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Grumantbyen: russischer Kohlebergbau auf Spitzbergen 1932-62

Karte Grumantbyen

Kar­ten­skiz­ze von Grum­ant­by­en zur Zeit maxi­ma­ler Akti­vi­tät.
Nur die schwarz dar­ge­stell­ten Gebäu­de exis­tie­ren noch (Stand 2020) in stark rui­nö­sem Zustand. Die grau dar­ge­stell­ten Gebäu­de exis­tie­ren nicht mehr bzw. nur noch als Grund­riss im Gelän­de. Auch die ein­ge­zeich­ne­ten Kai­an­la­gen exis­tie­ren nicht mehr.
Auf der Vor­la­ge ist wie­der­um kei­ne Topo­gra­phie (Höhen­li­ni­en, Lage des Flus­ses) ein­ge­zeich­net, was die Bezie­hung zwi­schen Zeich­nung und Rea­li­tät zu einem Rate­spiel wer­den lässt.
Die Beto­nung liegt somit auf „Skiz­ze“: die Ori­en­tie­rung ist unge­nau und die Zuord­nung der gel­ben Punk­te, wel­che die ein­zel­nen Pan­ora­men auf die­ser Sei­te mar­kie­ren, nur eine Annä­he­rung.
Eige­ne Zeich­nung auf Basis einer Skiz­ze in Hoel (1966, wei­te­re Anga­ben am Ende der Sei­te).

Grumantbyen Umgebung

Grum­ant­by­en liegt am Fuß eines Tals, unter stei­len Hän­gen.
Das Gelän­de hat oft Schwie­rig­kei­ten berei­tet.

Pan­ora­ma-Sta­tio­nen

  1. Grum­ant­by­en
  2. Öst­li­ches Ende der Bahn
  3. Denk­mal
  4. Bahn­tras­se, Was­ser­kes­sel
  5. Bahn­tras­se, Stol­len­ein­gang
  6. Bahn­tras­se, Gru­ben­ein­gang
  7. „Dorf­platz“
  8. Gebäu­de (innen)
  9. West­li­ches Gebäu­de (Ein­gang)
  10. West­li­ches Gebäu­de (innen)
  11. Aus­sicht über Grum­ant­by­en

Pan­ora­ma 1 – Grum­ant­by­en

Ab 1912: Grumant – Das Han­dels­haus A.G. Aga­fel­off & Co

Von Russ­land gin­gen ab 1912 meh­re­re Expe­di­tio­nen aus, um Koh­le­vor­kom­men auf Spitz­ber­gen zu erkun­den und für Russ­land zu sichern. Die­se Expe­di­tio­nen wur­den zunächst von Rudolf L. Samoi­lo­witsch und Vla­di­mir Rus­a­nov gelei­tet; Rus­a­nov ver­schwand jedoch im Spät­som­mer 1912 mit dem Expe­di­ti­ons­schiff Her­ku­les und einem gro­ßen Teil der Mann­schaft spur­los in der Nord­ost­pas­sa­ge. Samoi­lo­witsch ver­folg­te die rus­si­schen Inter­es­sen auf Spitz­ber­gen bis 1915 wei­ter und sicher­te die Rech­te auf meh­re­re Gebie­te, dar­un­ter Cole­s­buk­ta und den Bereich öst­lich davon, wo spä­ter Grumant (Grum­ant­by­en) ent­stand. Hin­ter den Expe­di­tio­nen stand das Han­dels­haus Grumant – A.G. Aga­fel­off & Co, dem auch die dar­aus resul­tie­ren­den Rech­te gehör­ten.

Grumantbyen Umgebung

Auch vom Was­ser her ist Grum­ant­by­en nur bei ruhi­ger See erreich­bar.
Vor dem Ufer liegt viel Schrott im Was­ser.

Nach 1915 zogen die Rus­sen sich jedoch zunächst aus Spitz­ber­gen zurück. Mehr zu die­ser frü­hen, rus­si­schen Geschich­te steht auf der Sei­te Rus­si­scher Berg­bau auf Spitz­ber­gen.

