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Monats-Archiv: Juni 2017 − News & Stories


Sørkapp Land – 30. Juni 2017

Vom Südkap Spitzbergens erwartet man ja so einiges, aber selten etwas Gutes. Umso schöner, wenn man es unerwartet sanft umrundet und die See am nächsten Morgen so ruhig ist, dass sich die seltene Gelegenheit zu einer Landung beim Südkap bietet! Etwas östlich der südlichsten Spitze Spitzbergens kommt die Antigua soweit „dicht“ ans Ufer, dass wir an Land gehen können. Immer noch weit über einen Kilometer Fahrt. Aber eine tolle Landschaft, hocharktisch karg, mit einem schroff-schönen Berg im Hintergrund, spannend strukturierte Uferfelsen, alten Walknochen … das volle Programm. Eine selten gesehene Landschaft. Hier kommt kaum mal jemand hin!

Galerie – Sørkapp Land – 30. Juni 2017

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Zum Nachmittag hin reißt es vollends auf. Die Isbukta präsentiert sich mit ihrer grandiosen Landschaft unter strahlender Sonne. Unvergesslich schön!

1000 Kilometer in 49 Tagen auf Skiern durch Spitzbergen

Normalerweise mag sie keine Selfies, aber als Katja Baum am 19. Mai ihr Ziel, den nördlichsten Punkt Spitzbergens (Verlegenhuken), ereicht, lächelt sie doch in ihre eigene Kamera. Die 29jährige hat an diesem Tag rund 1000 Kilometer in 49 Tagen alleine auf Skiern in der Einsamkeit Spitzbergens zurückgelegt. Für Abenteurer ist eine Spitzbergen Durchquerung eine echte Traumtour und eine riesige Herausforderung.

Symbolfoto von einer ähnlichen Tour von Rolf Stange

Sechs Monate Planung gingen diesem Traum voraus. Am 1. April startete Katja Baum ihre Spitzbergen Durchquerung in Longyearbyen. Im Gepäck: 45 Kilo Ausrüstung und noch einmal so viel Essen für sich und ihre Hunde. Die erste Etappe von Longyearbyen zum südlichsten Punkt Spitzbergens Sørneset und weiter bis Svea wurde sie von ihrer Freundin Nanna Gajic begleitet. Von da an ging es alleine weiter, nur in Begleitung der drei Huskies Hjalmar Johnsen, R2-D2 und Myrull.

Katja Baum kommt ursprünglich aus Deutschland und arbeitet seit 2012 als Tourguide für einen Reiseveranstalter auf Spitzbergen, der Wander-, Ski und Kajaktouren mit Expeditonscharakter anbietet. Daher hat sie auch die nötige Erfahrung, um eine Durchquerung von Spitzbergen vorzubereiten und durchzuführen.

„So weit bin ich vorher noch nie gelaufen, aber ich war schon öfters in den Alpen alleine unterwegs und wusste, dass das mein Ding ist. Ich bin einfach gerne draußen und mag es, Verantwortung zu übernehmen. Du musst dich um alles selber kümmern, kannst nach niemanden rufen, wenn etwas schief geht. Du folgst deinem eigenen Rhythmus: Bist du müde, machst du eine Pause. Willst du lange schlafen, bleibst du einfach liegen.“

Symbolfoto von Rolf Stange

Viel Gelegenheit zum Ausruhen wird Katja Baum aber nicht gehabt haben. An machen Tagen legte sie bis zu 52 Kilometer zurück! Gletscherquerungen, das Überfahren von Seeeis und schlechtes Wetter machen eine Spitzbergen Durchquerung zu einer nicht ungefährlichen Expedition. Viel Vorsicht ist nötig und alle möglichen Unvorhersehbarkeiten müssen in Gedanken durchgespielt werden. Besonders das Wetter hat ihr manchmal zu schaffen gemacht.

