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Monats-Archiv: Oktober 2020 − News & Stories


Im Norden nix Neues, aber auf spitzbergen.de geht es weiter

Im Norden nix Neues? Also …

“Im Norden nix Neues” stimmt natürlich nicht ganz, aber es ist eine Zeit ohne Schlagzeilen aus Spitzbergen, die international Aufmerksamkeit erregen. Immer noch kann man sich in Longyearbyen darüber freuen, dass es lokal bislang keinen positiven Corona-Nachweis gegeben hat. Hurtigruten Svalbard erwägt, den im Firmeneigentum befindlichen Grundbesitz in Longyearbyen an einen “seriösen” Investor zu verkaufen, um die Hotels und andere Infrastruktur dann langfristig wieder zu mieten. Um diese Art von Geschäftsmodell zu verstehen, muss man wohl etwas anderes als Geographie studiert haben. Beim Sysselmannen werden dieses Jahr 18 Beamte ihre Stellungen verlassen, überwiegend weil sie in ihre langfristigen Positionen auf dem Festland zurückkehren müssen, wenn sie diese nicht verlieren wollen; natürlich ist man bei insgesamt 45 Angestellten über eine so große Fluktuation, die eigentlich niemand will, unglücklich.

Menschen und Eisbären haben es in den letzten Wochen erfolgreich geschafft, sich aus dem Weg zu gehen. Glücklicherweise.

So Sachen halt. Alles natürlich wichtig, nichts wirklich weltbewegend.

Neue Bücher unterwegs, dauert aber noch

Das Corona-Jahr zwingt zu mehr Arbeit am Schreibtisch als an der frischen Luft. Ein neues Buchprojekt hat mittlerweile schon über 300 Seiten Text, ein weiteres hat ebenfalls an Text gewonnen, aber es werden jeweils noch viele Seiten mehr werden müssen, bis eines davon mal auf Papier gedruckt das Licht der Welt erblicken kann.

Alles neu macht der Rolf. Nun, fast alles.

Blick vom Yggdrasilkampen ins Munindalen

Blick vom Yggdrasilkampen über das Dickson Land
Viele schöne Blicke dieser und anderer Art gibt es auf den neuen und erneuerten Seiten.

Auch fast alles ist übertrieben, aber einiges habe ich tatsächlich neu gemacht. Was vor 10 Jahren gut war, ist mittlerweile teilweise deutlich überarbeitungsbedürftig – daher sind etliche Seiten auf Spitzbergen.de in den letzten Monaten und Wochen deutlich überarbeitet worden, haben mehr und bessere Bilder bekommen, neue Karten, und wo nötig auch neuen beziehungsweise überarbeiteten Text. Darunter sind Seiten über einige schöne Fjorde, die viele LeserInnen von Spitzbergen.de sicher kennen werden, und wer Lust hat, Spitzbergen online zu bereisen, schöne Landschaften im Bild zu sehen, interessante Hintergrundinformationen und ein paar spannende Geschichten zu lesen, wird hier einigen Stoff für verregnete Herbsttage und dunkle Abende finden:

  • Die Dickson Land-Billefjord-Seite ist weitgehend überarbeitet. Die alte Seite war ja mittlerweile fast schon etwas peinlich.
  • Das gleiche gilt für die Seite über Kapp Linné und die Isfjord-Küste bis Festningen.
  • Die Seite über den Kongsfjord hat ebenfalls ganz, ganz deutlich gewonnen …
  • … und der Krossfjord erst mal! Herrlich! 🙂
  • Natürlich sind auch einige Panoramen-Seiten entstanden, teilweise mit viel Text und vielen hintergründigen Informationen. Sehr schön ist die Seite vom Svenskehuset, mit vielen Details zu einer spannenden Geschichte.
  • Mit der Brucebyen-Seite habe ich einem schönen Ort ein kleines, digitales Denkmal gesetzt, mit dem ich viele schöne Erinnerunge verknüpfe. Natürlich geht es auf der Seite nicht um meine persönlichen Geschichten, sondern um die Geschichte des Schotten William S. Bruce und seines Scottish Spitsbergen Syndicate.
  • Was haben wir noch? Ach ja: der Collinsodden am Eingang zum Krossfjord. Da kommt man ja auch nicht jeden Tag vorbei. Hier ist die Gelegenheit für einen kleinen Ausflug dahin.
  • Der Wigdehlpynten im Woodfjord. Farben, Farben … das ist Christiane Ritters Wüstensand.

