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Monats-Archiv: Juli 2014 − News & Stories

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Isfjord

Letzte Nacht hatte die Straße wohl ein paar Schlaglöcher. Nun, das kommt vor.

Auf diesen Inselchen im Ekmanfjord kommt alles zusammen. Da erzählt man 2 Wochen lang fast jeden Tag irgendwas Geologisches und hat dann auf einmal so viel davon vor der Nase. Und die Tundra ist die Feinste von ganz Spitzbergen. Ehrlich! So ein bunter Flickenteppich, der braucht Jahrtausende, um so zu werden, wie er jetzt ist. Meere von Rasensteinbrech. Bülten, einen Fuß hoch, 4000 Jahre alt. Undsoweiter.

Und für die Feinschmecker ein Odinshühnchen.

In der Skansbukta konnte man dann zuschauen, wie unterschiedlich man Spitzbergen erleben kann. Während wir uns an Land fast 2 Stunden Zeit genommen haben (so lange haben gar nicht alle durchgehalten), ist die Langøysund, auf Tagesfahrt von Longyearbyen, mit 8 Knoten im Halbkreis durch die Bucht gerauscht und fertig.

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Nun hoffen wir, dass hier in Pyramiden der Eisbär, der gerade im Ort rumhängt, nicht nachts aufs Schiff spaziert.

Gute Nacht erstmal.

Bellsund

Manche Tage nehmen wie von selbst Form an, entwickeln sich von unsicherer Ausgangslage hin zu einem grandiosen Tag, bekommen aus dem Nichts heraus Schwung und entwickeln eine kraftvolle Eigendynamik, der man nur ihren Lauf lassen muss.

Mit anderen Schiffen war zu rechnen und mit mittelmäßigem Wetter, so dass ich eine Weile überlegt habe, bis der Groschen fiel. Und tatsächlich erwies sich Midterhukhamna als einwandfreie Wahl, auch wenn die Thorshühnchen gestreikt haben. Ansonsten – Genuss pur in Spitzbergens lokalklimatisch bestem Gebiet.

Später wurde aus einer geplanten Wanderung dann die mit Abstand kürzeste Landung der Reise. Schuld war ein Eisbär, der faul zwischen den Felsen lungerte. Aber das hatte alles sein Gutes: später war die betreffende Stelle nämlich fast durchgehend im Regen, während wir auf der Akseløya, von ein paar Tropfen abgesehen, Sonnenschein hatten, mit prächtigem Abendlicht auf dem Nordhang des Midterhukfjellet mit seinen wunderbaren Faltenstrukturen. Sowas gibt es nur dort, dieser Berg ist einmalig unter den Bergen dieser Welt. Dasselbe gilt für die Insel selbst.

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Thorshühnchen gleich zu Dutzenden, und gefühlt eine Milliarde Küstenseeschwalben, die anscheinend alle sauer auf uns waren. Warum auch immer. Die dunkle Morphe der Schmarotzerraubmöwe gleich im Doppelpack. Was war noch? Ach, reicht ja. Weit übers Soll hinaus. Schade, dass die letzten Tage beginnen, ihre Wirkung zu zeigen; bei einigen reichte die Energie nicht mehr aus für den Landgang.

Eisbär aus Nylonschlinge befreit

Ein Eisbär, der vor einigen Wochen im Norden Spitzbergens mit einer Nylonschnur um den Hals beobachtet wurde, konnte nun lokalisiert und von Mitarbeitern des Norwegischen Polarinstituts aus der Schlinge befreit werden. Der Fall zeigt anschaulich, welche Gefahr von der zunehmenden Menge angetriebenen Plastikmülls für die Tierwelt der Arktis ausgeht.

