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Jahres-Archiv: 2019 − News & Stories


Dunkelzeit in Spitzbergen: Kultur, Eisbären, Sturm und Abenteuer im Eis

Schon seit Ende Oktober ist in Spitzbergen Polarnacht, und am vergangenen Sonntag wurde traditionell die Weihnachtszeit eröffnet: Die Kinder haben ihre Weihnachtswunschbriefe am Briefkasten unterhalb der Grube 3 (die „Weihnachtsmanngrube“) bei Nybyen eingeworfen und dann wurde im Zentrum der Weihnachtsbaum angezündet. Oder, genauer gesagt, dessen Beleuchtung wurde angestellt. Natürlich wurde nicht der Baum in Flammen gesetzt.

Weihnachtsbaum in Longyearbyen

Der Weihnachtsbaum in Longyearbyen.

Die dunkle Zeit ist traditionell die Zeit für Kultur. So gab es etwa im Rahmen der Kunstpause diverse Veranstaltungen wie Lesungen an besonderen Orten und mehr.

Kunstpause: Literatur in Longyearbyen

Lesung in der alten Kohleseilbahn in Longyearbyen im Rahmen der Kunstpause:
Elke Morgner liest auf deutsch und norwegisch aus „Schrecken des Eises und der Finsternis“ von Christoph Ransmayr.

Die polnische Station im Hornsund bekam Besuch von einem auffällig aggressiven Eisbären. Dieser ließ sich trotz wiederholter Versuche mit Lärm etc. nicht vertreiben und verletzte schließlich einen Hund so schwer, dass dieser später eingeschläfert werden musste. Die Mannschaft erlebte diesen Bären, angriffslustig und in unmittelbarer Nähe, verständlicherweise als sehr bedrohlich.

Gestern (Donnerstag, 05.12.) ist in Spitzbergen ein Wintersturm durchgezogen, der auch Norwegen tagelang schlechtes Wetter mit viel Wind, Regen und Schnee gebracht hat. In Longyearbyen brachte der Sturm die Häuser zum Wackeln und trieb die Lawinenwarnungen auf höhere Warnstufen. Passiert ist aber nichts.

Nach einer monatelangen Expedition über das Eis des arktischen Ozeans befinden sich die Abenteurer Børge Ousland und Mike Horn nun nördlich von Spitzbergen in der Nähe der Eiskante. Das Segelboot der Expedition, das die beiden nördlich von Russland abgesetzt hat und sie eigentlich auch wieder abholen sollte, scheint nun nicht mehr im Spiel zu sein. Stattdessen ist das Forschungsschiff Lance im Einsatz, und notfalls wäre wohl auch der Rettungshubschrauber in Longyearbyen in Reichweite. Den Abenteurern ist auf jeden Fall viel öffentliche Aufmerksamkeit sicher, nicht zuletzt hat die Svalbardposten schon mehrfach berichtet.

Bei Spitzbergen.de geht es eher ruhig zu. Womit man sich hier so die Zeit vertreibt? Neulich liefen ja meine diesjähigen Vorträge – das war sehr schön, vielen Dank an alle, die gekommen sind! Immer wieder kommt auch die Frage, warum es meine Bücher nicht als eBook gibt. Diese Idee gibt es zumindest mit Blick auf den Reiseführer auch schon länger. Mit all den Technikalitäten, die damit so verbunden sind, habe ich mich auch schon eine ganze Weile beschäftigt. Ganz so einfach ist das eben doch nicht, wenn es ordentlich werden soll. Mit den Details will ich aber hier niemanden nerven. Was allerdings, soweit ich weiß, generell Voraussetzung ist, um eBooks auf den bekannten, großen Plattformen vertreiben zu können, an denen auf diesem Markt auch kein Weg vorbeigeht, ist eine US-Steuernummer. Die kann man theoretisch ganz einfach beantragen. Praktisch bin ich damit gerade zum zweiten Mal gescheitert, trotz Hilfe einer spezialisierten Anwältin. So kriegt man Zeit, Geld und Nerv also auch irgendwie durch …

