Temperaturrekorde sind der neue Normalzustand, was das Wetter betrifft. Das trifft auf die Arktis noch mehr zu als auf andere Teile der Welt. Am Freitag (7.10.) wurden bei der Wetterstation am Flughafen bei Longyearbyen 10,1°C gemessen. Das ist das erste Mal, dass dort im Oktober offiziell ein zweistelliger Wert aufgezeichnet wurde. Bislang liegt das absolute Temperaturmaximum im Oktober bei 8,9°C, der Wert stammt aus dem Jahr 1984. 1961 gab es schon einmal 9,9°C, aber damals lag die Wetterstation in Longyearbyen selbst und nicht am Flughafen, und die Messgeräte waren andere. Die Werte sind somit nicht unmittelbar vergleichbar. Vor allem die Lage, küstennah am weiten Isfjord oder weiter im Land im Tal, kann trotz der Entfernung von nur wenigen Kilometern meteorologisch einen erheblichen Unterschied bringen.
Am eindrücklichsten ist aber eine Information, die in einem Nebensatz Platz findet: das aktuell letzte Mal, dass ein Monat in Longyearbyen mit einer Temperatur unterhalb des langjährigen Mittels aufgefallen ist, war im November 2010, also vor traurig-stolzen 6 Jahren.
Auch die Eislage um Spitzbergen herum ist seit dem letzten Winter durchgehend traurig. Die Vermutung, das habe mit dem El Nino Phänomen zu tun, das sich letzten Winter im Pazifik ausgetobt hat, aber seine Auswirkungen um den ganzen Globus schickt, steht im Raum. Eine Besserung der Eislage lässt sich bislang aber nicht erkennen.
Der Oktober bringt die letzten Sonnenstrahlen und dann die Polarnacht nach Spitzbergen. Das hat mit Temperaturen um 10 Grad plus normalerweise nichts zu tun.
Norwegens arktischer Norden (1): Spitzbergen
vom Polarlicht bis zur Mitternachtssonne. Ein erzählend-informativer, üppig illustrierter Bildband, thematisch und geographisch rund um die schönen Inseln im Norden.