Bereits Ende Juni war der Eisbär von Teilnehmern einer Bootstour mit der »Arctica II« im Woodfjord gesehen und fotografiert worden. Sie informierten den Sysselmann, der daraufhin verstärkt nach dem Tier Ausschau hielt und darum bat, es zu melden, sollte der Bär von jemandem gesehen werden. Das dünne Seil, das das Tier um den Hals trug, stammte vermutlich aus der Schleppnetzfischerei. Es hatte sich zu einer festen Schlinge verknotet und das lose Ende hing etwa einen Meter herunter. Glücklicherweise hatte die Schlinge noch genug Spiel um das Tier nicht direkt zu verletzen oder es bei der Atmung zu behindern. Experten des Sysselmanns sahen die größte Gefahr darin, dass der Eisbär in kurzer Zeit viel frisst, falls er z.B. einen Kadaver findet oder eine Robbe erbeutet und dadurch so stark zunimmt, dass die Schlinge ihm den Hals einschnürt und in die Haut schneidet.

Die Wahrscheinlichkeit, ein einzelnes Tier in dem großen, fast menschenleeren Gebiet wieder zu finden, ist prinzipiell eher gering. Daher war es umso erfreulicher, als der Sysselmann am 22. Juli die Meldung bekam, dass der Bär in der Nähe der Trapperstation auf Austfjordnes, im inneren Wijdefjord, gesehen wurde. Noch am gleichen Tag flogen Mitarbeiter des Norwegischen Polarinstituts mit dem Helikopter dorthin. Sie konnten den Bären lokalisieren und betäuben. Nachdem sie die Schlinge entfernt und den Eisbären untersucht hatten, vergewisserten sie sich, dass er wieder aufwachte und sich in Bewegung setzte.

Der Eisbär hatte Glück, dass er gefunden wurde, und dass er ein Eisbär war. Für ein Rentier oder für einen einzelnen Vogel hätte man diesen Aufwand nicht betrieben. Gerade einigen Vogelarten droht durch den Plastikmüll eine andere Gefahr: Sie verschlucken kleinere Kunststoffteile, die dann nicht verdaut werden und zum Tod des Tieres führen können. Eine jüngere Untersuchung bei Eissturmvögeln auf Spitzbergen hat ergeben, dass sich bei 90% der Tiere kleine Kunststoffteile im Magen befinden.

Angeschwemmter Müll kann für Tiere zur Falle werden

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(Generell zur Plastikmüll-Problematik siehe auch »Oceancleanup: eine Lösung für die Plastikmüll-Schwemme in den Ozeanen« Spitzbergen.de-Nachrichten Juni 2014)

Quelle: Norwegisches Polarinstitut

Hornsund

Der Hornsund kann ein übler Ort sein sein. Windstärke 9, Nebel, Regen. Dann hat man da wenig Freude.

Aber das Glück ist uns hold geblieben (müssen wir dafür irgendwann noch was bezahlen?). Ein Tag wie im Paradies. Oder, besser: ein Tag im Paradies. Eine der grandiosesten Landschaften Spitzbergens unter gleißender Sonne. Eine lange Genusstour so mitten im Hornsund, wie man mittiger nicht sein kann. Hornsundtind und Bautaen vor der Nase, Brepollen links, Gnålodden undsoweiter rechts. Die Landschaft könnte man unmittelbar als Poster verkaufen.

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Die großen Gletscher tief hinten waren dann ganz, ganz großes Arktis-Kino. Vor der Abbruchkante Gletschereis in Mengen, dass man das Wasser kaum noch sah. Der Gletscher, gutgelaunt, hat einige Male Eisberge spendiert. Die Krönung war dann noch dieser Eisbär auf einem Eisberg, der dort mal saß wie auf einem Thron und mal lag wie auf einem Sofa, auf dem Rücken, gähnend, alle Viere von sich streckend. Leider etwas weit weg, sonst wäre er das Titelblatt für den nächsten Kalender geworden oder so etwas.

Sørkapp

Hurra! Was für ein Tag! Dieses Südkap, und die vielen, vielen Seemeilen, die zurückzulegen sind, um drumherum zu kommen. Ein meist sehr unerfreuliches Gewässer, wo die Fische regelmäßig gefüttert werden. Schön für die Fische.

Und dieses Mal? Auf allgemeinen Wunsch wurde erst mal ausgeschlafen. Frühstück bis mittags, und sonst gar nichts. Keine Vorträge, keine Landgänge, keine Wale. Also, fast keine Wale.

Und dann sowas von ruhig und entspannt ums Südkap herum. Man hätte an Bord fast Billard spielen können!

