spitzbergen-3
fb  de  en  
Marker
Home → Juli, 2016

Monats-Archiv: Juli 2016 − News & Stories


Bellsund – 28./29. Juli 2016

28./29. Juli 2016 – Die dünne Nebeldecke, die gestern im Hornsund für diese magischen Lichteffekte gesorgt hatte, hat sich nun zu einer ausgewachsenen Wolkendecke ausgewachsen, so dass die Welt heute deutlich grauer erscheint als heute. Aber sowohl die kleinen, bunten Eindrücke in der Tundra als auch die großen Überblicke über die schöne Landschaft aus der Höhe sind so schön, wie wir es uns erhofft haben.

Nachmittags trennen sich die Wege für eine Weile. Während eine Gruppe schöne Stunden bei einer Krabbentauchern erlebt, in der Gesellschat von Eisfüchsen und Rentieren, wandern die anderen von Nord nach Süd durch das Nathorst Land.

Gelbe und rote Tonsteinscherben liegen auf schwarzen Hängen, weite Blicke schweifen über Akseløya und Fridtjovbreen, eingeschnittene Bachtäler fordern den einen oder anderen Schweißtropfen extra. Schließlich stehen die Zelte auf einem kleinen Stück Tundra, genau dort, wo sich jeder Regentropfen entscheiden muss, ob er letztlich in den Van Mijenfjord oder in den Van Keulenfjord weiterfließen will. Ein gemütlicher Abend in schöner Landschaft und guter Stimmung, während die Kocher surren.

Wir erwachen mit Regentropfen, die auf die Zelte tröpfeln; es schüttet nicht, aber die Wolken sind doch ein Stück näher zu uns herabgekommen und erleichtern sich gerade ein wenig. Wir stapfen das schmale Tal hinab, mehrfach die Seite des kleinen Baches wechselnd, der mit jedem kleinen Seitentälchen langsam größer wird.

Galerie Bellsund – 28.-29. Juli 2016

Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrößerte Darstellung des Bildes zu erhalten.

Ein kleiner Seitengletscher hält eine faszinierende Überraschung für uns bereit: das Loch, das ein Schmelzwasserbach geschaffen hat, erweitert sich innen zu einer großen Höhle. Die glitzernde Decke hoch über uns, und die Wände weit genug auseinander, dass wir mit unserer kleinen Gruppe alle nebenander gehen könnten. Wir gehen 20 Meter, 30 Meter, doch das hintere Ende bleibt in der Dunkelheit verborgen. Ein beeindruckender Ort.

Draußen bleibt es feucht und grau. Ein paar schöne Wasserfälle säumen unseren Weg, und dann sind wir froh, als die Masten der Antigua im Nebel auftauchen.

Hornsund – 27. Juli 2016

Die berühmte Eisbärenjägerin Wanny Woldstad schrieb über den Hornsund, er sei so schön, dass man ihn nicht beschreiben könne, man müsse ihn selbst erleben. Das stimmt, vor allem an einem Tag wie heute. Dafür gibt es keine Worte. Die Bilder sollen für sich sprechen.

Galerie Hornsund – 27. Juli 2016

Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrößerte Darstellung des Bildes zu erhalten.

Storfjord – 26. Juli 2016

Der weite Storfjord, ein oft sehr ungemütliches Gewässer, liegt spiegelblank vor uns, so dass wir nach einem verspäteten Frühstück – die Eisbärenshow gestern hat noch ziemlich lange angedauert, die Ostküste erreichen und den Anker fallen lassen. Wenn sich die Gelegenheit bietet, an diesen exponierten Ufern an Land zu gehen, muss man sie nutzen! Die Uferfelsen sind ganz eigen, die großen Sandsteinblöcke sehen aus, als habe jemand künstlich eine Mole aufgeschüttet. Auf einzelnen Blöcken sind noch Fußstapfen kreidezeitlicher Dinosaurier zu sehen, vegetarische Iguanodons sind hier einst durch sumpfige Uferwälder gestapft. Die Erosion formt malerische Pilze und Säulen aus den ehemaligen Deltasanden.

Galerie Storfjord – 26. Juli 2016

Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrößerte Darstellung des Bildes zu erhalten.

