkt von vorn (das war die schlechte). Das hat uns natürlich nicht gerade schneller gemacht und das Leben an Bord nicht unbedingt besser.

So sind nun also schon 3 Tage ins Land beziehungsweise ins Meer gegangen. Am ersten Tag war das Gefühl latenter Seekrankheit nicht fern, und ich war froh, neulich auf der Antigua schon ein wenig Aufwärmtraining bekommen zu haben. Andere, die diesen Vorteil nicht hatten, haben – nein, besser keine Details.

Nun lässt aber der Wind deutlich nach, wir haben Fahrt aufgenommen, Jan Mayen rückt perspektivisch deutlich näher und die Seekrankheit ist für den Moment wohl eine Sache der Vergangenheit. Jedenfalls erfreut das Frühstück sich einer deutlich erhöhten Beliebtheit.

Weil niemand weiß, wann wer in der Lage und gewillt ist, etwas zu essen, gibt es keine festen Mahlzeiten. Wenn man Appetit verspürt, holt man sich was. Brot und Müsli stehen den ganzen Tag bereit, nachmittags kocht Siggi, der Skipper, etwas Warmes, was bislang mit Nudeln und kräftig gewürzter roter Soße zu tun hatte, irgendwo zwischen italienisch und mexikanisch, gute Sache. Aber wenn jeder kommt, wann er will beziehungsweise kann, dann sieht man manche Leute, die ihre Koje nur zum Allernötigsten verlassen, tagelang nicht. Gemeinschaftliche Aktivitäten rund um einen Tisch verbieten sich bei dem Seegang (Fluchtwege müssen für jeden immer freigehalten werden, man will ja keinen Eimer auf den Tisch stellen), und so führt jeder derzeit sein Leben für sich, döst oder leidet vor sich hin, wie auch immer, man liest, hört Musik, unterhält sich ein wenig. Segler Franz (man kennt ihn von der Arctica II im letzten August) hält unermüdlich die Stellung am Steuerrad. Ansonsten haben wir übrigens das volle Spektrum vertreten, von 2 jungen Amerikanern, die erst vor ein paar Wochen während eines Island-Törns von Siggi erfahren haben, dass Jan Mayen existiert, bis hin zu einem, der schon im zarten Jugendalter eine Landkarte von Jan Mayen an der Wand hängen hatte und jetzt einen sehr lange gehegten Traum wahr werden lassen will.

Soviel für jetzt. Dafür, dass eigentlich bislang nichts passiert ist, habe ich ja auch eine Menge geschrieben.

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Auf Jan Mayen wird der Rechner auf dem Schiff bleiben. Wahrscheinlich folgt jetzt also eine gute Woche Funkstille, mal schauen.

Eisbär frisst Delfin: normal oder nicht?

Derzeit kursieren in den Medien Fotos, die zeigen, wie ein Eisbär den Kadaver eines Delfins frisst. Sowohl in den Artikeln, die dazu veröffentlicht werden, als auch in den Kommentaren werden verschiedene Vermutungen und Behauptungen vorgebracht, die alles in allem Anlass sind, das Thema hier zusammenfassend aufzugreifen.

Die Beobachtung war bereits im April 2014, als Jon Aars, Eisbärenforscher beim norwegischen Polarinstitut, im Raudfjord einen Eisbären entdeckte, der dabei war, den Kadaver eines Weißschnauzendelfins zu fressen. Wie genau der Delfin zu Tode gekommen war, wurde nicht beobachtet. Trotzdem lassen sich aus der Situation allerhand Rückschlüsse ziehen. In der folgenden Zeit wurden noch weitere Eisbären mit weiteren toten Delfinen im gleichen Fjord gesehen.

Weißschnauzendelfine sind häufig in Spitzbergen, allerdings eher auf offenem Meer und nicht in den Fjorden, so dass sie nicht allzu oft gesehen werden. Das trägt zur weitverbreiteten Annahme bei, dass es Delfine in der Arktis eigentlich nicht gibt und dass ihr scheinbar plötzliches Auftauchen dort nun möglicherweise ein Zeichen der Klimaänderung sein müsse. Ganz unabhängig von der zweifellos stattfindenden Klimaänderung ist dieser Rückschluss falsch, denn sie sind häufig in der Region, sie halten sich nur meist von den Küsten eher fern. Gelegentlich werden Weißschnauzendelfine aber auch in den Fjorden gesehen.