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Natürlich haben wir die Chance genutzt und sind dann doch noch an Land gegangen. In der Stormbukta. Da war ich über 10 Jahre nicht mehr! Es wurde also auch mal wieder Zeit. Wie oft kommt man schon zum Sørkapp Land? Verbotenes Land, eigentlich. Verborgen hinter schlechtem Wetter, abgeschirmt von Untiefen. Aber heute sehr einladend. Spitzbergens größte Quelle, Trollosen, ist entgegen anderslautenden Gerüchten in bester Form. Und die Eisfüchse, fast wie dressiert. Frühere Erinnerungen an „nie wieder“-Erlebnisse an dieser sonst so unfreundlichen Küste sind jetzt angenehm überlagert von den Eindrücken von einem 1A-Landgang in der Stormbukta. Prost!

Barentsøya

Düsteres Land, düsteres Wetter, das passt atmosphärisch hervorragend zusammen. Ein Sonntagmorgen auf der Barentsøya, mit Besuch im lokalen Gospelchor, der aus tausend Schnäbeln engagiert und lautstark den ewigen Gesang der Möwen zu Gehör bringt.

Nirgendwo gibt es saftigere Tundra als hier im Südosten, auf Barentsøya und Edgeøya. Wahrscheinlich könnte man hier Schafe züchten. Irgendwer macht das ja schon mit einigem Erfolg. Die Schafe haben hier Geweihe.

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Und wenn sie ganz, ganz großes Pech haben, verfangen diese Schaf-Rentiere sich mit ihren Geweihen in Schnüren oder Netzen aus Plastik, die acht- und gewissenlose Menschen von Fischereischiffen aus ins Meer werfen. So wie die drei oder vier Rentiere, deren Geweihstangen wir völlig verknotet mitten auf der Tundra gefunden haben. Teilweise hingen noch Stücke der Schädel daran. Eine Schande für die Zivilisation in der so fernen, unberührten arktischen Wildnis. Der einzige Trost liegt in der Vorstellung, dass wahrscheinlich ein Eisbär das Leiden verkürzt hat, von Wochen auf Tage. Nur ein paar Tage.

Heleysund

Sch… technik! Das fängt das Blog-Schreiben gerade an, Spaß zu machen, und schon gibt diese blöde Satelliten-Emailtechnik halbwegs den Geist auf. Mehrere Tage lief gar nichts, jetzt sieht es so aus, als könnte ich wenigstens wieder Texte schicken, wenn auch keine Bilderchen. Ich hoffe, es lohnt sich, dass ich jetzt wieder etwas schreibe.

Der Heleysund ist für mich eine der schönsten und faszinierendsten Gegenden Spitzbergens. Ich finde starke Strömung ja immer wieder beeindruckend, und im Heleysund läuft die Gezeitenströmung manchmal zu Bestform auf. Heute war es noch vergleichsweise moderat, aber ein paar schöne Strudel und Wirbel gab es.

Vor allem gab es eine schöne, lange Tour über Tundra und Basalthügel. Leicht neblige Blicke zwischen Felssäulen hindurch auf den Sund. Ein Eisbär, auf einem Inselchen im Sund, der aber nicht viel anderes machte als Mittagschläfchen.

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Die weitere Fahrt nach Süden dann am Abend wieder im Nebel. Gar nicht schlecht. Gelegentlich muss man einfach auch mal schlafen.

Nordaustland

Wir hatten uns vorgenommen, Walrosse zu finden. Wir hatten sie auch gefunden, auf einer flachen Landspitze, mitten in der Nacht, und dann in der Nähe geankert, um ihnen morgens einen Besuch abzustatten. Allerdings haben sie sich tatsächlich verkrümelt, fast alle, bis auf 2 einsame Übriggebliebene. Wahrscheinlich waren das 2 Außenseiter, mit denen niemand was zu tun haben will.

Frechheit, einfach abzuhauen! Nun, vielleicht lag es am Wind, es war wirklich sehr ungemütlich und kalt.