Über spiegelglattes Meer geht es weiter nach Süden, das Wasser erscheint ölig, Eissturmvögel spiegeln sich, Fontänen steigen auf, Walrücken durchbrechen die Oberfläche. Die Ostküste erstreckt sich in weiter Länge am gesamten Westhorizont, Berg an Gletscher, Gletscher an Berg. Die Wolken weichen zurück, die Sonne scheint warm auf die abendliche Szene. Was für eine Nacht.

Heleysund & Freemansund – 25. Juli 2016

Im Vergleich zum kargen Nordaustland ist man in der saftig-grünen Tundra um den Heleysund wieder in einer ganz anderen Welt. Hinter Marlboro-country-artigen Felssäulen aus erstrecken sich Wiesen mit Steinbrech und Svalbardmohn, davor strömt es kräftig durch den Sund. Rund um das Straumsland geht es zu Fuß und dann mit der Antigua auch noch durch das Wurmloch (Ormholet), zum Kenterpunkt der Gezeiten ist die Strömung für kurze Zeit so schwach, dass das geht.

Galerie Heleysund & Freemansund – 25. Juli 2016

Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrößerte Darstellung des Bildes zu erhalten.

Nach ein paar Stunden Fahrt ist dann der Freemansund erreicht. In einer Möwenkolonie räubert ein Fuchs Eier und Küken aus den Nestern. Das Land drumherum ist ein Eisbärenmagnet: Über 14 Eisbären liegen an den Hängen oder spazieren herum, die meisten davon konzentriert an einem einzigen Berghang. Eine wahre Eisbärenparade! Diese Freemansund-Eisbären sind ein Phänomen, aber auch ein Mysterium. Köttelproben zur wissenschaftlichen Analyse sollen helfen, die Frage zu beantworten, warum sie so oft in dieser Dichte im Freemansund herumhängen. Mein kleiner Beitrag zur Polarforschung.

Bråsvellbreen, Vibebukta – 24. Juli 2016

Ein großer Vorteil der Fahrt außen ums Nordaustland herum besteht ja darin, dass man zwangsläufig an einem großen Teil der ewig langen Abbruchkante des Nordaustland entlangfährt. Diese Gletscherfront, die nördlichste der langen Halbkugel – Quatsch, die längste der nördlichen Halbkugel – ist ja schon phänomenal, wenn man nur ein paar Meilen daran entlangfährt. Aber wenn man das mehr als einen halben Tag lang macht, dann ist das noch, nun ja, abgefahrener. Es hört einfach nicht auf, eine unendliche Wand aus Eis, Kilometer um Kilometer. Ein Teil davon ist in den letzten Jahren auch noch vorgestoßen, dort treiben nun Eisberge in großer Anzahl herum.

Galerie Bråsvellbreen, Vibebukta – 24. Juli 2016

Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrößerte Darstellung des Bildes zu erhalten.

Beste Bedingungen für einen Landgang hatten wir dann in der Vibebukta. Wir haben ja einige Wiederholungstäter an Bord, etwa von 2011, als dort ein Eisbär an Land stand, so dass wir abbrechen mussten, bevor es losgegangen war, oder von 2015, als meilenweit alles mit Eis voll war. Umso schöner, nun doch einmal hinzukommen, für kleine und etwas längere Wanderungen und Ausblicke von Strand und Hügel über Eiskappe und in die Erdgeschichte.

Storøya & Kvitøya – 23. Juli 2016

Wir waren schon weit im Nordosten und das Wetter war auf unserer Seite. So haben wir dann den Kurs um das Nordaustland herum gelegt, in die entlegensten Regionen Spitzbergens. Es sollte ein Tag werden, den niemand, der dabei war, je vergessen wird.

Es fing mit ruhiger See an, Windstille und Sonnenschein. Im Westen, auf Steuerbord, die weiten Eiskappen des Nordaustland, backbord die kleine Storøya, ebenfalls großteils bedeckt von einer weitgestreckten Eiskappe mit typischem Uhrglasprofil. Flaches, karges Land abseits davon, ein paar Quadratkilometer.