„Wenn man stundenlang bei starkem Wind und strömendem Regen auf Skiern steht, dann fragt man sich schon manchmal: „Warum mache ich das hier eigentlich?“ Andererseits sind es in solchen Situationen grade die kleinen Dinge, über die man sich plötzlich unglaublich freuen kann: Wenn sich der Nebel verzieht oder die Sonne kurz rauskommt.“

Nach der Ankunft in Longyearbyen ging es erst einmal mit Freunden in die Kneipe, um auf die erfolgreiche Tour anzustoßen. „Ein bisschen stolz bin ich schon, dass alles so gut gelaufen ist und ich so gut vorbereitet war. Es war wirlich eine fantastische Tour!“

Auch die drei Hunde scheinen die Tour genossen zu haben: Hündin Myrull ist jedenfalls trächtig und wird bald Welpen bekommen.

Symbolfoto von Rolf Stange

Quelle: Svalbardposten, Katja Baum

Hornsund – 29. Juni 2017

Nach durchfahrener Nacht erreichen wir Hyttevika nördlich vom Hornsund. Ein wunderschönes Stückchen Spitzbergen! Nahezu idyllisch. Beziehungsweise: idyllisch. Man muss das gar nicht einschränken. Wanny Woldstads schöne Hütte (wer wissen will, wer Wanny Woldstad war, sei auf das später in diesem Jahr erscheinende Arktis-Weihnachtsbuch verwiesen 😉 ), saftige Tundra, Rentiere, Krabbentaucher in riesigen Zahlen, eine felsige Uferlandschaft mit kleinen, versteckten Stränden.

Galerie – Hornsund – 29. Juni 2017

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Später geht es unter Segeln in den Hornsund. Landschaftlich ebenfalls ein sehr eines Stückchen Spitzbergens, das sich überwiegend unter Sonne und blauem Himmel zeigt.

Wahlenbergbreen & Erdmannflya – 28. Juni 2017

Wir bleiben für den ersten Tag im Isfjord, genauer gesagt zunächst in der Yoldiabukta. Der Wahlenbergbreen hat in jüngster Vergangenheit einen kräftigen Vorstoß gemacht, einen sogenannten Surge. Und tatsächlich ist die Yoldiabukta gerade mal nicht komplett eisgefüllt, so dass wir nicht weit vom Gletscher entfernt ankern können. Unsere zunächst angepeilte Ankerstelle, ein Stück weiter im Fjord und mit einer schönen Ankertiefe, ist vom vorstoßenden Gletscher bereits überfahren worden! Parkplatz besetzt, sozusagen.

Galerie – Wahlenbergfjord & Erdmannflya – 28. Juni 2017

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Wie sich zeigt, ist der Gletscherrand einfach zu erreichen. Das Eis ist völlig zerklüftet. Sehr beeindruckend!

Nachmittags sammeln wir in der Borebukta auf der Erdmannflya erste Tundra-Eindrücke.

Isfjord – 27. Juni 2017

Endlich – es geht los! 18 Tage mit der Antigua um Spitzbergen. Wobei, „um Spitzbergen“ wird es wohl eher im übertragenen Sinn, so mit Blick auf die Eiskarte. Aber was macht’s schon, schön wird es so und anders werden! Und mal schauen, wie es demnächst aussieht. Wir haben eine Menge Zeit.

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Nun sind wir also unterwegs! Heute Nachmittag los aus Longyearbyen. Und gleich mehrere Finnwale und – ein Blauwal! Gleich am ersten Abend waren wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Weniger Quecksilber im Eisbär – dank Klimawandel?

Wenn sich als Folge des Klimawandels das Seeeis mehr und mehr zurückzieht, könnte die Belastung von Eisbären mit Quecksilber zurückgehen.