Die dunkle Zeit ist genau richtig, um auch ein paar weitere Panoramen zu entwickeln. Wer neue Orte in Spitzbergen im 360-Grad-Panoramablick erleben will, kann hier mal reinschauen:

  • Andréeneset auf der Kvitøya. Der Ort wurde berühmt, als 1930 dort die Reste der Andrée-Expedition gefunden wurden. 2018 ist es mir endlich gelungen, an diesem berühmten Ort ein Panorama zu schießen. So oft kommt man da schließlich nicht vorbei, und wenn, dann hängt da im Zweifel irgendwo ein Eisbär in der Nähe herum …
  • Bratliekollen und Irgensfjellet auf der Blomstrandhalvøya. Tolle Ausblicke über den Kongsfjord!
  • Der Seligerbreen (neben dem Monacobreen) im Liefdefjord. Neues Land „dank“ schrumpfender Gletscher.
  • Die Hamburgbukta im Nordwesten. Eine schöne Bucht, die schon den Walfängern als Naturhafen diente, wie man an den Gräbern sieht.
  • Die Kvedfjordbukta liegt südlich der Hamburgbukta. Ein selten betretenes, aber wunderschönes Flecken Erde an der Westküste.
  • Die Dunøyane und die Isøyane sind kleine Inselparadise an der Westküste, nördlich vom Hornsund.
  • Die Diesetsletta, eine schöne, weitläufige Küstenebene an der Westküste nördlich vom Kongsfjord. Glück mit dem Wetter muss man haben, um an solche Orte zu kommen.
  • Wer sich für Spitzbergens Geschichte interessiert, sollte auf jeden Fall am Finneset vorbeischauen. Dort, südlich von Barentsburg, standen eine Walfangstation und Spitzbergens erste Radiostation.
  • Und noch mal historisches, dieses Mal aus der düsteren Abteilung „Zweiter Weltkrieg“: das Flugzeugwrack am Kapp Borthen.
Panorama Isøyane

Panorama (Screenshot) von der Nordre Isøya, an der Westküste nördlich vom Hornsund. Das echte, drehbare Panorama finden Sie hier.

Ja, und natürlich wird immer an einer neuen Auflage eines Buches gearbeitet und an solchen Dingen.

Bald kommen übrigens neue Longyearbyen-Frühstücksbrettchen und Spitzbergen-Treibholzbilderrahmen in den Spitzbergen.de-Shop! Es ist eine lange Reise aus Spitzbergen für alles, was nicht in den Rucksack passt … die neuen Bilderrahmen sind aktuell noch nicht im Shop zu finden, das wird sich aber bald ändern.

Longyearbyen Frühstücksbrettchen

Was macht denn die Bartrobbe in Longyearbyen? 🙂

Vorträge 2019: „Norwegens arktischer Norden“

Im Norden ist es nun rund um die Uhr dunkel – da kann man sich Zeit nehmen für spannende Vorträge mit mitreißenden Bildern. Am kommenden Sonntag (24.11.) eröffne ich in Stuttgart in der Reihe Traum und Abenteuer meine kleine Vortragsreihe „Norwegens arktischer Norden“ 2019.

Vortrag

Vortrag „Norwegens arktischer Norden“ von Rolf Stange: Tiere, Landschaften und Geschichten von Spitzbergen, Jan Mayen und der Bäreninsel.

Natürlich geht es dabei vorneweg um Spitzbergen, aber wir fahren auch gedanklich und visuell nach Jan Mayen und auf die Bäreninsel 🙂 und sehen dabei auch einiges von diesen spannenden Inseln, was Sie garantiert noch nicht gesehen haben …

Die Termine im Einzelnen:

Rolf Stange, Vorträge

Rolf Stange beim Vortrag, hier in Spitzbergen auf dem Segelschiff Antigua.
Foto © Alexander Lembke.

Weitere Informationen gibt es auf meiner Seite Vorträge (hier klicken).

