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Spitzbergen heute: Siedlungen und Stationen

Geschichte(n) von Spitzbergen

Nach und nach verschob sich der Schwerpunkt vom Kohlebergbau weg und hin zu anderen Aktivitäten. Longyearbyen ist das administrative Zentrum Spitzbergens. Hier ist der Sitz der norwegischen Verwaltung, des Sysselmannen (»Gouverneur« mit Polizei- und in gewissem Rahmen Richterfunktion). In den 70ern begann Longyearbyen, sich von einer Bergbausiedlung hin zu einem Dienstleistungszentrum zu entwickeln. Neben Museum, Universität, Bibliothek, Schwimmbad, Sporthalle, Krankenhaus, Schule und Kindergärten verfügt der Ort mittlerweile über mehrere Supermärkte, diverse Läden, eine Galerie und mit diversen Hotels und Restaurants sowie verschiedenen Tour Operators über eine gut ausgebaute touristische Infrastruktur. Tourismus, Wissenschaft, Verwaltung und eher indirekt auch Bergbau sind die wichtigsten ökonomischen Standbeine. Durch seine polnahe Lage ist Spitzbergen ein günstiger Standort für Antennen, die Signale von Satelliten in Polumlaufbahn empfangen. Für die anfallenden Datenmengen wurde 2004 ein Glasfaserkabel von Longyearbyen zum Festland gelegt, so dass jetzt superschnelle Internetverbindungen möglich sind – vielleicht siedelt sich ja jetzt im niedrig besteuerten Longyearbyen die »New Economy« an…?

Longyearbyen heute: Kirche

Longyearbyen heute: moderne Wohnhäuser

Das heutige Zentrum des norwegischen Kohlebergbaus ist hingegen Sveagruva im innersten Van Mijenfjord. Hier wurden die Minen in den letzten Jahren ausgebaut und sind nun so produktiv, dass die Bergbaugesellschaft Store Norske Spitsbergen Kullkompani (kurz Store Norske oder SNSK) mittlerweile sogar Überschüsse einfährt, was seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen war. Sveagruva ist eine reine Bergbausiedlung.

Die Gruben in Ny Ålesund wurden nach mehreren Grubenexplosionen Anfang 1962 geschlossen. Später wurde der Ort zu einer reinen Forschungssiedlung ausgebaut, wo sich bis heute wissenschaftliche Stationen aus einer Reihe von Ländern angesiedelt haben. Das deutsche Alfred-Wegener-Institut ist mit der Koldewey-Station, dem sogenannten »Blauen Haus«, präsent.

Aufgrund der polnahen Lage ist Spitzbergen ein günstiger Standort für Antennen, die Signale polumlaufender Satelliten empfangen.

Neben den Norwegern betreiben heute noch die Russen Bergbau, auch wenn die staatseigene Bergbaugesellschaft Trust Arktikugol die Siedlung Pyramiden im innersten Isfjord 1998 schloss. Derzeit betreiben die Russen Bergbau in Barentsburg und planen die Eröffnung einer weiteren Mine in der Colesbukta zwischen Barentsburg und Longyearbyen. Diese Pläne sind wegen der sehr hohen Bioproduktivität des Colesdalens umstritten, von der norwegischen Verwaltung aber genehmigt.

Außerhalb von Ny Ålesund ist neben Norwegen und Russland nur noch Polen mit einer eigenen Forschungsstation im Hornsund präsent.

Die polnische Station im Hornsund

Zusätzlich zu diesen Siedlungen gibt es eine Reihe von kleineren Stationen. Die Radiostation Isfjord Radio bei Kapp Linné im Isfjord wird seit 1999 automatisch betrieben und ist nicht mehr bemannt. Permanent bemannte Wetterstationen gibt es noch auf Hopen, der Bjørnøya sowie der nicht zu Svalbard gehörenden Insel Jan Mayen.

Trapper sind heute eine selten gewordene Randerscheinung. Der einzige, der die Bezeichnung Trapper tatsächlich noch verdient, ist ein Norweger, der schon seit Jahrzehnten auf der Nordseite des Isfjords ein abgelegenes Einsiedlerdasein führt. Ein weiterer produziert Eiderdaunen mit Eiderentenkolonien, die er zu diesem Zweck in der Brutsaison bewacht, hält sich aber nicht permanent auf Svalbard auf. Weitere »Trapper« können sich jeweils für ein Jahr bei der norwegischen Verwaltung um Zuteilung einer Station im Wijdefjord bewerben, allerdings handelt es sich hierbei eher um Aussteiger, bei denen das Fallenstellen nicht den primären Zweck ihres einjährigen Arktisaufenthaltes darstellt. Die einzige weitere Ausnahme ist ein Norweger, dem eine Hütte im Woodfjord gehört und der dort schon mehrfach überwintert hat.

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Letzte Änderung: 11. Oktober 2011 · Copyright: Rolf Stange
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