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Monats-Archiv: Juli 2014 − News & Stories


Anflug – Longyearbyen

(14.-16. Juli 2014) – Der Anflug auf Spitzbergen war grandios. Ein fast wolkenfreier Blick auf Berge, Gletscher und Fjorde vom Südkap bis nach Longyearbyen!

Nach einem Tag in Longyearbyen, einschließlich einer kleinen Tour auf den Platåberg direkt neben dem Ort, geht es heute los: Die Antigua fährt unter strahlendem Sonnenschein aus dem Adventfjord und durch den still liegenden Isfjord nach Westen! 2 ½ Wochen rund um Spitzbergen liegen vor uns.

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Rentierzählung auf Spitzbergen: lokaler Bestand weiter angestiegen

Das norwegische Polarinstitut hat die jährliche Zählung des lokalen Rentierbestandes im Adventdalen abgeschlossen und das Ergebnis ist für die Forscher recht überraschend ausgefallen: Wiederum ist der Bestand auf einen Rekordwert angewachsen.

Im Juni zählen Forscher des Norwegischen Polarinstituts den Rentierbestand im Adventdalen und in den anliegenden Seitentälern. Dort wurden in diesem Jahr knapp 1500 Tiere gezählt, fast 300 mehr als im letzten Jahr, in dem der Bestand bereits auf ein Rekordniveau angewachsen war. Eine zweite, von der Universität in Tromsø durchgeführte Zählung bestätigt das Ergebnis. Aufgrund des relativ hohen Anteils an Alttieren im letzten Jahr, war in diesem Jahr nicht mit einem Anstieg der Population gerechnet worden. Die Forscher zählten jedoch überraschend viele Kälber, über 300, und auf der anderen Seite war die Anzahl der verendeten Tiere sehr gering. Es wurden lediglich 20 Kadaver gefunden, in schlechten Jahren waren es zwischen 100 und 200.

Als Ursache für den erneuten Anstieg der Population werden günstige klimatische Bedingungen vermutet, die den Tieren bessere Weidemöglichkeiten bescherten. Bereits im letzten Sommer hatten hohe Temperaturen für gutes Futterwachstum gesorgt, sodass die Tiere für die kalte Jahreszeit gerüstet waren. Da der vergangene Winter auf Spitzbergen dann relativ mild verlaufen war, dürfte das Futter wiederum leichter zugänglich gewesen sein. Üblicherweise führen mildere Winter mit gelegentlichen Regenperioden zur Vereisung und damit zur Versiegelung der Oberflächen, was die Futteraufnahme für die Tiere erschwert. Im vergangenen Winter hatte es zwar geregnet, doch war dieser negative Effekt offenbar ausgeblieben. Besonders an den steileren Hängen der Täler hatte der Regen die Vegetation wohl eher ganz frei gelegt.

Seit Beginn der Rentierzählungen im Adventdalen im Jahr 1979 wurden immer wieder natürliche Schwankungen im Bestand registriert. Ein Anwachsen der Population kann im folgenden Jahr zu erhöhter Futterkonkurrenz führen, ein Effekt, der durch ungünstige klimatische Bedingungen verstärkt wird. Nach starken Anstiegen der Population in den letzten beiden Jahren rechnen die Forscher daher nun wieder mit einem stärkeren Rückgang im kommenden Winter.

Rentiere im Adventdalen

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Quelle: Svalbardposten

Reykjavik

Ein halber Tag lang echte Zivilisation. Geothermisch beheiztes Wasser in öffentlichen Bädern, und, ja, ich habe mir das Endspiel angeschaut. Zusammen mit halb Reykjavik und gefühlt 2000 deutschen Touristen, vor großer Leinwand an der frischen Luft. Die Stimmung, unbeschreiblich – vor allem, als das Bild streikte. 🙂

Zurück nach Island

(10.-12. Juli 2014) − Die Rückfahrt nach Island hatte zunächst ja etwas richtig versöhnliches. Ein fast ententeichartig ruhiger Nordatlantik am 10. ließ die Aurora zu einem richtig lebendigen Ort werden: sowohl innen im Salong als auch außen im Cockpit, also im einigermaßen geschützten Bereich zwischen Aufbau und Steuer, saßen Leute bei munterer Unterhaltung und genossen das Leben, soweit sich dies bei den beengten Verhältnissen machen lässt. Sogar einen mit neuen Fotos angereicherten Vortrag über Jan Mayen konnte ich anbieten, sozusagen als Nachbereitung.