Pan­ora­ma 2 – Öst­li­ches Ende der Bahn

Ab 1920: Die Anglo Rus­si­an Grumant (ARG)

1920 wur­de in Lon­don die Anglo Rus­si­an Grumant Com­pa­ny Ltd gegrün­det. Der Direk­tor, Berg­in­ge­nieur Gre­go­ry Mikhai­l­o­vitsj Nachim­son, war seit 1918 Teil­ha­ber des Han­dels­hau­ses Grumant – A.G. Aga­fel­off & Co und kann­te das Revier auf Spitz­ber­gen. Man kann ver­mu­ten, dass er ange­sichts der rus­si­schen Revo­lu­ti­on das Fir­men­ei­gen­tum vor der Kol­lek­ti­vie­rung bewah­ren woll­te; das ist Spe­ku­la­ti­on, aber immer­hin plau­si­bel. 1920 kam es zu einer ers­ten Expe­di­ti­on der ARG mit 21 Teil­neh­mern. An der Isfjor­dküs­te im Grum­ant­da­len wur­de auf der Ost­sei­te ein Wohn­haus auf­ge­stellt und auf der West­sei­te nach und nach die tech­ni­sche Infra­struk­tur: ein Kraft­werk (Die­sel), Koh­le­hal­de, Anle­ger und die Gru­ben­bahn. Noch 1920 wur­de mit dem Abbau an einem Flöz begon­nen, das auf der West­sei­te des Tals in 35 m Mee­res­hö­he zuta­ge trat. 2000 Ton­nen Koh­le wur­den ver­schifft. Der übri­ge Aus­bau erfolg­te schritt­wei­se bis 1925.

Pan­ora­ma 3 – Denk­mal

Eine Art Denk­mal ober­halb des Ortes. Der Hin­ter­grund ist nicht bekannt.

Die Infor­ma­tio­nen sind spär­lich, aber ein paar nack­te Zah­len ver­deut­li­chen, dass der Betrieb für ein paar Jah­re kon­ti­nu­ier­lich und pro­duk­tiv war, wenn auch nicht auf hohem Niveau:

Be­völ­ke­rungDavon Frau­en / Kin­derGe­förder­te Kohle­men­ge (Ton­nen)Ver­schiff­te Kohle­menge (Ton­nen)
Som­mer 19202120002000
Win­ter 1920-2138-/-
Som­mer 192145?7000
Win­ter 1921-2222-/-
Som­mer 192220??
Win­ter 1922-23?-/-
Som­mer 1923200?
Win­ter 1923-2425-/-
Som­mer 192490?16000
Win­ter 1924-2566-/-
Som­mer 1925?20200?
Win­ter 1925-2642-/-
Som­mer 1926Gut 809000?
Win­ter 1926-27Nur Wach­mann­schaft-/-
Som­mer 19276?

Die Pro­duk­ti­on wur­de, soweit über­haupt Anga­ben vor­han­den sind, als Jah­res­pro­duk­ti­on ange­ge­ben und nicht nach Sommer/Winter auf­ge­schlüs­selt. Im Win­ter wur­de kei­ne Koh­le ver­schifft. Anga­ben aus Hoel (1966): Sval­bards his­to­rie.

Pan­ora­ma 4 – Bahn­tras­se, Was­ser­kes­sel

1923 kon­zen­trier­te man sich auf den wei­te­ren Aus­bau der Infra­struk­tur, der Abbau lag in die­ser Zeit still.

Die Anga­ben lie­gen nicht voll­stän­dig im Ein­zel­nen vor, aber von 1920 bis 1924 lag die Pro­duk­ti­on bei 33.000 Ton­nen, bei einem Kapi­tal­auf­wand von 90.000 Pfund im glei­chen Zeit­raum.

Ab 1926: Das Ende der Anglo Rus­si­an Grumant

Der Preis­ver­fall von Koh­le auf dem Welt­markt Mit­te der 1920er Jah­re brach­te alle Berg­bau­ge­sell­schaf­ten auf Spitz­ber­gen in Schwie­rig­kei­ten und zwang die ARG, im Herbst 1926 den Betrieb ein­zu­stel­len. Im Win­ter 1926-27 blieb nur eine Wach­mann­schaft, im Som­mer 1927 waren 6 Leu­te vor Ort (Ver­wal­ter, Koch, Stei­ger, drei Arbei­ter). Im Herbst 1927 wur­de der Betrieb schließ­lich ganz auf­ge­ge­ben. Bis dahin waren 62.200 Ton­nen Koh­le pro­du­ziert wor­den. Der ARG blieb nur noch der Ver­kauf.