Es steht zu vermuten, dass die betreffenden Weißschnauzendelfine im Raudfjord von Treibeis eingeschlossen wurden, das der Nordwind in den Tagen zuvor gegen die Küste getrieben hatte. Im Fjord waren die Delfine gezwungen, regelmäßig an kleinen Löchern im Eis aufzutauchen und Luft zu holen, wo sie, wie sonst Robben, zur leichten Beute von Eisbären wurden. Eisbären sind in der Lage, auch große Robben mit Prankenschlag oder Biss in den Schädel unmittelbar zu töten und sie dann aus einem Eisloch hinauszuziehen. Die Vermutung liegt nahe, dass sie das mit den Delfinen, deren Größe mit der einer Bartrobbe vergleichbar ist, ebenfalls können, sobald diese entgegen sonstiger Gewohnheit gezwungen sind, in einem Atemloch im Eis aufzutauchen.

Eisbären sind als Nahrungsopportunisten bekannt, fressen also alles, was sie zu fassen bekommen und kauen können. Es ist alles andere als überraschend, dass sie auch Delfine nicht verschmähen, wenn sich ihnen die seltene Gelegenheit bietet. Es wäre im Gegenteil merkwürdig, wenn sie das nicht täten.

Dass Eisbären normalerweise keine Delfine fressen, liegt einfach daran, dass Delfine aufgrund ihrer Lebensweise im offenen Wasser für Eisbären sonst unzugänglich sind. Wie heißt es so schön: verwechsle nie Enthaltsamkeit mit Mangel an Gelegenheit (ist von Goethe, glaube ich).

Die mehrfach vorgebrachte Behauptung, Eisbären würden wegen des Klimawandels nun mangels Zugang zu ihrer sonst üblichen Nahrung (schwierige Formulierung bei ausgeprägten Nahrungsopportunisten) notgedrungen auf Delfine ausweichen, die – ebenfalls wegen des Klimawandels – auf einmal weiter im Norden seien als sonst, ist also in mehrfacher Hinsicht nicht haltbar. Es gibt in der Arktis immer noch viele Dinge, die man erst noch beobachten muss. Was Eisbären in abgelegener Gegend im Winter tun, ist für sie noch nicht unnormal, nur weil Menschen nur selten die Gelegenheit haben, ihnen dabei zuzuschauen.

Eisbärenforscher Jan Aars wird mit der Vermutung zitiert, dass Weißschnauzendelfine möglicherweise für eine kleinere Gruppe spezialisierter Bären künftig eine wichtige Nahrungsquelle sein könnten. Wie Eisbären künftig in der Lage sein sollen, abseits seltener Einzelereignisse, in denen die Delfine wegen ungewöhnlicher Umstände quasi auf dem Tablett geliefert werden, diese Tiere zu fangen, erwähnt er nicht. Angesichts dieser kaum überwindbaren Schwierigkeit und aufgrund einer bislang einmaligen Beobachtung ist das eine gewagte These. (Es gibt mehrere Fotos, die 2014 über einen Zeitraum von mehreren Monaten entstanden sind, aber alle die gleiche Gruppe von Eisbären und toten Delfinen in der gleichen Gegend in Nordwest-Spitzbergen zeigen).

Fazit: ein sicherlich sehr ungewöhnliches Ereignis, das aber in keiner Weise mit Klimawandel oder verändertem Verhalten von Eisbären zu tun haben muss, sondern ein seltenes Zusammentreffen außergewöhnlicher Umstände war.

Ein Eisbär frisst einen Weißschnauzendelfin. Nordwest Spitzbergen, Juli 2014 © Samuel Blanc.

Eisbär frisst Delfin

Quelle: Polarresearch.net

Island

10 kurze Tage später – Wärme tanken unter sächsischer Sonne und diverse Vorbereitungen standen an, bevor es heute losgeht nach Island. Kaum zu glauben bei den aktuellen Temperaturen (gefühlt subtropisch), die sogar hier in Reykjavik herrschen, dass nun eine der wildesten Fahrten der Saison ansteht. Morgen starten wir in Isafjördur mit Sigurður Jónsson und seiner polarerprobten Yacht Aurora nach Jan Mayen. Zunächst 3 Tage auf offener See, aber die Wettervorhersage sieht gut aus, der Seegang sollte sich in Grenzen halten.