Klar, dass das nicht ewig so bleiben konnte. Immerhin kam der Wind so, dass wir segeln konnten, bis wir Island erreichten. Aber er wurde wieder einmal ziemlich kräftig, und die Aurora war bald wieder der quasi verlassene Ort, wie wir sie schon auf der Fahrt nach Norden über weite Strecken erlebt hatten.

Harold und Gudjon hatten hoch gepokert und ihre Rückflüge schon für Samstag (12.) Abend gebucht, den Tag der geplanten Ankunft. Das ging auch so gerade gut, indem Siggi die beiden im ersten verfügbaren Hafen an Land gelassen hat, von wo aus sie auf direktestem Wege zum Flughafen gefahren wurden. No risk, no fun!

Wir anderen freuten uns, am Samstag Abend in Isafjördur wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen und die Vorzüge und Freiheiten des Landlebens genießen zu können. Von dort aus zog jeder seiner Wege. Euch Mitreisenden alles Gute! Und noch einmal vielen Dank an Siggi und Gudjon für alles!

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Gruppenfoto (Download der großen Version)

Für mich geht die Reise jetzt weiter nach Spitzbergen. Was ja bekanntermaßen auch nicht gerade ein Ponyhof ist. Aber im Vergleich zu Jan Mayen drängt sich doch der Gedanke an die vielen Vorzüge Spitzbergens auf! Ich freue mich auf vergleichsweise geschützte Gewässer, die im Vergleich äußerst komfortable Antigua, lohnenswerte Wanderungen auch unterhalb von 20 km Strecke und die schönen, abwechslungreichen, hochpolaren Landschaften zwischen Südkap und Sieben Inseln! Ich komme!

Kvalrossløpet & Olonkinbyen

Zugegeben, der Tag begann nicht vor dem ersten Hahnenschrei. Mit einem für den Nachmittag vorgesehenen Stationsbesuch war das Programm klar und einigermaßen entspannt. Dachte ich.

Dafür ging es dann aber auf einmal relativ schnell. Wie sich herausstellte, bot die Station uns die Möglichkeit zum „Kvalrossløpet“, dem traditionellen Lauf von der Kvalrossbukta bis zur Station. Neun Kilometer, die je nach Geschlecht und Alter in 60-80 Minuten zurückzulegen waren, um hinterher offiziell als Walrossläufer diplomiert zu werden. Kein Thema! Wen interessieren schon die 70 Kilometer der vergangenen Tage, vor nicht einmal 12 Stunden beendet …?

Zugegeben, es ging nicht ganz so leichtfüßig zur Sache, als um 12 Uhr zum Start gepfiffen wurde. Mit 6 Leuten traten wir immerhin mit genau 50 % unserer Mannschaftsstärke an. Erwartungsgemäß ging Harold schnell in Führung und hielt diese auch, bis er souverän knapp unter 45 Minuten ins Ziel ging. Alle übrigen folgten innerhalb der zeitlichen Vorgabe und konnten aus der Hand des „Häuptlings“, wie der Stationschef umgangssprachlich genannt wird, ihre Urkunde entgegennehmen. Angesichts der vielen Kilometer der letzten Tage, Steigung, leichtem Wind und Nebel sowie der stark improvisierten Bekleidung gar nicht schlecht. Das Beste war die Möglichkeit, anschließend unter die Dusche gehen zu können!