Pan­ora­ma 5 – Bahn­tras­se, Stol­len­ein­gang

Ab 1931: die rus­si­sche Zeit beginnt – erst Sojuslje­s­prom, dann Trust Ark­ti­ku­gol

Im Som­mer 1931 began die rus­si­sche Gesell­schaft Sojuslje­s­prom auf dem Grumant-Feld mit dem Abbau. Am 12. Juli traf der Eis­bre­cher Sibi­ria­koff aus Arkan­gelsk ein. An Bord befan­den sich 80 Men­schen, die den Betrieb auf­nah­men, dar­un­ter 12 Frau­en. Die Arbei­ter kamen über­wie­gend aus dem Donezk-Becken in der Ukrai­ne und wur­den gut bezahlt (NOK 300,-/Monat, bei frei­er Kost und Logis).

Grumant Überblick

Über­blick über das, was vom Ort Grumant noch übrig ist.

Die Arbei­ter began­nen umge­hend damit, diver­se Gebäu­de zu bau­en, u.a. zwei grö­ße­re Wohn­häu­ser. Wegen der für das Ver­la­den sehr ungüns­ti­gen Ufer­ver­hält­nis­se bestand per­spek­ti­visch der Plan, Cole­s­buk­ta als Hafen zu nut­zen.

Ende Juli kamen wei­te­re 117 Per­so­nen, dar­un­ter 10 Frau­en, nach Colesbukta/Grumant. Zunächst wur­den Wohn­ge­bäu­de und eine Radio­sta­ti­on gebaut. Am Ende des Som­mers stan­den zwei Bara­cken für je 100 Leu­te bereit, sowie ein Klub­haus und ein Kran­ken­haus. Bevor der Berg­bau auf­ge­nom­men wer­den konn­te, muss­ten umfang­rei­che Repa­ra­tu­ren durch­ge­führt wer­den.

Alte Kessel

Alte Kes­sel (?) ober­halb der Gebäu­de.

Ins­ge­samt war die direk­te Auf­nah­me des Betriebs durch die Sojuslje­s­prom bemer­kens­wert, da die ARG Ltd. for­mal immer noch die Rech­te am Grumant-Feld hielt. Die­se gin­gen aber am 17. Novem­ber 1931 an den rus­si­schen Trust Ark­ti­ku­gol über, eine öffent­li­che Gesell­schaft zur Gewin­nung von Koh­le und ande­ren Mine­ra­li­en an der Nord­meer­küs­te.

Pan­ora­ma 6 – Bahn­tras­se, Gru­ben­ein­gang

Ab 1931: Auf­bau (Sied­lung) und Abbau (Koh­le)

Von dem Betrieb, der 1931 in Grumant/Colesbukta auf­ge­nom­men wur­de, ist rela­tiv wenig bekannt. Über­wie­gend sind es nack­te Zah­len und ein paar nüch­ter­ne tech­ni­sche Details, die Adolf Hoel in sei­nem drei­bän­di­gen Werk Sval­bards His­to­rie gesam­melt hat; sie stam­men ursprüng­lich aus den Inspek­ti­ons­be­rich­ten des nor­we­gi­schen Berg­mes­ters, der die amt­li­che Auf­sicht über alle Berg­bau­an­la­gen auf Spitz­ber­gen führ­te und die­se regel­mä­ßig besuch­te. Immer­hin wis­sen wir dadurch, dass der Trust Ark­ti­ku­gol direkt im rela­tiv gro­ßen Stil auf den Berg­bau in Grumant setz­te. Der Trust rech­net zunächst dort mit einer Jah­res­pro­duk­ti­on von 120.000 Ton­nen. Bis 1962 spiel­te der Ort eine grö­ße­re Rol­le als Pyra­mi­den, jeden­falls was Bevöl­ke­rungs­zahl und Koh­le­för­de­rung betraf; auch Bar­ents­burg blieb oft hin­ter der Dop­pel­sied­lung Grumant/Colesbukta zurück.