Ein paar Meilen weiter die nächste Walross-Halbinsel. Dort waren sie dann. Vielleicht auch die von der ersten Insel? Ich kann es mir vorstellen. Walli sagt: „Verdammt, Touris! Auf die hab’ ich ja gar keinen Bock. Ich hau ab. Kommt jemand mit?“ Und dann tauchen wir ein paar Stunden später schon wieder auf …

Es hat sie aber offensichtlich nicht gestört. Sie waren wie üblich vollauf mit sich selbst beschäftigt, sich zu kratzen, mit harmlosen Rangeleien und damit, unanständige Geräusche zu machen.

Später dann Meeresfrüchte aus einer ganz anderen Zeit. Über 270 Millionen Jahre alt. Stumme Überbleibsel einer tropischen, längst vergangenen Vorzeit. In unglaublichen Mengen. Ganze Laster hätte man damit füllen können. Und nun liegen diese unzähligen tropischen Korallen, Seelilien und Brachiopoden im Frostschutt und verwittern, in direkter Nachbarschaft zu einem über 8000 Quadratkilometer großen Gletscher.

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Dessen endlos langer Abbruchkante wir dann noch einen Besuch abgestattet haben. Saukalt. Aber endlos beeindruckend.

Hinlopen

Wieder so ein Tag wie eine ganze Woche. Eigentlich viel zu viel, um es richtig aufzunehmen. Es ging um 6 Uhr früh mit 2 Finnwalen in der Hinlopenstraße los, die beiden frühstückten gemütlich rund ums Schiff herum. Nur etwa 6 Stunden nach der Eisbärensichtung von gestern Nacht. Schlaf ist, wie so oft hier unter der Mitternachtssonne, ein guter Freund, der aber immer wieder zu früh geht.

Gegen Müdigkeit hilft ja Bewegung, und die haben wir uns im Lomfjord reichlich verschafft. Wen stören ein paar gelegentliche Regentropfen, wenn es eine grandiose Aussicht über den Lomfjord und quer über die Hinlopen gibt?

Neue Orte zu „entdecken“, ist für mich das Salz in der Suppe, und im Lomfjord ergab sich dazu eine passende Gelegenheit. Schnell vor dem Abendessen an einer kleinen Landzunge noch einmal hinaus, ein kleines Kap, das niemand kennt, wo kein Mensch hingeht. Das Wasser vor dem Ufer war so tief, dass Kapitän Joachim die Antigua mit dem Bug in den Kies gesetzt hat, um das Schiff für eine Weile zu stabilisieren, man hätte sich vom Klüverbaum aus abseilen können.

Die Ruine einer Trapperhütte, genau 90 Jahre alt. Gebaut aus Treibholz, muss sie früher einmal sehr schön gewesen sein, wenn auch klein. Heute weht der Wind durch die leeren Fensterrahmen.

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Zum Nachtisch mehrere hundertausend Dickschnabellummen, angerichtet auf Basalt, gewürzt mit Guano und viel frischer Seeluft. Umwerfend!

Eis – Murchisonfjord

Nach den Blumenmeeren im Nordwesten ist das Packeis im Nordosten von Spitzbergen eine völlig andere Welt. Abweisend und rau, man spürt deutlich, dass man als Mensch nicht für diese Welt geschaffen ist und ohne Hilfsmittel hier nicht lange überleben würde. Kälte und Wind, Wellen brechen sich an blaugewaschenen Eisrändern. Der Wind schiebt die Eisschollen zu einer kompakten Masse mit einer scharfen Eisgrenze zusammen. Eine Daunenjacke, eine heiße Tasse Tee und ein gutes Schiff sind definitiv eine gute Sache.

Bei den Tieren ist das natürlich etwas anderes. Die Sattelrobben planschen fröhlich an der Eiskante, und zwei Walrosse liegen gemütlich auf einer Eisscholle. Ein Riesenbulle, die Enden der gewaltigen Zähne berühren sich beinahe, zusammen mit einem jüngeren Freund.

Wir verlassen diese faszinierende, aber doch so abweisende Welt des Eises. Ein paar Stunden später sind wir wiederum in einer völlig anderen, ebenso abweisenden, ebenso faszinierenden Welt: die hocharktische Kältewüste auf dem Nordaustland. Karges Polarland tief im Murchisonfjord. Bunte Steine, Farben aus ältester Vorzeit.

