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Monats-Archiv: Mai 2014 − News & Stories


Eis­bä­rin Kara wan­der­te durch die hal­be Ark­tis

Eini­gen Eis­bä­ren (genau­er: Eis­bä­rin­nen), die jedes Jahr vom nor­we­gi­schen Polar­in­sti­tut mit Sen­dern aus­ge­stat­tet wer­den, kann man schon seit län­ge­rem auf einer Inter­net­sei­te des WWF auf ihren Wan­de­run­gen fol­gen. Oft blei­ben die Eis­bä­ren über einen Zeit­raum in einem mehr oder weni­ger klei­nen Gebiet. Aktu­ell schlägt aber Eis­bä­rin Kara alle bekann­ten Rekor­de: Sie wur­de im Janu­ar 2013 auf einem Glet­scher zwi­schen Horn­sund und Ham­ber­buk­ta (Ost­küs­te) betäubt und mit einem Sen­der aus­ge­stat­tet und hat seit­dem eine unglaub­li­che Wan­de­rung von 3703 Kilo­me­tern durch die rus­si­sche Ark­tis gemacht. Zunächst ging die Rei­se Rich­tung Nova­ya Zem­lya und von dort nach Franz Josef Land, ohne aber jeweils Land zu betre­ten. Das nächs­te Ziel war die sibi­ri­sche Insel­grup­pe Sever­na­ya Zeml­ja, wo Kara auf Land ging, nach­dem sie somit die gesam­te Kara-See durch­streift hat­te. Anschlie­ßend ging es aber wie­der wei­ter, nach Franz Josef Land, wo der Sen­der auf­hör­te, Daten zu sen­den. Mög­li­cher­wei­se ist Kara dort in eine Schnee­höh­le gegan­gen und hat Nach­wuchs zur Welt gebracht.

Das Weib­chen Kara war zur Zeit der Aus­stat­tung mit Sen­der 13 Jah­re alt, 2,2 Meter lang und wiegt 217 kg.

Die Daten von 2014 deu­ten mög­li­cher­wei­se an, dass die Weib­chen aktu­ell weni­ger Nach­wuchs haben als im lang­fris­ti­gen Mit­tel: Von 29 Weib­chen hat­ten nur 3 Nach­wuchs im zwei­ten Lebens­jahr, nor­mal liegt der Anteil bei gut einem Drit­tel. Aller­dings ist die unter­such­te Zahl so nied­rig, dass Zufall nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann.

Die Aus­stat­tung mit Sen­dern ist nicht unum­strit­ten, da durch die Betäu­bung schon Eis­bä­ren zu Tode gekom­men sind, nach­weis­lich letzt­ma­lig im Herbst 2013 (sie­he Spitzbergen.de-Nachrichten Okto­ber 2013). In einem wei­te­ren Fall vom April 2014 liegt der Ver­dacht eines Zusam­men­hangs zwi­schen dem Tod einer jun­gen Eis­bä­rin und einer Betäu­bung zu wis­sen­schaft­li­chen Zwe­cken eben­falls nahe, ein Nach­weis steht aber noch aus. In der Früh­jahrs­sai­son 2014 wur­den in Spitz­ber­gen 73 Eis­bä­ren zu wis­sen­schaft­li­chen Zwe­cken betäubt und unter­sucht.

Die Wan­de­rung der Eis­bä­rin Kara: 3703 Kilo­me­ter von Spitz­ber­gen durch die rus­si­sche Ark­tis. Bild­quel­le: WWF

Wanderung der Eisbärin Kara

Quel­le: WWF, Sval­bard­pos­ten

Ark­tis-Sai­son 2014 geht los: Bären­in­sel, Jan May­en, Spitz­ber­gen

Die Ark­tis-Sai­son 2014 geht los: Mor­gen legen wir mit der Anti­gua in Bodø ab. Es geht zu den Lofo­ten und dann nach Nor­den zur Bären­in­sel und nach Spitz­ber­gen. Im Juli geht es nach Jan May­en und bis Sep­tem­ber fol­gen meh­re­re Segel­schiff­tou­ren in Spitz­ber­gen.

Die Foto­ga­le­rien und Rei­se­be­rich­te wer­den über die nächs­ten Mona­te hin­weg also wie­der regel­mä­ßig aktua­li­siert wer­den, rein­schau­en wird sich garan­tiert loh­nen!

Am Anfang eines lan­gen Ark­tis-Som­mers 2014 ste­hen die Lofo­ten. Die Anti­gua im Troll­fjord, 2013.