Aber nicht unbewohnt. Es dauerte nicht lange, bis wir den ersten Eisbären im Blick hatten. Es sollte nicht der letzte sein. Ehrlich gesagt, habe ich ein wenig den Überblick verloren, ich glaube, es waren mindestens 13 oder 14 auf der Storøya. Einige lagen abseits der Küste faul in der Sonne, andere liefen am Ufer entlang und kauten auf den Knochen eines Wals, der irgendwann mal hier gestrandet sein muss. Ein Wahnsinnsschauspiel. Ich kann jetzt nicht all das im Detail beschreiben, was wir gesehen haben. Jedenfalls haben wir sie einen unvergesslichen Vormittag lang aus der Nähe von den Zodiacs aus beobachtet, wie sie am Ufer lagen, herumspazierten, miteinander spielten, sich drohend anbrüllten, neugierig zu uns kamen, ins Wasser stiegen … unglaublich, unvergesslich.

Galerie torøya & Kvitøya – 23. Juli 2016

Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrößerte Darstellung des Bildes zu erhalten.

Schließlich war bei den Eisbären wieder Siesta angesagt und bei uns auch, die Eindrücke müssen auch erst mal verarbeitet werden. Unterdessen haben wir Kurs auf die Kvitøya gesetzt, die fernste Insel Spitzbergens. Gut 30 Meilen, ruhige Stunden, um sich etwas zu entspannen, auch mal nicht schlecht.

Abends fiel der Anker vorm Andréeneset, wo Andrée, Frænkel und Strindberg am 05. Oktober 1897 nach ihrer berümten Ballonfahrt und dem langen Marsch über das Eis zum letzten Mal festen Boden betraten. Festen Boden zu betreten, war ein Vergnügen, das uns verwehrt blieb; der Eisbär, der wenige hundert Meter entfernt auf einem Hügel lag, war genau ein Eisbär zuviel in dieser Hinsicht, zumal er sich bald erhob und noch näher zu dem schlichten Denkmal hinspazierte, das den letzten Lagerplatz der Andrée-Expedition markiert. Sehen konnten wir es aber bestens von den Zodiacs aus, und den Eisbären ebenfalls. Unterdessen scheuchte ein weiterer Eisbär etwas weiter nördlich eine Herde Walrosse ins Wasser.

Sjuøyane – 22. Juli 2016

Wir haben es bis zu den Sjuøyane geschafft, den Sieben Inseln, der nördlichste Teil Spitzbergens! Da ist der Nordpol schon fast zum Greifen nahe. Während einer Landung auf der Phippsøya hatten wir ihn fast im Blick, wenn da nicht diese eine Wolke gewesen wäre. Dafür hatten wir diese herrliche, knackig-karge Polarlandschaft im Blick und um uns herum.

Galerie Sjuøyane – 22. Juli 2016

Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrößerte Darstellung des Bildes zu erhalten.

Was wir auch im Blick hatten, war dieser furchtbare Plastikmüll, der ja leider bis in die entlegensten Winkel der Welt treibt. Auf der Phippsøya liegen jetzt jedenfalls zwei Kubikmetersäcke Plastikmüll weniger.

Wahlenbergfjord – 22. Juli 2016

Den Wind hatten wir dafür heute im Wahlenbergfjord. Was uns zunächst nicht von einer kleinen, aber doch feinen Landung in einem versteckten Winkel der Palanderbukta abgehalten hat. Am Nachmittag wurde es allerdings spannend. Schöner Segelwind in den Wahlenbergfjord hinein, und dann wurde der Verkehr dichter und dichter. Zahlreiche Eisberge kleinerer und mittlerer größen vom Bodleybreen im innersten Wahlenbergfjord zwangen zur Reduzierung der Geschwindigkeit. Immerhin kamen wir tief in die Bucht hinein, trotz kräftigen Windes.

Dort allerdings saß ein Eisbär am Ufer, oder besser gesagt, nicht nur einer. Vor dem kräftigen Tier liefen weiter oben auf dem Gletscher eine Eisbärenmama mit ihrem Kleinen weg. Drei Eisbären in der Nähe der Landestelle sind genau drei zuviel – drei gute Gründe, nicht an Land zu gehen, sehr zum Bedauern vor allem der Wandergruppe, die bereits mit gepacktem Rucksack startklar waren und sich auf die Tour quer durchs Nordaustland zum Rijpfjord freuten. Es sollte heute nicht werden.

Galerie Wahlenbergfjord – 22. Juli 2016

Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrößerte Darstellung des Bildes zu erhalten.

