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Monats-Archiv: Mai 2015 − Reiseblog


Eis

Es ist spät am Abend, die Son­ne scheint auf Küs­te und Ber­ge süd­lich vom Bellsund – also alles ande­re als eine gute Zeit, vorm Bild­schirm zu sit­zen und lan­ge Tex­te zu schrei­ben. Raus­gu­cken ist bes­ser.

Jede Men­ge Eis vorm Horn­sund, uner­war­te­ter­wei­se, aber trotz­dem (oder gera­de des­we­gen) äußerst schön. Und hun­der­te – ach, was sage ich: tau­sen­de! – von Sat­tel­rob­ben ☺ auch so eine Spe­zia­li­tät der frü­hen Sai­son.

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Wal­fang

Je wei­ter wir nach Nor­den kamen, des­to schö­ner wur­de das Wet­ter, der schar­fe Nord­ost­wind wur­de zur Bri­se und flau­te ganz ab, bis die Ober­flä­che des Was­sers rich­tig ölig wur­de, nur noch von der sanf­ten Dünung bewegt, in der Abend­son­ne glän­zend. Bes­te Bedin­gun­gen, um nun mal ein paar Wale zu sich­ten!

Aller­dings waren wir nicht die ein­zi­gen, die hier unter­wegs waren in der Hoff­nung, Wale zu sehen, nur waren die Absich­ten des Schif­fes, das bald in Sicht kam, deut­lich weni­ger fried­lich. Ein zunächst schein­bar unschul­dig am Hori­zont fah­ren­des Schiff zeig­te bald einen Aus­guck am Mast und eine Har­pu­ne auf dem Bug und erwies sich somit als Wal­fän­ger, wäh­rend wir einen jun­gen Buckel­wal beob­ach­te­ten. Bald dar­auf war der ers­te Knall übers Was­ser hin­weg zu hören, was sich inner­halb der fol­gen­den Minu­ten mehr­fach wie­der­hol­te. Vor dem Bug des Wal­fän­gers – wie bald am Heck zu lesen war, heißt das Schiff Rei­ne­bu­en und kommt aus Svol­vær – spritz­te es im Was­ser, dort war nun ein Zwerg­wal dabei, einen qual­vol­len Todes­kampf zu kämp­fen, der 5-6 Minu­ten dau­ern soll­te.

Es ist ja kein Geheim­nis, dass Nor­we­gen sei­ner Wal­fang­flot­te jedes Jahr weit über 1000 Abschuss­li­zen­zen erteilt, und man sieht gele­gent­lich Wal­fang­schif­fe in nor­we­gi­schen Häfen ein­schließ­lich Lon­gye­ar­by­en. Aber ein Wal­fang­schiff in töd­li­cher Akti­on, das hat­te ich noch nie gese­hen, und ich hat­te nicht damit gerech­net, was für einen Ein­druck es machen wür­de, zuzu­se­hen, wie ein Wal har­pu­niert, stirbt und an Deck gezo­gen wird. Wobei die Mann­schaft der Rei­ne­bu­en das Schiff mehr­fach schnell dreh­te, um zu ver­hin­dern, dass wir all­zu viel sehen konn­ten. Die wis­sen schon, was die Welt davon hält.

Schließ­lich zogen sie ihrer Wege und wir unse­rer. Flau im Magen war mir, als wäre ich Zeu­ge eines Gewalt­ver­bre­chens gewor­den. War ich ja auch, im wei­te­ren Sin­ne.

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Bald tauch­ten im Mit­ter­nachts­son­nen­licht zwei wei­te­re Buckel­wa­le auf, quick­le­ben­dig und ihres Lebens froh, nicht ahnend, dass ein etwas ent­fern­ter Ver­wand­ter kurz zuvor sein Leben blu­tig und schmerz­haft hat­te las­sen müs­sen. Auch hier an Bord stieg Lau­ne merk­lich. Zuge­ge­ben, ich war inner­lich nicht ganz so schnell. Das emo­tio­na­le Umschal­ten von Schlacht­fest auf Natur­ge­nuss anhand des glei­chen wun­der­ba­ren Tie­res woll­te nicht so schlag­ar­tig gelin­gen, und so habe ich etwas mecha­nisch hin­ge­schaut und Fotos gemacht und war letzt­lich froh, als der Tag vor­bei war.