Ich bin hochgespannt, was die nächsten Tage bringen. Definitiv habe ich Respekt davor: die Tage in dem kleinen Boot auf offener See, diese wilde Insel Jan Mayen mit den vielen Kilometern, die wir dort zu Fuß zurücklegen werden, und werden wir das Wetter haben, das wir für den Beerenberg brauchen…? Wir werden sehen. Spannend und schön wird es auf jeden Fall! Ich freue mich auf das viele Treibholz auf den gewaltigen Stränden, die bizarren vulkanischen Landschaften, bunte Moospolster und Flechten auf schwarzem Lavagestein …

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Leider werde ich von unterwegs wohl keine Bilder schicken können, die Übertragung über Satellit funktioniert derzeit nur eingeschränkt. Aber das kann ich ja in 2 Wochen alles nachholen. Und an Land werde ich auf Jan Mayen sowieso den Computer gar nicht mitnehmen. Da habe ich anderes vor als am Rechner zu sitzen!

Noorderlicht: letzte Saison als das „Schiff im Eis“

SV Noorderlicht, das ehemals 1910 bei Eckernförder gebaute Feuerschiff Kalkgrund, ist schon seit vielen Jahren als Zweimastschoner in niederländischem Besitz ein regelmäßiger und wunderschöner Anblick in Spitzbergens Fjorden.

Seit 2002 ist sie vielen als das „Schiff im Eis“ bekannt. Sobald der Tempelfjord sich mit Eis bedeckte, steuerte die Mannschaft die Noorderlicht dort hinein und ließ das Schiff vor dem Kapp Murdoch absichtlich einfrieren. Sobald das Eis stark genug war, konnten Touristen sie besuchen und einen Hauch des abenteuerlich-romantischen Gefühls genießen, auf einem eingefrorenen Schiff zu übernachten. Ähnlich wie auf Fridtjov Nansens Schiff Fram, das 1893-1896 die berühmte Eisdrift über den Arktischen Ozean machte, wenn natürlich auch in vergleichsweise homöopathischer Dosierung. Die erste Saison der Noorderlicht als Schiff im Eis war 2002, und seitdem haben etwa 7000 Gäste auf ihr übernachtet. Dies stand wegen Restriktionen des Sysselmannen nur Gästen offen, die mit organisierten, geführten Gruppen kamen und nicht Individualreisenden. Die Gruppen kamen oft mit Hundeschlitten.

Nun hat die Mannschaft der Noorderlicht den Wunsch, Neuland beziehungsweise Neuwasser zu erforschen und für das Frühjahr 2016 Fahrten in Nordnorwegen geplant, so dass sie nicht als „Schiff im Eis“ in den Tempelfjord zurückkehren wird.

Der hinter dem „Schiff im Eis“ stehende Veranstalter, Basecamp Spitsbergen, sucht nun nach einer alternative, so dass die Geschichte des „Schiffs im Eis“ nicht unbedingt zu Ende sein muss. Es wird aber sicherlich nicht einfach sein, die Noorderlicht zu ersetzen.

Hier gibt es 360 Grad Eindrücke von der Noorderlicht als „Schiff im Eis“.

Noorderlicht als „Schiff im Eis“ im Tempelfjord.

Noorderlicht im Tempelfjord: das Schiff im Eis

Quelle: Svalbardposten (22/2015)

Longyearbyen Flughafen: Sprit alle

Dem Flughafen bei Longyearbyen, Svalbard lufthavn, geht der Sprit aus. Der neue Treibstoff ist bestellt und kommt mit dem Schiff vom norwegischen Festland, was aber Zeit in Anspruch nimmt. Einstweilen wird Kerosin rationiert. Bereitschaftsdienste haben Priorität, und Fluggesellschaften werden gebeten, möglichst auf dem Festland zu tanken.

Das kann dazu führen, dass Direktflüge von Longyearbyen nach Oslo in Tromsø einen ungeplanten Tankstop einlegen müssen, was zu Verzögerungen bei der Ankunft in Oslo führt, wie dieser Autor letzte Woche schmerzvoll erfahren musste.

Nächste Woche soll das Versorgungsschiff kommen, und dann können alle Flugzeuge wieder nach Herzenslust volltanken.

Ein Königreich für eine Kanne Sprit! Dem Flughafen von Longyearbyen geht der Treibstoff aus.