Ein beeindruckendes Schauspiel lieferte der Wind, der zunächst einschlief, so dass der mächtige Bodleybreen und die vielen Eisberge sich schön im Wasser spiegelten, ein magischer Eindruck. Das war aber nur das Auge des Sturms, denn bald darauf kehrte er mit verstärkter Kraft aus der Gegenrichtung zurück, so dass der über den Grund ziehende Anker zügig gehoben werden musste.

Kapitän Joachim hatte seine Freude dabei, mit Anker am Boden den treibenden Eisstücken auszuweichen. Alles in allem ein äußerst beeindruckendes Schauspiel, in dem sich sowohl die Schönheit als auch die Wildheit der Arktis vereinten.

Hinlopen – 21. Juli 2016

Wunderwelten der Hinlopenstraße. Entscheidend dabei: das Wetter war gut, sprich windstill. Keine Selbstverständlichkeit hierzuwasser, wie wir einen Tag später noch feststellen sollten. Alles weitere zeigen die Bilder 🙂
 
 

Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrößerte Darstellung des Bildes zu erhalten.

Mosselhalvøya – 18./19. Juli 2016

18./19. July 2016 – Eine Zeltnacht unter dem 80. Breitengrad, davon träumt man doch 🙂 und genau das sollte es nun geben, zumindest für eine kleinere Gruppe. Bei der Landung in der Mosselbukta war der Gedanke an das Zelten noch eher gemäßigt attraktiv, während uns kräftiger Wind und gelegentliche Regentropfen aus tief hängenden Wolken entgegenkamen. Wobei besagte Wolken schon sehr dekorativ aussahen, so richtige Sturmwolken.

Mehrere kleinere Flussquerungen gab es gleich am ersten Abend, die bei der Wanderstiefelfraktion auch einen Schuhwerkwechsel erforderlich machten. Aus dem Mosseldalen pfiff der Wind, so dass wir die Gelegenheit gleich beim Schopf ergriffen, als wir kurz zuvor einen schönen Zeltplatz fanden, halbwegs vor dem Wind geschützt und nur wenige Meter von einem Bach mit schönem, klarem Wasser entfernt.

Der Wind schlief über Nacht ein, und wir taten das gleiche, abgesehen von der Eisbärenwache, die stündlich wechselnd um das Lager spazierte und sich in aller Stille mit gelegentlichen Vögeln und Rentieren unterhielt.

Am nächsten Tag wurde das Wetter langsam aber sicher besser. Das Mosseldalen, das in der Tat keine geeigneten Zeltplätze zu bieten gehabt hätte, war mit seinen steinigen Hängen, die direkt an das Flussbett stoßen, ein Wanderweg von echt arktischer Prägung, landschaftlich sehr beeindruckend.

Spannend war dann noch die Frage, ob es einen guten Übergang zum Sorgfjord geben würde. Laut Karte sollte das der Fall sein, aber in der Realität ..? Steile Wände links und rechts, ein Gletscher, der Tåbreen, die Route nach Süden, aber dort wollten wir nicht hin. Hinter der letzten Ecke aber, wie erwartet und erhofft, ein schönes Schneefeld und darüber ein gut begehbarer Hang, so dass das steinige Plateau auf gut 300 m Höhe recht einfach erreichbar war. Grandiose Ausblicke über das obere Mosseldalen und den Tåbreen, dann ein paar flache, felsige Hügel und Schneefelder, und schon öffnete sich das Tal vor uns, das zum Sorgfjord hinabführt.

Aus dem Schneefeld, über das es abwärts ging, sprudelte kräftig ein Schmelzwasserbach hervor, ein Stück noch durch das Tal, ein paar letzte Kilometer über flache Tundra bis zum Ufer. Dort lag die Antigua schon vor Anker. Ruhige Stimmung an Bord, die Landgänge der Gruppe an Bord waren längst abgeschlossen und wir gerade pünktlich zum Essen zurück, wohlverdient nach 25 Kilometern.

Galerie Mosselhalvøya – 18./19. Juli 2016

Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrößerte Darstellung des Bildes zu erhalten.

Ob das nun der Weg war, den die Teilnehmer der Schröder-Stranz-Expedition 1912 und 1913 auf ihren verschiedenen Märschen zwischen dem Sorgfjord, wo ihr Schiff im Eis eingesperrt lag, und der Mosselbukta und weiter zum Wijdefjord genommen hatten, ist unmöglich zu sagen und so wird es wohl auch bleiben. Genauso gut können sie weiter nördlich über die Mosselhalvøya gegangen sein, auch das geht, wie ich ja vor ein paar Jahren schon einmal probieren konnte. Den „Stein des Anstoßes“, den wird wohl niemals jemand noch mal finden und identifizieren können.