Westliches Gebäude, Aufgang

Auf­gang zum am wei­tes­ten west­lich ste­hen­den Gebäu­de.

Da die Quel­len­la­ge für die Geschich­te der rus­si­schen Sied­lun­gen Spitz­ber­gen ins­ge­samt sehr schlecht ist, sol­len die weni­gen vor­lie­gen­den Infor­ma­tio­nen hier recht voll­stän­dig wie­der­ge­ge­ben wer­den.

Be­vö­lke­rungDa­von Frau­en / Kin­derGe­för­der­te Kohle­men­ge (Ton­nen)Ver­schiff­te Kohle­men­ge (Ton­nen)
Win­ter 1931-32??10000
Som­mer 1932225??
Win­ter 1932-33?17011
Som­mer 1933??0 (Betriebs­s­top)?
Win­ter 1933-34230?38643
Win­ter 1934-35190 Berg­ar­bei­ter?
Som­mer 193531255/75050541462
Win­ter 1935-36350??
Som­mer 1936300?7513163909
Som­mer 193739064/677749?
Som­mer 193840758/1257984?
Som­mer 193946756/12?
Som­mer 194042675/21
Som­mer 1941609?

Anga­ben aus Hoel (1966): Sval­bards his­to­rie.

Pan­ora­ma 7 – „Dorf­platz“

Älte­re Gebäu­de in Grumant wur­den bis Som­mer 1932 ent­fernt und durch neue ersetzt,die etwa 400 Men­schen Unter­kunft boten. Im Som­mer 1932 wur­den Ort und Infra­struk­tur wei­ter auf­ge­baut. Gro­ße Kai­an­la­gen waren nicht geplant, son­dern zunächst der Trans­port der Koh­le mit Last­käh­nen zum Schiff im Fjord und spä­ter die Nut­zung des Hafens in Cole­s­buk­ta.

Westliches Gebäude, Treppe

Stark ver­fal­le­ne Trep­pe im west­li­chen Gebäu­de.

Der Som­mer 1933 brach­te Grumant einen zeit­wei­li­gen Betriebs­s­top, da das Gelän­de dort ins­ge­samt zu ungüns­tig erschien und man hoff­te, dass die Vor­kom­men in Cole­s­buk­ta den wei­te­ren Betrieb von dort aus recht­fer­ti­gen wür­den. Aller­dings war der Aus­bau in Grumant mit Unter­künf­ten und sons­ti­ger Infra­struk­tur für 250 Leu­te fer­tig, dar­un­ter ein klei­nes Kran­ken­haus, Ver­samm­lungs­haus, Ver­wal­tung, Radio­sta­ti­on und Kraft­werk (mit Die­sel­ge­ne­ra­tor). Bald ging der Berg­bau in Grumant aber wei­ter.

Westliches Gebäude, Korridor

Stark ver­fal­le­ner Kor­ri­dor im west­li­chen Gebäu­de.

Im Win­ter 1934-35 arbei­te­ten in Grumant 190 Berg­ar­bei­ter, dazu eine unbe­kann­te Beleg­schaft über Tage, die aber sicher min­des­tens so vie­le Per­so­nen umfass­te, eher noch eini­ge mehr. Das zah­len­mä­ßi­ge Ver­hält­nis Bergarbeiter/Gesamtbevölkerung lag oft etwa bei 1:3.

Zum Ver­gleich: in Bar­ents­burg über­win­ter­ten 1934-35 1447 Men­schen, dar­un­ter 200 Frau­en.

1935 wur­de an zwei Flö­zen mit je 60 cm Mäch­tig­keit gear­bei­tet. Zwi­schen den bei­den Flö­zen lag eine 60 cm Sand­stein­schicht. Die aktu­el­le Stros­se (Bereich des Abbaus) lag 18 m unter dem Mee­res­spie­gel. 1937 wur­de in Grumant damit begon­nen, einen neu­en Schacht auf der Ost­sei­te des Baches auf­zu­fah­ren.

Alter Stollen

Blick in einen alten Stol­len­ein­gang.