Frisst an Land gesünder als auf dem Eis: Eisbär

Frisst an Land gesünder als auf dem Eis: Eisbär

In einer us-amerikanischen Studie wurden von 2004 bis 2011 Haarproben von Eisbären in der Beaufort-See nördlich von Alaska untersucht. Das Ergebnis: Bei den männlichen Tieren ist die Belastung mit Quecksilber um ca. 13 % pro Jahr zurückgegangen, bei den weiblichen jedoch nicht. Dies hängt wohl mit unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten der Geschlechter zusammen. Weibliche Eisbären jagen vom Eis aus hauptsächlich Ringelrobben, die sich wiederum von quecksilberbelastetem Fisch ernähren. Männliche Eisbären ernähren sich außerdem auch von Bartrobben und gestrandeten Walkadavern, die nur gering mit Quecksilber belastet sind.

Zieht sich das Eis in den polaren Regionen mit dem Klimawandel nun mehr und mehr zurück, könnten Eisbären zunehmend auf Beute zurückgreifen, die an Land zu finden ist, wie z.B. Walkadaver des Grönlandwals.

Der Studie zufolge ist die geringere Konzentration von Quecksilber in den Eisbären keine Folge einer reduzierten Quecksilberkonzentration in der Umwelt.

Quelle: ACS Publications

Jan Mayen – Kvalrossbukta – 20. Juni 2017

Um die Kvalrossbukta herum haben die Wolken zuletzt tief gehangen. Zum Nachmittag hin klart es wieder etwas auf, so dass der Kvalrossen als letzte kleine Tour lohnt. Der große Brandungspfeiler Brielletårnet, der an den Stadturm der niederländischen Stadt Brielle erinnern soll, ziert ihn auf der Außenseite, und wir klettern ein wenig am Fuß dieser malerischen Felsen herum. Auch die kleine Tour oben auf den Kvalrossen hinauf lasse ich mir nicht entgehen und die damit verbundene Möglichkeit, Papageitaucher und Eissturmvögel an ihren Brutplätzen zu sehen.

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So sind die Tage auf Jan Mayen schnell vergangen und wir müssen an die für morgen geplante Abreise denken. Den letzten Tag lassen wir mit einem Feuerchen am Strand gemütlich und in guter Stimmung ausklingen.

Evakuierung in Longyearbyen nach vier Monaten aufgehoben

Am 21. Februar diesen Jahres löste sich eine Lawine vom Berg Sukkertoppen in Longyearbyen. Zwei Wohnhäuser wurden damals stark beschädigt und 92 Haushalte evakuiert. Nach und nach konnten die meisten Bewohnerinnen und Bewohner ihre Häuser wieder beziehen. Zwei Häuser im Weg 226 blieben jedoch bis zum Wochenende weiter von der Evakuierung betroffen. Nun konnten auch sie endlich wieder bezogen werden.

Ob die Bewohnerinnen und Bewohner langfristig in ihren Häusern bleiben können, ist aber noch völlig unklar. Umfangreiche Sicherungsmaßnahmen, die die Häuser vor Lawinen schützen sollen, sind in Planung. Eventuell müssen aber auch mehrere Häuser in dem lawinengefährdeten Gebiet abgerissen werden. Ihr Zuhause im Weg 226 können die Menschen zunächst wohl nur im Sommer nutzen.

Stelle, an dem sich das Lawinenunglück ereignet hat

Lawinenunglück 21.02.2017

Quelle: Svalbardposten

Jan Mayen – Eldste Metten – Schmelckdalen – 19. Juni 2017

Jan Mayen – Eldste Metten – Schmelckdalen │ Zunächst vergeht für mich ein Tag damit, dass ich im Lager darauf aufpasse, dass kein Zelt wegfliegt; eine nicht ganz überflüssige Maßnahme, wie sich zeigt. In einer Wind- und Regenpause ergibt sich die Gelegenheit für einen kleinen, stillen Gang entlang der Kvalrossbukta. Unterdessen machen die anderen einen Besuch bei der norwegischen Station, wo sie freundlichst empfangen werden.