Bis zum offiziellen Besuch um 4 war noch Zeit für einen kleinen Spaziergang Richtung Kapp Traill südlich von der Station. Kleine Pfade führten zwischen Lavaskulpturen hindurch, die stark mit Flechten und Moos bewachsen waren. In diesem Nebel eine wahrlich verwunschene Landschaft! Am Kapp Traill stießen Felsenfinger ins Meer hinaus, und oben an den Bergen lachten Krabbentaucher wie wahnsinnig. Arktis pur, aber so ganz anders als Spitzbergen.

Pünktlich um 16 Uhr hieß der freundliche Stationschef Roy uns willkommen. Einer kleinen Ansprache folgte das übliche Prozedere eines Stationsbesuches. Sobald der Kaufrausch im kleinen Souvenirladen befriedigt war, erfreuten wir uns an Tee, Kaffee und Keksen sowie richtigen Sitzgelegenheiten und genossen ein wenig die norwegische Gemütlichkeit auf dieser ansonsten so ungemütlichen Insel. Ebenso ist auch der anschließende motorisierte Rücktransport in die Kvalrossbukta als Höhepunkt einzuordnen – Danke!

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Der Rest des Tages? Unfeierlich. Mehr Stopfen als Packen. Hauptsache, wasserdicht. Schleppen. Mit Watstiefeln in der Brandung stehen. Alles an Bord so verteilen, dass es möglichst lüften, vielleicht sogar trocknen kann. Lecker essen. Und dann zog Jan Mayen an uns vorbei. Noch einmal schönes Abendlicht auf roten Ascheklippen und bizarr gewundenen Lavaströmen, bewachsen mit grünem Moos, und dann verschwanden die letzten Krater hinter uns im Nebel. So schnell und endgültig, dass man kurz darauf schon gar nicht mehr sicher sein konnte, ob es die Insel überhaupt wirklich gibt.

Der Weg zurück

Nach dem Abstieg vom Beerenberg beschlossen mehrere, noch am selben Abend nach kurzer Pause zurück in die Kvalrossbukta zu marschieren. Meinerseits hatte ich erstens definitiv keine Lust, an den Beerenberg-Tag noch einmal 18 Kilometer anzuhängen, und zweitens gibt es unterwegs so viel zu sehen, dass ein paar Stunden zunächst auf jeden Fall nötig waren.

Natürlich wurde es wieder windig, sobald wir in unseren Schlafsäcken im schwarzen Sand lagen, und der Sand fand seinen Weg in alle Löcher. Diejenigen, die verantwortlich sind dafür, dass man außerhalb der Kvalrossbukta nirgendwo mehr zelten darf, sollen bloß froh sein, dass sie uns an diesem Abend im Ekerolddalen nicht über den Weg gelaufen sind. Trotzdem wurde es für mich definitiv der beste Schlaf, seit wir vor über einer Woche Island verlassen hatten. Wahrscheinlich war ich einfach müde genug.

Nach einigen Stunden Ruhe und einem Frühstück aus einer Art grünem Beton auf Grundlage von Erbsen stopften wir vier im Ekerolddalen letztlich verbliebenen die Sachen in die Rucksäcke und zogen los. Ein kurzer Umweg hoch auf einen kleinen Krater brachte einen Blick in eine frische Vulkanlandschaft, die nach ca. 1820 noch aktiv gewesen sein muss (Besuch von Scoresby).

Die meisten hatten nicht mehr die richtige Kombination aus Energie und Motivation, um vermeidbare Umwege in den Rückmarsch einzubauen, so dass wir in Kleinstbesetzung durch die Lavawüste zur Eldste Metten stapften. Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten, als Jan Mayen noch Niemandsland war, und auf einmal wieder ein blauer Himmel über kargen Felsen und wilder Brandung.

Eine zweite Exkursion führte durch das kurze Jøssingdalen zur Nordlagune, wo Wetterstation und Garnison während und nach dem Zweiten Weltkrieg untergebracht waren. Landschaftlich einer der freundlichsten Teile Jan Mayens, man könnte dort deutlich mehr Zeit verbringen, zum Wasserfall im Desemberdalen wandern oder auf den einen oder anderen der umgebenden Hügel … so viele landschaftlich schöne Ecken, so viel interessante historische Details. Luftangriffe im Wilczekdalen, wo Skuas irgendwo ein Nest haben, das sie meinen, gegen uns verteidigen zu müssen. In der Maria Muschbukta die Reste der österreichischen Station von 1882-83 mit dem Grab des Matrosen Viscovich-Sturla (der Name hat doch wohl Rhythmus!). All die alten Geschichten.