… wird fortgesetzt.

Das sollte genug Lesestoff sein für ein Weilchen. Übrigens weiterhin absolut umsonst und ohne die übliche, nervige Online-Werbung, die einen sonst überall im Internet anspringt. Damit verdienen andere Webseiten Geld. Auf Spitzbergen.de mache ich solche klassisch-landeskundlichen und sonstigen Seiten aus Spaß an der Freude und um Spitzbergen für viele zugänglich zu machen. Schaut mal rein, es lohnt sich, ich habe viel Freude damit gehabt und Zeit mit diesen Seiten verbracht, und ich freue mich über Besuch, auch online.

Spitzbergen-Svalbard: der Reiseführer – niederländisch

Der Spitzbergen-Reiseführer ist auf niederländisch übersetzt und gedruckt, bald geht er in den Verkauf 🙂 damit findet nun wieder ein großes Projekt seinen vorläufigen Abschluss. Mehr darüber demnächst.

Und sonst ..?

… gehöre ich zu der überwältigenden Mehrheit derer, die jubeln werden, sobald das Corona-Virus … nun, Geschichte wird wohl es nie werden, aber die aktuelle Krise wird irgendwann Geschichte sein. Hoffentlich rechtzeitig, damit wir 2021 wieder unter Segeln in Spitzbergen unterwegs sein können. Daumen drücken.

Bis dahin gilt es, durchzuhalten. Das ist nicht einfach für jemanden, der von und für Reisen lebt. Wirtschaftlich … also, nicht schön. Weitere Details und Gejammer erspare ich Ihnen und mir. Aber ich erlaube mir den Hinweis, dass der Spitzbergen.de-Webshop durchgehend geöffnet hat und die meisten würden überrascht sein, wie viele tolle Bücher und andere schöne Dinge es dort gibt, die man sich selbst und anderen schenken kann 🙂 (übrigens hat es auch dieses Jahr neue Spitzbergen-Treibholz-Bilderrahmen gegeben, fünf Stück, von denen bereits zwei ein neues Zuhause haben. Dafür werde ich auch bald noch mal separat etwas trommeln, aber wer sich einen sichern will, hat jederzeit die Gelegenheit dazu).

Staatshaushalt 2021 mit neuen Svalbard-Millionen

Die norwegische Regierung hat ihre Haushaltspläne für 2021 vorgestellt. Auch nach Spitzbergen sollen viele Millionen norwegische Kronen fließen:

  • Die Gewerbeaufsicht/Amt für Arbeitsschutz (Arbeitstilsynet) wird mit einer Million Kronen gestärkt.
  • Die Bergbaugesellschaft Store Norske soll 40 Millionen Kronen bekommen, um die erwarteten Verluste in der Grube 7 auszugleichen, wo neben den allgemein hohen Kosten und Korona auch ein Wassereinbruch während der warmen Tage im Juli zu erhöhten Kosten und Produktionsausfällen führen. Hauptziel ist es, die Versorgung des Kraftwerks in Longyearbyen mit lokaler Kohle zu sichern.
  • 61,1 Millionen gehen in den Ausbau der Lawinensicherung und den Hochwasserschutz; beides – vor allem die Lawinensicherung – sind für Longyearbyen große und wichtige Themen.
  • Weitere 412,8 Millionen gehen in den Rückbau von Sveagruva und der umliegenden Gruben, Lunckefjellet und Svea Nord.
  • Das Svalbardmuseum bekommt 1,5 Millionen Kronen, um “das Museum zu stärken und zu mehr Aktivität anzuregen”, auch vor dem Hintergrund der Koronakrise.
  • Mehr Geld geht auch an den Sysselmannen, unter anderem zur Einrichtung einer Stelle für einen Juristen.
Kohlekraftwerk, Longyearbyen

Longyearbyen hat viele Zukunftsprojekte, die man mit den Millionen aus Oslo angehen kann. Eine neue Stromversorgung, um das alte, teure und klimaschädliche Kohlekraftwerk zu ersetzen, wäre zweifellos sinnvoll, um nur ein Beispiel zu nennen.

Enttäuscht äußerte sich der lokale Tourismusverband Visit Svalbard, der mit 3,15 Millionen Kronen nur 100.000 Kronen mehr erhalten soll als im laufenden Jahr. Visit Svalbard vertritt viele lokale Betriebe, die hart von der Koronakrise getroffen werden.