Am nächsten Tag machen die Beerenberg-Besteiger sich auf den langen Weg. In etwa 18 Stunden schaffen Matthias, Wolfgang und Magnus den Auf- und Abstieg. Herzlichen Glückwunsch! Nun hat die Aurora also insgesamt gut 60 Menschen nach Jan Mayen gebracht, die hier den Beerenberg bestiegen haben. Seit 2010 (Verschärfung der Gesetze mit Verbot, beim Beerenberg an Land zu gehen oder zu zelten) sind unsere diesjährigen Besteiger die dritte Gruppe, die es auf den Gipfel geschafft hat, neben den etwa jährlichen Besteigungen durch Angehörige der norwegischen Station.

Unterdessen können auch Vidar, der während des Schlechtwettertages als Skipper das Boot gehütet hat, und ich einen kleinen Stationsbesuch nachholen und die eine oder andere kleine Wanderung machen, bevor ich zu meiner zweiten, längeren Tour aufbreche. Dieses Mal zieht es mich in das Gebiet um die Eldste Metten, am Fuß des Beerenberg, auf der Südseite von Jan Mayen.

Während auf der Nordseite ein moosgrünes Hügelland aus Vulkankratern liegt, erstreckt sich hier, nur wenige Kilometer von der Nordlagune entfernt, eine felsig-sandige Lavawüste, äußerst karg, wie das Hochland von Island. Kaum etwas wächst und gedeiht hier. Dafür stürzt der faszinierend strukturierte Boden immer wieder in etwas unheimliche Sinklöcher ein, unter denen sich Lavahöhlen verbergen mögen.

Mich interessiert zunächst die schöne, schroffe Küstenlinie, in der dieser recht junge Lavastrom am Meer endet. Hier hat die immer heftige Brandung eine tolle Landschaft mit vielen kleinen Buchten und Vorsprüngen, Höhlen und Kaps geschaffen. Überall sitzen Lummen und Papageitaucher auf den Klippen, ein paar Eismöwen brüten auf Erhebungen.

Von der „Eldste Metten“ sind heute nur noch verstreute Überreste übrig. Für ihre erste Wetterstation hatten die Norweger sich seinerzeit aber auch ein äußerst ungemütliches Plätzchen ausgesucht! Immerhin bekamen sie von dort Funkkontakt nach Norwegen, das wäre damals von der Nordlagune aus nicht gegangen. Natürlich nehme ich mir eine Weile Zeit, um zu schauen, was alles herumliegt. Über bald ein Jahrhundert haben Wind und Sand viele interessante Strukturen und Oberflächen aus Glas und Holz geschaffen.

Zwischen Eldste Metten und der wuchtigen Halbinsel Eggøya liegt die Jamesonbukta, ein weiter, schwarzer Sandstrand, wo die Brandung wohl immer hoch geht. Auf dem Weg dahin entdecke ich eine kleine Plakette, die man zu Ehren der Walfang-Kapitäne William Scoresby (senior und junior) dort an einem Felsen versteckt hat. Die Scoresbys haben im frühen 19. Jahrhundert nicht nur Walen nachgestellt, sondern auch Forschung und Entdeckung betrieben, etwa in Ostgrönland und Jan Mayen. Als Scoresby Junior hier war, war die Eggøya noch eine Insel, daher ihr Name („Eierinsel“). Heute ist sie eine Halbinsel, mit breiter Anbindung an den Rest von Jan Mayen.

Auf der Eggøya gibt es ein oder zwei ruinöse Aussichtsposten aus dem Krieg und nach kurzer Zeit eine Menge Wind und Staub. Von diesem schlucke ich so einiges und mache mich baldigst aus demselben, bevor es noch ungemütlicher wird.