Antigua, Trollfjord (Lofoten)

Neu­es zur Evo­lu­ti­on der Eis­bä­ren

Die Evo­lu­ti­on der Eis­bä­ren ist nach wie vor eine Fra­ge mit vie­len Fra­ge­zei­chen. Viel ist spe­ku­liert wor­den, von einem sehr jun­gen Alter von bis zu 100.000 Jah­ren bis hin zum Viel­fa­chen davon, was die Ent­ste­hung der Art tief zurück in frü­he Pha­sen des letz­ten Eis­zeit­al­ters stel­len wür­de (sie­he auch „Eis­bär als Art älter als bis­lang gedacht“ Spitzbergen.de-Nachrichten April 2012).

Eine neue Stu­die basiert auf gene­ti­schen Unter­su­chun­gen heu­ti­ger Eis­bä­ren und kommt zu dem Schluss, dass Eis­bä­ren sich vor 479.000–343.000 Jah­ren von den Braun­bä­ren getrennt haben, was im Rah­men der Unsi­cher­heit etwa mit den Ergeb­nis­sen von 2012 (link oben) über­ein­stimmt. Somit sam­meln sich Hin­wei­se dar­auf, dass der Eis­bär im mitt­le­ren Pleis­to­zän (2,6 Millionen-10.000 Jah­re vor heu­te) ent­stan­den ist.

Die Fra­ge ist nicht nur aka­de­misch, son­dern auch aktu­ell von Bedeu­tung: wäre der Eis­bär als Art jün­ger als 100.000 Jah­re, dann wäre die der­zei­ti­ge Warm­zeit die ers­te, mit der die Art kon­fron­tiert wird, so dass jede wei­te­re Erwär­mung Eis­bä­ren als Art tat­säch­lich vor neue Her­aus­for­de­run­gen stel­len wür­de. Geht das Alter der Art aber deut­lich dar­über hin­aus, lässt sich schluss­fol­gern, dass Eis­bä­ren als Art schon eine oder meh­re­re frü­he­re Warm­zei­ten über­lebt haben, was eine ent­spre­chen­de Anpas­sungs­fä­hig­keit der Art nahe­legt, zumin­dest im Rah­men der bis­he­ri­gen Ent­wick­lung. Die jün­ge­ren Ergeb­nis­se bestä­ti­gen letz­te­re Sicht­wei­se. Eine Garan­tie für ein Über­le­ben der Art bei noch stär­ke­ren oder noch schnel­le­ren Erwär­mun­gen ist dies natür­lich nicht.

Die Rekon­struk­ti­on der Evo­lu­ti­on der Eis­bä­ren ist auch daher so schwie­rig, da Fos­si­li­en der in jedem Fall geo­lo­gisch jun­gen Art meis­tens unauf­find­bar im Meer ver­lo­ren gehen, da Eis­bä­ren dort einen gro­ßen Teil ihres Lebens ver­brin­gen und somit dort auch häu­fig ster­ben.

Eis­bä­ren: ihre Evo­lu­ti­on reicht ver­mut­lich meh­re­re Jahr­hun­dert­tau­sen­de zurück. Und das Bild ist aus Spitz­ber­gen, nicht aus dem Zoo.

Eisbär Spitzbergen

Quel­le: Cell

Kreuz­fahrt­tou­ris­mus auf Spitz­ber­gen eher abneh­mend

Im April sind vom Sys­sel­man­nen aktu­el­le Zah­len für den Kreuz­fahrt­tou­ris­mus auf Spitz­ber­gen ver­öf­fent­licht wor­den. Sie geben dif­fe­ren­zier­te Infor­ma­tio­nen über die Ent­wick­lung bis 2013. Ein star­kes Wachs­tum ist ent­ge­gen weit­ver­brei­te­ter Ansicht nicht zu beob­ach­ten.

Die Anzahl gro­ßer Kreuz­fahrt­schif­fe, die auf ihrer Rou­te Spitz­ber­gen anfah­ren, ist 2013 fast kon­stant geblie­ben (27, im Vor­jahr: 28). Da eini­ge Schif­fe mehr­mals pro Sai­son fah­ren, liegt die Anzahl der Fahr­ten dar­über (2012 waren es 36 Fahr­ten, 2013 waren es 33). Deut­li­cher ist die Zahl der Pas­sa­gie­re von 42 363 auf 36 257 gesun­ken. Hier hat­te das Jahr 2012, in dem gegen den Trend der Vor­jah­re ein unge­wöhn­lich hoher Anstieg ver­zeich­net wur­de, einen Rekord mar­kiert. In den Jah­ren davor hat­te sowohl die Anzahl der Fahr­ten von 50 (2005) auf 28 (2011) als auch die Anzahl der Pas­sa­gie­re von 32 781 (2007) auf 24 187 (2011) ten­den­zi­ell abge­nom­men.