Kabelvåg, Svolvær & Laukvik

Nach der kurzen Passage nach Kabelvåg haben wir den Vormittag in dieser früheren Hauptstadt der Lofoten, die heute eher ein kleines, verschlafenes, aber schönes Nestchen ist, mit einem interessanten Museum und einem nicht minder interessanten Meeresaquarium. Im Museum ist der Reichtum der Fischaufkäufer neben der Armut der Fischer zu betrachten. Ein harter Kontrast.

Galerie – Kabelvåg, Svolvær & Laukvik

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Die Wanderung nach Svolvær ist ebenso schön wie nass. Wer die Strecke dorthin mit dem Schiff zurücklegt, hat noch etwas mehr Zeit für einen Stadtbummel in der heutigen Hauptstadt der Lofoten, bevor es abends ins Nordlichtzentrum in Laukvik geht.

Trollfjord – Skrova

Der Trollfjord gehört von der Landschaft her zu den beeindruckendsten Orten auf den Lofoten. Auf jeden Fall zu den berühmtesten. Man kann ja so schön einfach mit dem Schiff reinfahren und die Landschaft genießen.

Zumindest den Teil davon, den man sieht. Dazu gehörten die Bergspitzen heute nicht, wetterbedingt. Aber wir sehen mehr vom Trollfjord, als wir vorher befürchtet hatten – genug, damit es beeindruckend ist! – und können dann immerhin noch ein paar Segel setzen.

Galerie – Trollfjord – Skrova

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Nachmittags sind wir in Skrova, einer kleinen Lofoten-Insel im nördlichen Vestfjord. Schöner Hafen. Schöne Landschaft. Schöne Touren. Schönes BBQ von Sascha & Co. Nicht ganz so schönes Wetter. Aber abends immerhin noch etwas Nordlicht. Schön!

Skarberget & Tranøy

Wir sind ein gutes Stückchen weiter südlich und haben die Lofoten fast erreicht, bei klarem Wetter könnten wir sie von hier aus sehen. „Hier“ ist der Tysfjord, ein großer, schöner Fjord, der gegenüber der Lofoten ins norwegische Festland einschneidet.

Auf dem Skarberget kann man schön wandern. Wettermäßig muss man sich zwar erst mal ein klein wenig motivieren, aber dann … wenn man unterwegs ist, ist es herrlich, mit Schnee und frischem Wind um die Nase! Die Aussicht ist halt nicht ganz so, wie sie sein könnte …

Galerie – Skarberget & Tranøy

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Später sind wir in Tranøy. Wieder ein tolles Anlegemanöver von Mario in diesem kleinen Hafen. Der Kunstparkt Tranøy lockt ungemein, wen interessieren schon Kälte, Dunkelheit und Regen, wenn man sich Kunst ansehen kann!

Ja, das Wetter. Könnte besser sein.

Skrolsvik & Harstad

Genau passend kommen wir morgen in Skrolsvik an, wo Schneeschauer und Sonne die schöne Landschaft im Süden von Senja in atmosphärische Wechselbäder tauchen.

Um Skrolsvik herum kann man von kleinen Spaziergängen bis hin zu langen, anspruchsvollen Wanderungen viel machen. Nach Wahl ziehen wir zwecks schöner Ausblicke aus erhöhter Perspektive ein wenig den Berghang hinauf oder folgen Wegen bis zu ein paar kleinen Buchten, wo sich auch noch ein paar Bunker- und Befestigungsanlagen aus dem zweiten Weltkrieg befinden.

Netterweise macht extra für uns der museumsartig erhaltene „Gammelbutikken“ auf, in dem die Bewohner dieses früher einmal recht abgelegenen Ortes sich mit allem versorgt haben, was man zum täglichen Leben brauchte. 1870 gebaut, war das gemütliche Häuschen von 1925 bis 1992 als Laden in Betrieb. Zu erwerben sind heute „nur“ noch nette Kleinigkeiten, über die man sich als Tourist so freut.