Dann fiel der Vorhang im wahrsten Sinne. Aber besser hätte das Timing kaum sein können, gerade waren die Kameras weggepackt, als der Wind kräftiger und der Nebel dichter wurde. Viele schöne Erinnerungen an frühere Besuche kamen hoch an Zeiten, wo das Wetter mitunter verhinderte, aber nicht das Gesetz, und das Foto-Archiv ist auch deutlich bereichert mit vielen Bildern, die garantiert besser sind als das, was die alten Dias von damals noch so hergeben.

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Auf den verbleibenden Teil hätten wir dann auch verzichten können. Hätte ein Bus gehalten, wären wir eingestiegen, davon kann man ruhig ausgehen. Aber es gab keinen. Dafür gab es noch etliche Kilometer die Piste entlang, durch Dämmerung und Nebel, durch die endlose Sand- und Steinwüste. Die Rucksäcke wurden schwerer und schwerer, die Füße breiter und breiter, aber was soll man sagen, irgendwann war die Kvalrossbukta tatsächlich erreicht. Eine Wohltat, den Rucksack nach 32 Kilometern endgültig abzuwerfen! Und es gab tatsächlich noch Lamm-Eintopf … so schön kann das Leben auf Jan Mayen sein.

Beerenberg

Heute ist also der spannende Tag. Ich glaube, bei allen ist sowohl Freude auf den Berg als auch eine gewisse Anspannung vorhanden, in unterschiedlichen Anteilen, und sicher eine Portion Müdigkeit vom Anmarsch gestern und den Stunden im Schlafsack im Freien.

Hier im Ekerolddalen ist die allerletzte Chance, einzeln umzukehren. Von nun an heißt es, alle oder keiner. Diese Ansage wird noch einmal deutlich gemacht, dann geht es los, den felsig-sandigen Hang hinauf in den Nebel, der immer noch erbsensuppendick hängt, aber mittels GPS ist die Richtung klar. Steinhaufen folgen auf Moosbetten, Felsblöcke auf Schneefelder.

Nach etwa 2 Stunden lichtet sich plötzlich der Nebel. Um uns herum weite Moosflächen, und weit vor uns erhebt sich die vergletscherte Kuppe des Beerenberg! Ein majestätischer Anblick. Kaum zu glauben, dass es bis dort hinauf noch etliche Kilometer und über 1700 Höhenmeter sind, es sieht fast schon nahe aus. Ist es aber nicht.

Über ein Steinfeld rieselt ein kleines Rinnsal, die letzte Möglichkeit, Wasser nachzufüllen, bevor es endgültig auf die weiten Schneefelder und Gletscher geht.

Der Beerenberg ist nun völlig wolkenfrei und scheint zum Greifen nahe. Strahlend weiß hebt sich der eisbedeckte Vulkankrater vor einem tiefblauen Himmel ab. Gewaltig! Eine wunderbare, beeindruckende Landschaft, die nur so wenige aus der Nähe zu sehen bekommen.

Die Kilometer ziehen sich. Gudjon, der in Island in ähnlichem Gelände Gruppen führt und hier die Verantwortung trägt, holt schließlich das Seil heraus. Eine kurze Einweisung – noch nicht jeder von uns ist auf Gletschern im Seil gegangen – und dann geht es als Seilschaft weiter. Bald zeigen sich auch erste, harmlose Risse im Eis, denen dann aber die ersten Spalten folgen. Direkt nebenan fließt der Sørbreen ab, ein stark zerklüfteter Gletscherarm mit großen Quer- und Längsspalten, die nicht weit von uns deutlich zu sehen sind.