Flughafen Longyearbyen

Quelle: NRK

Kjerstin Askholt: neuer Sysselmannen

Kjerstin Askholt wird ab 1. Oktober Sysselmannen på Svalbard. Der Sysselmannen, oft als Gouverneur übersetzt, ist der höchste Repräsentant der norwegischen Regierung in Spitzbergen mit Sitz in Longyearbyen und wird alle 3 Jahre von der Regierung ernannt, eine Wahl gibt es nicht. Dieses Mal gab es 7 Bewerber. Die meisten Bewerber kommen aus höheren Dienstgraden der Polizei oder Justizverwaltung.

Kjerstin Askholt ist seit 2003 im Justizministerium mit der Verwaltung der norwegischen Gebiete in der Arktis befasst und somit in der Materie erfahren. Allgemeine Kontinuität und ein weiterhin guter Dialog mit den russischen Nachbarn in Barentsburg werden Schwerpunkte sein, wobei die Kontinuität in Zeiten des Umbruchs etwa beim Kohlebergbau mitunter ebenso schwierig sein wird wie der Dialog mit den Russen, der lokal nach wie vor insgesamt gut funktioniert, international bekanntermaßen aber durch den Ukraine-Konflikt belastet ist.

Kjerstin Askholt wird die zweite Frau sein, die in Longyearbyen die Position des Sysselmannen einnimmt. 1995-98 war Ann-Kristin Olsen Chefin in Skjæringa (der Ortsteil, in dem der Amtssitz liegt), wie man lokal sagt. An der Bezeichnung Sysselmannen ändert sich nichts.

Sysselmannen ab Oktober: Kjerstin Askholt. © Foto: Sysselmannen.

Sysselmannen ab Oktober: Kjerstin Askholt

Quelle: Sysselmannen

Isfjord, Longyearbyen

Der abschließende Tag zeigte, dass der Winter im Isfjord das Land noch fester im Griff hatte als weiter südlich. Konnten wir uns im Bellsund an einfachen Wanderungen über schneefreie Tundra und sogar schon an ersten Blüten (Roter Steinbrech) erfreuen, war hier das Land noch bis hinunter zum Ufer tief von Schnee bedeckt. Wo es schneefrei ist, sitzen oft Vögel auf der Tundra – reichlich Gründe, Touren kurz zu halten. Dennoch sehr angenehme Aufenthalte in der arktischen Tundra schöne Rundblicke von Moränenhügeln unterm Alkhornet über den ganzen äußeren Isfjord.

Nicht ganz unerwarteterweise, erwies sich die Borebukta als noch weitgehend von festem Eis versperrt, so dass wir uns mit einem Blick auf den Gletscher aus mehreren Kilometern Entfernung zufrieden geben musste. Aber was sollte es, nach allem, was die letzten Tage so gebracht hatten?

Nach einer letzten, recht kurzen Überfahrt über den Isfjord war die Fahrt mit dem Anlegen in Longyearbyen zu Ende. Halt, doch nicht ganz – die Dünung warf die Antigua ständig so kräftig gegen den Anleger, dass die ständigen Schläge für Mensch und Schiff doch zu anstrengend wurden, also doch noch einmal raus in den Fjord und den Anker in den Schlamm. Und dann war es Zeit, noch mal richtig auf die letzten Tage anzustoßen und sich langsam voneinander zu verabschieden.

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Erfreulicherweise fand eine große Lieferung Bücher dieses Autors an diesem Abend auch den abschließenden Weg auf spitzbergisches Land, was immer ein sehr schönes Ereignis ist. Ein großer Dank an alle, die auf dem Weg der Bücher zwischen der mecklenburgischen Prärie und dem arktischen Longyearbyen mit angefasst haben!

Prins Karls Forland, Barentsburg

Heute war es Zeit, sich den Bewohnern Spitzbergens zu widmen, was wir auf dem Prins Karls Forland und in Barentsburg taten. Der Forlandsund Schwimmverein war daheim, wenn auch recht faul, aber ein sich gemütlich aus dem Wasser rollendes, kräftiges Walross sorgte dafür, dass die Besucher Futter für Auge und Linse bekamen und sich freuten.

Barentsburg war nicht nur ein starker visueller Kontrast, sondern wurde zur Lehrstunde in Sachen Geschichte und Politik von Spitzbergen. Und zur Gelegenheit, das lokal gebraute Leichtbier zu testen. Auf eine wirklich gut verlaufene Fahrt – na sdarowje!

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News-Auflistung generiert am 23. September 2017 um 02:06:37 Uhr (GMT+1)
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