Galerie – Skrolsvik und Harstad

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Weiter geht es nach Harstad, wo wir, nebenbei bemerkt, die Vesterålen erreichen. Die Kanonen, die die Deutschen hier im Krieg aufgestellt haben, die lassen friedlichen Menschen die Berge zu Haare stehen, oder so ähnlich … das historische Museum und die mittelalterliche Kirche haben heute leider geschlossen.

Skjervøy, Nord-Lenangen

Guten Mutes und voller Hoffnung fuhren wir von Tromsø beziehungsweise Finnkroken nach Nordosten, Richtung Skjervøy – dort waren kürzlich Schwertwale gesehen worden. Also nichts wie hin!

Nur wollte das Wetter leider nicht ganz so, wie wir wollten. Um Skervøy herum blies eine kräftige Brise mit Windstärke 6-7. Da kann man das Wallwatsching (neudeutsch für Walbeobachtung) gleich mal direkt vergessen. Wir haben lieber zumindest für ein kurzes Stück ein paar Segel gesetzt …

Galerie – Tromsø – Finnkroken

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… und waren ein paar Stunden später in Nord-Lenangen, ein kleiner, verschlafener Ort in einem kleinen, verschaften Fjord – malerische Landschaft, schöne Winterstimmung! Später an Bord, als es draußen dunkel wurde und Wolken den Blick auf den Himmel versperrten, haben wir uns noch ein wenig mental und fototechnisch auf Nordlichter vorbereitet (kann man bei Interesse übrigens alles auch auf Rolfs Nordlicht-Seite nachlesen), und später haben wir dann Kurs Süd gesetzt, an Tromsø vorbei Richtung Senja.

Tromsø-Finnkroken

Ein wunderschöner Frühwintertag in Tromsø, auf 70 Grad Nord – kalt und klar, windstill und sonnig.

Gegen Abend finden sich alle auf der Antigua ein. Es fühlt sich an wie später Abend, dabei ist es eher später Nachmittag, aber Sonnenuntergang ist hier jetzt kurz nach 15 Uhr, und eine Stunde später fängt es auch wirklich langsam an, dunkel zu werden.

Später gehen die Lichter aber wieder an, und zwar richtig: erste Klasse Nordlichtalarm! Wir können den Zauber noch eine Weile im Hafen genießen, mit dem Lichterbogen über der Brücke über den Tromsøysund und der berühmten Eismeerkathedrale, und später noch auf den ersten Meilen unterwegs.

Nach zwei Stunden Fahrt legen wir in Finnkroken auf der Insel Reinøya an. Ein kleiner Abendspaziergang, eine Gelegenheit, das Stativ auf festem Boden aufzustellen – die Nordlicht-Action ist ja nicht zu Ende.

Galerie – Tromsø – Finnkroken

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Zu unserer Überraschung werden wir äußerst freundlich empfangen. Hier gibt es tatsächlich Leute, die sich freuen, wenn Touristen auftauchen! Jo Martin ist einer von einem Dutzend Einwohnern hier (wenn es überhaupt so viele sind). Ihm gehört eine alte Handelsstation von 1802 direkt am Anleger, wo er uns in kleinen Grüppchen durchführt. Beinahe eine Zeitmaschine! Zugleich wird ein kleiner Wanderweg durch den niedrigen Wald von Fackeln erleuchtet, so dass wir den Weg zu einem mit Feuerchen geheizten Lavvu (großes Zelt) finden, über dem die Nordlichter tanzen – wie herrlich! Wenn das nicht mal ein schöner Start in die Reise ist 🙂

Tromsø – 26. Oktober 2019

Die Polarnacht steht vor der Tür – in Longyearbyen erlebt man genau heute den letzten Sonnenauf- und Untergang für dieses Jahr, aber hier in Tromsø heißt es für mich nun noch einmal „Segel Setzen“ im Norden. Einmal geht es mit der Antigua noch los – Das Licht des Nordens, Nordlichter, schöne Landschaften und Orte mit einem guten Hauch von Winter, Schwertwale, das sind, in aller Kürze, einige Dinge, die bei uns für die nächsten Tage auf dem Wunschzettel stehen.