Bären­in­sel

29./30. Mai 2015 – Von der Über­fahrt gibt es nun nicht all­zu viel zu berich­ten. Der See­gang mach­te sie eher mit­tel­mä­ßig ange­nehm, mit deut­lich ver­rin­ger­ter all­ge­mei­ner Prä­senz beim Essen. Mit Walen und Del­fi­nen war auch nicht so viel los – hier und da klei­ne­re Grup­pen von Del­fi­nen. Umso bes­ser, dass wir trotz­dem recht schnell vor­wärts kamen und schon am 29. mit­tags die Bären­in­sel erreich­ten. Bei Wind und Wel­len aus Nord­os­ten hiel­ten wir uns auf der West­sei­te, und bald war in einer klei­nen Bucht auch eine pas­sen­de Lan­de­stel­le gefun­den.

Aus der Ent­fer­nung mag die Bären­in­sel ja leer und öde erschei­nen, aber bei nähe­rem Blick ent­deckt man so vie­les. Die beein­dru­ckend schrof­fe Küs­ten­land­schaft und Vogel­ko­lo­nien, die­se und jene land­schaft­li­chen Phä­no­me­ne wie Frost­mus­ter­bö­den und Karst­quel­len und dies und das. Am schöns­ten ist das Gefühl der Abge­le­gen­heit auf die­ser aus­ge­setz­ten Insel in ruhi­gen Momen­ten, in denen man nur den Wind hört. Einen schö­nen lan­gen Nach­mit­tag sind wir umher­ge­streift, von der Fluss­mün­dung in Ærfuglvi­ka zu den Lum­men­ko­lo­nien am Kapp Ruth, an ein paar klei­nen, noch über­wie­gend gefro­re­nen Seen in der fla­chen, kar­gen Tun­dra zum Fluss Jor­dbru­el­va, in des­sen von Schnee­wän­den ein­ge­fass­tem Lauf wir ein wenig Can­yo­ning light betrie­ben haben, bis zum Kapp Maria mit dem Fel­sen­tor Kvalk­jef­ten (Wal­kie­fer) und einem gewal­ti­gen Loch im Boden, durch das die Bran­dung 15 m tie­fer sicht­bar ist.

Eine ruhi­ge Nacht vor Anker im Wel­len­schat­ten der Bären­in­sel war für vie­le sicher­lich ein wei­te­rer Höhe­punkt.

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Am nächs­ten Vor­mit­tag haben wir eine klei­ne Kreuz­fahrt um das Süd­ende der Bären­in­sel gemacht, wo die Natur einen der beein­dru­ckends­ten Küs­ten­strei­fen im Nord­at­lan­tik geschaf­fen hat. Für Zodiac-Aktio­nen war es defi­ni­tiv zu win­dig und wel­lig, aber der Anblick ist auch vom Schiff aus noch mehr als gran­di­os. Zudem hat­ten wir Besuch von einer Viel­zahl von Eis­sturm­vö­geln.

Trom­sø

Trom­sø, das Paris, des Nor­dens, tra­di­ti­ons­rei­ches Ein­falls­tor zur Ark­tis, unser Sprung­brett Rich­tung Bären­in­sel und Spitz­ber­gen, prä­sen­tiert sich bei schöns­tem Son­nen­schein. Besu­che in den Ark­tis-Muse­en, ein Aus­flug auf den Haus­berg Fløya und etwas Zeit zur Ent­span­nung in der Zivi­li­sa­ti­on, bevor es wei­ter­geht Rich­tung Barents­see.

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Tin­den

Vor 2 Jah­ren hat­ten wir Tin­den „ent­deckt“, einen alten Han­dels­pos­ten auf der Außen­sei­te der Ves­terå­len, male­risch in einer Bucht unter einem schrof­fen Berg gele­gen, ver­steckt hin­ter klei­nen Inseln. Wir wuss­ten damals nur, dass es dort schön sein soll­te, ohne wirk­lich zu wis­sen, was uns dort erwar­ten wür­de. Und was uns alles erwar­tet hat! Ein alter Han­dels­pos­ten aus dem frü­hen 20. Jahr­hun­dert, seit Jah­ren still­ge­legt, aber lie­be­voll als Muse­um erhal­ten. Ein schö­nes Ensem­ble von wei­ßen Gebäu­den aus einer ver­gan­ge­nen Zeit, sogar mit Blu­men­beet und Rega­le voll­ge­stopft mit einem Sor­ti­ment aus Groß­vä­ter­chens Zei­ten. Der tem­pe­ra­ment­vol­le Bes­ty­rer (man wür­de das wohl mit Mana­ger über­set­zen, was es aber nicht so schön trifft) Kjell ist ein unver­zicht­ba­rer Teil des Erleb­nis­ses.