Die­se Zah­len gehen aus dem jähr­lich erschei­nen­den Frem­den­ver­kehrs­be­richt des Sys­sel­man­nen her­vor. In der Sta­tis­tik wird zwi­schen den gro­ßen Kreuz­fahrt­schif­fen, die Spitz­ber­gen als eines von meh­re­ren Zie­len auf einer grö­ße­ren Rund­fahrt anlau­fen, und den klei­ne­ren Expe­di­ti­ons­schif­fen unter­schie­den. Anders als die gro­ßen Kreuz­fahrt­schif­fe befah­ren die Expe­di­ti­ons­schif­fe schwer­punkt­mä­ßig oder aus­schließ­lich die Gewäs­ser um Spitz­ber­gen. Sie star­ten und been­den ihre Fahr­ten übli­cher­wei­se in Lon­gye­ar­by­en. Die Grö­ße die­ser Schif­fe vari­ier­te im letz­ten Jahr zwi­schen 5 und 300 Pas­sa­gie­ren. Zu den Expe­di­ti­ons­schif­fen zäh­len sowohl Segel­schif­fe wie Noor­der­licht oder Anti­gua als auch grö­ße­re Schif­fe wie Plan­ci­us und Orte­li­us von Ocean­wi­de Expe­di­ti­ons oder Quest und Oce­an Nova von PolarQuest/Polarkreuzfahrten. Die Zahl der Expe­di­ti­ons­schif­fe war 2013 im Ver­gleich zum Vor­jahr 2012 von 35 deut­lich auf 24 gesun­ken, auch hier mar­kier­te das Jahr 2012 einen Hoch­stand. Dafür war jedoch 2012 die Zahl der Pas­sa­gie­re nied­ri­ger, sie beweg­te sich mit 9 277 im Trend der vor­an gegan­ge­nen Jah­re. 2013 aller­dings war die Zahl der Pas­sa­gie­re auf Expe­di­ti­ons­schif­fen mit 10 530 erst­mals höher als im bis­he­ri­gen Rekord­jahr 2008 mit 10 040 Pas­sa­gie­ren.

Es zeich­net sich also ein unein­heit­li­ches Bild. Nimmt man die bei­den Kate­go­rien ‚gro­ße Kreuz­fahrt­schif­fe‘ und ‚klei­ne­re Expe­di­ti­ons­schif­fe‘ zusam­men, so ist die Zahl der Pas­sa­gie­re gegen­über dem außer­ge­wöhn­li­chen Rekord­jahr 2012 von 51 640 auf 46 787 zurück­ge­gan­gen. Dem rela­tiv star­ken Rück­gang bei Kreuz­fahrt­schif­fen steht ein mode­ra­ter Anstieg bei Expe­di­ti­ons­schif­fen gegen­über. Ein über­grei­fen­der, ein­deu­ti­ger Trend ist nicht aus­zu­ma­chen. Die oft wie­der­hol­te Behaup­tung, schiffs­ba­sier­ter Tou­ris­mus in Polar­ge­bie­ten wür­de stark und unkon­trol­liert wach­sen, wird durch die­se Zah­len jedoch für Spitz­ber­gen wider­legt (ähn­li­ches gilt für die Ant­ark­tis, sie­he antarktis.net-Nachrichten Mai 2014). Auch mit Blick auf die seit 2010 abneh­men­de Zahl der Kreuz­fahrt­tou­ris­ten in Grön­land erwei­sen sich sol­che Dar­stel­lun­gen als Mythos. Sie dien­ten aller­dings in der Ver­gan­gen­heit als Argu­ment für ent­spre­chend restrik­ti­ve Ände­run­gen gesetz­li­cher Rege­lun­gen, die den Tou­ris­mus betref­fen (sie­he z.B. Spitzbergen.de-Nachrichten vom April 2014).

