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Der Isfjord ist wieder ein arktischer Fjord. Vorerst.

Weniger und dünneres Eis im Winter in den hintersten Armen des Isfjord wie dem Tempelfjord und Billefjord, und von einer soliden Eisdecke im weiten Isfjord selbst wagt man kaum noch zu träumen – das war über Jahre hinweg die ozeanographisch-klimatische Entwicklung in Spitzbergens größtem Fjord, der seinem Namen, “Eisfjord”, kaum noch gerecht wird.

Blauwal, Isfjord

Der Isfjord hat sich in den letzten Jahren hin zu einem subarktischen Fjord entwickelt,
was unter anderem zu häufigeren Walsichtungen führte.
Im Bild ein Blauwal im Isfjord, September 2018.

Vielleicht wendet sich das Blatt derzeit – wenn auch aller Wahrscheinlichkeit nach wohl kaum langfristig, aber immerhin vorübergehend, besser als gar nichts. Darauf deuten ozeanographische Daten aus dem Isfjord hin, die UNIS diesen Sommer gemessen hat. Die Messungen sind Teil einer langfristigen Datenbasis, mit der Forscher die Entwicklung im Isfjord verfolgen. Vorläufige Ergebnisse haben Frank Nilsen, Professor für Ozeanographie bei UNIS in Longyearbyen, und Mitarbeiter jetzt in einem Beitrag in der Svalbardposten veröffentlicht.

Demnach befindet sich nun deutlich weniger mildes, salzreiches Atlantikwasser im Isfjord und die Reste solchen Wassers, die es dort noch gibt, sind in Tiefen unterhalb von 150 Meter verbannt und mischen sich dort mit kaltem Wasser. In vergangenen Jahren hatte das wärmere Atlantikwasser, das mit dem Golfstrom nach Norden kommt und als Westspitzbergenstrom entlang der Westküste Spitzbergens streicht, in den dortigen Fjorden stark an Einfluss gewonnen. Diese hatten in der Folge ihren ozeanographisch-biologisch hocharktischen Charakter weitgehend verloren und sich hin zu subarktischen Fjorden entwickelt. Wichtige Indikatoren hierfür sind die Wassertemperaturen, Salzgehalt und Artenzusammensetzung des Zooplanktons.

Petuniabukta

In den innersten Buchten, wie hier in der Petuniabukta,
hatte der Isfjord sich seinen hocharktischen Charakter bislang bewahrt.

Die Klimaentwicklung der letzten Jahre hat für diese Entwicklung gesorgt: Tiefdruckgebiete, die nicht mehr wie früher über die Barentssee nach Osten abziehen, sondern zwischen Grönland und Spitzbergen nach Norden ziehen, haben das warme Wasser kraftvoll in die Fjorde gedrückt – ein Effekt, der sich über Jahre hinweg auswirken kann, auch wenn das ursächliche Tiefdruckgebiet schon nach ein paar Tagen verschwunden ist.

Die Witterung dieses Jahres ist hingegen insgesamt eher so, wie man es von früher kennt. Positiv aufgefallen ist bereits, dass es im Winter und Frühjahr kaum Tauwettereinbrüche gegeben hat, die in den Wintern der Jahre davor häufiger und kräftiger geworden sind. Das hat möglicherweise mit atmosphärischen Strömungen zu tun, die eher an die klassisch-arktischen Muster um Spitzbergen erinnern und die aktuell dazu führen, dass das wärmere Atlantikwasser derzeit im Isfjord an Einfluss verloren hat. Auch das starke Schmelzen der Gletscher Spitzbergens während der extrem warmen Sommertage hat möglicherweise dazu beigetragen, dem Oberflächenwasser in den Fjorden kaltes, salzarmes Frischwasser zuzuführen.

Das macht sich auch in der Zusammensetzung des Zooplanktons bemerkbar, das von Ruderfußkrebsen (Copepoda) dominiert wird. In jüngeren Jahren hat sich mehr und mehr die subarktische Art Calanus finmarchicus im Isfjord ausgebreitet, aber aktuell dominiert wieder die hocharktische Art Calanus glacialis.

Äußerer Isfjord

Derzeit haben auch die zentralen, weitläufigen Bereiche des Isfjord ozeanographisch wieder einen eher hocharktischen Charakter.

Wenn die Entwicklung nicht durch starke Stürme aus der falschen Richtung gestört wird, darf man für den kommenden Winter auf eine schöne Eisdecke zumindest in den Nebenarmen des Isfjord hoffen. Sollte die Entwicklung zumindest eine Weile anhalten, könnten weniger Wale und weniger Fisch wie Dorsch im Isfjord die Folge sein.

Wer aber nun hofft, dass die Klimaänderung in der Arktis damit abgesagt ist, befindet sich leider mit Sicherheit auf dem Holzweg: Wie Nilsen in seinem Beitrag schreibt, handelt es sich dabei nicht um eine stabile Situation, sondern “mehr um ein lokales Aufbäumen einer sich erwärmenden Arktis.”

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Letzte Änderung: 06. Oktober 2020 · Copyright: Rolf Stange
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