Mein nächstes Ziel ist das Schmelckdalen am Fuß des Beerenberg. Eigentlich ist es gar kein Tal, sondern ein Lavastrom, der auf den Hängen erstarrt ist. Weiter oben kommt er wohl aus einem Tal, das ist aber in den Wolken nicht mehr so recht zu erkennen.
In diesem Lavastrom soll es ein paar Lavahöhlen geben, und auf die bin ich neugierig. Diese Lavahöhlen entstehen, indem die äußere Haut der glutflüssigen Lava erstarrt, während das flüssige Innere sich weiter bewegt. Es kann passieren, dass der flüssige Inhalt aus der bereits erstarrten Röhre herausfließt, und wenn dann kein Nachschub kommt, bleibt eine Höhle zurück. Diese gibt es in einer großen Vielfalt verschiedener Formen und Größen.

Im Schmelckdalen gibt es gleich mehrere davon. Ein paar sind sehr klein, so dass man nur gebückt ein paar Meter hineingehen kann, wobei man sowohl oben als auch unten auf Felsen aufpassen muss. Andere sind groß genug, um aufrecht zu stehen. Faszinierende Fließstrukturen an Boden, Decken und Wänden! Teilweise erinnern die Oberflächen an scharfkantigere Tropfsteine. Es ist nicht einfach, diese fremdartige Welt ordentlich zu fotografieren, zumal Wind und Nebel die Linsen befeuchten. Und dazu das Gefühl, im Inneren des Beerenberg zu stehen! Allzu viel Zeit muss ich da nicht verbringen. Erdbeben sind hier selten, kommen aber vor. Gerade im Frühjahr haben sie eines gehabt, und dann muss man ja nicht gerade in so einer Höhle stehen. Faszinierend ist dieser Ausflug, aber Höhlenforscher werde ich, glaube ich, eher nicht.

Im mittleren Teil der Insel reicht der Nebel nun bis zum Boden, und so wird der Rückweg entlang der ohnehin nicht gerade spannenden Piste zu einer zähen Angelegenheit. The long and boring road, in leicht angepasster Anlehnung an die Beatles. So 12-13 Kilometer mögen es noch sein, die ich vom Schmelckdalen fast ohne anzuhalten bis in die Kvalrossbukta zurücklege, sehr zur Freude meiner Füße, die noch ein paar Tage mit ein paar kleinen Souvenirs von dieser Latscherei beschäftigt sein werden. Aber die Erinnerungen und Eindrücke, die halten viel, viel länger und sind jeden der vielen Schritte wert!

Galerie – Jan Mayen – Eldste Metten, Schmelckdalen – 19. Juni 2017

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Jan Mayen – Nordlagune – 16. Juni 2017

Am nächsten Tag hält es keinen im Camp. Die erste Erkundungstour führt uns nach Norden, entlang der „Straße“ zur Nordlagune, in deren Umgebung sich einige interessante Orte versammeln. Jeder schlägt sein Tempo an und kann seiner eigenen Nase folgen. Es hat seine Vorteile, dass es auf Jan Mayen seit über 25 Jahren keine Eisbären mehr gibt!

Eines meiner ersten Ziele ist die Maria Muschbukta. Dort haben die Österreicher 1882 ihre Station für das Erste Internationale Polarjahr gebaut, diese geniale Idee von Karl Weyprecht, der ihre Umsetzung aber leider nicht mehr erlebte. Sonst wäre er sicher der Leiter dieser Station gewesen. Erfolgreich waren sie trotzdem, die Österreicher, haben fleißig geforscht und insgesamt gut gelebt. Nur ein Matrose ist während des Ausladens an Tuberkulose gestorben, sein Grab liegt hinter der Station auf einem Hügel.
Leider ist von der Station nicht mehr viel übrig, im 20. Jahrhundert hat man sich freigiebig an den Baumaterialien bedient. Aber man sieht noch, wo sie gestanden hat, vor allem natürlich, wenn man die alten Bilder kennt.

Irgendwie war früher nie so richtig Zeit hier, und das Wetter war auch immer schlecht, wenn ich hier war. Schön, dass beides jetzt anders ist!