Aber erst mal ist in Tromsø noch ein Tag Zeit. Ein paar Dinge sind zu erledigen – unter anderem bringe ich die diesjährige Lieferung an Spitzbergen-Treibholz-Bilderrahmen und neue Spitzbergen-Küchenbrettchen auf den Weg (ich dachte, ich erwähne das mal 🙂 ), treffe Freunde, und abends, da ist Feuerwerk am nächtlichen Himmel!

Galerie – Tromsø – 26. Oktober 2019

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Rentiere in Spitzbergen: so viele gibt es

Das Spitzbergen-Rentier hat schon viele Höhen und Tiefen erlebt: Vor Jahrtausenden aus der russischen Arktis eingewandert, hat es sich zu einer eigenen Unterart (Rangifer tarandus platyrhynchus) entwickelt. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde es so stark gejagt, dass die Population in vielen Teilen des Verbreitungsgebietes ausgerottet wurde. Schätzungen gehen davon aus, dass es nur noch vielleicht 1000 Tiere gab, als die Art 1925 unter Schutz gestellt wurde – noch im gleichen Jahr, in dem der Spitzbergen-Vertrag in Kraft trat, der der norwegischen Regierung die Möglichkeit gab, gesetzlich tätig zu werden.

Spitzbergen-Rentier: Böcke, Straumsland

Spitzbergen-Rentiere: zwei kräftige Böcke im Straumsland, im Osten Spitzbergens.

Spitzbergen-Rentiere können weite Strecken zurücklegen und ziehen dabei auch über gefrorene Fjorde und sogar über Treibeis, sonst hätten sie Spitzbergen ja auch nie erreicht. Aber das tun sie nicht unbedingt, denn von ihrer normalen Lebensweise her bleiben sie gerne dort, wo sie eben sind, solange die Verhältnisse dort brauchbar sind. Es dauert also: Nach lokaler Ausrottung können viele Jahrzehnte vergehen, bis Rentiere ihren Weg wieder in abgelegene Teile der Inselgruppe Svalbard finden.

Dazu kommt, dass die lokalen Populationen kurzfristig starken Schwankungen unterliegen: In schlechten Jahren, etwa wenn Regen auf den schneebedeckten Boden im Winter die Tundra mit einer harten Eiskruste überzieht und die Vegetation dadurch unzugänglich wird, verhungert im Frühjahr ein beträchtlicher Teil der Population. Das wird laut Biologin Le Moullec normalerweise aber erst dann zum Problem, wenn der Bestand schon so hoch ist, dass die verbleibenden, zugänglichen Flächen den Bestand nicht mehr ernähren können: Ein klassischer Fall von Selbstregulierung eines natürlichen Ökosystems. Zusätzlich steigt in vereistem Gelände auch die Absturzgefahr: so starben im Winter 2018-19 in der Umgebung von Longyearbyen, etwa im Bjørndalen, einige Rentiere nach Abstürzen von steilen Hängen.

totes Spitzbergen-Rentier

Totes Spitzbergen-Rentier am Operafjellet, östlich von Longyearbyen:
abgestürzt oder verhungert, das weiß man nicht.

Entsprechend schnell können sich die Bestände aber in guten Jahren auch wieder erholen. So stellte man etwa im Frühjahr 2017 fest, dass es den Rentieren im Adventdalen prima ging.

Neben kurzfristigen Witterungseffekten beeinflusst der Klimawandel den Lebensraum der Rentiere: Extreme Witterungsphasen, etwa mit starken Regenfällen im Winter, werden häufiger. Wärmeres und feuchteres Wetter kann aber durch stärkeres Wachstum der Vegetation auch einen positiven Einfluss auf die Bestandsentwicklung der Spitzbergen-Rentiere haben. Alle diese Effekte überlagern sich, und dazu kommt, dass der Bestand sich insgesamt nach dem starken Jagddruck bis 1925 sich möglicherweise in manchen Teilen Spitzbergens durch erneute Einwanderung immer noch erholt.