Wenn man den land­ba­sier­ten Tou­ris­mus hin­zu­nimmt, hat der Tou­ris­mus auf Spitz­ber­gen 2013 ins­ge­samt zuge­nom­men, wie der Bericht des Sys­sel­man­nen eben­falls zeigt. Die Zahl der Über­nach­tun­gen in Lon­gye­ar­by­en stieg von 84 643 (2012) deut­lich auf 107 086 (2013) und die Anzahl der Flug­gäs­te von 40 153 (2012) auf 47 645 (2013). Der land­ba­sier­te Tou­ris­mus fin­det weit­ge­hend in und um Lon­gye­ar­by­en statt mit Schwer­punkt auf Motor­schlit­ten­tou­ren, ergänzt von Hun­de­schlit­ten­tou­ren und ande­ren Akti­vi­tä­ten.

Schiffs­tou­ris­mus in Spitz­ber­gen: das Spek­trum reicht von Segel­boo­ten bis hin zu Oze­an­rie­sen.

Schiffe Spitzbergen

Quel­le: Sys­sel­man­nen

Spitz­ber­gen Pan­ora­ma

Die Spitz­ber­gen-Pan­ora­ma­sei­te ist nicht nur wie­der deut­lich gewach­sen, son­dern jetzt auch bes­ser sor­tiert. Das uner­war­tet schnel­le Wach­sen der Sei­te hat eine bes­se­re Struk­tur drin­gend nötig gemacht, um Pan­ora­men von bestimm­ten Orten schnel­ler fin­den zu kön­nen und um zu wis­sen, von wo genau ein ein­zel­nes Pan­ora­ma stammt. Mehr und mehr sind jetzt von den ein­zel­nen Gegen­den nun Kar­ten ein­ge­baut, wo die genaue Zuord­nung der Pan­ora­men zu einem bestimm­ten Ort sicht­bar ist.

Auch die Anzahl ist in den letz­ten Wochen wie­der deut­lich gewach­sen, und natür­lich wer­den über die nächs­ten Wochen und Mona­te vie­le wei­te­re fol­gen!

Viel Spaß beim Her­ein­schau­en in die Spitz­ber­gen-Pan­ora­ma-Sei­te.

Eines von vie­len Spitz­ber­gen-Pan­ora­men: Im win­ter­li­chen Eis der Mohn­buk­ta sind vie­le Eis­ber­ge mit fan­tas­ti­schen For­men ein­ge­fro­ren. Die­se Bil­der ent­stan­den im Inne­ren eines klei­nen, mit ehe­ma­li­gen Schmelz­was­serhöh­len durch­zo­ge­nen Eis­bergs.

Rekord­be­tei­li­gung beim Ski­ma­ra­thon

Beim dies­jäh­ri­gen Ski­ma­ra­thon, der heu­te (3. Mai) statt­fand, erreich­te die Teil­neh­mer­zahl mit über 800 einen neu­en Rekord. Unter den Teil­neh­mern war auch der frü­he­re nor­we­gi­sche Regie­rungs­chef und künf­ti­ge Nato-Gene­ral­se­kre­tär Jens Stol­ten­berg.

Die Ski-Mara­thon­läu­fer konn­ten sich bei blau­em Him­mel, Son­nen­schein, Wind­stil­le und leich­ten Minus­gra­den über aller­bes­tes Wet­ter freu­en. Erwar­tungs­ge­mäß strich der Nor­we­ger Eldar Røn­ning wie bereits im Jahr zuvor den ers­ten Platz ein, bei den Damen gewann Celi­ne Bru­ne-Lie.

Unter Ein­hei­mi­schen fin­det die gro­ße Aus­wei­tung und damit ein­her­ge­hen­de Kom­mer­zia­li­sie­rung des frü­her eher fami­liä­ren Ereig­nis­ses gemisch­ten Anklang, wäh­rend der Ski­mara­ra­thon unter Mara­thon­läu­fern welt­weit lang­sam mehr und mehr Beach­tung fin­det.

Am 07. Juni wer­den Mara­thon­läu­fer aus diver­sen Län­dern in Lon­gye­ar­by­en für den nörd­lichs­ten regu­lä­ren Mara­thon welt­weit, der regel­mä­ßig statt­fin­det, an den Start gehen.

Ziel-Ein­lauf beim Spitz­ber­gen-Ski­ma­ra­thon (Archiv­bild 2013).

Spitzbergen Skimarathon

Der Stoß­zahn des Nar­wals dient als Sin­nes­or­gan

Die mar­kan­ten und in der Tier­welt ein­zig­ar­ti­gen Stoß­zäh­ne der Nar­wa­le die­nen den Tie­ren als sen­si­bles Sin­nes­or­gan, mit dem sie Ver­än­de­run­gen in ihrer Umge­bung wahr­neh­men kön­nen. Die­se The­se konn­ten For­scher nun bestä­ti­gen.