Und genau die­se wun­der­ba­re Kom­bi­na­ti­on durf­ten wir heu­te dort auch wie­der erle­ben, die­ses Mal sogar im Son­nen­schein, so dass ein klei­ner Gang auf den stei­len Hang hin­ter den Gebäu­den zu einer sehr loh­nen­den Tour wird.

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Vor ein paar Mona­ten hat hier ein Sturm getobt, der meh­re­re Gebäu­de völ­lig zer­stört hat, die schon seit Jahr­zehn­ten dort gestan­den hat­ten. Ein uner­setz­li­cher Ver­lust der his­to­ri­schen Sub­stanz, denn nie­mand kann den Wert der alten Gegen­stän­de abschät­zen oder die­se gar erset­zen. Und man möch­te auch nicht wirk­lich wis­sen, was für Wind­stär­ken da getobt haben mögen. Umso ange­neh­mer ist die leich­te Bri­se von heu­te.

Übri­gens kann man sich Tin­den ja schon in Rund­um­sicht anschau­en – müss­te ich viel­leicht jetzt noch mal über­ar­bei­ten, immer­hin habe ich heu­te eine son­ni­ge Ergän­zung bekom­men.

Raft­sund & Ves­terå­len

Wäh­rend wir Mei­len Rich­tung Nor­den machen, zie­hen die süd­li­chen Ves­terå­len an uns vor­bei. Schö­ne Land­schaf­ten, See­ad­ler, und sogar Schwert­wa­le las­sen den sehr ange­nehm und abwechs­lungs­reich ver­ge­hen.

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Diger­mu­len

Schon klar, wir sind nicht die ers­ten Tou­ris­ten hier in der Gegend. Kai­ser Wil­helm II. war schon 1889 in der Gegend. Hät­te er mal mehr Zeit mit sei­nen Nor­we­gen-Urlau­ben ver­bracht und weni­ger mit Poli­tik, wer weiß, was der Welt alles erspart geblie­ben wäre.

Bei allem beruf­li­chen Stress, den KW II. schlech­ter­dings und selbst­ver­schul­de­ter­wei­se so hat­te, hat er es den­noch erstaun­lich oft nach Nor­we­gen geschafft. Und zwei­mal war er in Diger­mu­len, einem klei­nen Nest – etwa 300 Ein­woh­ner – am süd­li­chen Ein­gang des Raft­sund. Das ist die Was­ser­stra­ße, die Aus­t­vå­gøya (Lofo­ten) und Hin­nøya (Ves­terå­len) von­ein­an­der trennt.

Hin­ter Diger­mu­len steht ein Berg, der Diger­kol­len. Der ist gar nicht so diger, also groß, son­dern mit 384 m Höhe sogar recht über­schau­bar. Das hat schon Wil­li mit sei­ner kai­ser­li­chen Entou­ra­ge geschafft, das schaf­fen wir auch. Immer­hin muss nach uns kei­ner Gra­nit­plat­ten dort hoch­schlep­pen, die spä­ter noch von unse­rem Besuch zeu­gen, ein Ein­trag ins Gip­fel­buch reicht uns völ­lig aus.

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Der Weg nach oben, ober Stock, Stein und schließ­lich ein paar Flä­chen aus nass­schwe­rem Schnee, dau­ert gut 1 ½ Stun­den, wobei wir gefühlt alle Jah­res­zei­ten erle­ben, von einem früh­lings­haf­ten Regen­schau­er über som­mer­li­che Son­ne zu einem win­ter­li­chem Schnee­schau­er bis hin zu herbst­li­chem Wech­sel zwi­schen Wol­ken und Son­ne. Freund­li­cher­wei­se schlägt das Pen­del zur rich­ti­gen Zeit auf die Son­nen­sei­te aus, so dass der Blick über Raft­sund, Hin­nøya, Aus­t­vå­gøya und eine gan­ze Rei­he klei­ne­rer Insel in vol­ler Pracht vor uns liegt. Ein wahr­haft kai­ser­li­ches Pan­ora­ma!

