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Dis­kus­si­on um neue Hüt­ten für kom­mer­zi­el­le Tou­ren

Wäh­rend in Spitz­ber­gen nun im Febru­ar die Son­ne nach der Polar­nacht lang­sam wie­der über den Hori­zont zu stei­gen beginnt, wird heiß dis­ku­tiert: Soll es mehr kom­mer­zi­ell nutz­ba­re Hüt­ten im Gelän­de geben?

Hin­ter­grund ist die letz­te Storting­s­mel­ding, eine Art Blau­pau­se der nor­we­gi­schen Regie­rung für die mit­tel­fris­ti­ge Poli­tik, die für Spitz­ber­gen letzt­ma­lig 2016 her­aus­ge­ge­ben wur­de. Vor dem Hin­ter­grund des schwin­den­den Berg­baus soll der Tou­ris­mus ent­wi­ckelt wer­den, und zwar so, dass er mehr ganz­jäh­ri­ge Arbeits­plät­ze in Lon­gye­ar­by­en schafft. Akti­vi­tä­ten sol­len mög­lichst in Sied­lungs­nä­he statt­fin­den, zumin­dest aber inner­halb des Ver­wal­tungs­ge­bie­tes 10, zwi­schen Isfjord und Van Mijen­fjord.

Zu die­sem Zweck soll es prin­zi­pi­ell mög­lich sein, Hüt­ten kom­mer­zi­ell zu betrei­ben. Grund­sätz­lich steht man dem Hüt­ten­tou­ris­mus, wie er auf dem nor­we­gi­schen Fest­land ver­brei­tet ist, auf Spitz­ber­gen ableh­nend gegen­über, und die pri­va­te Nut­zung von Hüt­ten ist aus­schließ­lich Ein­hei­mi­schen erlaubt. Bis­lang gibt es nur drei Hüt­ten außer­halb der Sied­lun­gen, die Ver­an­stal­tern gehö­ren und von die­sen im Rah­men ihrer orga­ni­sier­ten Tou­ren genutzt wer­den kön­nen. Eine davon steht beim Nor­dens­kiöld­breen im Bill­efjord, eine am Brents­kar­det im inne­ren Advent­da­len und eine in der Nähe von Sveagru­va im Van Mijen­fjord.

Nun steht also im Raum, den Bau wei­te­rer Hüt­ten zuzu­las­sen. Inter­es­sen­ten – aus­schließ­lich in Lon­gye­ar­by­en ansäs­si­ge Ver­an­stal­ter – konn­ten ihre Anträ­ge mit­samt detail­lier­ter Ein­schät­zung der Fol­gen für die Umwelt letz­tes Jahr beim Sys­sel­man­nen ein­rei­chen. Bis Ende Janu­ar 2018 konn­te jeder dazu Stel­lung neh­men.

Zwölf Stel­lung­nah­men wur­den ein­ge­reicht (dazu wei­te­re acht ohne rele­van­te Anmer­kun­gen, die nur pro for­ma zu den Akten gege­ben wur­den). Die­se kom­men sowohl von Pri­vat­per­so­nen als auch von Insti­tu­tio­nen wie dem Mil­jø­di­rek­to­rat (nor­we­gi­sches Umwelt­amt), dem nor­we­gi­schen Polar­in­sti­tut und dem Rik­san­tik­var (Denk­mal­schutz). Allen Stel­lung­nah­men ist ein eher zurück­hal­ten­der, teil­wei­se kri­ti­scher Ton gemein­sam. Das Polar­in­sti­tut beleuch­tet alle in Fra­ge kom­men­den Stand­or­te in Bezug auf die jewei­li­ge Tier- und Pflan­zen­welt, um mög­li­che Umwelt­kon­flik­te auf­zu­zei­gen. Stark kri­tisch äußern sich meh­re­re Pri­vat­per­so­nen aus Lon­gye­ar­by­en, dar­un­ter Ver­tre­ter der weni­gen Trap­per, die es in Spitz­ber­gen noch gibt. Bemer­kens­wert ist, dass es mit Aus­nah­men weni­ger um die Fra­ge geht, ob es über­haupt Hüt­ten geben soll­te, die auf kom­mer­zi­el­len Tou­ren genutzt wer­den dür­fen, obwohl es auch hier natür­lich ein pro und kon­tra gibt. Statt­des­sen nimmt die detail­lier­te Dis­kus­si­on der ein­zel­nen, poten­zi­el­len Stand­or­te brei­ten Raum ein.

Dazu zäh­len:

Karte Hütten

Die­se Stand­or­te wer­den für neue, tou­ris­tisch nutz­ba­re Hüt­ten in Spitz­ber­gen dis­ku­tiert.