Ansonsten zeigt die Gemeinde sich insgesamt zufrieden. Unter anderem bekommt Longyearbyen nun die Möglichkeit, Mittel für Klimaschutzprojekte (“Klimasats”) zu beantragen. Festlandsgemeinden können das bereits seit 2016. Mit einem hohen C02-Ausstoß pro Kopf ist Longyearbyen bislang alles andere als eine klimafreundliche Stadt. Hier ist noch viel Potenzial, unter anderem mit einer neuen Lösung zum Ersatz für das ohnehin in die Jahre geratene Kohlekraftwerk – ein schon lange diskutiertes, großes Zukunftsthema für Longyearbyen. Aktuell wird eine Lösung auf Wasserstoffbasis diskutiert, ein Energieträger, der aus Nordnorwegen geliefert werden könnte und dem das Potenzial zugesprochen wird, sowohl den C02-Ausstoß als auch die hohen Strompreise erheblich zu senken.

Das Parlament muss noch zustimmen.

Der Isfjord ist wieder ein arktischer Fjord. Vorerst.

Weniger und dünneres Eis im Winter in den hintersten Armen des Isfjord wie dem Tempelfjord und Billefjord, und von einer soliden Eisdecke im weiten Isfjord selbst wagt man kaum noch zu träumen – das war über Jahre hinweg die ozeanographisch-klimatische Entwicklung in Spitzbergens größtem Fjord, der seinem Namen, “Eisfjord”, kaum noch gerecht wird.

Blauwal, Isfjord

Der Isfjord hat sich in den letzten Jahren hin zu einem subarktischen Fjord entwickelt,
was unter anderem zu häufigeren Walsichtungen führte.
Im Bild ein Blauwal im Isfjord, September 2018.

Vielleicht wendet sich das Blatt derzeit – wenn auch aller Wahrscheinlichkeit nach wohl kaum langfristig, aber immerhin vorübergehend, besser als gar nichts. Darauf deuten ozeanographische Daten aus dem Isfjord hin, die UNIS diesen Sommer gemessen hat. Die Messungen sind Teil einer langfristigen Datenbasis, mit der Forscher die Entwicklung im Isfjord verfolgen. Vorläufige Ergebnisse haben Frank Nilsen, Professor für Ozeanographie bei UNIS in Longyearbyen, und Mitarbeiter jetzt in einem Beitrag in der Svalbardposten veröffentlicht.

Demnach befindet sich nun deutlich weniger mildes, salzreiches Atlantikwasser im Isfjord und die Reste solchen Wassers, die es dort noch gibt, sind in Tiefen unterhalb von 150 Meter verbannt und mischen sich dort mit kaltem Wasser. In vergangenen Jahren hatte das wärmere Atlantikwasser, das mit dem Golfstrom nach Norden kommt und als Westspitzbergenstrom entlang der Westküste Spitzbergens streicht, in den dortigen Fjorden stark an Einfluss gewonnen. Diese hatten in der Folge ihren ozeanographisch-biologisch hocharktischen Charakter weitgehend verloren und sich hin zu subarktischen Fjorden entwickelt. Wichtige Indikatoren hierfür sind die Wassertemperaturen, Salzgehalt und Artenzusammensetzung des Zooplanktons.

Petuniabukta

In den innersten Buchten, wie hier in der Petuniabukta,
hatte der Isfjord sich seinen hocharktischen Charakter bislang bewahrt.

Die Klimaentwicklung der letzten Jahre hat für diese Entwicklung gesorgt: Tiefdruckgebiete, die nicht mehr wie früher über die Barentssee nach Osten abziehen, sondern zwischen Grönland und Spitzbergen nach Norden ziehen, haben das warme Wasser kraftvoll in die Fjorde gedrückt – ein Effekt, der sich über Jahre hinweg auswirken kann, auch wenn das ursächliche Tiefdruckgebiet schon nach ein paar Tagen verschwunden ist.