Von der Maria Muschbukta führt das kurze Wilczekdalen zur Nordlagune. Über das kleine Tälchen gibt es in dem alten österreichischen Bericht auch nette Geschichten (übrigens ist in dem Buch „Arktische Weihnachten“, das zum Herbst hin erscheinen soll, ein Kapitel dieser österreichischen Überwinterung auf Jan Mayen gewidmet).

Die Nordlagune ist durch einen breiten Wall vom Meer getrennt. Ein schönes Stück Landschaft! Auf diesem Strandwall gibt es noch ein paar alte Hütten: Reste von Trapperhütten und von den diversen norwegischen und amerikanischen Stationen, die es im zweiten Weltkrieg hier so gab.

Oberhalb davon steht Gamle Metten malerisch auf einem moosgrünen Plateau. Die „alte Wetterstation“ war nach dem Krieg für eine Weile in Gebrauch. Für Jan Mayen Veteranen steht diese Zeit für die besten Jahre auf Jan Mayen überhaupt; die Station war gut gebaut und schön gelegen, zwischen Meer, Nordlagune und Beerenberg. Dennoch konnten die Stürme sehr heftig sein: Ein schlichtes Denkmal steht nur 35 Meter vom Wohnhaus entfernt. Es zeigt, wohin eine Böe einst den Stationsschef Aksel Liberg gepustet hatte. Gegen den Wind schaffte er es nicht mehr zurück zum Haus. 35 Meter nur! Zwei Tage später wurde er steifgefroren dort gefunden, wo nun das kleine Denkmal steht.

Galerie – Jan Mayen – Nordlagune – 16. Juni 2017

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Gottseidank ist das Wetter heute bei weitem angenehmer, so dass ich mir in Ruhe alles anschauen und die schöne Umgebung genießen kann, bevor ich mich auf den langen Rückweg mache. Dabei stoße ich im Jøssingdalen überraschend auf einen Singschwan. Damit hätte ich hier wirklich nicht gerechnet! Singschwäne sind unter anderem in Island beheimatet, auf Jan Mayen gibt es mehr oder weniger jährliche Sichtungen. Hoffen wir, dass dieser einsame Schwan es wieder zu seinen Artgenossen schafft.

Jan Mayen – Kvalrossbukta – 15. Juni 2017

Aber vor Jan Mayen hat die Natur die Überfahrt gesetzt. Etwa 460 Meilen sind es von Isafjördur bis in die Kvalrossbukta, und so ein Segelboot ist ja nun auch kein Rennboot. Mit drei Tagen auf See ist zu rechnen, und genau die werden es auch. Drei Tage in einem 60 Fuß Boot auf hoher See sind nicht jedermanns Sache, Seefestigkeit und Geduld werden dabei geprobt und geübt, gelegentlich unterbrochen von ein paar Delfinen und dem einen oder anderen Wal. Der konstante Gegenwind ist nicht allzu stark, trägt aber trotzdem nicht zur Geschwindigkeit oder zum Wohnkomfort an Bord bei.

Am dritten Tage erstehen sie dann ja alle wieder von den Toten, wie es heißt – so auch hier, als Jan Mayen vor uns auftaucht. Zunächst nur ein Schatten in den Wolkenbänken. Dann werden aus dem Schatten Hänge, und schließlich liegt die Kvalrossbukta vor uns, das Ziel unserer aktuellen Träume. Oder, genau genommen, deren Ausgangspunkt.
Bald sind Mensch und Material an Land gebracht und Zelte aufgebaut – wie gesagt, hier ist solide Architektur gefragt, und so einige Lavabrocken und Treibholzstämme werden dabei bewegt.

Galerie – Jan Mayen – Kvalrossbukta – 15. Juni 2017

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Der Zufall will, dass wir zunächst nicht allein sind: das Versorgungsschiff für die Station liegt am erstaunlich ruhigen Ufer, und Palette für Palette werden Verpflegung und Material für Monate ausgeladen. Gegen Abend verschwindet das Schiff aber, und es kehrt Ruhe in unser kleines Lager ein.