Westküste – 16./17. Juli 2016

16./17. Juli 2016 – Lange ist es schon her, dass wir an der Westküste waren – eigentlich zwar nicht mal eine Woche, aber es fühlt sich an wie ein Monat, und tatsächlich war die Zeit so voll, dass ich nicht mal zum Schreiben gekommen bin. Nach dem wunderbaren Tag im südlichen Forlandsund haben wir uns schrittweise nach Norden vorgearbeitet.

Natürlich durfte Ny Ålesund nicht fehlen, und in Virgohamna waren wir auch (wer weiß, vielleicht kommen wir auf dieser Fahrt ja noch zur Kvitøya, derzeit ist ja alles eisfrei, dann muss man natürlich zunächst nach Virgohamna, mit der Andrée-Expedition im Hinterkopf).

Galerie Westküste – 16./17. Juli 2016

Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrößerte Darstellung des Bildes zu erhalten.

Forlandsund – 15. Juli 2016

Manchmal hat es seine Vorteile, etwas verspätet aus dem Quark zu kommen. Es ist zu einfach, in Routine zu verfallen, abends im Isfjord einzuschlafen und morgens im Kongsfjord aufzuwachen. Wir hatten dieses Mal aber noch ein paar dringende Dinge zu erledigen, bevor wir mit der Antigua in Longyearbyen ablegen konnten.

Wie gesagt, es hat seine Vorteile. Fährt man sonst am schönen Daudmannsodden immer nur vorbei, ließen wir dieses Mal dort den Anker fallen. Spiegelglatte See an dieser exponierten Küste, wo es bei West- oder Südwind hoch hergehen kann. Soll vorkommen.

Die Küstenlandschaften und die weite Tundra sind an dieser Ecke wunderschön. Weite Strände, viel Treibholz, weite Serien alter Strandwälle, kleine, hinter Felsen versteckte Buchten.

Entsprechend ging es nachmittags weiter. Anstatt direkt Kurs Nord zu setzen, machten wir uns im südlichen Forlandsund auf Suche nach Walen. Und – Glück gehabt. Ein Blauwal zog seine gemütlichen Runden. Dadurch in die Nähe der Südspitze von Prins Karls Forland gekommen, haben wir die Gelegenheit beim Schopf gegriffen und sind dort auch gleich noch an Land gegangen. 1000 Mal dran vorbeigefahren, mindestens ebenso oft auf der Karte bewundert, diese verzweigte, stark strukturierte Küstenlinie. Noch schöner als auf der Karte zeigt sich die Wirklichkeit.

Galerie Forlandsund – 15. Juli 2016

Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrößerte Darstellung des Bildes zu erhalten.

Nach der Abfahrt noch mehr Wale, ein Blauwal und ein oder zwei Buckelwale, fleißige Flukenzeiger. Noch ein weiterer Blauwal wurde um Mitternacht in nächster Nähe des Schiffes gesichtet, aber da hatte der lange Tag schon seinen Tribut gefordert, das hat schon kaum noch jemand mitbekommen.

Eisbärin mit Jungtier am Austfjordneset erschossen: Fall geht nach Tromsø

Von dem traurigen Ereignis am Austfjordneset, wo im Juni eine Eisbärin und ihr Junges erschossen worden sind, wurde auf dieser Seite bereits berichtet. Ein Trapper wollte die Eisbärin mit einem Gummigeschoss aus einer Schrotflinte aus der Nähe der Hütte vertreiben, griff aber versehentlich zu einer Patrone mit scharfem Schrot und traf das Tier tödlich. Die hinzugerufene Polizei erschoss noch am gleichen Tag das erstjährige Jungtier, da es alleine in der freien Wildbahn keine Überlebenschance hatte.

Nun wurde in Longyearbyen beschlossen, dass nicht wie üblich beim Sysselmannen über das weitere juristische Vorgehen entschieden werden soll. Stattdessen geht der Fall nun an die Staatsanwaltschaft in Tromsø. Begründet wird diese Entscheidung einerseits mit dem großen öffentlichen Interesse an dem Fall und darüber hinaus damit, dass der Sysselmannen Eigner der Hütte ist, in der die beiden Trapper wohnen. Man will wohl dem Vorwurf der Befangenheit zuvorkommen.