Wir halten auf eine kleine Felsgruppe zu, genannt Nunatakken. Leider zeichnet sich ab, dass wir den Gipfel wohl kaum noch in diesem Traumwetter erreichen werden. Aus dem Blau wird Grau, und trübe Schleier kommen und verschwinden wieder am Kraterrand, nur um kurz darauf dicker wieder zu erscheinen. Auch der Wind hat deutlich zugenommen, und einzelne Böen bringen den einen oder anderen in der Seilschaft schon für einen Augenblick aus dem Gleichgewicht. Bei mir sinkt die Zuversicht deutlich, dass wir den Gipfel heute erreichen können.

Als Gudjon kurz darauf die Gruppe anhält, weiß ich schon, was er sagen will. Allerdings ist der Grund ein anderer: Bei einem Teilnehmer macht sich die Erschöpfung bemerkbar, die Kondition reicht nicht für den langen Aufstieg, weiter wird es nicht gehen. Im Ergebnis läuft es auf dasselbe hinaus: hier, auf 1600 Metern Höhe, ist für uns der Umkehrpunkt. In Luftlinie mögen es nur noch gut 2 Kilometer zum Kraterrand sein, über dieses Gelände wären es 4-5 Stunden, und die Natur hat das Fenster wieder geschlossen.

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Natürlich ist das enttäuschend, und kurz gibt es Uneinigkeit und ein Gespräch in der Gruppe, das mir nicht so recht an diesen einmaligen Ort passen will. Es zerstört den Eindruck der einmaligen landschaftlichen Kulisse. Nach all dem Aufwand, den wir betrieben haben, um hierher zu gelangen, würde ich den Ausblick lieber für die wenigen Minuten genießen, die Wind und Kälte gestatten, anstatt teilweise vergeblich darauf hinzuweisen, dass wir bei dem Wetter nicht noch 4-5 Stunden durch Spaltenfelder aufsteigen können.

So machen wir uns bald wieder auf den Rückweg. Nach zügigem Abstieg erreichen wir nach insgesamt gut 12 Stunden wieder unseren Bivacplatz im Ekerolddalen.

Anmarsch zum Beerenberg

Mit dem Beerenberg ist das ja so eine Sache. Es gibt nur wenige Tage im Jahr, an denen das Wetter eine Besteigung überhaupt zulässt. Zudem ist die Logistik aufgrund der seit 2010 geltenden Bestimmungen sehr schwierig: Man darf eben nur noch in der Kvalrossbukta zelten. Ein Basislager am Fuß des Beerenberg ist nicht mehr erlaubt. Ob das sinnvoll ist, darüber kann man sicher streiten, aber das verschiebe ich auf später. Jedenfalls ist es so.

Daher beginnt eine Besteigung des Beerenberg für normale Menschen (also alle, die nicht auf der Station arbeiten oder staatlich geförderte/beförderte Gäste sind) mit einem fast 20 Kilometer langen Anmarsch. Und dann kommt noch ein langer Aufstieg mit allem Drum und Dran. Klar, dass das nicht für jeden und nicht bei jedem Wetter machbar ist.

Nun hatten wir mit dem Wetter sowohl auf der Überfahrt als auch während der ersten 24 Stunden auf Jan Mayen ja schon allerhand erlebt, und allzu ermutigend war das alles nicht, im Gegenteil war es ziemlich kräftezehrend. Eigentlich hatten wir uns also für heute mit der Station auf einen Besuch verabredet, um hier langsam warmzuwerden.

Nun hatte Siggi (Sigurdur, der Skipper) sich allerdings mit neuen Wetterberichten versorgt, und die sprachen eine klare Sprache. Wenn es überhaupt möglich sein würde, auf den Beerenberg zu kommen, dann Montag, also morgen. Wenn überhaupt.

Damit war der Fall klar. Einen Pausentag mit einer eigentlich nötigen, überschaubaren Tour zum Eingehen konnten wir uns leider nicht erlauben, um überhaupt eine Chance zu haben. Stattdessen wieder packen. Aurüstung für Bivac und Gletscher.