  • Elve­ne­set (Punkt 1 auf der Kar­te) am Aus­gang vom De Geerda­len im Sas­sen­fjord. Die Aus­sicht auf eine kom­mer­zi­el­le Hüt­te in einem der weni­gen, küs­ten­na­hen Flach­land­ge­bie­te in der mitt­le­ren Umge­bung von Lon­gye­ar­by­en, wo es bis­lang über­haupt kei­ne Hüt­ten gibt, begeis­tert offen­sicht­lich nie­man­den. Zusätz­lich wird die Bedeu­tung die­ses Tund­ra­ge­bie­tes für die Tie­re, v.a. Ren­tie­re und Eis­füch­se, her­vor­ge­ho­ben. Ein even­tu­el­ler Stand­ort für eine Hüt­te wür­de in der Nähe eines Fuchs­baus lie­gen. Ins­ge­samt ste­hen alle dem Stand­ort Elve­ne­set expli­zit kri­tisch gegen­über, auch das Mil­jø­di­rek­to­rat, des­sen Stim­me im wei­te­ren Pro­zess sicher viel Gewicht bekom­men wird.
  • Svel­ti­hel (2), ein Flach­land im Sas­senda­len an der Küs­te zum Tem­pel­fjord. Mit Blick auf die Umwelt käme die­ser Stand­ort wohl auch infra­ge, aller­dings liegt er dem wich­ti­gen Mil­jø­di­rek­to­rat zu weit weg von Lon­gye­ar­by­en und zu dicht am Sas­sen-Bün­sow-Natio­nal­park.
  • Kre­kling­pas­set (3), zwi­schen De Geerda­len und Hel­ve­tia­da­len. Den Stel­lung­nah­men zufol­ge einer von weni­gen Stand­or­ten, die über­haupt dis­kus­si­ons­fä­hig sind, ohne viel Kon­flikt­po­ten­zi­al mit der Umwelt.
  • Tverrda­len (4), süd­lich vom Advent­da­len. Ähn­lich wie der Kre­kling­pas­set abseits der Küs­te, zudem auch nicht bei einer häu­fig genutz­ten Tou­ren­rou­te und ohne gro­ßes Kon­flikt­po­ten­zi­al mit der Natur. Die­ser Stand­ort wird damit wohl im Ren­nen blei­ben.
  • Lang­ne­set im Van Mijen­fjord, zwi­schen Sveagru­va und Reinda­len (5). Die­sem Stand­ort ste­hen alle sehr kri­tisch gegen­über. Der Van Mijen­fjord ist der ein­zi­ge Fjord an der West­küs­te Spitz­ber­gens, der heut­zu­ta­ge noch nen­nens­wer­te Eis­bil­dung hat, da die Akseløya (eine Insel) sei­ne Mün­dung absperrt. Ent­spre­chend ist er ein wich­ti­ges Wurf­ge­biet für Rob­ben, und daher hal­ten sich auch Eis­bä­ren regel­mä­ßig im Gebiet auf, bis hin zu Weib­chen, die hier ihren Nach­wuchs zur Welt brin­gen. Die Aus­wei­tung tou­ris­ti­scher Tou­ren in die­ses Gebiet wird von allen sehr kri­tisch gese­hen und wenn die Behör­den die Ein­wän­de ernst neh­men, soll­te die­ser Stand­ort kei­ne Chan­ce haben.

Die Zahl der Zulas­sun­gen, die mög­li­cher­wei­se erteilt wer­den, ist nicht vor­ge­ge­ben, es könn­ten alle Stand­or­te oder kei­ner sein. In jedem Fall wird es stren­ge Auf­la­gen für den Betrieb der Hüt­ten geben: Nut­zung aus­schließ­lich auf geführ­ten Tou­ren der jewei­li­gen Ver­an­stal­ter, mög­lichst kein zusätz­li­cher Ver­kehr im Gelän­de und wenn, dann mög­lichst nicht moto­ri­siert etc. Aber es wird gefürch­tet, dass eine lang­fris­ti­ge Aus­wei­tung von Tou­ren in bis­lang wenig genutz­ten Gebie­ten nur schwer auf­zu­hal­ten ist, wenn die Hüt­ten erst ein­mal ste­hen und die dann eta­blier­te Tou­ren­pra­xis Schritt für Schritt über die Jah­re aus­ge­wei­tet wird.

Auch der Autor die­ses Bei­trags steht der Eta­blie­rung neu­er, per­ma­nen­ter Infra­struk­tur in bis­lang natur­be­las­se­nen Wild­nis­ge­bie­ten ableh­nend gegen­über. Wenn man schon zusätz­li­che Infra­struk­tur im Gelän­de schaf­fen will, gäbe es bei­spiels­wei­se auch mobi­le Lösun­gen, die sich sai­so­nal auf­stel­len las­sen und anschlie­ßend wie­der spur­los ver­schwin­den kön­nen, was auch die spä­te­re Steue­rung im Fall von Fehl­ent­wick­lun­gen der Nut­zung oder auf­tre­ten­den Ero­si­ons­schä­den deut­lich erleich­tern wür­de.

Der Hyperitt­fos­sen, ein Was­ser­fall am Elve­ne­set im De Geerda­len: Die unbe­rühr­te Land­schaft und Natur wür­den von einer Hüt­te wohl kaum pro­fi­tie­ren.

Hyperittfossen, Elveneset

Quel­le: Sys­sel­man­nen

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Letzte Änderung: 27. Februar 2018 · Copyright: Rolf Stange
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