Die Hütte am Austfjordneset war als private Trapperhütte gebaut worden, befindet sich aber seit etlichen Jahren im staatlichen Besitz. Von allen staatlichen Hütten ist dies die einzige, die derzeit an Trapper vergeben wird, die sich um die Überwinterung bewerben können. Dies soll der Traditionspflege dienen. Von den Bewerbern wird verlangt, dass sie aktiv der Jagd nachgehen, wobei Eisbären natürlich streng geschützt sind. Stattdessen wird Jagd auf Rentiere, Eisfüchse, Schneehühner und Robben betrieben.

Eisbären-Kleinfamilie am Nordenskiöldbreen (Archivbild vom September 2012).

Spitzbergen: Eisbärenfamilie

Quelle: Sysselmannen

Eisbärin mit Jungtier am Austfjordneset erschossen

Am Austfjordneset im Austfjord (innerer Wijdefjord) ist ein kleine Eisbärenfamilie getötet worden. Der Vorfall ereignete sich bereits am 13. Juni (während der laufenden Saison werden Nachrichten mitunter erst verspätet gebracht, der Schwerpunkt liegt derzeit auf dem Reiseblog) bei der Trapperstation am Austfjordneset, wo sich derzeit zwei Personen zur Überwinterung aufhalten.

Die Eisbärin war bereits mehrfach in die Nähe der Station gekommen, in deren Nähe Eiderenten brüten. Es kommt häufig vor, dass Nester von Tundrabrütern wie Eiderenten von Eisbären geplündert werden. Ungewöhnlich hingegen ist, dass eine Eisbärin mit Nachwuchs die Scheu gegenüber Menschen ablegt und sogar in nächste Nähe einer bewohnten Hütte kommt.

Einer der beiden Bewohner hielt sich in der Hütte auf, während der andere vom Dach aus die Bärin mit Warnschüssen vertreiben wollte. Dabei kam es zu einer fatalen Verwechslung: In der Absicht, die Bärin mit einem gezielten Schuss mit einem Gummigeschoss zu vertreiben, lud der Schütze auf dem Dach eine Flinte mit einem vermeintlichen Gummigeschoss, griff dabei aber versehentlich zu einer Schrotpatrone. Aus einer Entfernung von 8,5 Metern wirkte der Schuss tödlich.

Auf Anraten von Fachbiologen des norwegischen Polarinstitutes erschoss die hinzugerufene Polizei noch am gleichen Tag den kleinen Eisbären der toten Mutter, der zu dieser Zeit ein gutes halbes Jahr alt gewesen sein muss. Alleine hatte der kleine Eisbär in diesem Alter noch keine Überlebenschance.

Wie alle Eisbärenabschüsse, wird der Vorfall nun beim Sysselmannen untersucht, um festzustellen, ob eine strafbare Handlung vorliegt. Eisbären sind geschützt, nur in Fällen von Notwehr bleibt der Abschuss straffrei.

Nach dem Verhör in Longyearbyen sind die beiden Trapper, zwei Norweger im Alter von 28 und 29 Jahren, die zuvor in Longyearbyen bei UNIS studiert und als Guides gearbeitet hatten, wieder zum Austfjordneset zurückgekehrt.

Die Akte zum Fall vom April, wo eine Gruppe finnischer Skiwanderer einen Eisbären am Verlegenhuken anschoss, der später von der Polizei getötet wurde, ist mittlerweile vom Sysselmannen geschlossen worden. Hier lag nach Ansicht der Juristen kein strafbares Verhalten vor.

Foto

Glückliche Eisbären-Kleinfamilie im Kongsfjord. Die Mutter nagt an einem toten Walross, ihr Nachwuchs spielt mit einem Stück Treibholz. Meistens halten Eisbärinnen mit Nachwuchs sich von Menschen fern. Ausnahmen bestätigen aber leider diese Regel.

Spitzbergen: Eisbärenfamilie

Quelle: Sysselmannen, Svalbardposten

Zurück

News-Auflistung generiert am 27. April 2017 um 11:00:06 Uhr (GMT+1)
css.php