Windböen und Regenschauer peitschten immer noch um die Zelte, aber das sollte zum Nachmittag besser werden, und da wir keinesfalls schon zu Beginn nass werden wollten, haben wir uns Zeit gelassen. Das ist ja immerhin das Angenehme hier, weit nördlich des Polarkreises im Sommer: man muss vor keiner Dunkelheit davonlaufen.

Schließlich ging es aber los. Über die Straße zum Pukkelryggen, der langgestreckten Hügelkette nach Norden, wo sich ein moosbewachsener, alter Krater an den anderen reiht. Landschaft in sattem Grün, das aber heute droht, unter schwerem Grau zu ersticken. Pause an einem Bach, Roter Steinbrech und Alpensäuerling überall, alte Bekannte aus dem schönen Spitzbergen, das mir aus der Ferne gerade so unendlich lieblich erscheint. Vorbei an einem alten Flugzeugwrack aus üblen Kriegszeiten, darüber hinweg ein nebliger Blick auf die Nordlagune. Schade, heute daran einfach vorbeizulaufen, aber wir müssen noch weit, und die Kilometer machen sich bemerkbar, und das Gewicht der Rucksäcke ebenfalls.

Auf der Höhe vom Jøssingdalen teilt sich die Gruppe dann. Die Beerenberg-Aspiranten ziehen weiter, nach Nordosten in den Nebel. Die vier Übrigen schlagen die Gegenrichtung ein. Eine Chance, es sich zu überlegen und dem Beerenberg doch noch den Rücken zu kehren. Der eine oder andere denkt noch einmal kurz nach, dann kurzer Abschied und weiter geht es. Eine unendlich öde erscheinende Mondlandschaft mit finsterer Sandwüste und Lavafeldern, durch die sich der Fahrweg schlängelt. Sogar ein paar schlichte Wegweiser aus Treibholz hat man hier und dort aufgestellt.

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Nach langen 18 Kilometern haben wir das Ekerolddalen erreicht. Quot licet iovi, non licet bovi – wo Staatsdiener Geländewagen fahren, dürfen Touristen noch lange nicht zelten, und so rollen wir die Schlafsäcke auf vulkanischem Sand aus. Ein Schneefeld lässt sich mühsam ein paar Liter Wasser abringen, und so wird aus mitgebrachten Tüten ein warmes Essen. Hoffentlich bringen die nebligen Stunden in diesem finsteren Tal etwas Schlaf und ausreichend Kraft für den nächsten Tag.

Jan Mayen Wetter

Mit froher Erwartung auf Erholung und die kommenden Tage in den Schlafsack, aber von beidem sollte erst mal nicht viel die Rede sein. Heftige, plötzliche Böen erinnern daran, wo wir sind, falls es jemand vergessen haben sollte. Die Geräusche flatternder Zeltwände und die Sorge um die Zelte hält wohl alle mehr oder weniger wach, jedenfalls meinen Zeltnachbarn, Steuermann und Gletscherguide Gudjon und mich.

Die Zelte machen morgens einen üblen Eindruck. Nässe überall, auch dort, wo man sie wirklich nicht haben will. Ein Gestänge hat den Geist aufgegeben. Um die übrigen Zelte zu stabilisieren, schleppen wir noch mal Tonnen von Steinen. Der Regen läuft in die Klamotten, der Sand schürft die Haut von den nassen Händen, aber immerhin bleiben die Zelte, wo sie sind. Galgenhumor im Küchenzelt, wo wir uns die kalten Finger an heißen Tassen wärmen.

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Nachmittags lässt es langsam nach. Kleine Spaziergänge bringen dringend benötigte Wärme und Motivation zurück. Ich hoffe sehr, dass so eine Wetterfront, zumal im Wetterbericht nicht ersichtlich, uns nicht noch einmal zu schaffen macht. Das ist ziemlich anstrengend, und Schlafentzug hatten wir auf See eigentlich schon genug.