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Und zu tief schlafender Stunde dann eine Eisbärin auf einer kleinen Insel, die auf einem Schneefeld Siesta hält. Am Ufer die Reste einer Robbe. Im schönsten Schein der Mitternachtssonne schaut sie uns ein paar Mal müde an, frisst etwas Schnee zum Verdauen, wälzt sich ein wenig, schläft wieder. Und macht 28 Polarfahrer, Guides und Mannschaft ziemlich glücklich.

Woodfjord

Schon der dritte sonnige Tag. Hochsommer in der Arktis! Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Es gibt nichts Schöneres. Viele Stunden waren wir heute draußen, so einige Kilometer über die karge Tundra im nördlichen Woodfjord. Und ein paar hundert Meter in die Höhe. Ein „neuer“ Berg, er funktionierte hervorragend und brachte grandios schöne Ausblicke über Mushamna und den Woodfjord.

Ich habe heute auch gelernt, warum ich immer das GPS mitlaufen lasse, damit es einen Track aufzeichnet: Damit ich meine Sonnenbrille wiederfinde, die ich eine ganze Weile davor neben einem Stengellosen Leimkraut zum Fotografieren abgelegt habe. Sehr praktisch.

Zur Ritterhütte am Gråhuken zu kommen, ist immer wieder ein Erlebnis. Es hat so etwas von Nach-Hause-Kommen. Etwas Vertrautes. Nicht nur, weil ich dort schon oft gewesen bin. Am Schönsten hat Hilmar Nøis es vielleicht getroffen, als er die Hütte 1928 „Kapp Hvile“ nannte: Kap der Ruhe, Kap der Stille, Kap des Ausruhens, so in der Art. Ich finde keine Übersetzung, die es wirklich trifft. Ein Ort, an dem der Geist Ruhe findet und ausruhen kann, weil man sich dort zuhause fühlt, auf eine Art.
Vor allem, wenn man vorher eine Weile zu Fuß unterwegs gewesen ist, über die graue Tundra am grauen Huken.

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Nun fahren wir unter immer noch strahlender Sonne durch stilles Wasser nördlich vom Wijdefjord Richtung Verlegenhuken und Treibeis. Ich bin sehr gespannt, wo wir das Treibeis finden und was sich dort so tut. Fürs erste wäre ich aber, ehrlich gesagt, sehr dankbar, wenn bis morgen früh keine Wale auftauchen oder so …

Liefdefjord

Es gibt diese Tage, die sind einfach unbeschreiblich. Da laufen die Dinge fast von alleine. Wir haben die Natur ja ohnehin nicht in der Hand. Heute früh war ich schon ziemlich gespannt, wie der Tag sich entwickeln würde. Der Wind war wirklich heftig.

Und, was kam? Eine wunderbare kleine Tour, die Hügel hoch, mit dem besten Blick, der im Liefdefjord zu haben ist. Vom Monacobreen ganz innen bis zur Reinsdyrflya ganz außen. Die Länge gerade ausreichend für das angenehme Gefühl, etwas getan zu haben.

Ein Nachmittag am Monacobreen. Blaues Eis unter der Sonne. Hier und da ein Stück Eis, das krachend ins Wasser fällt. Eine fünf Kilometer lange Eiswand, blau und weiß.

Dann, während der Passage zwischen den kleinen Inseln, tauchen plötzlich weiße Rücken aus dem Wasser auf. Weißwale! Zwischen den Inseln konnten wir nicht viel machen, aber nördlich davon hat Kapitän Joachim dann sein geniales Weißwal-Manöver durchgezogen. Weiträumig überholen, dicht unters Ufer, Anker runter, Maschine, Generator und Echolot aus, Redeverbot an Deck.

Kurz darauf kamen sie. Über 50 Weißwale, die sich von unserer stillgelegten Anwesenheit überhaupt nicht stören ließen. Wir haben jedes Geräusch von den Walen gehört, jedes Atmen, jedes Rülpsen. Die cremig-weißen Körper vollständig unter Wasser sichtbar, die Kälber fleckig dunkelgrau. So zogen sie zwischen Schiff und Ufer durch, in ihrem erstaunlich zügigen Marschtempo, auf dem Weg von nirgendwo nach irgendwo.