Hei­møya

Ein Teil des Spa­ßes besteht ja dar­in, neue Orte zu ent­de­cken. Wenn man irgend­wo noch nicht war, ist das ja oft ein guter Grund, um da mal hin­zu­fah­ren. Nach einem inter­es­san­ten Nach­mit­tag – mit­un­ter braucht der Wind nur Minu­ten, um sei­ne Rich­tung 180° zu ändern, was schon inter­es­sant ist, wenn man gera­de unter Segeln unter­wegs ist – kamen wir abends nach Hei­møya. Ein win­zi­ges Insel­chen, von sei­nem win­zi­gen Nachar­bin­sel­chen von einem win­zi­gen Kanäl­chen getrennt. Die Nor­we­ger haben die Hei­møya als net­tes, ruhi­ges Plätz­chen für Feri­en­hei­me ent­deckt und eini­ge davon dort auf­ge­stellt. Man fragt sich, ob der Name Pro­gramm war oder umge­kehrt.

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Tat­säch­lich geht die Son­ne noch unter, ver­mut­lich zum letz­ten Mal für eine Wei­le. Also ein ech­ter Abend. Mit ech­ter Abend­stim­mung.

Nusfjord

Nusfjord ist der ers­te Hafen, in dem wir anle­gen, und für den Rest der Nacht ist es schön ruhig, abge­se­hen von der Hin­ter­grund­mu­sik quiet­schen­der Fen­der. Umso grö­ßer die Freu­de, am nächs­ten Mor­gen inmit­ten die­ses idyl­li­schen Fleck­chens auf­zu­wa­chen. Nusfjord ist eine Art Muse­ums­dorf, die Zeit scheint hier ste­hen­ge­blie­ben zu sein, und wäh­rend man hier her­um­spa­ziert, fühlt man sich ins frü­he 20. Jahr­hun­dert zurück­ver­setzt: im alten Land­han­del genau­so wie beim Gang um das klei­ne Hafen­be­cken mit sei­nen typi­schen Ror­buer (schlich­te Holz­häu­ser, wo frü­her Gast­fi­scher unter­ge­bracht waren). An den Fel­sen kräch­zen die Drei­ze­hen­mö­wen genau­so wie vor 100 Jah­ren. Auch die Regen­schau­er machen einen noch genau­so nass wie vor 100 Jah­ren, Gore Text hin oder her.

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Abschlie­ßend fährt Kapi­tän Joa­chim die Anti­gua noch um die klei­ne Insel Bratt­hol­men her­um, ein kur­zer Natur­ka­nal mit stei­len Fel­sen zu bei­den Sei­ten. Eine Art Mini-Troll­fjord, sozu­sa­gen zum Auf­wär­men. Beson­ders schön vom Logen­patz, oben auf dem Mast ☺

Bodø

Jaha – heu­te geht es los! Die Anti­gua liegt in Bodø im Hafen, 2 Wochen hat sie gebraucht, um von Ham­burg hier­her zu fah­ren. Ich mache das schnel­ler und mit weni­ger Boden­haf­tung.

Einen Tag spä­ter kommt die Grup­pe an Bord. Wir sind inter­na­tio­nal unter­wegs. Klei­ne Spra­cha­rith­me­tik: deutsch + nie­der­län­disch = eng­lisch.

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Bei mäßi­ger süd­li­cher Bri­se fah­ren wir aus dem Hafen her­aus und in den Ves­t­fjord ein. 50 See­mei­len offe­nes Was­ser zwi­schen Bodø und Rei­ne auf Mos­ken­esøya, im Süden der Lofo­ten. Bald sind die Segel oben. Der See­gang ist mode­rat, reicht für eini­ge am ers­ten Abend aber aus. Ande­re genie­ßen es, unter Segeln unter­wegs zu sein und zu beob­ach­ten, wie die berühm­te Lofo­ten­wand („Lofot­ve­g­gen“) vor­aus lang­sam unter der tief­ste­hen­den Son­ne in einer Wol­ken­bank sicht­bar wird.

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News-Auflistung generiert am 27. September 2021 um 02:50:15 Uhr (GMT+1)
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