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Tages-Archiv: 26. Oktober 2015 − News & Stories


Eis­bär durch Mar­kie­rung ver­letzt

Jahr für Jahr wer­den Eis­bä­ren in ver­schie­de­nen Tei­len der Ark­tis durch Wis­sen­schaft­ler betäubt und mar­kiert. Pro­ben wer­den genom­men, teil­wei­se wer­den Eis­bä­ren mit einem Hals­band mit Satel­li­ten­sen­der ver­se­hen, um ihre Wan­de­run­gen ver­fol­gen zu kön­nen. Dies geschieht übli­cher­wei­se aber nur mit weib­li­chen Eis­bä­ren, da männ­li­che Tie­re einen zu kräf­ti­gen Nacken haben: Ein Hals­band wür­de ent­we­der schnell abfal­len oder, bei stram­mer Befes­ti­gung, zu Schmer­zen und Ver­let­zun­gen füh­ren, auch mit Behin­de­run­gen beim Schlu­cken und Atmen wäre zu rech­nen. Gän­gi­ge Annah­me ist in der Öffent­lich­keit bis­lang, dass männ­li­che Eis­bä­ren gene­rell nicht mit Hals­bän­dern aus­ge­stat­tet wer­den.

Nun stellt sich aller­dings her­aus, dass von die­ser Pra­xis abge­wi­chen wird, mög­li­cher­wei­se schon seit län­ge­rer Zeit. In der Nähe von Kak­to­vik in Alas­ka, an der Küs­te des ark­ti­schen Beau­fort-Mee­res, ist ein männ­li­cher Eis­bär gese­hen und foto­gra­fiert wor­den, der ein Hals­band mit Satel­li­ten­sen­der trägt. Die­ses schnei­det, wie auf dem Foto unten zu sehen, ein und hat den Eis­bä­ren bereits sicht­bar ver­letzt.

Es besteht die Ver­mu­tung, dass der Bär in Kana­da von Wis­sen­schaft­lern betäubt und mar­kiert wur­de. Mög­li­cher­wei­se wer­den dort schon län­ger auch männ­li­che Eis­bä­ren „ver­suchs­hal­ber“ mar­kiert. Die Hals­bän­der sol­len nach einem hal­ben Jahr von selbst abfal­len. Mög­li­cher­wei­se funk­tio­niert dies jedoch nicht zuver­läs­sig. Wahr­schein­lich ist auch, dass Eis­bä­ren in kur­zer Zeit kräf­tig an Gewicht zule­gen, wenn sie auf ein­mal über reich­lich Nah­rung ver­fü­gen. An den ark­ti­schen Küs­ten von Alas­ka und Kana­da fin­den Bären manch­mal gro­ße Men­gen Nah­rung, wenn ein toter Wal stran­det oder gro­ße Res­te eines Wal­ka­da­ver nach Jagd durch indi­ge­ne Ein­woh­ner lie­gen­blei­ben. Dies ist nach Aus­sa­ge von Behör­den „unvor­her­seh­bar“. Tat­säch­lich kommt es unre­gel­mä­ßig vor und ist somit nicht im kon­kre­ten Ein­zel­fall vor­her­seh­bar, aber all­ge­mein ist das ein bekann­ter und nicht sel­te­ner Vor­gang, mit dem daher immer zu rech­nen ist.

In den USA, zu denen Alas­ka gehört, ist der United Sta­tes Fish & Wild­life Ser­vices (USFWS) für den Schutz mari­ner Säu­ge­tie­re zustän­dig, wozu auch der Eis­bär gehört. Der USFWS macht sich bis­lang das Leben mit der Aus­sa­ge ein­fach, man beob­ach­te den Bären, habe aber nicht die Kapa­zi­tä­ten, um ein­zu­grei­fen und dem Tier zu hel­fen. Viel­leicht fühlt man sich auch nicht zustän­dig, da der Eis­bär in Kana­da mar­kiert wur­de.

Der aktu­el­le Fall scheint lokal schon seit Mona­ten bekannt zu sein und zieht im Inter­net nun Auf­merk­sam­keit auf sich. Inter­es­sier­te Pri­vat­per­so­nen wen­den sich nun an die zustän­di­gen Behör­den wie den USFWS, um den Druck zu erhö­hen, dem Tier zu hel­fen. Mehr dazu, dar­un­ter Email-Adres­sen der Behör­den, auf der Face­book-Sei­te Pro­tect the Polar Bear. Die Initia­ti­ve ergrif­fen hat Mor­ten Jør­gen­sen, der in sei­nem Buch Polar Bears on the edge auch den wis­sen­schaft­li­chen Umgang mit Eis­bä­ren kri­tisch beleuch­tet.