Grund genug, der Sache auf den Grund zu sehen und zu schauen, wie viele Rentiere es überhaupt gibt und wo diese sich aufhalten. Frühere Schätzungen waren immer nur räumlich begrenzt. Nun hat ein Team von Wissenschaftlern die gesamte Population auf der ganzen Inselgruppe Svalbard gezählt. Soweit möglich, wurden genaue Zählungen durchgeführt, andernorts wurde zumindest von Stichproben ausgehend hochgerechnet. Die Ergebnisse haben die Wissenschaftler um Mathilde Le Moullec nun in The Journal of Wildlife Management veröffentlicht.

Spitzbergen-Rentiere, Krossfjord

Ungewöhnlich große Gruppe von Rentieren im Krossfjord, einem Gebiet, in dem es im 20. Jahrhundert lange gar keine Rentiere gab.

Die Kernbotschaft: Die Rentierpopulation in ganz Svalbard wird nun mit 22.435 Tieren angegeben (95% Konfidenzintervall: 21.452–23.425). Das sind doppelt so viele, wie bislang vermutet wurde: Noch 2009 wurden zwischen 10.000 und 11.000 Rentiere gezählt bzw. vermutet. Die höhere Zahl resultiert einerseits in der genaueren Zählung in der aktuellen Untersuchung, andererseits wohl aber auch aus der nach wie vor laufenden Erholung des Bestandes seit dem Jagdverbot von 1925, einschließlich Wiederbesiedlung vieler Teile des früheren Verbreitungsgebietes. Sogar auf dem entlegenen Kong Karls Land gibt es wie schon vor Jahrhunderten auch mittlerweile wieder Rentiere. Noch 1959 war das nicht der Fall.

Die Dichte der Population ist in den verschiedenen Landesteilen sehr unterschiedlich. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, wobei die Vegetationsdichte wichtig ist. In manchen Gebieten leben bis zu 10 Rentiere pro Quadratkilometer – lokal sogar noch mehr – während andernorts, in kargen Regionen, weniger als eines auf gleicher Fläche sein Futter sucht.

Die aktuelle Studie wurde am 04. Oktober veröffentlicht: Mathilde Le Moullec und weitere Autoren (2019), A Century of Conservation: The Ongoing Recovery of Svalbard Reindeer. In: The Journal of Wildlife Management, Vol. 83, 1676-1686.

Geldstrafe für Störung von Eisbären

Ein Mann aus Longyearbyen hat eine Geldstrafe von 15.000,- Kronen (etwa 1500 Euro) bekommen, weil er am 10. März 2018 auf einer privaten Motorschlittentour im Tempelfjord mehrere Eisbären gestört hat. Er soll sich mit dem Motorschlitten mehreren Eisbären bis auf etwa 70 Meter genähert haben, so dass die Tiere sichtbar gestört wurden und sich weg bewegten.

Der Vorfall wurde vom Berg Fjordnibba aus von Zeugen beobachtet, der Mann wurde kurz darauf von Feldinspektoren (Feldpolizei) des Sysselmannen angehalten. Ein weiterer Motorschlittenfahrer, der ebenfalls in den Vorfall involviert war, konnte nicht identifiziert werden.

Wegen der gestiegenen Verkehrsdichte hat der Sysselmannen angekündigt, in derartigen Fällen hart durchzugreifen, um keine Zweifel an der Priorität des Schutzes der Tiere aufkommen zu lassen. Die aktuelle Geldstrafe wurde von der Staatsanwaltschaft in Nordnorwegen verhängt und von dem betroffenen Mann bereits akzeptiert, wie der Sysselmannen mitteilt.

In Longyearbyen hatte der Vorfall für Reaktionen in den sozialen Netzwerken gesorgt. Kurz darauf war das Fjordeis im Tempelfjord, früher ein beliebtes Ziel für private und geführte Touren, für den Motorschlittenverkehr weitgehend gesperrt worden.