1938 muss­te ein neu­es Kraft­werk mit einem 300 kW Die­sel­ge­ne­ra­tor gebaut wer­den, nach­dem der alte Gene­ra­tor nach einem Kurz­schluss am 14. Dezem­ber 1937 abge­brannt war. Hät­te die nor­we­gi­sche Berg­bau­ge­sell­schaft Store Nor­ske nicht zwei alte, noch aus der Ame­ri­kaner­zeit stam­men­de Gene­ra­to­ren aus Lon­gye­ar­by­en gelie­fert, hät­te Grumant bis zum nächs­ten Som­mer auf­ge­ge­ben wer­den müs­sen. So aber gab es nur einen vier Wochen lan­gen Betriebs­s­top. 1939 wur­de das Kraft­werk aus­ge­baut und der Bach im Ort wur­de in Tun­nel ver­legt, um Lager­platz für Koh­le zu gewin­nen.

Für 1939 ist die Jah­res­pro­duk­ti­on nicht auf die ein­zel­nen Orte auf­ge­schlüs­selt, aber aus den rus­si­schen Anla­gen wur­den ins­ge­samt 313.246 Ton­nen ver­schifft. In Pyra­mi­den wur­de noch nicht abge­baut, die Pro­duk­ti­on stamm­te also voll­stän­dig aus Bar­ents­burg und Grumant. Der Kriegs­be­ginn beein­fluss­te die Arbeit der Rus­sen auf Spitz­ber­gen zunächst nicht.

1940 ent­stand in Grumant auf der West­sei­te des Grum­ant­da­len ein neu­es, zwei­ge­schos­si­ges Gebäu­de. Die Arbeit in der alten Gru­be auf der West­sei­te des Tals wur­de ein­ge­stellt und der Abbau auf die Ost­sei­te des Tals ver­la­gert. Für 1940 ist die Jah­res­pro­duk­ti­on im Ein­zel­nen eben­falls nicht bekannt, aber aus Bar­ents­burg und Grumant wur­den zusam­men 269.729 Ton­nen Koh­le ver­schifft.

Pan­ora­ma 8 – Gebäu­de (innen)

Eva­ku­ie­rung und Zer­stö­rung ab 1941

Der deut­sche Über­fall auf die Sowjet­uni­on am 22. Juni 1941 war der Wen­de­punkt für alle Orte auf Spitz­ber­gen. Alle Sied­lun­gen wur­den eva­ku­iert, die wich­ti­ge Infra­struk­tur wur­de gegen Pro­test der Berg­bau­ge­sell­schaf­ten gleich wäh­rend der Eva­ku­ie­rung zer­stört. Im Som­mer 1941 wur­de im Berg­werk in Grumant noch wie gewohnt gear­bei­tet, aber da kei­ne Koh­le ver­schifft wur­de, wur­den gro­ße Koh­le­hal­den ange­legt. In Grumant leb­ten und arbei­te­ten 609 Per­so­nen: die größ­te Bevöl­ke­rung, die es dort bis dahin gege­ben hat­te.

Bis zum 1. August för­der­ten die rus­si­schen Berg­wer­ke zusam­men 183.674 Ton­nen Koh­le, wovon aber nur 109.414 Ton­nen ver­schifft wur­den. Im Sep­tem­ber 1941 kam es schließ­lich zur Eva­ku­ie­rung. Die rus­si­schen Bewoh­ner von Bar­ents­burg, Colesbukta/Grumant und Pyra­mi­den wur­den nach Ark­han­gelsk gebracht.

Bach, Grumantbyen

Der Bach trennt den Ort in zwei Tei­le.

Beim groß ange­leg­ten deut­schen Angriff auf Spitz­ber­gen am 8. Sep­tem­ber 1943 wur­de Bar­ents­burg fast voll­stän­dig zer­stört, und von Grumant blie­ben nur ein paar klei­ne­re Gebäu­de übrig.

Nach dem Krieg: Wie­der­auf­bau ab 1946

Der Wie­der­auf­bau der rus­si­schen Sied­lun­gen Spitz­ber­gens begann erst im Novem­ber 1946. Im Som­mer 1947 waren in Grumant 120 Mann mit dem Wie­der­auf­bau beschäf­tigt. Fünf klei­ne­re Häu­ser und ein grö­ße­res waren bereits fer­tig, in der völ­lig zer­stör­ten Gru­be war aller­dings noch nichts pas­siert. Im Herbst 1947 wur­de die Beleg­schaft in Grumant auf 200 erhöht, da der Nor­den Russ­lands die Koh­le aus Spitz­ber­gen drin­gend brauch­te.