Island-Jan Mayen – 12. Juni 2017

Nach den arktischen Inseln im Nordatlantik, Lofoten-Bäreninsel-Spitzbergen, kommt nun eine weitere arktische Insel im Nordatlantik, nämlich Jan Mayen, das kleine, wilde Vulkaninselchen nordöstlich von Island. Mehrere Jahre lang ist Jan Mayen nun ein Höhepunkt meiner arktischen Sommer gewesen: wild, rau und schön, abgelegen und mit so vielem, was sich erwandern und entdecken lässt.

Aber auch anstrengend und fordernd. Keine Unterbringung auf einem gemütlichen Schiff, sondern ein schlichtes Basislager: Zelte im Sand, der bei Wind gegen die Wand peitscht; Zentner von Steinen lagern auf den tief eingegrabenen Verankerungen, die den luftigen Bau bei starkem Wind vor dem Wegfliegen bewahren sollen.

Mein kleines, hochwertiges Zelt eines guten schwedischen Herstellers habe ich mit einem doppelten Gestänge ausgerüstet, für alle Fälle. Jan Mayen kann im Zelt schon ziemlich anstrengend sein, ohne Zelt wird es nicht besser.

Galerie – Island-Jan Mayen – 12. Juni 2017

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Die Fahrt nach Jan Mayen beginnt mit der Anreise nach Isafjördur inmitten der schönen Westfjorde im Nordwesten von Island. Bei dem schönen Wetter am Anreisetag nutze ich die verbleibenden Stunden noch für eine kleine Tour in der Umgebung von Isafjördur, bevor sich alle an Bord der SY Aurora einfinden.

Ich freue mich über bekannte Gesichter: Skipper Vidar war letztes Jahr als Steuermann dabei, Gletschermann Magnus „Maggi“ hat nach seiner letztjährigen Beerenberg-Besteigung auch noch nicht genug. Dazu kommen Steuerfrau Sandrine und die sechsköpfige Gruppe, wobei es der Zufall will, dass dieses Mal alle aus Deutschland kommen.

Unterwegs nach Jan Mayen

Los geht es nach Jan Mayen! Nach der Bäreninsel-Fahrt und ein paar Tagen Aufwärmpause in vergleichsweise südlichen Breiten („Elbedalen“ statt Adventdalen) ist das nächste Ziel nun die wilde Vulkaninsel im Nordatlantik. Zunächst geht es nach Island und dann etwa drei Tage lang mit der SY Aurora nach Nordosten, nach Jan Mayen.

Drückt uns die Daumen für gutes Wetter!

Das nächste Ziel: die Vulkaninsel Jan Mayen

Jan Mayen

Eisbären hatten Schrot im Körper

Bei der Obduktion zweier Eisbären wurde Schrot im Fettgewebe gefunden, der auf frühere Schüsse auf die Tiere hinweist. Eines der beiden, ein Weibchen mit einem Jungtier, wurde im Juni 2016 am Austfjordnes erschossen. Nur zwei Monate später erschoss ein russischer Forscher ein weiteres Weibchen auf dem Prins Karls Forland.

Eisbärin und Junges – wie viele haben noch Schrot im Körper?

Eisbärin mit Jungem

Der Schrot war bei beiden Tieren stark im Fett und Fleisch der Bären eingekapselt, was bedeutet, dass beide Eisbären ihn längere Zeit im Körper getragen haben müssen. Er wurde außerdem an mehreren Stellen im Körper gefunden. Knut Fossum, Naturschutzbeauftragter des Sysselmannen, geht davon aus, dass die Schüsse aus relativ kurzer Distanz abgefeuert wurden. Vermutlich wollte jemand die Eisbären mit der Schrotflinte verjagen und hat sie dabei getroffen. Schwere Verletzungen bei großen Tieren durch Schrot sind eher unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen, etwa wenn Gelenke oder Augen getroffen werden. Tierärzte verweisen auf den Fall eines Rentiers, das nach einem Treffer mit einem Luftgewehr starb. In jedem Fall kann Schrot zu Schmerz und Infektionen führen.