Nar­wa­le bil­den zusam­men mit den Weiß­wa­len (Belugas) die Fami­lie der Grün­del­wa­le. Sie sind im Nord­po­lar­meer, beson­ders west­lich und öst­lich von Grön­land, um Spitz­ber­gen und nörd­lich der sibi­ri­schen Küs­te ver­brei­tet.

Das Gebiss ist bei Nar­wa­len zurück­ge­bil­det und beschränkt sich auf zwei Eck­zäh­ne im Ober­kie­fer. Bei männ­li­chen Tie­ren wächst der lin­ke die­ser Eck­zäh­ne spi­ral­för­mig durch die Ober­lip­pe hin­durch und ent­wi­ckelt sich zu einem Stoß­zahn, der bis zu ca. 2,6m lang wer­den kann. In sel­te­nen Fäl­len kann es vor­kom­men, dass auch der rech­te Eck­zahn her­aus wächst. Der Wal hat dann zwei Stoß­zäh­ne, die aller­dings kür­zer aus­fal­len. Auch weib­li­chen Tie­ren kön­nen Stoß­zäh­ne wach­sen, dies ist jedoch eher unge­wöhn­lich.

Wel­che Funk­ti­on die Stoß­zäh­ne für die Tie­re haben, war lan­ge unklar und wur­de kon­tro­vers dis­ku­tiert. Aner­kannt sind heu­te zwei Erklä­run­gen: Sie die­nen als Domi­nanz­merk­mal der männ­li­chen Tie­re, um sich gegen Riva­len durch­zu­set­zen und als Sin­nes­or­gan.

Seit eini­gen Jah­ren unter­sucht Dr. Mar­tin Nweeia von der Har­vard School für Zahn­me­di­zin (HSDM) zusam­men mit ande­ren For­schern die Funk­ti­on der Nar­wal­zäh­ne. Die The­se der For­scher, dass die Zäh­ne den Tie­ren als sen­si­bles Sin­nes­or­gan die­nen, konn­te nun erhär­tet wer­den. Frü­he­re Unter­su­chun­gen hat­ten bereits erge­ben, dass die Stoß­zäh­ne, anders als bei Zäh­nen von Säu­ge­tie­ren üblich, kei­nen Zahn­schmelz haben, der den Zahn nach außen hin schützt. Nun konn­te gezeigt wer­den, dass die äuße­re Schicht, das Zahn­ze­ment, porös ist und dass die inne­ren Schich­ten von mikro­sko­pisch klei­nen Röh­ren durch­zo­gen sind, die zum Zen­trum des Zahns füh­ren. Das Mate­ri­al des Zahns ist also starr aber durch­läs­sig. Den inne­ren Kern des Zahns bil­det die Pul­pa. Dort konn­ten die For­scher Ner­ven­enden aus­ma­chen, die mit dem Gehirn des Wals ver­bun­den sind. Auf­grund die­ser Struk­tur ist der Zahn sen­si­bel für Ver­än­de­run­gen in sei­ner Umge­bung, wie z.B. Ver­än­de­run­gen der Tem­pe­ra­tur, des Salz­ge­halts im Was­ser oder ande­rer che­mi­scher Para­me­ter. In Ver­su­chen konn­te gezeigt wer­den, dass sich die Herz­fre­quenz des Wals ver­än­der­te, wenn der Stoß­zahn unter­schied­li­chen Salz­ge­hal­ten im Was­ser aus­ge­setzt war.

Ver­mut­lich dient die­se Fähig­keit des Stoß­zahns den männ­li­chen Nar­wa­len zum Auf­fin­den und zur Beur­tei­lung der Paa­rungs­be­reit­schaft von weib­li­chen Tie­ren. Außer­dem dürf­te sie das Auf­fin­den von Beu­te­tie­ren erleich­tern.

Die For­scher um Dr. Nweeia inter­es­siert nun die Fra­ge, ob es sich bei die­ser ein­zig­ar­ti­gen Fähig­keit, den Zahn als sen­si­bles Sin­nes­or­gan zu ver­wen­den, um eine evo­lu­tio­nä­re Wei­ter­ent­wick­lung han­delt oder um ein Über­bleib­sel aus einer frü­he­ren Ent­wick­lungs­stu­fe.

Stoß­zahn und Schä­del eines Nar­wals, gestran­det im Bellsund, Spitz­ber­gen.

Narwal Stoßzahn

Quel­le: BBC Natu­re News

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News-Auflistung generiert am 28. Oktober 2021 um 12:01:20 Uhr (GMT+1)
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