Bach, Grumantbyen

Das öst­lichs­te der noch ste­hen­den Gebäu­de ist stark ver­fal­len und wirkt so gefähr­lich, dass ich hier nur von außen durch ein Fens­ter foto­gra­fiert habe.

Im Win­ter 1947-48 waren ins­ge­samt etwa 1200 Rus­sen auf Spitz­ber­gen, die Ver­tei­lung auf die Ort im Ein­zel­nen ist unbe­kannt. Im Som­mer 1948 waren in Grumant wei­ter­hin meh­re­re Gebäu­de im Bau. Tei­le der Infra­struk­tur waren aber wie­der ein­satz­be­reit, dar­un­ter klei­nes Kran­ken­haus und das Die­sel­kraft­werk. Auch der Berg­bau hat­te wie­der begon­nen. In Cole­s­buk­ta hat­te man ein klei­nes Kai und vier Gebäu­de gebaut und geo­lo­gi­sche Unter­su­chun­gen ange­stellt.

Im Dezem­ber 1948 sank der klei­ne Eis­bre­cher Her­ku­les mit 25 Mann an Bord wahr­schein­lich in einem Sturm in der Nähe der Bjørnøya. Genaue­res weiß man nicht, denn das Schiff ver­schwand spur­los. Im Jahr zuvor war die Her­ku­les in Spitz­ber­gen sta­tio­niert gewe­sen und hat­te die Ver­bin­dung zwi­schen den rus­si­schen Sied­lun­gen auf­recht erhal­ten. Ihr Ver­lust muss für die klei­nen Orte, wo jeder jeden kann­te, ein har­ter Schlag gewe­sen sein.

Pan­ora­ma 9 – West­li­ches Gebäu­de (Ein­gang)

Ab 1949: Rou­ti­ne­be­trieb

1949 war der Wie­der­auf­bau in Grum­ant­by­en abge­schlos­sen. Es gab gro­ße, zwei­stö­cki­ge Holz­ge­bäu­de mit Unter­künf­ten, ein Bade-/Wasch­ge­bäu­de mit getrenn­ten Tei­len für Män­ner und Frau­en, Ver­wal­tung, Mes­se, Warm­la­ger und Kran­ken­haus. Der Plan, eine Seil­bahn nach Cole­s­buk­ta zu bau­en, war auf­ge­ge­ben wor­den, aber statt­des­sen hat­te man einen Weg gebaut. Die Belegschaft/Bevölkerung lag bei 600 Per­so­nen, davon 160-170 unter Tage und 48 in Cole­s­buk­ta. Bis Herbst 1949 wuchs die Beleg­schaft auf 965 Per­so­nen. In Cole­s­buk­ta gab es kei­nen Berg­bau, son­dern nur geo­lo­gi­sche Unter­su­chun­gen. Dort stan­den drei gro­ße Häu­ser und ein klei­nes. Es gab einen Schwei­ne­stall, Kai und Öltanks.

Im Herbst 1949 leb­ten ins­ge­samt 2438 Men­schen in den rus­si­schen Sied­lun­gen Spitz­ber­gens (Bar­ents­burg, Colesbukta/Grumant, Pyra­mi­den), dar­un­ter 51 Kin­der. Die Gesamt­pro­duk­ti­on lag bei 125.000 Ton­nen, davon wur­den 105.446 Ton­nen ver­schifft.

Bahn, Grumantbyen

Öst­li­ches Ende der klei­nen Bahn in Grumant, die ab 1952 bis Cole­s­buk­ta reich­te.

Im Win­ter 1949-50 wur­de der Berg­bau in Grumant öst­lich des Tals in nörd­li­cher Rich­tung wei­ter vor­an­ge­trie­ben, aber es tra­ten zuneh­mend Pro­ble­me mit geo­lo­gi­schen Ver­wer­fun­gen auf. Gleich­zei­tig lie­fen Arbei­ten mit dem Bau einer elek­tri­schen Eisen­bahn nach Cole­s­buk­ta.