Eisbären sind auf Spitzbergen streng geschützt, sie zu verletzen oder zu töten steht unter Strafe. Der Einsatz von Schrotflinten zur Abschreckung von Eisbären ist sowohl ungeeignet als auch verboten. Auch wenn Schüsse nur zur Abschreckung abgegeben werden, muss dem Sysselmannen Meldung gemacht werden.

Wie lange die Eisbären die Schrotkörner schon in sich trugen und ob sie dabei Schmerzen hatten, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.

Quelle: Svalbardposten

Überschwemmung im Saatgutlager erregt internationale Aufmerksamkeit – ein halbes Jahr danach!

Das Thema Fake-News macht nun auch vor Spitzbergen nicht halt. Mehrere Wochen lang berichteten internationale Medien über eine Leckage im Samenlager Global Seed Vault, in dem Saatgut aller Länder über tausende von Jahren gelagert werden soll, wozu es letztlich zu nichts weniger beitragen soll als zum Überleben der Menschheit. (>hier geht’s zu früheren Meldungen über das Global Seed Vault).

Global Seed Vault – Saatgut für Generationen?

Global Seed Vault

Wahr ist: Die Leckage hat es tatsächlich gegeben – allerdings schon im Oktober 2016! In einem Artikel im Dagbladet wird die Leckage noch mit korrektem Datum erwähnt. Doch ein unaufmerksamer Journalist der Onlineausgabe des britischen „The Guardian“ machte daraus am 19. Mai eine aktuelle Meldung. Die Rede war von hohen Temperaturen in Verbindung mit wochenlangem Regenwetter, das schließlich zu einem Wassereinbruch im Eingangsbereich des Samenlagers geführt habe. Alles korrekt, nur eben schon über ein halbes Jahr her.

Eine Nachricht, aber keine Neuigkeit

Die großen Medienhäuser Reuters und Vox sprangen auf den Zug auf, offenbar, ohne die Quelle genauer zu überprüfen. Dabei hätte ein Anruf bei Hege Njaa Aschim genügt, um das Missverständnis aufzuklären. Aschim ist Pressesprecherin von Statsbygg, die das Global Seed Vault in staatlichem Auftrag verwalten und instand halten. Zahlreiche andere Zeitungen, Radio- und Fernsehsender wollten es aber genauer wissen: Hunderte Presseanfragen erreichten Aschim in einer Woche! So konnte sie immerhin korrigieren, dass es sich zwar um eine richtige Nachricht, keinesfalls jedoch um eine Neuigkeit handelte.

Trügerische Sicherheit?

Die Tatsache, dass das eigentlich für die Ewigkeit konstruierte Samenlager nach nicht mal zehn Jahren bereits repariert werden muss, ist dabei fast ein wenig in den Hintergrund gerückt. Das eigentliche Lager, in dem inzwischen fast eine Million Saatgutpäckchen aus 73 Instituten und Genbanken liegen, war von dem Wassereinbruch zum Glück nicht betroffen. Ein Transformator wurde jedoch zerstört und die Feuerwehr musste den Tunnnel freipumpen, der 100 Meter tief bis zum eigentlichen Lager führt.

Tief im Permafrost verankert wähnte man das Samenlager sicher vor Überschwemmungen. Nun sollen Untersuchungen klären, wie das Lager in Zukunft gegen von Wärmeperioden ausgelöste Unwetter gesichert werden kann. 37 Millionen Kronen (rund 3,8 Millionen Euro) werden dafür zur Verfügung gestellt.

Quelle: Dagens Næringsliv

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News-Auflistung generiert am 15. Dezember 2018 um 20:51:55 Uhr (GMT+1)
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