Eisbären Tempelfjord

Eisbären im Tempelfjord (oder sonstwo): jede Störung ist grundsätzlich verboten.

Laut Spitzbergen Umweltgesetz (Svalbardmiljølov kapittel IV § 30) „ist es verboten, Eisbären anzulocken, zu verfolgen, oder mittels einer anderen aktiven Handlung aufzusuchen, so dass diese gestört werden oder Gefahr für Menschen oder Eisbären entsteht.“ (Im Original: Det er forbudt å lokke til seg, forfølge eller ved annen aktiv handling oppsøke isbjørn slik at den blir forstyrret eller det kan oppstå fare for mennesker eller isbjørn.)

Northguider: Bergung auf nächstes Jahr verschoben

Wie kürzlich berichtet, erwies die Bergung der Northguider sich als problematischer als zunächst angenommen. Zudem hatten die langwierige Planung, Eis und Wetter zu Verzögerungen geführt.

Wie vermutet, ist die Bergung dieses Jahr nicht mehr möglich, und die Arbeiten werden auf den Sommer 2020 verschoben. Dies ist eine Entscheidung der Versicherungsgesellschaft Gard und der Bergungsfirma Smit Salvage, wie die zuständige norwegische Behörde Kystverket nun mitteilte.

Northguider

Bergungsschiffe und der auf Grund gelaufene Krabbentrawler Northguider beim Sparreneset in der Hinlopenstraße, August 2019.

Mit anderen Worten: Mit dem Wrack der Northguider wird vor Sommer 2020 genau gar nichts passieren – beziehungsweise nur das, was Eis und Wetter damit machen. Ob danach noch etwas übrig ist, was man eventuell bergen kann, wird sich 2020 zeigen.

Bergung der Northguider problematischer als gehofft

Die Bergung des im Dezember in der Hinlopenstraße auf Grund gelaufenen Fischereischiffes Northguider ist komplizierter als erwartet, wie die zuständige norwegische Behörde Kystverket mitteilt. Wie sich kürzlich herausstellte, sind die Schäden am Rumpf größer als erwartet, so dass die Bergungsarbeiten nicht wie geplant durchgeführt werden können.

Seit Ende Dezember liegt die Northguider am Sparreneset südlich vom Murchisonfjord ufernah auf Steinen. Die Reederei hat die Auflage bekommen, das Schiff bis Ende 2019 zu entfernen. Ob das jetzt noch gelingt, ist fraglich: Gegen Ende Oktober beginnt in Spitzbergen die Polarnacht. Zwar ist Schiffsverkehr auch in der dunklen Jahreszeit nicht unmöglich, aber ob weitere Bergungsarbeiten in der zunehmenden Dunkelheit noch möglich, sinnvoll und sicher sind, ist fraglich.

Northguider

Bergungsschiffe und der auf Grund gelaufene Krabbentrawler Northguider beim Sparreneset in der Hinlopenstraße, August 2019.

Die Bergungsschiffe waren erst recht spät im Sommer beim Havaristen eingetroffen. Dann verzögerten unerwartet schwere Eis- und Wetterbedingungen die Arbeiten immer wieder, so dass es erst kürzlich gelang, das Wrack zumindest aufzurichten. Dabei zeigte sich, dass der beschädigte Teil des Rumpfes mit 12×5 Metern viel größer ist als erwartet.

Nun müssen Küstenwache, Kystverket, die Reederei Opilio AS, die Versicherungsgesellschaft und die Bergungsfirma SMIT Salvage einen neuen Plan erarbeiten. Ob das bis hin zur Ausführung noch im laufenden Jahr gelingt, ist fraglich, ein Aussetzen der Arbeiten bis zum nächsten Jahr wurde von offizieller Seite schon als Möglichkeit ins Spiel gebracht. Ob die Northguider im Sommer 2020, nach vielen Monaten mit Eis und Stürmen, überhaupt noch zugänglich und in einem Zustand ist, der einen Abstransport erlaubt, muss sich dann erst mal zeigen.