Ein Erlebnis, das uns alle tief berührt hat.

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Die Eisbären-Kleinfamilie auf dieser kleinen Insel am Abend war dann noch die Sahne auf einem ohnehin schon sehr, sehr süßen Kuchen …

Ich wünschte, ich könnte mehr und bessere Bilder durch dieses blöde Satellitendings schicken.

Raudfjord

Was für ein Tag, was für ein Leben! Strahlende Sonne und blauer Himmel im Raudfjord. Ein Tag wie aus dem Arktis-Bilderbuch. Eine schöne Tour, nicht zu anstrengend, gerade genug, um dieses angenehme Gefühl einer gewissen Müdigkeit in den Beinen zu haben. Ein klein wenig, jedenfalls. Und diese Sicht über den Raudfjord aus 325 Metern Höhe. Mehr braucht es gar nicht für ein grandioses Panorama!

Nur mit dem Segeln wollte es dann nicht so recht klappen. Kaum sind die Lappen oben, schläft der Wind ein oder er kommt einem plötzlich entgegen. Typisch Spitzbergen!

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P.S. Wer hat eigentlich gesagt, dass das mit dem Segeln nicht so gut geklappt hätte? Bis zu 9 Knoten, nicht weit weg von Vollzeug … 🙂

Der Nordwesten

18. & 19. Juli 2014 – Zwei Tage vom Kongsfjord bis zum Raudfjord, von der Westküste bis zur Nordküste. Zwei Tage lang Westküstenwetter mit viel Wind und Regen. Aber das hat uns immerhin schön unter Segeln bis zum Magdalenefjord gebracht, mit ordentlichen 7-8 Knoten.

Dort war es dann gestern genauso nasskalt wie heute früh in Virgohamna. Überall um uns Polargeschichte, von den Walfängern bis den Trappern. Die haben alle mehr gefroren als wir und niemand hat ihnen etwas Warmes zu essen hingestellt, wenn sie in ihre ungeheizte Hütte zurückkamen.
Und im Vergleich zu Jan Mayen ist es auch immer noch sehr, sehr angenehm ☺ kein Sand überall, unsere schwimmende Unterkunft ist viiiiel komfortabler undsoweiter.

Gerade ankern wir in der Hamiltonbukta im Raudfjord und erfreuen uns am schönen abendlichen Sonnenlicht, das wir schon eine Weile vermisst haben, und hoffen, dass wir morgen wieder eine längere Tour machen können. Mal schauen, wie windig es morgen noch ist.

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Ach ja, nett war es auch, für die Sysselmannen Feldpolizei in Sallyhamna ein Buch zu signieren. Das bauchpinselt doch ☺ ich finde, mein Spitzbergen-Buch gehört in jede Hütte hier und in jeden Haushalt sonstwo!

Kongsfjord

Die Nacht war ja etwas schaukeliger als gedacht, aber nach der Abhärtung neulich zwischen Island und Jan Mayen ein Stück Kuchen, wie der Engländer sagt (manche hier auf der Antigua mögen anderer Meinung gewesen sein 😉 aber das ist schnell vergessen, wenn man auf der Blomstrandhalvøya im Kongsfjord stundenlang über die Hügel streift und den grandiosen Ausblick über die Gletscher genießt! Eisfuchs und Falkenraubmöwe, alle waren sie zuhause.

Ny Ålesund kommt aus dem Baustellenstadium irgendwien nicht so recht heraus, das ist somit eher ein kurzer Pflichtstop. Aber schön, meine Bücher dort endlich wieder im Laden zu sehen, nachdem das Management dort über Jahre meinte, dass Bücher es allgemein nicht bringen. (Ist das so? Lieber Schlüsselanhänger und Schnapsgläser?)

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Das abendliche Entertainment, die Ny Ålesund Wasserski-Amateure in voller Aktion, war ganz großes Kino! Auch, weil die Skifahrer mehr Zeit im Wasser liegend als darauf stehend verbrachten 🙂

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News-Auflistung generiert am 22. Oktober 2017 um 10:15:54 Uhr (GMT+1)
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