Erste Eindrücke

Vom ersten Gedanken an eine Expedition nach Jan Mayen, die über einen kurzen Besuch hinausgehen sollte, bis wir uns nun in der Kvalrossbukta installiert hatten, waren über vier Jahre vergangen … aber nun waren wir da! Und was für ein Empfang: blauer Himmel, nur von wenigen Wolken dekoriert. Erste Streifzüge zur Erkundung der näheren Umgebung während des Nachmittags und Abends. Fantastische Felssäulen an der Küste. Ein gewaltiger Strand mit unendlichen Treibholzmengen. Dahinter thront majestätisch der Beerenberg. Was für ein Gefühl, nun ein paar Tage rundum in diese Landschaft eintauchen zu können! Endlich hier!

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Jan Mayen – Ankunft

03./04.07.2014 Natürlich war es nach dieser Überfahrt eine Erlösung, endlich anzukommen. Der Seegang ging auf ein erträgliches Maß zurück, und der Beerenberg zeigte sich in nahezu voller Pracht, als wir uns der näherten, die tatsächlich erstaunlich guten Schutz vor Wind und Wellen bot.

Donnerstag Abend, so irgendwann gegen Mitternacht, fiel der Anker. Wir waren alle viel zu müde, um noch an Land zu gehen. Nur noch ein wenig in die Landschaft schauen, etwas essen – das war in den letzten Tagen weitgehend ausgefallen, und Sigurdur hatte schnell etwas Hervorragendes gezaubert – und schlafen, das war mehr als genug.

Einige mussten herausfinden, dass viele Sachen während der Überfahrt nass geworden waren, was sich auf kleinen Segelbooten bei Seegang kaum vermeiden lässt. Mit nassen Sachen und feuchten Schlafsäcken auf Jan Mayen anzukommen, war nicht gerade angenehm. Nächstes Mal bleiben die Sachen unterwegs in wasserdichten Säcken, wovon man nie genug haben kann.

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Nasse Sachen trocknen, Gepäck und Ausrüstung zum Ufer fahren und zum Lagerplatz schleppen, aufbauen, einräumen, jede Menge Steine schleppen, um die Zelte zu befestigen … ich glaube nicht, dass ich je zuvor so viele Steine geschleppt habe. Die Stunden gingen schnell vorbei.

Überfahrt

Was für eine Überfahrt! 470 Seemeilen von Ísafjörður nach Jan Mayen. Auf einer 60 Fuß Yacht gegen den Wind.

Wochenlang hätten wir schön ruhiges Wetter gehabt, aber pünktlich zu unserer Abreise am Montag gab es in Island Sturmwarnungen für Mittwoch. Somit war der Fall einigermaßen klar. Der Anfang war wunderschön, die Ausfahrt aus Ísafjörður, die Passage der äußersten Nordvestfjorde Aðalvik, Hornvik, … schönes Abendlicht, nur ein wenig Dünung, gegen Mitternacht passierten wir den Polarkreis.

Dienstag war auch völlig in Ordnung, weitgehend windstill, nur etwas Dünung. Wobei von einigen schon nichts mehr zu sehen war, eher noch was zu hören, was ich aber gar nicht weiter beschreiben will. Gut, das bleibt auf einem Boot dieser Größe nicht aus.

Aber dann der Gegenwind ab Mittwoch früh, das wäre wirklich nicht nötig gewesen. Es war wirklich nicht schön. Ich spare mir weitere Details.

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Dafür haben wir jetzt Jan Mayen querab. Die Passage von Sør-Jan, dem südlichen Teil, im schönsten Abendlicht. Sturmwolken fliegen über die Insel, von der Abendsonne beleuchtet, darunter bizarre Lavaströme, gefrorene Flüsse aus Stein, mit leuchtenden Moosen und Flechten bewachsen. Ein irrer Anblick!

Noch fegt heftiger Wind über die Insel, die Schaumkronen sind hier noch viel häufiger als auf dem offenen Meer. Aber es soll besser werden in den nächsten Tagen. Daumen drücken!

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News-Auflistung generiert am 20. September 2019 um 06:15:27 Uhr (GMT+1)
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