Gene­rell ist die wis­sen­schaft­li­che Hand­ha­bung von Eis­bä­ren für die Tie­re oft trau­ma­tisch und mit­un­ter töd­lich (sie­he Spitzbergen.de-Nachrichten Eis­bär tot auf Edgeøya nach wis­sen­schaft­li­cher Betäu­bung (II) und Tot auf­ge­fun­de­ner Eis­bär wur­de kurz zuvor zu wis­sen­schaft­li­chen Zwe­cken betäubt).

Orga­ni­sa­tio­nen wie der WWF und Polar Bears Inter­na­tio­nal unter­stüt­zen die wis­sen­schaft­li­che Arbeit mit Eis­bä­ren ein­schließ­lich Betäu­bung und Aus­stat­tung mit Hals­bän­dern und Satel­li­ten­sen­dern. Kri­tik an die­ser Arbeit ist nicht neu, aber die Dis­kus­si­on hat bis­lang noch kei­ne gro­ße Öffent­lich­keit erreicht.

Durch Satel­li­ten­sen­der­hals­band ver­letz­ter männ­li­cher Eis­bär in Alas­ka. Nor­ma­ler­wei­se wer­den nur Weib­chen mit Sen­dern aus­ge­stat­tet.

Durch Halsband verletzter männlicher Eisbär

Quel­le: Mit­tei­lung von Mor­ten Jør­gen­sen / Face­book-Sei­te Pro­tect the Polar Bear

Eis­bä­ren­fa­mi­lie mit 3 Jun­gen: zwei davon sind tot

Im Mai wur­de auf die­ser Sei­te von einer Eis­bä­ren­fa­mi­lie berich­tet, die im Tem­pel­fjord und Bill­efjord mehr­fach gese­hen wur­de (hier kli­cken für den Arti­kel aus dem Mai). Es han­del­te sich um eine Mut­ter, die mit Dril­lin­gen unter­wegs war. Dril­lin­ge sind bei Eis­bä­ren sehr sel­ten, nor­mal sind Zwil­lin­ge.

Die betref­fen­de Eis­bä­rin hat­te aller­dings im April 2011 bereits schon ein­mal Dril­lin­ge, mög­li­cher­wei­se ist eine beson­de­re gene­ti­sche Ver­an­la­gung vor­han­den. Damals wur­de sie zu wis­sen­schaft­li­chen Zwe­cken betäubt und mar­kiert. Damals über­leb­te letzt­lich nur eines von drei Jun­gen.

Auch im Früh­jahr 2015 wur­de die Bärin wie­der betäubt und mar­kiert. Die drei Jung­bä­ren waren da noch so klein, dass sie nicht betäubt wer­den muss­ten. Die vom Sen­der am Hals­band geschick­ten Daten zei­gen eine erstaun­li­che Wan­de­rung: Nach­dem die Fami­lie das Früh­jahr im Bill­efjord und Tem­pel­fjord ver­bracht hat­te, wo zu die­ser Zeit vie­le Rin­gel­rob­ben auf dem Eis lie­gen, wan­der­te sie durch den Wij­defjord nach Nor­den und ver­brach­te den Som­mer nörd­lich vom Nord­aus­t­land. Schließ­lich quer­ten die Bären das Nord­aus­t­land, die Hin­lo­pen­stra­ße und den Nord­os­ten Spitz­ber­gens. Mitt­ler­wei­le ist die Eis­bä­rin wie­der im Tem­pel­fjord. Aller­dings hat nur eines von den drei Jung­tie­ren die­se lan­ge Wan­de­rung über­lebt. Wann, wie, war­um und wo die bei­den ande­ren Jung­bä­ren gestor­ben sind, ist unbe­kannt. Es ist aller­dings nor­mal, dass auch von Zwil­lin­gen nur ein Jung­tier über­lebt; drei hung­ri­ge Jung­bä­ren am Leben zu hal­ten, ist eine noch anspruchs­vol­le­re Auf­ga­be.

Eis­bä­ren­fa­mi­lie im Bill­efjord, April 2015.

Eisbären Billefjord

Quel­le: Sval­bard­pos­ten (41/2015)

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News-Auflistung generiert am 28. November 2021 um 21:29:25 Uhr (GMT+1)
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