Die Witterung dieses Jahres ist hingegen insgesamt eher so, wie man es von früher kennt. Positiv aufgefallen ist bereits, dass es im Winter und Frühjahr kaum Tauwettereinbrüche gegeben hat, die in den Wintern der Jahre davor häufiger und kräftiger geworden sind. Das hat möglicherweise mit atmosphärischen Strömungen zu tun, die eher an die klassisch-arktischen Muster um Spitzbergen erinnern und die aktuell dazu führen, dass das wärmere Atlantikwasser derzeit im Isfjord an Einfluss verloren hat. Auch das starke Schmelzen der Gletscher Spitzbergens während der extrem warmen Sommertage hat möglicherweise dazu beigetragen, dem Oberflächenwasser in den Fjorden kaltes, salzarmes Frischwasser zuzuführen.

Das macht sich auch in der Zusammensetzung des Zooplanktons bemerkbar, das von Ruderfußkrebsen (Copepoda) dominiert wird. In jüngeren Jahren hat sich mehr und mehr die subarktische Art Calanus finmarchicus im Isfjord ausgebreitet, aber aktuell dominiert wieder die hocharktische Art Calanus glacialis.

Äußerer Isfjord

Derzeit haben auch die zentralen, weitläufigen Bereiche des Isfjord ozeanographisch wieder einen eher hocharktischen Charakter.

Wenn die Entwicklung nicht durch starke Stürme aus der falschen Richtung gestört wird, darf man für den kommenden Winter auf eine schöne Eisdecke zumindest in den Nebenarmen des Isfjord hoffen. Sollte die Entwicklung zumindest eine Weile anhalten, könnten weniger Wale und weniger Fisch wie Dorsch im Isfjord die Folge sein.

Wer aber nun hofft, dass die Klimaänderung in der Arktis damit abgesagt ist, befindet sich leider mit Sicherheit auf dem Holzweg: Wie Nilsen in seinem Beitrag schreibt, handelt es sich dabei nicht um eine stabile Situation, sondern “mehr um ein lokales Aufbäumen einer sich erwärmenden Arktis.”

Rekordwenig Eis bei Spitzbergen im September

Der September ist der Monat mit der geringsten Treibeisdecke in der Arktis: Der lange Sommer hat viel Eis schmelzen lassen, und die Kälte des Winters steht erst noch vor der Tür. Insofern ist im September immer mit wenig Eis etwa rund um Spitzbergen zu rechnen.

Wenn man aber die Septemberwerte über einen längeren Zeitraum vergleicht, ergibt sich ein klarer Trend hin zu weniger Eis. Die Treibeisfläche wird seit 1979 beobachtet, und noch nie ist so wenig Eis festgestellt worden wie in diesem September, nach einem Sommer, der Spitzbergen im Juli Rekordtemperaturen gebracht hat und auch in Sibirien und sonstwo mal wieder Wärme brachte, die nicht weit von hitzigen Rekorden entfernt war.

Eiskarte Spitzbergen, 1. Oktober 2020

Die Eiskarte von Nord-Spitzbergen vom 1. Oktober: die “kalte Küste” (Svalbard) ist derzeit völlig eisfrei.
© Norwegisches Meteorologisches Institut.

Das norwegische meteorologische Institut teilt in einer Pressemeldung mit, dass die durchschnittliche Temperatur für den September, gemittelt über alle Messstationen in der Arktis, 2,9 Grad über dem langjährigen Mittel lag. Als Referenz dient bei klimatischen Betrachtungen immer ein Zeitraum von 30 Jahren; derzeit dienen die Mittelwerte aus der Zeit von 1961 bis 1990 als Vergleichswert. Wenn ab 2021 die Mittelwerte der Zeit 1991-2020 als neue Vergleichsbasis dienen, werden die Temperaturvergleiche weniger dramatisch erscheinen. Dabei wird es sich aber mitnichten um eine Abschwächung der zu beobachtenden, bereits jetzt dramatischen Erwärmung handeln, sondern um ein statistisches Artefakt.

Treibeisausbreitung um Spitzbergen 1979-2020

Trend der Treibeisausbreitung um Spitzbergen von 1979 bis 2020.
Noch nie wurde so wenig Eis beobachtet wie in diesem September.
© Norwegisches Meteorologisches Institut.

Signe Aaboe, Forscherin beim norwegischen meteorologischen Institut, hat keine Zweifel, dass auch die aktuellen Rekordwerte von Temperatur und Eis im September dem vom Menschen gemachten Klimawandel geschuldet sind.

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News-Auflistung generiert am 23. Oktober 2020 um 02:15:54 Uhr (GMT+1)
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