1951 war die klei­ne Eisen­bahn zwi­schen Cole­s­buk­ta und Grum­ant­by­en fast fer­tig. Auf einer Stre­cke von 1400 m west­lich von Grum­ant­by­en muss­te ein Tun­nel gebaut wer­den, der aber auch schon fast fer­tig war: nur noch 140 m muss­ten gesprengt wer­den. 1951 wur­den aus den rus­si­schen Gru­ben 248.791 Ton­nen Koh­le ver­schifft. Zur Pro­duk­ti­on der ein­zel­nen Orte gibt es kei­ne nähe­ren Anga­ben.

Bahn, Grumantbyen

Stahl­schrott am öst­li­chen Ende der klei­nen Bahn in Grumant.

1952 wur­de dem nor­we­gi­schen obers­ten Berg­bau­be­am­ten, dem Berg­mes­ter, unter faden­schei­ni­gen Grün­den die Inspek­ti­on in den rus­si­schen Sied­lun­gen ver­wei­gert: Ein neu­er Zug in den Bezie­hun­gen, die davor durch­ge­hend als gut und freund­lich beschrie­ben wur­den, soweit es Anga­ben gab, was aber recht regel­mä­ßig der Fall war.

Die Eisen­bahn­stre­cke Cole­s­buk­ta-Grumant war fer­tig, und die ers­ten Ladun­gen Koh­le waren von Grum­ant­by­en nach Cole­s­buk­ta gebracht wor­den, um das dor­ti­ge Kraft­werk zu ver­sor­gen. Für die Stre­cke von rund acht Kilo­me­ter wur­den 40 Minu­ten Fahrt­zeit benö­tigt; ein Zug bestand aus 30 Last­wag­gons mit jeweils drei Ton­nen Koh­le.

Pan­ora­ma 10 – West­li­ches Gebäu­de (innen)

Ab 1954: Stö­run­gen sor­gen für Stö­run­gen

1954-55 stand in Grumant viel Arbeit mit der Umge­hung einer gro­ßen geo­lo­gi­schen Stö­rung (= Ver­wer­fung = Bruch im Gestein mit erheb­li­chem Ver­satz) an, die den Abbau öst­lich des Ortes behin­der­te. Die­se Arbei­ten zogen sich bis 1958, der Abbau ging aber süd­lich und öst­lich des Ortes wei­ter. 1958 konn­te end­lich mit dem Abbau öst­lich der gro­ßen Ver­wer­fung begon­nen wer­den.

1959 wur­de in Grumant ein neu­es Wohn­haus fer­tig­ge­stellt, dazu waren ein Bade­haus und Wäsche­rei im Bau. Das neue Gebäu­de mit Bad, Wäsche­rei und Büros wur­de 1960 fer­tig.

Gebäude, Grumantbyen

Rui­nen von Häu­sern in Grum­ant­by­en. Genau zuord­nen las­sen die­se Gebäu­de sich nicht mehr, aber sie wur­den mit Sicher­heit nach dem Krieg gebaut.

1961-62: Betriebs­s­top und Auf­ga­be

Die Pro­ble­me mit Ver­wer­fun­gen (geo­lo­gi­schen Brü­chen) und Flö­zen, die gering­mäch­ti­ger (dün­ner) wur­den, stär­ker mit Gestein ver­mengt waren und zuneh­mend höhe­re Asche­ge­hal­te auf­wie­sen, nah­men aller­dings 1961 zu. Daher wur­de die Pro­duk­ti­on im Herbst 1961 ein­ge­stellt. Die­ser Pro­duk­ti­ons­stop soll­te zunächst nur vor­über­ge­hend sein, tat­säch­lich mar­kier­te er das Ende der rus­si­schen Dop­pel­sied­lung von Cole­s­buk­ta und Grumant. In jenem Jahr leb­ten ins­ge­samt 2054 Men­schen in den drei rus­si­schen Sied­lun­gen (oder vier, wenn man Cole­s­buk­ta ein­zeln zählt). Zum Ver­gleich: Ins­ge­samt leb­ten zu jener Zeit Men­schen 2961 in den Sied­lun­gen Spitz­ber­gens. Die rus­si­sche Bevöl­ke­rung lag zah­len­mä­ßig also mit Abstand auf Platz eins.