Wahl in Longyearbyen

Gestern (Montag, 7. Oktober) hat in Longyearbyen das Wahllokal für die Wahl zur Lokalstyre (Gemeinderat). Die Lokalstyre wählt aus ihren 15 Mitgliedern den Lokalstyreleder (Bürgermeister) und verwaltet das Stadtgebiet von Longyearbyen. Die Svalbard-Politik darüber hinaus ist nicht Sache der Lokalstyre, die hierbei höchstens beobachtend und beratend Einfluss nehmen kann.

Die meisten Stimmen waren am Abend des Wahltags bereits ausgezählt. Das Wahlergebnis ist noch nicht amtlich, größere Änderungen sind aber nicht mehr zu erwarten. Demnach hat die Arbeiderpartiet (Ap, „Arbeiterpartei“, sozialdemokratisch, Norwegens größte Partei) die meisten Stimmen bekommen, mit knapper Mehrheit vor der Venstre (V, „Venstre“ heißt übersetzt „Linke“, ist aber eine sozialliberale Partei). Ap und V werden künftig jeweils fünf von insgesamt 15 Lokalstyremitgliedern stellen. Høyre (H, „Høyre“ heißt übersetzt „Rechte“, eine konservative Partei und nicht so rechts, wie der Name nahelegt) bekommt zwei Mandate, wie auch die Fremskrittspartiet (Frp, übersetzt „Fortschrittspartei“, wird eher am rechten Rand des politischen Spektrums verortet). Eher enttäuschend hat Miljøpartiet De Grønne („Umweltpartei die Grünen“, da ist drin, was drauf steht) abgeschnitten, die ein Ratsmitglied stellen werden. Von den norwegischen Grünen war im Wahlkampf in Longyearbyen auch wenig zu hören gewesen.

Seit 2015 war Arild Olsen (Ap) Lokalstyreleder. Sowohl Olsen als auch Terje Aunevik (V) haben Chancen auf das Amt des Lokalstyreleders (Bürgermeisters).

Die Wahlbeteiligung liegt bei 61,7 %. Wahlberechtigt sind alle Einwohner Longyearbyens nach einer bestimmten Aufenthaltszeit, die je nach Nationalität variiert.

Longyearbyen hat seit 2002 eine lokal gewählte Lokalstyre und damit eine lokale Demokratie. Mit dem Sysselmannen hat die Lokalstyre nichts zu tun, dieser ist der höchste Repräsentant der norwegischen Regierung in ganz Spitzbergen und wird nicht gewählt, sondern von der Regierung in Oslo ernannt.

Lokalstyrvalg (Gemeinderatswahl) Longyearbyen

Lokalstyrewahl in Longyearbyen.
Im „Næringsbyggget“ (links) tagt die Lokalstyre (Gemeinderat).

Billefjord – 28. September 2019

Im schönen Billefjord gab es die Möglichkeit, die Wanderfreudigen noch mal auf eine kleine Bergtour zu schicken, während die Antigua vor dem Nordenskiöldbreen kreuzte, auch in der Hoffnung, noch einmal einen Eisbären zu entdecken, der sich vielleicht auch etwas besser beobachten lassen würde als der vor ein paar Tagen im Liefdefjord. Das passierte leider nicht. Dafür ließen sich Weißwale blicken, und die Landschaft im innersten Billefjord … vom Feinsten!

Galerie – Billefjord – 28. September 2019

Klicken Sie auf die Bilder, um eine vergrößerte Darstellung des Bildes zu erhalten.

Die letzte Landung gab es am späten Nachmittag auf der Gipshuksletta, an der Ecke zwischen Billefjord und Sassenfjord/Tempelfjord. Rundumblicke auf eine wunderbare Arktis-Winterlandschaft mit Schnee und dem Licht, das es wenige Wochen vor Beginn der Polarnacht gibt. Stiller Abschied von der Natur Spitzbergens – für dieses Mal.

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News-Auflistung generiert am 06. Dezember 2019 um 18:04:43 Uhr (GMT+1)
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