1962 wur­den Cole­s­buk­ta und Grumant end­gül­tig auf­ge­ge­ben.

Be­völ­ke­rung*Davon Frau­en / Kin­derGe­för­der­te Kohle­men­ge (Ton­nen)Ver­schiffte Kohle­men­ge (Ton­nen)
Win­ter 1946-47??
Som­mer 1947120
Win­ter 1947-48200?
Som­mer 194845050000
Som­mer 1949600, im Herbst 965
Win­ter 1949-501008?/5116642
Som­mer 19511106?/32
Som­mer 1952830?/10122107
Som­mer 1953780?/11
Win­ter 1953-54986?/12120459
Win­ter 1954-55962?/20103210
Win­ter 1955-56958?/17105287
Win­ter 1956-57965?93959
Som­mer 19581035?73235
Som­mer 19591047?128918
Som­mer 1960??125425
Win­ter 1960-61??73727

* Bevöl­ke­rung für Grumant zusam­men mit Cole­s­buk­ta. Die meis­ten Men­schen leb­ten in Grumant, da dort die Gru­ben waren. Bei­spiel 1949: von 600 Men­schen leb­ten 48 in Cole­s­buk­ta, die übri­gen in Grumant.
Wo nichts steht, ist auch nichts bekannt bzw. nur zusam­men­fas­sen­de Anga­ben für alle rus­si­schen Sied­lun­gen zusam­men, sie­he Text.
Anga­ben aus Hoel (1966): Sval­bards his­to­rie.

Pan­ora­ma 11 – Aus­sicht über Grum­ant­by­en

Adolf Hoel erwähnt in Sval­bards His­to­rie bis 1965 kei­ner­lei Unglü­cke in Grum­ant­by­en oder den ande­ren rus­si­schen Berg­wer­ken auf Spitz­ber­gen, mehr­fach hob er den hohen tech­ni­schen Stan­dard her­vor. Er hat­te wohl kei­nen Anlass, die Ver­hält­nis­se aus poli­ti­schen Grün­den bes­ser dar­zu­stel­len, als sie tat­säch­lich waren, aber es ist schwer vor­stell­bar, dass es nie Gru­ben­un­glü­cke oder sons­ti­ge Unfäl­le gege­ben hat, wenn man dar­an denkt, dass in jenen Jah­ren in den nor­we­gi­schen Berg­wer­ken in Lon­gye­ar­by­en und Ny-Åle­sund bei einer Rei­he von Unglü­cken, dar­un­ter meh­re­re gro­ße Gru­ben­ex­plo­sio­nen, zahl­rei­che Men­schen um Leben kamen.

Der rus­si­sche Name der ehe­ma­li­gen Sied­lung Grumant ist an den Namen Grön­land ange­lehnt, unter dem schon die Pomo­ren Spitz­ber­gen kann­ten, das man frü­her für einen Teil von Grön­land gehal­ten hat­te. Heu­te ist Grumant meist als Grum­ant­by­en bekannt, die ange­häng­te Sil­be „byen“ ist nor­we­gisch und bedeu­tet „die Stadt“ (bestimm­te Form).

Quel­le

Als Quel­le dien­te pri­mär Sval­bards His­to­rie von Adolf Hoel (1966), hier das Kapi­tel De Rus­sis­ke Sels­ka­per (Bd. I, S. 331-418). Eine aus­führ­li­che, zusam­men­fas­sen­de Dar­stel­lung der rus­si­schen Geschich­te Spitz­ber­gens gibt es bis­lang lei­der nicht, soweit mir bekannt (und ich habe mehr­fach danach gesucht). Hier müss­te mal ein rus­si­scher His­to­ri­ker ans Werk gehen.

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Aussicht über Grumantbyen Westliches Gebäude (innen) Westliches Gebäude (Eingang) Gebäude (innen) »Dorfplatz« Bahntrasse, Grubeneingang Bahntrasse, Stolleneingang Bahntrasse, Wasserkessel Denkmal Östliches Ende der Bahn Grumantbyen

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Letzte Änderung: 20. Dezember 2020 · Copyright: Rolf Stange
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